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Nr. 2.
Donnerstag, 3. Januar 1935.
83. Jahrgang.
Laval fährt heute nach Rom.
überraschende Wendung in den französisch-italienischen Verhandlungen. Das Minimalprogramm. — Noch keine endgültige Einigungsformel.
Die Stützung der Lira.
as. Berlin, 3. Ian. (DrachGericht unserer Berliner Abieilung.) Das neue Jahr scheint Überraschungen zu lieben. Nachdem in Len letzten Tagen stets gemeldet movden war, datz die französisch-italienischen Verhandlungen nicht schlecht stünden, hörten wir gestern morgen plötzlich, Latz sie vollkommen festgefahren seien. Am späten Nachmittag wurde dann die Welt mit der Mitteilung überrascht, Latz Laval nunmehr doch am heutigen Abend nach Rom fahren werde. Diese Entscheidung ist nicht im französischen Ministerrat ^getroffen worden, sondern sie wurde herbeigeführt in Telephongesprächen, die das französische Auswärtige Amt führte und in einer Unterredung, die Laval Kestern noch mit dem italienischen Botschafter hatte. Die Wendung dürfte nicht zuletzt auch darauf zurückzuführen sein, datz sich die englische Regierung stark für eine persönliche Aussprache zwischen Mussolini und Laval eingesetzt hat und hierfür erneut ihre Vermittlung anbot. Dann aber scheint man auch in Rom den Wunsch gehabt zu haben, dem Hin und Her ein Ende zu machen. So betont die amtliche ftanzösische Meldung ausdrücklich, datz Laval auf E inladung der i ta li e nis che n Regierung fährt. Es ist nicht minder charakteristisch, datz die römische Börse sehr kräftig auf die Ankündigung des Lavalbesuches reagiert hat,' denn sie erhofft sich ein Finanzabkommen zur Stützung der Lira, eine Möglichkeit, die von amtlicher italienischer Seite nicht mehr bestritten wind.
Man.wird in Rom Herrn L a v a l m i t g r o ß e m Pomp empfangen, ist er doch, der erste französische Außenminister, der dem faschistischen Regierungschef einen Besuch abstattet. Im übrigen plant Laval auch einen Besuch im Vatikan und auch hier ist er der erste französische Minister, der diesen Weg findet seit der Trennung von Kirche und Staat in Frankreich, also seit 1870. Ob die Erfolge des römischen Besuches der sehr glanzvollen Aufmachung entsprechen werden, ist eine zweite Frage. Laval fährt jedenfalls nicht nach Rom, um bereits vorgearbeitete Vertragstexte mit Mussolini zu unterzeichnen, sondern vielmehr, wie aus den amtlichen italienischen Darstellungen hervorgeht, „um die seit langem zwischen den Kanzleien schwebenden Verhandlungen zum Abschluß zu bringen", d. h., um in gemei n s a m e r Arbeit mit Mussolini die abschließende Verständigung e r st noch zu suchen. Dies« soll, so weit man das im Augenblick übersehen kann, in zwei Vertragsgruppen zusammengefaßt werden. Die eine Gruppe von Abmachungen würde sich auf die Kolonial- fragen beziehen, die Staatsangehörigkeit der
Italiener in Tunis, Erenzberichtigungen im Süd- weften von Lybien und Zugeständnissen im Somaligebiet. £ie_ zweite Gruppe würde Österreich und, wie französische Blätter sagen, ,chie Organisation der Sicherheit in Mitteleuropa" betreffen. Hier kann man aus einer Mitteilung der Österreicher schließen, datz es sich in erster Linie um einen Nichteinmischungsvertrag handeln würde. Die Unterzeichner dieses Vertrages würden sich gegenseitig verpflichten, sich nicht in die Politik eines anderen Staates einzumischen und Umsturzbswogungen nicht zu unterstützen. Auch D e u t s ch l a n d soll aufge fordert werden, diesem Vertrag bei zu treten, ebenso Rumänien, gegen dessen Teilnahme sich Italien zunächst wandte, und schließlich auch Polen. Nach den Mitteilungen der österreichischen Regierung handelt es sich aber nicht nm Grenzgarantien, und es will scheinen, als ob die französischen Donaupläne und damit natürlich auch der Kampf gegen die Revision zunächst überhaupt nicht zur Debatte gestellt ist. Man wird sich mit einem Minimal- programm begnügen. In der Frage der Erenz- garantien wird es auch wohl unmöglich sein, eine Formel zu finden, die sowohl der Kleinen Entente wie auch Ungarn annehmbar scheinen könnte. Es heißt, als ob man sich das auch in Paris und Rom einge- -steht und deshalb diese Fragen zunächst einmal zurück- 'stellen will. Wir unsererseits werden abwarten, was in Rom herauskommt, d. h.. welche Vereinbarungen unterzeichnet werden, und wir werhen dann abwarten müssen, welche Bedeutung diese Vereinbarungen für die Praxis gewinnen werden. Wir können das mit Ruhe tun, weil, wie Mussolini wiederholt bestätigt hat, zur Lösung der Südostfrage die Mitarbeit Deutschlands unbedingt nötig ist.
Der französische Besuch in London.
Erklärung des englischen Auswärtigen Amtes.
London, 3. Jan. Das Auswärtige Amt teilt mit: Bei seiner Besprechung mit FI and in und Laval über die europäische Lage gab Staatssekretär Sir John Simon in Paris am 22. Dezember der Hoffnung Ausdruck, datz die Besprechungen in London in nächster Zeit wieder ausgenommen würden. Während seines Aufenthaltes in Südfrankreich hielt sich Simon in enger Verbindung mit den Erörterungen zwischen der französischen und der italienischen Regierung, deren -Ergebnis die Reffe Lavals nach Rom am 3. Januar ist. Man hatte gehofft, datz der Besuch der französischen Minister in London unmittelbar nach dieser Reise stattfinden könnte. Wegen des Mangels an Zeit wurde es jedoch für notwendig befunden, den Besuch zu verschieben, der sobald wie möglich nach dem Zusammentritt des Völkerbundes am 11. Januar erfolgen wird.
Der Dank des Führers
für die Neujahrsglückwünsche.
Berlin, 3. Jan. (Gig. Drahtmeldung.) Dem Führer und Reichskanzler sind zum Jahreswechsel aus allen Teilen des Reiches besonders auch aus dem Saargebiet, eine Fülle von brieflichen und telegraphischen Glückwünschen aus allen Bevölkerungskreifen zugegangen. Auch zahlreiche Deutsche im Auslande haben ihre treue Anhänglichkeit an die alte Heimat durch Grütze und Glückwünsche zum Ausdruck gebracht. Da es dem Führer und Reichskanzler bei der großen Zahl dieser Kundgebungen und seiner starken dienstlichen Inanspruchnahme nicht möglich ist, die Glückwünsche einzeln zu beantworten, läßt er auf diesem Wege allen, die feiner in Treue gedacht haben, seinen herzlichsten Dank übermitteln.
Deutschlands Straßennetz in einer Hand.
Berlin, 3. Jan. (Eigene Drahtmeldung.) Der Sachbearbeiter des Generalinspektors für das deutsche Stratzen- wesen, Oberregierungsbaurat Günther Schulze-Berlin, macht über die Neuregelung des Stratzenwesens in Deutschland wichtige Mitteilungen in dem amtlichen Organ des Deutschen Eemeindetages. Im Interesse einer Einheitlichkeit im gesamten deutschen Straßenwesen und um eine möglichst wirtschaftliche und sparsame Verwaltung zu erzielen, werde ohne Zweifel über kürz oder lang das gesamte Straßennetz in eine Hand gelegt werden, damit nicht im gleichen Raume gleichzeitig zwei Stratzenbau- verwaltungen tätig werden. Der zu erstrebende Jdealzu- ftanb_ werde fern, daß die Länder und Provinzen für die Landstragen erster Ordnung eigene Straßenbauverwaltungen .besitzen, die daneben die Unterhaltung und Verwaltung der Reichsstraßen auftragsweise für das' Reich, die der Land- stratzen zweiter Ordnung auftragsweise für die Kreise aus
üben. Die Neueinteilung der Straßen sei zur Zeit im Gange. Nach Ausscheidung der dem Gesetz nicht unterliegenden, Straßen, würden int Reichsdurchschnitt gemessen, voraussichtlich etwa 20 v. H. der verbleibenden Straßen zu Reichsstraßen, die übrigen etwa je zur Hälfte zu Landstraßen erster und zweiter Ordnung erklärt werden. Nach Abschlutz der Neueinteilung, die beschleunigt durchgeführt werden würde, werde alsdann restlose Klarheit über die zukünftige Verteilung der Stratzenbaulast bestehen.
Gegen den Status quo.
Erklärungen sämtlicher Dechanten des Saargebiets und der Führerschaft der katholischen Saarjugend.
Saarbrücken, 3. Ian. In der „Saarbrücker Landeszeitung" findet sich eine Erklärung sämtlicher Dechanten des Saaraebietes. Sie wendet sich mit entschiedenen und klaren Worten gegen die von den Status- guolern ausgesprengte Behauptung, ein großer Teil, ja sogar 80 bis 90 v. H. der Geistlichen stünden hinter der „Neuen Saarpost" und dem Volksbund und würden somit am 13. Januar für die Beibehaltung des gegenwärtigen Zustandes im Saargebiet stimmen. Dies entspreche durchaus nicht den Tatsachen. Gemäß dem Erlaß der Bischöfe von Trier und Speyer vom 12. November 1934 werde von den Geistlichen die Liebe und Treue zu unserem deutschen Volke und Vaterland als sittliche Tugend betrachtet. Darnach werden sie pflichtgemäß handeln.
Ferner wird eine Erklärung der Führerschaft der katholischen Saarjugend veröffentlicht, in der u. a. festgestellt wird, daß die Führung der katholischen Jugendverbände weder mit dem deutschen Volksbund noch mit der „Neuen Saarpost" • irgend welche Beziehungen unterhalten habe. Das gleiche habe sie auch den örtlichen Vereinsleitungen zur Pflicht gemacht. In der Führung der katholischen Zugendverbände im Saargebiet sei der Wille z u r R ü ck - kehr zum Vaterlande der gleiche geblieben.
Das Friedensjahr.
Noch ehe der erste Werktag des neuen Jahres an- hub, hat durch die Rede des Führers und Reichskanzlers beim Empfang des Diplomatischen Korps sowie auch durch den Aufruf d e s F ü h r e r s an die Partei das neue Jahr gewissermassen Weihe und Richtung erhalten Noch einmal ist in feierlichster tirornt vor den Vertretern der Welt durch den Führer und Reichskanzler Deutschlands unverrückbare Friedensbereitschaft dargetan worden. Die Reden, die bei solchen Empfängen ausgetauscht werden, sind keine Improvisationen, sie bilden vielmehr das Ergebnis sorgfältiger Vorbereitungen und Vereinbarungen. Es ist darum wohl, überlegt und klar gewollt, wenn der Führer, an- knüpfend an die Ansprache des Doyens des Diplomatischen Korps, Nuntius Cesare Ovsenigo, hervorhob, datz der heiße Wunsch der Menschheit nach Erhaltung des friedens und die Erkenntnis, datz ohne die Gewiß- heit des Friedens auf keinem Gebiete menschlicher Tätigkeit ein gedeihlicher Fortschritt zu erhoffen ist, der Ausfassung des ganzen deutschen Volkes entsprechen. Der Führer ging aber über dieses Bekenntnis hinaus und fügte ihm die Begründung an, daß kein Land das Bedürfnis nach Frieden tiefer empfinden könne als Deutschland, das nach schweren Jahren voller Not und Leid alle Ktäfte für seinen inneren Wiederaufbau zusammengefatzt hat und das diesen Ausbau in Ruhe vollziehen will. Dabei spricht der Führer aber erneut die Selbstverständlichkeit ans, die endlich als solche Gemeingut aller Völker und ihrer Führungen werden sollte, datz Deutschland für seine Lebensrechte von den anderen Ländern nur die gleiche Anerkennung und Achtung fordert, die es ihnen selbst entgegenbringt. Der Führer hat zum Schluß diesen Gedanken noch einmal dahin umschrieben, daß das deutsche Volk und seine Regierung entschlossen sind, an einer Gestaltung der Völkerbeziehungen mitzuwirken, die ein ehrliches Zusammenarbeiten auf der Grundlage der Gleichberechtigung aller sichevstellt und dadurch allein das Wohl und den Fortschritt der Menschheit gewährleistet. Er hat dieses Ziel erhaben genannt und die Hoffnung ausgedrückt, daß das neue Jahr uns ihm näher bringen möge. Vorher aber enthielt - die Ansprache noch den Satz, den man wohl als ihren Kernpunkt ansprechen mit seiner Politik, die unverrückbar auf diesen Grundsätzen beruht, wird Deutschland stets ein sicherer Garant des Friedens sein.
Das Wort, sie sollen lassen stahn! Das Deutschland Adolf Hitlers wird stets ein sicherer Garant des Friedens sein — man müßte dieses Wort feierlich eingerahmt in allen Verhandlungszimmern aufhängen, wo immer Staatsmänner über Wege zum Frieden beraten. Seine Begründung ist so sinnfällig und sonnenklar, daß schon mehr Bosheit als Unverstand dazu gehört, sie nicht begreifen zu wollen. Diese Begründung ist auch in dem Aufruf des Führers an die Partei enthalten. Wenn hier der Führer sagt, daß das Jahr 1935 uns alle erfüllt sehen soll von einem verstärkten Eifer des Kampfes und der Arbeit für unser Volk und hinzufügt, diesem Volke nichts besseres zu wünschen, als ein Leben in Ehre und Frieden — so kehren hier Ziel und Begründung auch in einer Kundgebung wieder, die innerdeutsche Begrenzung hat.
1935 muß auch ein Jahr innerdeutschen Friedens werden. So Gewaltiges schon erreicht ist, so harren doch noch große Aufgaben der Lösung. Auch in dem Aufruf des Führers an die Partei wird betont, daß die große reformatorische Arbeit an Volk und Reich weitergeführt werden wird, und daß der Kamps gegen Arbeitslosigkeit und soziale Not seine Fortsetzung finden soll.
Die Aufgaben wachsen ja im gleichen Grötzenver- hältnis wie ihre Lösungen. Es ist mit Recht gesagt worden, datz es schwieriger ffk, die vierte Million deutscher Volksgenossen wieder in den Erzeugungs- prozeß einzuführen als die erste. Gerade darum aber müssen wir uns daran erinnern, datz die bisherigen Leistungen nur möglich waren, weil das deutsche Wiederaufbauwerk in seiner Entschlußkraft getragen wurde von einem völligen Einklang zwischen Vol^k und Führung. Der innere Friede, das geschloffene Zueinanderstehen, ist es, was wir zur Bewältigung der neuen Aufgaben brauchen. Das klang auch aus der Silvesterrede des Reichspropaganda- ministers Dr. Goebbels hervor. Gerade der Reichs- propagandaminister hat auch offen über die großen Schwierigkeiten gesprochen, denen wir gegenüberstanden und noch gegenüberstehen. Der Mangel an Devisen und Rohstoffen macht sich vielfach unangenehm bemerkbar, aber Dr. Goebbels hat Recht, wenn er der Hoffnung Ausdruck gab, daß auch hier es deutscher Tüchtigkeit und deutschem Erfindergeist ohne Zweifel gelingen wird, in abseharer Zeit Mittel und Wege zu finden, nm uns entweder ben Zugang zu ausländischen
