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7 Ausgaben

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Werktäglich nachmittags, Samstags vor- u. nachmittaG

8. Schell enberg'fche Hofbuchdrackerei, ^ragblatt-Kau»'.

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Unterhaltungsbeilage.

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82. Jahrgang.

Dienstag, 28. August 1934

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Mussolinis Kriegsfanfare

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Österreich - Politik bringt Italien mehr und mehr in die Abhängigkeit von fran­zösischen Einflüssen. Die Regierung Schuschnigg, die nichts eiligeres zu tun hatte, als sich dem Duce in die Arme zu werfen, trifft jetzt Vorbe­reitungen, um in Genf mit dem Klingelbeutel herumzugehen und, wie sich ein Wiener Blatt mit unbewußter Selbstironie ausdrückt, den „praktischen Dank" für die Opfer einzukassieren, die Österreich für die Verteidigung des Friedens", das heißt die Ver­folgung des Nationalsozialismus, gebracht hat. Äußerst bezeichnend für den Kurs des Bundeskanzlers Schusch­nigg ist die Rede, die der Bundeskommissar für Heimat­dienst, Adam, dieser Tage im Rundfunk gehalten hat. Zn ihr wurde der „Friede im Inneren" als das politische Programm der nächsten Zukunft gezeichnet. Mit dem Hinweis, daß unter den positiven, aufbau­willigen Kräften der Opposition eine Klärung im Gange sei, sprach der Kommisiar die Hoffnung auf eine baldige Befriedung aus. Die Ausführungen waren in­sofern bemerkenswert, als der Kommissar einen sehr deutlichen Unterschied zwischen den beiden Gruppen der Opposition, der „Arbeiter­schaft" und den „Nationalen" machte. Mit der Arbeiterschaft meinte der Bundeskommissar die Mar­xisten, auf die die Regierung Dollfuß im Februar ihre Kanonen richtete und mit denen man sich heute wieder zu versöhnen versucht. Die anderen aber, die Natio­nalen, sind nach Ansicht Adams noch nicht zur Mitarbeit r e i f. Sie bleiben von der Ver­söhnungsaktion ausgeschlossen. Man wird den Ver- nichtungsfeldzug gegen sie weiterführen. Die Mar­xisten scheinen aber keineswegs gewillt zu sein, Herrn Schuschnigg aus der Hand zu fresien, denn auf die schönen Worte des Bundeskommissars hat der Vize- bürgermeister von Wien, Winter, der sich mit dem Aufbau der neuen Arbeiterbewegung in Österreich be­schäftigen soll, in der Form geantwortet, daß die Arbeiterschaft, wenn die Regierung sich weiter wie bisher verhalte, sich zweifellos gegen das Regime von neuem wende. Diese Drohung ge- Winni uirifo größere SebcutunQ, qIs aus ü£t)tf)icbcncn Teilen Österreichs übereinstimmende Nachrichten von der Bildung einer neuen sozial revo­lutionären Arbeiterpartei, natürlich in illegaler Form, einlaufen, die den absoluten Kampf gegen das jetzige System predigt.

Ungelegenes Friedensangebot.

Der Quai d'Orsay schweigt sich über die Führerrede aus. — Nadelstichpolitik gegen Polen, Mussolini gerät immer mehr in französische Abhängigkeit.

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Elefant im Porzellanladen.

Viele Jahre hindurch galt Sowjetrußland — mit vollem Recht! — als nicht salonfähig. England und Amerika erkannten die Existenz des diplomatischen Bolschewismus nicht an; in Frankreich waren sowjet­russische Zeitungen verboten; in Genf galt die Räte­republik als böser Wolf und Kinderschreck. Seit Deutsch­land die stärkste Bastion Moskaus in Europa.gestürmt hat und seit aus diesem Grunde die akute Gefahr be­seitigt erscheint, hat sich allmählich ein Umschwung voll­zogen. Zuerst in groben Zügen und unter wirtschafts­politischem Mäntelchen, zuletzt in raschem Tempo und unter überspringung einer ganzen Anzahl stimmungs­mäßig bedeutsamer Stufen einer organischen Vor­bereitung.

Als Deutschland vor zehn Jahren vorsichtig zu son­dieren begann, ob die Zeit für seinen Eintritt in den Völkerbund endlich reif geworden sei, setzte eine um­fassende Schnüffelei nach unserer Gesinnung ein,, gefolgt von einem einträglichen politischen Handelsgeschäft, das zum Handschlag von Locarno führte. Und dann end­lich war man so liebenswürdig, uns in den „Rat der Nationen" aufzunehmen, mit dem Resultat, daß man uns dort nach Strich und Faden über den Löffel bar­bierte. .

Mit Sowjetrußland ist das anders. Seit Paris erkannt zu haben glaubt, daß GPU. und Rote Armee noch am ehesten und billigsten geeignet seien, als Schreck­gespenster an der deutschen Ostgrenze aufzutauchen, hat der Quai d'Orsay an seine Nachgeordneten Regierungs­behörden in Prag, Bukarest, Kowno die Verfügung er­lassen, daß nunmehr auch dort der beabsichtigte Eintritt der Sowjets in den Völkerbund jubelnd zu begrüßen sei, was dann auch prompt geschah- Das Geschäft wurde in London ebenfalls perfekt ge­macht, und die politische Konstellation sicherte der Ab­sicht Barthous schließlich sogar noch Italien mit seinem Anhang. Nicht einen Augenblick war die Rede von den wichtigsten Voraussetzungen dieser einschneidenden

Maßnahme. .

Vor allem eins: Wer vermöchte anzunehmen, datz Räterußland endlich ernsthaft den Plan verfolge, mit den übrigen Ländern Frieden zu machen? Ist es über­haupt denkbar, datz das bolschewistische Prinzip sich mit dem Hochkapitalismus in Frankreich, England und Amerika (dieses eingeschlossen, obwohl es nicht im Bund der Nationen vertreten ist) zu verbrüdern vermag? Unvoreingenommene Schweizer Stimmen kommen bei Untersuchung dieser Frage zu einem glatten Nein! Eine bekannte liberale Schweizer Zeitung schreibt u. a.: „Für einen Trust der Nationen gilt dasselbe, wie für einen Trust wirtschaftlicher Unternehmungen. Es kommt nicht auf das Schlucken möglichst vieler Konkur­renzfirmen an, sondern auch darauf, datz man das Ver­schluckte verdauen kann. Es ist durchaus kein Erfolg, wenn man von einem Element, das einen vorher von äugen genierte, nun von innen heraus, also aus besserer Position, bedrängt wird. Am Willen Sowjet­ruhlands aber und an seinen Fähigkeiten, den Völker­bund nach der Aufnahme von innen zu bedrängen, ist garnicht zu zweifeln." .

In der Tat würde die Aufnahme Sowietrutzlands ein für alle Male den Machthabern in Moskau die Möglichkeit verschaffen, jede etwa noch zu erwartende praktische Arbeit des Völkerbundsrates, in dem sie einen ständigen Sitz verlangen und erhalten würden, zu ersticken. Denn in allen wichtigen Fragen muß Einstimmigkeit erzielt werden, eine Bedingung, die Herr Stalin nur erfüllen würde, wenn er davon Nutzen hätte. Ferner ist zu bedenken, daß es statutgemätz keine Handhabe gibt, Rußland jemals wieder aus dem Völkerbund auszuschalten.

Auch einige französische Blätter weisen auf die rege Propagandatätigkeit in Amerika und die beträchtlichen Erfolge hin, die dort bereits erzielt werden konnten. An einer Stelle heißt es: „Es ist erstaunlich, in welcher genialen Weise es den Bolschewisten gelungen ist, die Schwierigkeiten zu umgehen, die ihrer Propaganda in den Vereinigten Staaten durch das abgegebene Ver­sprechen entstanden waren, nicht mehr für den Bolsche­wismus zu werben. Sie setzten sofort, noch ehe die Tinte der Unterschriften unter der Anerkennungs­urkunde getrocknet war, mit einer Propaganda ein, die nicht für den Kommunismus, sondern „gegen den Faschismus" und „gegen die Kriegsgefahr" gerichtet war. Unter diesen Schlagworten gelang es ihnen, auch weite Kreise der nichtkommunistischen bürgerlichen Öffentlichkeit und Presie dieser, ihre Propaganda direkt oder indirekt dienstbar zu machen. Zweck und Wesen der zahlreichen, in allen Teilen des Landes veranstal­teten Kundgebungen war aber weniger die Bekämpfung Mussolinis oder Hitlers, als vielmehr die Propaganda des Moskauer Systems und Ideals. In allen großen Städten des Landes wurde auf diese Weise und unter

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Die Manöver-Lchlußrede in amtlicher italienischer Fassung.

Rom 27 Aug. Die Agenzia Stefan: veröffentlicht nun­mehr einen Bericht, über die Rede, die Mussolini am Schlug der aroßen Manöver hielt. Danach lauten die wesentlichen Steifen der Rede: Kein Land Europas will einen Krieg heraufbeschwören, am wenigsten Italien, das von seiner Friedfertigkeit zahlreiche positive Beweise gab. Allerdings ueat ein Krieg durchaus im Bereich der Möglichkeit und kannüberraschendausbrechen. 2n gewissen fernen Ländern ist man schon mitten im Kriege. Auch tn Europa entwickelte sich Ende 3uli überraschend eine Lage, welche tn gewisser Beziehung an die Lage 1914 erinnert. Man kann auch hinzufugen, daß, wenn wir nicht vorsichtshalber tön eil einige Divisionen an unsere Nord- und Nordostgrenze geschickt hätten, man Verwicklungen hätte befürchten musien die nur durch bewaffnetes Dazwischentreten hatten gelost werden Ion; nen Diese Divisionen marschierten in prächtiger Verfassung in Märschen von 60 und sogar 107 Kilometer. Ihre Haltung hat ihnen die Bewunderung und die Achtung der Erenzbevolke- rung eingetragen. Man muß also für den Krteg bereit, ein, nicht für morgen, sondern schon f ü r 6 e u t e. Wir sind eine kriegerische Nation und werden »= immer mehr fein, denn wir wollen es. Und da ich keine Furcht vor Worten habe, füge ich hinzu: Eine militaristische Nation. Um die Rüstungen für den Krieg zu vervollständigen, mutz das ganze Leben der Nation,, das politische, wirtschaftliche und geistige Leben sich °uf den mili­tärischen Notwendigkeiten aufbauen. Der Krieg ist als die höchste gerichtliche Instanz zwischen den Völkern bezeichnet worden, und da die »"lker in ihrer Ent­wickelung nicht stehen bleiben, sondern sich nach ihrer Kraft und ihrer historischen Dynamik entwickeln, wird trotz aller Konferenzen trotz aller Protokolle und aller mehr oder weniger guten Anstrengungen die Tattache bestehen bleiben, Latz der Krieg am Anfang der menschlichen Geschichte steht und

Schuschniggs Betlelgang nach Genf.

as. Berlin, 28. Aug. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Während Mussolini, dessen Geistes­sprünge man nicht allzu tragisch zu nehmen braucht, in seiner Manüverschlußrede höchst kriegerische Töne an­schlug, hat der Führer in Ehrenbreitstein aber­mals seinen ehrlichen Willen zum Frie­den auch mit Frankreich auf das ent­schiedenste zu erkennen gegeben. Leider muß man feststellen, daß, nach den Auslegungen der französischen Presse zu urteilen, die Worte Adolf Hitlers in Paris, von wenigen Ausnahmen abgesehen, auf steinigen Boden gefallen sind. Auf das erneute Ver­ständigungsangebot Hitlers antwortete die französische Presse mit Ausflüchten und Verdächtigungen. Der Quai d'Orsay aber hüllt sich in Schweigen. Eine klare Antwort wird abgelehnt. Der Grund ist nicht schwer zu erraten: Die Rede Hitlers mit ihrer ganz auf Erreichung einer fried­lichen Verständigung gerichteten Tendenz paßt gar nicht in die politischen Pläne des Herrn B a r t h o u, die samt und sonders nur das eine Ziel verfolgen, Deutschland zu isolieren und einzukreisen.

Von den europäischen Staaten ist es eigentlich nur noch Polen, das sich dem Druck Frankreichs bisher nicht beugte, nachdem es sich einmal von der französischen Bevormundung freigemacht und den Weg selbständigen Handelns beschritten hat. Es ver­geht kaum ein Tag, an dem sich der französische Ärger darüber nicht in irgendwelchen Nadelstichen Luft macht. Auck die plötzliche Zurückziehung der französi­schen Anmeldung für den in diesem Jahr unter War­schaus Regie stehenden Europaflug gehört in dieses Kapitel. Der erhoffte Eindruck ist freilich ausge­blieben. Die polnische Regierungspresse äußert sich mit ätzender Ironie über den Schritt Frankreichs und gibt den Franzosen zu verstehen, datz sie offenbar nur nach einem Vorwand gesucht hätten, um den Ruckzug anzu- ireten, und so einer sicheren Blamage in den Luftwett­kämpfen zu entgehen, in dem Frankreichs Maschinen ihrer technischen Unvollkommenheit wegen nicht mit- kommen könnten. Das ist e i n e O h r f e l g e, die dem überheblichen Frankreich schmerzlich auf der Wange brennen wird.

Umso zufriedener kann man in Paris mit der Ent­wicklung im Donauraum sein. Denn Mussolinis

»meiaenpreile: Ein Millimeter Höbe der 22 Millimeter breiten Spalts im Anzeigenteil Grund, preis 6 Rpf., der 85 Millimeter breiten Spalte im Tertteil 45 Rpf.. fanft laut Tarif Nr. T Nachlaßftaff-k C. — Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Plätzen wird keine Gewähr Übernommen. — Schluß der Anzeigen-Annahme 10 Uhr vormittags. Größere Anzeigen mästen Ipätestens einen Tag vor dem Ersthemungstage aufgegeben werden.

auch in den zukünftigen Jahrhunderten sie begleiten Mussolini fügte hinzu, daß man niemals genug die Moral des Einzelwesens und der Gruppen betone. Alles, was in diesem Geiste geschieht, ist notwendig und fruchtbar. Sie haben gesehen, in welchem Geiste sich die Manöver vollzogen, Sie haben festgestellt, datz die Bevölkerung nicht allein in den Städten, sondern auch in den Dörfern und in den Hütten, die im Gebirge zerstreut liegen, mit Ihnen und mit uns allen be­geistert war. So ist es in allen Teilen Italiens gewesen. Es hat sich eine vollständige Veränderung vollzogen. Heute trägt jeder Reservist mit Begeisterung die Waffen und die grau­grüne Uniform. D. h. noch mehr: Wenn das Volk morgengerufenwird, wirdesdemRufwieein Mann Folge leisten. Ich erinnere Sie daran, datz die militärischen Kräfte den wesentlichen Bestandteil der Hierarchi unter den Nationen darstellen. Man hat noch nichts gefunden was die Armeen ersetzen könnte, die den klarsten und handgreiflichsten Ausdruck für die Kräfte eines ganzen Volkes darstellen.

Frankreich hat es eilig

mit dem Ausbau feines Festungsgürtels.

London, 28. Aug. (Eig. Drahtmeldung.) „Daily Herald" berichtet, die französische Regierung habe be­schlossen, den Ausbau der Befestigungen an der Ostgrenze zu beschleunigen. Dies bedeute Ausdehnung des Stahlgürtels der Festungsanlagen längs der belgischen Grenze. Der Bau von Militär­flugzeugen neuester Konstruktion sei während der letzten sechs Wochen ebenfalls beschleunig^ worden, z"

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Telegramm-Ad reffe: Tagblatt Wiesbaden.

Nr. 234.