Wiesbadener TagblatL
Samstag, 20. Oktober 1934.
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Das Wetter der nächsten Woche
Nr. 287. Seite 3.
— Nassauisches Landesmuseum. Die von Herrn Dr. F i l l beabsichtigte Führung durch die mineralogisch- geologische Abteilung am Sonntag, 21. Okt., findet nicht um 10.30 Nhr, sondern um 11.30 Uhr statt.
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Neue Erscheinungen waren in den letzten Wochen nur auf dem Gebiete des Lustspiels zu sehen. Das Theater in der Behrenstraße wartete mit „Ehe in Dosen" auf. Leo Lenz und Ralph Arthur Roberts gaben dazu das Rezept und die Gebrauchsanweisung. Das Rezept ist ein Vorspiel. Wenn der Bohemien eine Bürgerliche geheiratet hat und die Hausmannskost nicht mehr verträgt, verabreiche man Ehe in Dosen, gehe man homöopathisch vor. Gebrauchsanweisung in drei Akten: man treffe sich nur einmal im Jahr. Das erste Mal erscheine die Gattin als Dame von Welt, das zweite Mal als heruntergekommene Tingeltangel-Sängerin, das dritte Mal wieder als bieoeres Hausfrauchen. Drei Jahr: dauert die Kur. Ein bißchen lang! Ich fürchte, wenn die beiden Herren, die sich das Mittel ausgedacht haben, den Vermerk hinzugefügt hätten „Bei Erfolglosigkeit wird das Geld zurückgezahlt", daß sie
Luftmassen gelangt war. Tag für Tag kam es jetzt zu weiteren heftigen Niederschlägen. Die Temperaturen sanken täglich um einige Grad. Am Dienstag jedoch erfolgten stärkere Niederschläge nur noch im Osten und Süden des Reiches. Nach Abzug des Minimums stieg der Luftdruck wieder langsam an und ein neues atlantisches Hoch näherte sich langsam Europa.
Die jetzt herrschende Witterung ist darauf zurückzuführen, daß auf der Vorderseite des heranziehenden atlantischen Maximums warme Lustmassen nach Norden strömen und dabei auf dem mitteleuropäischen Kaltluftblock aufgleiten. Da aber inzwischen der Nachfluß an Polarluft nicht aufgehört hat, war durch die starke Temperaturdifserenz der beiden Luftkörper die Möglichkeit zur Entstehung einer neuen Störung gegeben. Es ist deshalb auch inzwischen wieder etwas wärmer geworden. Um die Wochenmitte wurden verbreitete Nachtfröste im ganzen Reich gemeldet. Direkt über dem Boden ist jedoch erfahrungsgemäß in einer klaren Nacht die Temperatur noch um einige Grad niedriger. So weit sich die Wettersituation, die an sich jetzt recht kompliziert ist, übersehen lagt, ist mit keiner anhaltenden Besserung für den Verlauf der nächsten Woche zu rechnen. Deutschland bleibt der Tummelplatz und die Kampffront der Luftmassen. Das gewaltig angewachsene südwestliche Maximum zeigt keinerlei Neigung, einen Vorstoß nach Nordosten in unseren Bezirk zu unternehmen. Damit ist jeder atlantischen Störung Tür und Tor geöffnet und eine Fortdauer des trüben und regnerischen jetzt zunächst auch wieder etwas wärmeren Wetters zu erwarten.
Wiesbadener Nachrichten.
Fahnen heraus!
Die Bevölkerung Wiesbadens wird aufgefordert, anläßlich der Denkmalweihe der 27er, am Samstag and Sonntag zu flaggen.
Mit den Fahnen des neue» Deutschlands grüßt Wies- . baden die alten Frontkämpfer in Dankbarkeit für die heldenhafte Verteidigung des Vaterlandes.
Deshalb: Fahnen heraus!
Heil Hitler!
Der Kreispropagandaleiter: gez. Pfeil.
— Preußisches Staatstheater. Am Mittwoch kommt im Kleinen Haus unter der Spielleitung von Karl Peter Biltz das Lustspiel „T r i o" von Leo Lenz erstmalig zur Ausführung. Die Bühnenbilder entwirft Lothar Schenck-von Trapp. Im Großen Haus gelangt am Donnerstag in neuer Inszenierung aus Anlaß des Schillerjahres (175. Geburtsjahr) „M a r; a Stuart" zur Aufführung. Die Jnszeme- rung besorgt Friedrich Sebrecht, Bühnenbild: Lothar Schenck-von Trapp, Kostüme: Theodor Lankeis. Am gleichen Tag bringt das gesamte Ballett unter der Leitung von Arthur Sprankel im Kleinen Haus deir-ersten diesjährigen Tanzabend mit vollständig neuen Tänzen.
— Kurhaus. Das zweite Zyklus-'Konzert findet Freitag kommender Woche statt. Das Konzert steht unter Leitung von Generalmusikdirektor Earl Schur, cht. Solist desselben ist der vielgefeierte und besonders auch in Wiesbaden verehrte Violinvirtuose Professor Georg Kulenkamp f f.
lichkeit, die sie, wie wenige berühmte Schauspieler aus- zeichnet. Mag im einzelnen die natürliche Begrenzung ihrer Darstellungskraft fühlbar geworden sein: die Erund- züge ihres Wesens stimmten wunderbar mit dem Idealbilds des Dichters überein. Sie ist das Landmädchen mit gesundem Menschenverstand, das geradeaus nach den Bestimmungen feiner Seele lebt. Ergreifend ihre so einfache, kindlich-vertrauensvolle Natur gegenüber dem verschlungenen Jnteressespiel der kirchlichen und staatlichen Mächte. Wenn sie, ein seltsam von innen her leuchtendes Stück Menschentum, bleich, mit ungepflegtem Äußeren, vor ihren Richtern sitzt, die Merklugen mit ihrer natürlichen Logik beschämt, wenn sie das Grauen vor dem Tode packt, wenn für Augenblicke ihr Glaube zusammenbricht, sie haltlos im Raume steht — dann ist sie, nur durch ihr Dasein, eine ganz große Schauspielerin. Freilich vorher: diese gott- gesegnete Heiterkeit der Shaw'scheu Johanna kommt nur maßvoll zum Ausdruck. Die Wessely hat eher einen melancholischen Grundton. Und man vermißt bei ihr zuweilen jene suggeüive Kraft, die die rauhen Krieger in die Knie zwingt. — wenn auch dieses Versagen in der Dichtung selber begründet ist, denn eine so raticmalisiiscb angelegte Gestalt . kann Übersinnliches kaum völlig glaubhaft machen. — Hilpert gibt im übrigen die Dialektik der Haupt- und Staatsaktion mit feinstem Schliff. Er verzichtet auf ablenkenden Pomp, alles ist auf klare Formulierung des Wortes gestellt. Ernst K a r ch o w, Theodor Loos, Jakob T i e d t k e waren seine besten Helfer. Das Deutsche Theater hat wieder eine seiner Tradition entsprechende künstlerische Höhe erreicht.
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Es bleibt trübe und regnerisch.
U Die Wetterentwicklung der letzten Tage bestätigte unsere U Vermutung, daß infolge des stationär gewordenen siidwest- Mlichen Hochs eine Periode regnerischen, trüben und kalten WWestwindwetters zu erwarten sei. Rach ständigem Boros' meterfall kam es vor acht Tagen zu einer Verstärkung des P atlantischen Minimums, das rasch Einfluß auf unser Wetter- Li geschehen gewann und auf feinet Vorderseite zunächst sub- f tropische Warmluft heranführte. Die Verstärkung des er- L wähnten Wirbels brachte es mit sich, daß die auf feiner Rück- p feite fließenden, einem enormen arktischen Kaltluftausbruch fc entstammenden Polarluftmassen mit Sturmesgeschroindigkeit | in Mitteleuropa eindrangen. Es kam dabei durch Einschieben t- der Kaltluft und Empordrängen der Warmluft zu anhalten- | den heftigen Regenfällen, stellenweise sogar zu Gewittern. | Der Sonntag war der regenreichste Tag.
Es ist interessant, das Geschick dieses Wettergebildes zu f verfolgen, das am Sonntag bereits bis nach Westrußland und I am Mittwoch schon bis 'zum Ural mit den es begleitenden
— Wiesbadener Fremdenzahl. Die Zahl der in der Zeit vom 1. Januar bis 18. Oktober d. I. angemeldeten Fremden beträgt 98 077 Kurgäste und Passanten.
— „Auch in der Verkehrsregelung soll Deutschland vorbildlich sein." Zur neuen Reichsstraßenverkehrsordnung wird in wenigen Tagen bereits eine allgemeinverständliche Handausgabe mit Erläuterungen und 20 Seiten bunter Bildtafeln erscheinen, die den Verkehrspolizeireferenten im Reichsinnenministerium, Regierungsrat Dr. S ch i f f e i e r zum Verfasser hat. Der Befehlshaber der Polizei im Reich, General D a I u e g e, hat der Handausgabe folgendes Vorwort gewidmet: „Die Überwachung und Regelung des Verkehrs auf den öffentlichen Straßen und Plätzen im Reich ist eine der verantwortungsvollsten Aufgaben der Polizei. Ich erwarte, daß diese Aufgabe, unterstützt durch den guten Willen aller Verkehrsteilnehmer, von den einzelnen Polizeiorganen verantwortungsbewußt mit dem nötigen Takt, aber auch mit der nötigen Strenge, gegenüber böswilligen Verkehrsteilnehmern erfüllt wird. Auch auf dem Gebiete der Verkehrsregelung und -Überwachung soll Deutschland ein Vorbild bei den gesteigerten Schwierigkeiten, die sich durch die starke Vermehrung der Motorfahrzeuge im Straßenverkehr ergeben, sein. Die Wahrung der Rechte und die Erfüllung der Pflichten aller Verkehrsteilnehmer soll unter der Sorge der Polizei eine vollkommene Harmonie geben."
— Urlaub für weibliche Angestellte zum Besuch der Haushaltsschule. Der Reichsfinanzminister stellt in einem Erlaß klar, daß weibliche Angestellte der öffentlichen Verwaltungen, die sich auf dem Gebiete der Hauswirtschaft vervollkommnen wollen, auf Antrag zum Besuch einer Haushalts- usw. Schule ohne Bezüge bis zur Dauer von einem Jahr beurlaubt werden können.
— Zahnbehandlung von Kassenmitgliedern durch Dentisten. Der Reichsverband Deutscher Dentisten teilt mit: Durch verschiedene Pressenotizen über Schilderführung in der letzten Zeit ist die Meinung entstanden, die Dentisten würden an der Zahnbehandlung von Krankenkassenmitgliedern nicht mehr teilnehmen. Es' wird darauf hingewiesen, daß die zu den reichsgesetzlichen Krankenkassen |owie zu den kaufmännischen Berufskrankenkassen zugelassenen Dentisten nach wie vor auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen und Verordnungen die Zahnbehandlung von Krankenkassenmitgliedern ausüben, auch wenn sie keine besonderen Schilder führen.
— Kaminbrand. Die Feuerwehr wurde am Freitagmittag nach der Geisbergstraße 26^gerufen, wo im Karnin ein Feuer ausgebrochen war. Die Wehr hatte mit dem Ab- leinen und Rußentfernen eine halbe Stunde Arbeit.
— 4vjiihriges Dienstjubiläum. Der Ober-Postschaffner Wilh. M e ch t h o l d. Schwalbacher Straße 7, seit langen Jahren im Geldbestelldienst beim Postamt 1 tätig, kann heute auf eine 40jährige Tätigkeit im Dienste der Reichspostverwaltung zurückblicken.
bald arme Leute würden ... (Es ist eigentlich eine ziemlich geschmacklose Angelegenheit. Richt nur wegen ihrer Unwahrscheinlichkeit, die dieselbe Beschränktheit im Zuschauerraum voraussetzt, mit der das Versuchskaninchen^ auf der Bühne geschlagen scheint. Das übelste daran, daß in den letzten Bildern mit Schmalz gekocht wird: wenn der Schlagerkomponist in Vaterseligkeit seinen Slowfox in ein .deutsches Wiegenlied" umtomponiert, wenn die Mutter des Kindes, die es über das Herz bringt, ihr Liebstes in fremden Händen zu lassen, das dreijährige Ehespiel als ernsthaftes Liebesopfer anspricht. Selbst ein so wendiger und humoriger Schauspieler wie Roberts, der als Mitverfasser verantwortlich zeichnet, kann keinen erträglichen Ausgleich dafür bieten. Anfangs geht man wohl willig mit. Da haben wir einen harmlosen, ausgelassenen Schwank, und Roberts ist in feinem Element. Um so peinlicher wirkt der Anhang. Das Publikum war freilich weitherzig genug, feinen Liebling auch am Ende nicht im Stich zu lassen und klatschte eifrig Beifall.
Kürzlich haben wir in einem Lustspiel gesehen, wie sich Männer auf dem ureigenen Gebiet der Frau betätigen: in der Hauswirtschaft, beim Kochen. Das Gelächter war groß. Vor allem schien sich der weibliche Teil des Publikums zu vergnügen — wohl aus einem Besserwiffen heraus, aus einer Art Schadenfreude: das stärkere Geschlecht blamiert sich, seine Überheblichkeit — Hybris lagt Aristoteles — bekommt einen Dämpfer. Ähnlich find die Lachmotioe in dem Lustspiel von Ronald Jeans „Kann eine Frau sich ändern?“. Rur kommt diesmal mehr die männliche Zuhörerschaft auf ihre Kosten, — und das Lachen wird zu einem zärtlichen Schmunzeln. Denn weibliche Hilflosigkeit in praktischen Dingen weckt ritterliche Gefühle, ja übt unter Umständen einen besonderen Reiz aus. Unter Umständen: es kann wohl manchmal der Faden der Geduld reißen, wie es im Stück bei Richard Bellfty der Fall ist, der die entzückend schusselige und unkluge Harriet, Malerin von Beruf, geheiratet hat und nach vielfachen Erziehungsversuchen feststellen muß, daß eine Frau sich nicht ändern kann. Aber das ist das Hübsche an dem Lustspiel, daß es sanft an ernsthaftem Ärger vorübergleitet, daß der Mann lächelnd resigniert und am Ende beinahe froh ist, über die Unverbesserlichkeit feiner Ehehälfte. — Der Verfasser ist Engländer. Man mochte annehmen daß ihn eine Gestalt seines unsterblichen Landsmannes Dickens angeregt babe. Freilich gibt er nicht viel mehr als llnterhaltungs- theater. Nun, feien wir damit zufrieden, daß er wirklich unterhält . ..
Der neue Direktor des Deutschen Theaters, Heinz Hil- W pert, ist ein vorbildlicher Pfleger des Ensembleipiels. Darum brauchte er sich nicht zu scheuen, die Werbekraft U eines Stars wahrzunehmen. Sein künstlerisches Gewissen E schließt die Gefahren aus, die sich in Berlin nur allzuoft aus der Überbelichtung einzelner Darsteller ergaben. Paula U Wessely, die Rose Bernd allerschönsten Angedenkens, I fand in Shaws dramatischer Chronik „Die Heilige k Johanna" die Ausgabe, die ihr zukam, und sie fügte sich e in den Rahmen, mit dieser Schlichtheit und Unvordring
Die Wichtigkeit der Berufsberatung und Lehrstellenvermittlung.
1,3 Millionen Jugendliche kommen an Ostern in die Berufe.
Im Sitzungssaale der Reichsanstalt für Arbeitsvermitt- fc. lang und Arbeitslosenversicherung fand am Freitagmittag l eine Pressebesprechung über die wichtige Frage der B e - r; r u f s fi e r a t u ng und Lehrstellenvermittlung K für die im nächsten Frühjahr zur Entlassung kontmende L Schuljugend statt. Vizepräsident Dr. Rachler erklärte F u. a.: Die Berufsberatung hat die Aufgabe, den jungen e Menschen beim Verlassen der Schule in solche berufliche B Bahnen zu lenken, dag später die Nachfrage nach Arbeits- kräften wirklich gedeckt werden kann. In verschiedenen N Zweigen der Industrie ist mit zunehmender Verminderung der Arbeitslosigkeit immer lauter der Ruf nach beruflich U gut ausgebildeten Facharbeitern vernehmbar. Der Redner P wandte sich an alle Lehrherren und Lehrmeister, Betriebs- M inhaber und Betriebsleiter im Namen der deutschen Jugend, ULehr- und Ausbildungsplätze bereitzustellen. I? Mehr als 600 000 Knaben und 600 000 Mädchen würden | Ostern 1935 aus den Schulen entlassen. Dazu kämen 100 000 s. Abgänge von mittleren und höheren Lehranstalten.
Der Sachbearbeiter für Berufsberatung, Oberregie- , rungsrat Handlich führte u. a. aus, die öffentliche Be- x rufsberatung der Reichsanftalt befände sich bereits mitten er in der Arbeit, den Jugendlichen und ihren Eltern und Er- M ziehungsberechtigten unter Mithilfe aller der Kreise, die ß. um die berufliche Leitung unserer deutschen Jugend be- K sind, bei der verantwortlichen Entscheidung für die ssswahl Rat und Hilfe zu leisten. Im nationalsozia- U listischen Staat sei die Berufswahl nicht mehr nur eine per- E sönliche Angelegenheit, sondern eine Angelegenheit des s? ganzen Volkes. Es fei notwendig, daß der einzelne an der | Stelle sich in die Volkswirtschaft einordne, an der er, vom 5- ganzen Volk auszugehend, am dringendsten gebraucht B werde. Um die ganze Volkswirtschaft im höchsten Maße £ leistungsfähig zu erhalten, fei es dringend erforderlich, den - Berufsgruppen, die unter Mangel an qualifiziert en Fach- W arbeitern leiden, den notwendigen Nachwuchs zuzuführen.
Berliner Tbeaterbrief.
I ' Berlin, Mitte Okt.
Eine neue Epoche des Schillertheaters hebt an. Unter x sehr günstigem Vorzeichen. Die Wahl des Stückes, mit dem E Victor van Buren eröffnete, zeugt von erlesenem Geschmack. MWas uns das Drama, Dauthendeys „Spielereien fe einer Äatjerin“, noch heute kostbar macht, das ist fein E lyrisches Leitmotiv, das bald Heiter, bald todestraurig auf« 1 klingt, das Hohelied einer Liebe, die sich in trotzigem Ver- k. tagen und Mißverstehen bestätigt, deren Wahrbeweise E Schein und Spiel sind, eine tiefe Glut verbergend. U Katharina, das Weib des schmutzigen Kosaken, die Mätresse U des Fürsten, die Gattin Peters, die Zarin Rußlands: das | ist ein Weg über alle Höhen und Tiefen des Lebens. Aber | sie geht ihn mit traumwandlerischer Sicherheit. Die Hatz- f- Lie« zu Menschikoff, des Mannes, der von Natur für sie fc bestimmt, wird zu einer heiligen Lohe über allem Erau- f samen und Häßlichen. Erst als die Kirchenglocken das Ab- L leben des Zaren verkünden, schlagen die Flammen wieder U zusammen. Und das ist das dichtettsch-schönste. Ergreifendste, ff wie dann der Tod zur Seligkeit der Erfüllung wird. Diese M letzte Szene wirkte auch beim Publikum des Schiller- k theaters, das sich nicht leicht einfühlte, am stärksten nach. | Sie war zugleich der Höhepunkt einer schauspielerischen M Leistung von vielen Graden. Agnes Straub wuchs £ zu einer Gestalt von tragischer Große. Ihre Intensität, die 1 in Schmerz und Hohn, in kokettem Spiel, in allen Künsten | der Verführung und der Rache, in der Auslösung roher E Volkskraft und inniger Hingabe nur dann erlahmte, wenn I ihr der Dichter allzu fein versponnene Dinge zu sagen auf- gab — hier war sie von letzter menschlicher Glaubhaftigkeit. | Sn vortrefflich ausgewogenen Einzelszenen und in ge- | schickter musikalischer Verflechtung gab van Buren eine M beachtliche Probe feiner Regiebegabung.
Schluß mit der Verschandelung der deutschen Heimat!
überall in unserer schönen deutschen Landschaft sieht man heute alte verrostete Reklameschilder ober nicht mehr brauchbare Daueranschläge hängen. Dadurch wird das Landschafts- ober Straßenbild oft in geradezu erschreckender Weise verunschönt. — Unser Heimatbild soll nun von allen wirklich störenden Daueranschlägen bereinigt werben, wobei selbstversiänblich die berechtigten Belange der Wirtschaft gewahrt werden.
Alle Volksgenossen werden hiermit aufgefordert, von ihren Häusern ober Zäunen umgehenb alle verrosteten ober verkommenen Anschläge ober Reklametafeln zu entfernen und ebenso die alten Plakate zu vernichten, die für Veranstaltungen, die längst gewesen sind, werben. Auch Reklametafeln für Waren, die es überhaupt nicht mehr gibt, müssen verschwinden.
Es ist felbstoerständlich, daß nur die Eigentümer der Häuser ober Zäune bie Entfernung vornehmen bürfen.
Gleichzeitig ergeht eine bringenbe Mahnung an alle, in Zukunft bas Kleben von Plakaten dort zu unterlassen, wo es ver-unschönend wirkt, ober gar das Eigentum anderer Volksgenossen verletzt.
Helft alle mit, die Schönheit unserer Heimat zu erhalten!
gez. M ü l l e r - S ch e l d, (Saupropaganbaleiter und Leiter der Landesstelle Hessen- Nassau des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda.
Aus Provinz und Nachbarschaft.
Der Gemäldediebstahl in Frankfurt a. M.
= Frankfurt a. M., 19. Okt. Zu dem von uns bereits gemeldeten Gemäldebiebstahl in Frankfurt erfahren wir noch folgende Einzelheiten: Es handelt sich bei dem gestohlenen Bild um eine Elfenbeinminiature, die eine Dame im roten Kleid und grünen Samthut darstellt. Das Bild ist aus dem Jahre 1743. Nach den Angaben des Eigentümers ist es eine Kopie eines Bildes des berühmten englischen Malers Thomas Gainsborough, die der Künstler selbst verfertigte. Das Original befindet sich in Edinburgh und hat einen Wert von einer Million RM. Der Wert der Kopie beläuft sich nach diesen Angaben auf 25 000 RM. Die Ansicht Frankfurter Kunstexperten zu diesem Fall geht dahin, daß es zweifelhaft, erscheinen müsse, ob das gestohlene Bild tatsächlich aus Gainsboroughs Hand sei. Es stehe keineswegs fest, daß der Künstler Kopien feiner eigenen Werke gemalt habe. Sollte es sich jedoch tatsächlich um einen echten Gainsborough handeln, wäre der angegebene Wert zweifellos nicht zu hoch gegriffen, da bann diese Kopie eine außerordentliche Seltenheit wäre.
