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Nr. 330.

Montag, 3. Dezember 1934.

82. Jahrgang.

WWMchrche und Snarbebntte

Zu den

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Ein Vertrauter Stalins ermordet

der Genfer Tagung.

Dez. (Drahtbericht unserer Berliner

Reden Baldwins und Lavals. — Was man in London gern sähe Eine Schweizer Stimme.

r ü stu n g s r e d e fällig fein. Das dürfte die Lage kennzeichnen, und eben, weil dem so ist, tritt die eng­lische Presse immer wieder dafür ein, die Verhandlun­gen über die Rüstungsbeschränkung zu fördern, weil schließlich eine weitere Aufrüstung zu Lande, zur Luft und zur See auch für die Engländer eine reichlich kost­spielige Angelegenheit werden würde. Im übrigen aber stellt Havas in einer Londoner Meldung fest, daß man mit einer Entscheidung in der Rüstungsfrage nicht vor der Regelung der Saarfrage rechne.

Tatsächlich dürfte die Frage der Rüstungsbeschrän­kung auch wieder mehr in den Hintergrund treten, wenn jetzt am Mittwoch in Genf die Verhandlungen des Völkerbundsrates über die Saar frage und über den südslawisch - ungarischen Streitfall beginnen. Man hofft in Gens zwar, am Ende dieser Woche mit beiden Themen fertig zu sein, doch ist es möglich, daß die Aussprache längere Zeit in Anspruch nehmen wird, zumal wahrscheinlich der Saar­ausschutz, der in Rom eine sehr fleißig« Arbeit geleistet hat, erst Mittwoch in Genf eintrifft, sodaß sein Bericht erst am Donnerstag erörtert werden könnte. Dann aber bietet auch der südslawisch-ungarische Streitfall ein recht umfangreiches Verhandlungsthema. Es ist freilich nicht anzunehmen, daß in dieser Frage jetzt schon in Genf irgendeine Entscheidung getroffen werden wird,, sondern nach bewährtem Muster wird man wohl diese ganze Angelegenheit einem Ausschuß überweisen, was eine Vertagung bis zum Januar notwendig machen würde. So wird vermutlich die große internationale Preße sich schon in den nächsten Tagen sehr viel mehr wieder für Genf interessieren als für das Rüstungsthema.

Französische Pressestimme zur Unterredung von Ribbentrop-Laval.

Paris, 3. Dez. (Eig. Drahtmeldung.) Der Autzenpoli- tiker des „Excelstor", der seine Informationen aus erster Quelle zu schöpfen pflegt, erklärt im Zusammenhang mit der Unterredung von Ribbentrop-Laval, daß weder von Verhandlungen noch von der Einleitung von Verhandlungen die Rede sein könne. Die gegenseitige Aus­sprache habe rein informatorischen Charakter getragen und sei für beide Teile sehr nützlich gewesen.

Bon den Botschaftern unterzeichnet.

Rom, 3. Dez. (Eig. Drahtmeldung.) Amtlich wird mit­geteilt: Der Dreierausschutz zur Behandlung der Saarfrage hat am Montag seine letzte Sitzung in Rom abgehalte», der der französische und der deutsche Botschafter beiwohnte». Der Präsident stellte im Namen des Aus­schusses fest, datz zwischen der französischen und der deutschen Regierung eine Einigung in allen Frage» er­zielt werde« konnte, die dem Ausschutz zur Prüfung Vor­lagen. Das Abkommen wurde für die französische und deut­sche Regierung von den beide» Botschafter« und deren Ver­tretern unterzeichnet. Am Dienstag wird der Dreierausschutz in Genf zusammentrete», um de« Bericht zu verfaße«, der dem für den 5. Dezember einberusenen Völkerbundsrat vor- zulege« ist. Baron A l o i s i dankte, indem er die Arbeit in Rom schlotz, im Name» des Ausschußes den sranzöfischen und deutschen Vertretern und Sachverständigen und insbesondere dem Finanzausschutz des Völkerbundes für die tatkräftige Mitarbeit.

Der Täter festgenommen.

Moskau, 2. Dez. Der SekretärderLeningrade: Parteiorganisation, Kirow, wurde im Gebäude des Leningrader Sowjets von einem Terroristen er­schossen. Kirow war Mitglied des Politischen Büros des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei und Mitglied des Vollzugsausschußes der Sowjetunion. Der Mörder wurde von der QGPll festgenommcn.

Der ermordete Sekretär der Parteiorganisation in Leningrad, Serjgei Mironowsch Kirow, war schon vor dem Kriege Mitglied der Kommunistischen Partei gewesen. Er gehörte zu , einem der Vertrauten Stalins. Nachdem Sinowjew (Apfelbaum) wegen seiner oppositionellen Haltung von dem Posten als Sekretär der Parteiorganisation in Leningrad entfernt worden war, wurde Kirow zu seinem Nachfolger ernannt. Auf dem letzten Kongreß der Partei wurde Kirow zum dritten Gehilfen Stalins als Parteisekretär gewählt. Außerdem wurde er in das Prä­sidium des Vollzugsausschußes der Sowjetunion gewählt und spielte eine bedeutende Rolle in der Jndustriali- sierungspolirik Nordwestrußlands. Kirow galt als einer der treuesten Anhänger Stalins und bat deßen Vertrauen in vollem Matze genoßen.

Das Volkskommissariat des Innern, die ehemalige OEPU., teilt in einer Verlautbarung mit, daß die vorläufige Untersuchung den Namen und die Personalien des Täters

festaestellt hat. Es ist ein ehemaliger Angestellter der Lenin­grader Filiale der Arbeiter- und Bauerninspektion, der im Jahre 1904 geborene Leonid Wassiljewitsch Niko­lajew.

Nikolajew hat gestanden, Kirow getötet zu haben. Er habe diesen Plan schon seit mehreren Wochen vorbereitet. Die Gründe zu seiner Tat will erjedoch nicht an­geben. Er erklärte nur, daß er nach seiner Entlastung aus dem sowjetrussischen Staatsdienst ungerecht behan­delt worden sei. Er werde sich jeder Strafe beugen.

Im Zusammenhang mit der Ermordung Kirows verlau­tet, daß der Chef der OPGU. in Leningrad seines Postens enthoben werden würde, da er keine genügende Sicherheitsmaßnahmen getroffen habe.

Die gesamte sowjetrussische Preste veröffentlicht einen Nachruf für den ermordeten dritten Generalsekretär der Kommunistischen Partei Kirow. In dem Nachruf wird die Rolle Kirows in der kommunistischen Bewegung gewürdigt und betont, daß der Mord rücksichtslos geahndet werde. Nicht nur der Mörder, sondern auch diejenigen Kreise, die mit dem Mörder in Verbindung standen, würden bestraft und ausge­rottet werden. Der Nachruf ist von Stalin, Woroschilow, : Kalinin und Jagoda (Chef der politischen Polizei) unter­zeichnet.

Am Montagfrüh wurde die Leiche Kirows im ehemaligen Taurifchen Palast (wo früher die Reichsduma tagte) aufge- bahrt. Die Ehrenwache stellen Vertreter der Armee und

Die ägyptische Krise.

Der Entschluß des ägyptischen Königs, die Ver­fassung von 1931 außer Kraft zu setzen und das Parla­ment aufzulösen, bedeutet keineswegs eine Stabilisie­rung der innerägyptischen Verhältniffe, sondern höch­stens den Versuch, in irgendeiner Form eine konsequente Politik vorzubereiten, wobei immer vorauszufetzen ist, daß Großbritannien in weitgehendem Maße diese Ent­wicklung beeinflußt.

Zum Verständnis der Lage ist es notwendig, d i e Hintergründe der schwierigen Situation in dem unter englischen Protektorat stehenden Lande am heiligen Nil klarzulegen. Die Verfassung, die König Fuad im Jahre 1931 verkündete, stellte im wesentlichen das Produkt englischer Diplomatie dar. Man mutz sich vor Augen halten, daß in jenen Jahren der Einfluß der sogenannten Palastclique außerordentlich stark war, und daß eine Politik getrieben wurde, die den In­teressen Albions zuwider lief. Ganz besonders ein Mann war es, der überraschend schnell Einfluß gewann, Jehia Pascha, dessen Hauspolitik von dem sehr energi­schen, neu ernannten britischen Oberkommissar Peterson aufs schärfste desavouiert wurde. Damals war die Lage so, daß der Wafd, die größte Partei Ägyptens, welche die Mehrheit des Volkes umfaßt, auf dem besten Wege war, die Macht zu ergreifen. Man wirkte unter diesen Umständen auf den ägyptischen König dahin ein, eine neue Verfaffung zu geben, 'wodurch eine Stärkung des Einflusses der Monarchie auf die Geschicke des Lan­des gesichert.wurde. Damit war der Wafd trotz feiner zahlenmäßigen Stärke praktisch von der Regierung aus­geschlossen und eine Art Diktatur eingeführt, die inso­fern, allerdings nicht deutlich, in Erscheinung trat, als die Person des Monarchen selbst zwifchengeschaltet wurde. Auf diese Weise gelang es auch, in der Öffent­lichkeit den Eindruck zu vermeiden, als ob die englische Diplomatie hier die Hand im Spiel gehabt hätte. Trotz­dem erwies sich die Hoffnung auf eine Befferung der innenpolitischen Verhältniffe in Ägypten als trügerisch. Man muß bedenken, daß gerade England durch die eigenartige Verbindung zwischen den beiden Ländern sehr wesentlich an der innenpolitischen Gestaltung Ägyptens interessiert ist. Man arbeite also hinter den Kulissen weiter, sodaß schließlich eine neue Ministerkrise eintrat, bei der Nessim Pascha in den Vordergrund trat, ein Mann, der zwar nicht mehr direkt der Wafd- Partei angehört, aber immerhin noch über die heften Beziehungen zu ihr verfügt.

Vas die englischen Pläne nach dem neuesten Stand der Dinge anbelangt, so ist schwer zu sagen, welchen 2Leg man einschlagen wird. Im Brennpunkt des In­teresses steht jedenfalls die Frage der Neuwahlen, wobei es auf englischer Seite zwei Auffassungen gibt. Die gemäßigtere Richtung drängt auf eine Versöhnung zwischen Regierung und Opposition, die schärfere auf Verhinderung von Neuwahlen, weil man es für ange­bracht hält, den nationalistischen Ägyptern eine Lehre über den Wert freundschaftlicher englisch-ägyptischer Zusammenarbeit zu geben.

as. Berlin, 3

Abteilung.) In einer Londoner Meldung wird erklärt, daß man in der englischen Hauptstadt die Deutjchlaud- debatte des Unterhauses in Verbindung mit der außen- politifchen Rede Lavals und dem Besuch des Herrn von Ribbentrop in Paris, wo der deutsche Sonderdelegierte für die Abrüstungsfrage gestern von dem französischen Außenminister La oalempfangen wurde, als Auftakt einer großen diplomatischen Aktivität betrachtet. Solche Äußerungen wird man mit Vorsicht aufnehmen muffen. Weder in der Rede Baldwins noch in der Lavals war, wie hier schon betont wurde, etwas enthalten, was geeignet märe, die Entwicklung zu fördern. In beiden Reden fehlte auch die bescheidenste Andeutung über die deutsche Gleichberechtigung. Auf diese Weise wird man also schwerlich weiter kommen. Der gleichen Ansicht sind offenbar auch die „Basler Nach­richten", die von der Red^ Baldwins sagen, daß sie ein Pianiffimo in Moll über vollendeteRüstungstatsachen und ein Fortissimo in Dur über den britischen Luftrüstungs- willen gewesen seien, im übrigen aber sehr wenig Andeu­tungen enthalten habe, mit denen die Hörer und Leser je nach ihrer Phantasiebegabung anfangen könnten, was sie wollten. Auch das Schweizer Blatt betrachtet diese Rede in erster Linie als Begründung für 3 te englischen Aufrü ftungen und setzt dann hin­zu, diesmal sei eine Luftrüstungsrede am Platz gewesen. Binnen kurzem, nach dem endgültigen Scheitern der Verhandlungen mit Japan, werde eine See -

„Man muß mit Hitler sprechen."

Der »eusozialistischg Abgeordnete Montagnon für deutsch- jranzösijche Verständigung.

Paris, 3. Dez. (Eig. Drahtmeldung.) Der neusozia- listische Abgeordnete Montagnon, der schon am Sams­tag in der Kammer gegen die Ausführungen Franklin- Bouillons Stellung genommen hatte, gewährte einem Ver­treter des „Petit Journal" eine Unterredung, in der et auf die Notwendigkeit von deutsch-französischen Verhandlungen hinwies. Die deutsch-französische Entspannung sei augenblicklich die wichtigste Aufgabe. Da sich die Pariser und die Berliner Diplomaten nicht ver­stünden, sei das Eingreifen der ehemaligen Frontkämpfer vollkommen berechtigt. Auf die Frage des Berichterstatters, ob der Führer es mit seinen Annährungsbestrebungen denn auch ehrlich meine, er­widerte der Abgeordnete, man brauche sich nur die Tat­sachen vor Augen zu halten, um diese Frage in p o s i t i v e m Sinne beantworten zu können. Die Nationalsozia­listen wünschen den Frieden, um das politische, wirtschaft­liche und soziale Regime weiter ausbauen zu können. Wenn man ihm vorhalte, daß der Führer den Frieden nur wünsche, weil er seine Stellung befestigen wolle, so antworte er darauf, die Hauptsache sei, daß er den Frieden wünsche. Es

sei keine Zeit zu verlieren. Man müffe mit Hitler sprechen. Ein wirtschaftlicher und mili­tärischer „Modus videndi" könne gefunden werden.

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Ein Abkommen zwischen Deutschland und Frankreich.

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