L. Schellenberg'sche Hofbuchdrucker
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Mittwoch, 2. Januar 1935.
83. Jahrgang.
Der Jahreswechsel in der Reichshauptstadt
Der Führer und Reichskanzler beim Diplomaten-Empfang.
Der Führer und Reichskanzler bei seiner Neujahrsansprache an die Vertreter der ausländischen Mächte im Reichspräsidentcnpalais. Rechts vom Führer Reichsaugenminister Frhr. v. Neurath und Staatssekretär Dr. Meißner.
Flandin und Laval am 8. und 9. Januar in London.
Paris, 1. Jan. Der „Petit Parifien" kündigt als sicher an, daß sich MvrißÄkprüWMt.-F l «n M « und Außenminister Laval für den 8. und 9. Januar nach London begeben, um vor der Saarabstimmung mit der englischen Regierung Fühlung zunehmen.
Recht in Anspruch nimmt, notfalls Truppen in Österreich e i n r ücke n zu la |i| e n, wogegen sich Siidslawien mit aller E n e r g i e gewehrt haben soll. Wir möchten dabei die Frage offen lassen, ob nicht auch die von den französischen Blättern immer wieder erhobene Forderung, M u f s o l i n i solle allen Revisionsgedanken a b s ch w ö r e n, eine Rolle gespielt hat. Die Geswmt- lage ist im Augenblick nicht gerade sehr durchsichtig, und so beginnt denn auch wieder das große Rätselraten u m den B e s u ch s t e r m i n, wobei man auch über den Termin des Besuches Flandins und Lavals in London herumorakelt. In diesem Zusammenhang sei noch auf eine Pariser Meldung des DRB. verwiesen, in der ebenfalls festgestellt wird, daß die Verhandlungen zwischen Paris und Rom so gut wie gescheitert seien und in der es dann weiter heißt, daß Frankreich sich wieder mehr nach England und über England nach Deutschland hin orientieren könnte. Obwohl für diese Annahme keine positiven Unterlagen erkennbar sind, so verdient die Meldung doch registriert zu werden.
Auftakt.
Das neue Jahr und ein neuer Abschnitt in der politischen Entwicklung haben begonnen und mit ihnen nad) der Ruhe der Festtage die praktische Arbeit an der Verwirklichung einer glücklicheren Zukunft. Wohl selten war an einer Jahreswende ein so jäher Übergang von tiefstem Pessimismus * zu allgemeiner Hoff- nungsfreudigkeit zu verzeichnen. In allen Äußerungen leitender Staatsmänner spiegelt sich der übereinstimmende Entschluß wieder, die bevorstehenden wichtigen Verhandlungen in einem Geiste zu führen, der die letzten Reste der Kriegspsychose beseitigt und die Grundlage eines neuen Europas werden kann. Solche Bereitschaft zur Versöhnlichkeit war zwar theoretisch immer vorhanden, aber es ist doch nicht zu verkennen, daß jetzt ein neuer, gläubigerer Ton mitschwingt, der verrät, daß inan an eine Besserung glaubt, weil man sie wirklich will.
Die Ereignisse, die wir im ersten Monat des Jahres zu erwarten haben, werden schon eine Art Generalprobe für diesen neuen Millen und Glauben sein. Die diplomatischen Vorbesprechungen zwischen Paris und Rom, die um die Jahreswende der geplanten Rom- reife des französischen Außenministers Laval den Weg ebnen sollten, sind zwar noch keineswegs zum Abschluß gebracht worden. Eine osfizielle Antwort der italienischen Regierung auf den ihr überreichten Entwurf eines mitteleuropäischen Paktsystems ist noch nicht eingetroffen. Die letzten französischen Vorschläge, für die sich die Pariser Diplomatie der Patronanz Englands vergewissert hatte, bedeuteten zweifellos einen Druck auf Mussolini. In der Form war man Italien sehr stark entgegengekommen, in der Sache selber würde Frankreich ein«n Erfolg seiner Politik zu verbuchen haben. Eine Beurteilung dieses komplizierten diplomatischen Instrumentes. vom deutschen Standpunkte aus muß man sich vorläufig versagen, bis man seine genaue Gestalt kennt, aus der erst die politische Tragweite zu erkennen sein wird. Wenn es richtig ist, daß der geplante Pakt, der auf der einen Seite die Grenznachbarn Österreichs, auf der andern Seite aber auch neben Frankreich und England Rumänien als Mitgliedsstaat der Kleinen Entente umfassen soll, auf einer neuen Anerkennung der österreichischen Unabhängigkeit basiert sein wird, so kann man diese Grundlage nicht gerade als sehr glücklich bezeichnen. Sie würde einen der zweifelhaftesten Artikel des Versailler Vertrages, jenen, der Österreich das Recht seiner nationalen Selbstbestimmung nimmt und der eine absichtliche Fesselung . der staatlichen Entwicklung des deutschen Volkstums bedeutet, ganz unnötig in den Vordergrund der diplomatischen Auflockerung stellen und diese unnötig erschweren. Da außerdem nach dem Versailler Vertrag das Anschlußverbot durch den Völkerbundsrat aufgehoben werden kann, so wäre die Frage zu stellen, ob
Rätselraten um Besuchstermine.
6. Berlin, 2. Jan. (Drahtbericht unserer Berliner Lung.) Um die Jahreswende pflegt es in der Politik, sieht man von den Ansprachen ab, die rn offiziellen Empfängen ausgetauscht werden, recht still zu sein. Eine Ausnahme hat diesmal |i s gemacht, denn dort hat man sich sehr eifrig be- s, die Bahn für den Besuch Lavals in Rom frei zu fn. So ist im f r a n z ö s i s ch e n Au s w ä r t i g e n t in der Silvesternacht intensiv geartet worden und bis in die ersten Stunden des m Jahres hinein hat man immer wieder mit telephoniert. Man war umsomehr be- ht, Klarheit zu schaffen, als bekanntlich der für h einberufene Ministerrat sich mit dem französisch- ienischen Berhältnis befassen soll. So weit sich die lge übersehen lassen, hat man aber trotz der eifrigen eit keine Fortschritte erzielen können. Es vielmehr ein R ü ck s ch l a g festzustellen und einige ■ ldungen sprechen sogar davon, daß sich die fmnzösisch - italienischen Verhandlnn- g<n tot gelaufen hätten. In London ist man dirch diese Wendung ziemlich überrascht worden, !>h,Lort, wie der „Daily Telegraph" wissen will, schon französisch-italienische Vertragstext vorgelegen ben soll. Ganz offenbar ist es aber nicht gelungen, : italienische Orientierung der französischen Politik t der Unterstützung der Kleinen Entente zu ver- nigen. Ein amerikanisches Nachrichtenbüro spricht von, daß der wunde Punkt die Forderung t a l i e n s gewesen sei, daß es für sich allein das
ie $erl|Qiiöliiii!]en PM-Rm ergebnislos?
Heute Ministerrat in Paris. — Eine arbeitsreiche Silvesternacht im französischen Außenministerium.
und der Liebe des deutschen Volkes. Die Wehrmacht könne nur gedeihen in engster Volksverbundenheit.
Der Reichswehrminister schloß seine Elückwunsch- ansprache mit folgenden Worten: Mein Führer! Die Tatsachen, die ich aus dem angefüllten Fluß der Ereignisse hervorhob, sind untrennbar mit Ihrem Tun, Ihrer Kraft, Ihrem Soldatentum verbunden. Der greise Feldmarschall zog nach Walhall. Sie wurden unser Oberbefehlshaber. Wir sind stolz daraus, aber ebenso bewegen uns die Gefühle der Liebe, des Vertrauens und innigster Kameradschaft. Wir bieten sie Ihnen als Dank dar und fügen die heilige Versicherung hinzu, daß so wie für Sie auch für uns nur ein Wahlspruch gilt: Alles für Deutschland!
Ovationen für den Führer.
as. Berlin, 2. Jan. (Drahtbericht unserer Berliner Db- nlung.) Die Sachverständigen sind sich einig darüber, daß och kein Jahreswechsel auf den Berliner Straßen so ruhig erlief und der Polizei so wenig Arbeit brachte, wie der mhreswechsel 1934/35. Grund dafür war u. a. der strömende legen, der in der Silvesternacht über Berlin niederging. tasür machten die Lokale ein glänzendes Geschäft. Trotz es sehr schlechten Wetters hatten sich Tausende vor er Reichskanzlei versammelt, um im Angesicht ek Führers das neue Jahr zu begrüßen. Gegen 12% Uhr Uit der Führer dann auch an das Fenster und dankte der Mngs. Am Reujahrstage selbst war die Wilhelmstraße 'w'derum der Hauptanziehungspunkt. Eine große Men- ischimenge hat sich eingefunden, um den Aufmarsch der sElenkompagnie und die Auffahrt der Diplo- snten zu dem Neujahrsempfang, der in d Hl früheren Reichspräsidentenpalais ent- spichend der alten Tradition stattfand, zu sehen und auch un Zeuge des Vorbeimarsches der Berliner E lr e n st ü r m e der SA. vor dem Führer zu sein. Während diefs Vorbeimarsches, den der Führer in einem Auto stelnd abnahm, wollte der Jubel der Menge kein Enj- nehmen. Nachdem der Kanzler wieder in seinen Ar- beisraum zurückgekehrt war, setzten sich vor der Reichskanzlei die Kundgebungen der Zuschauer fort. Insbesondere wa! es die Jugend, die immer wieder im Sprechchor den Fitster zu sehen verlangte. Adolf Hitler kam diesem Wunsch im Laufe des Nachmittags mehrfach nach und zeigte sich am Fenster im 1. Stock der Reichskanzlei. Mit besonderer Herllichkeit wurden vor der Reichskanzlei 2 3 Hitler- utgen aus dem Saargebiet begrüßt, die mit hceii Motorrädern die weite Fahrt nach Berlin gemacht Män, um an der Huldigung für den Führer teilnehmen (ir Formen.
rie Glückwünsche der deutschen Wehrmacht.
Eine Ansprache Blombergs.
Berlin, 2. Jan. (Eia. Drahtmeldung.) Am Vormittag »e> Neujahrstages überbrachte der Reichswehrminister, be- stntet vom Ehef der Heeresleitung und vom Chef der Sarineleitung, dem Führer die Glückwünsche der deutschen Wehr macht.
Generaloberst von Blomberg führte dabei aus, daß di! Wehrmacht voll Dankbarkeit zum Führer aufblicke und nit Genugtuung auf die eigenen Leistungen im Jahre 1934 uruckschaue. Er gedachte der Niederschlagung der Revolte m Juni des vergangenen Jahres durch die stärke Hand des fuhrers — eines Aufstandes, der in erster Linie gegen die Wbrmacht gerichtet war als gegen eine der beiden oäulen, >i< das Gewölbe des neuen Reiches tragen.
Die deutsche Wehrmacht fühle, daß sie hineingewachien e? in den wärmenden Bereich der Achtung, des Vertrauens
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