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82. Jahrgang.

Dienstag, 26. Zum 1934

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;. Vorläufig stehen wohl noch hinter miistischen Gruppe mehr Anhänger,

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Schellenberg'sche Hofbuchdruckerei, »Tagblatt-Haus'. E^chSstszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonn- und Feiertags.

hätten jedoch 20 Stunden vor Durazzo gelegen, ohne irgend etwas zu unternehmen. Erst dann habe sich ein italienischer Offizier an Land begeben und den Behörden mitgeteilt, bog es sich um einen Freundschaftsbesuch handele, den die italienische Flotte dem Verbündeten Albaniens abstattete. Um die gleiche Zeit habe auch der italienische Gesandte in Tirana der albanischen Regierung eine ähnliche Mitteilung zukommen lassen. Der größte Teil des italienischen Geschwa­ders sei daraufhin wieder abgedampft. Drei Kriegsschiffe seien jedoch im Hafen von Durazzo gelassen worden. Die Politika bringt diese Nachricht im Zusammenhang mit der angeblichen unzuverlässigen Haltung Alba­niens gegenüber Italien. 3n politischen Kreisen nimmt man jedoch' an, daß es sich eher um eine Kundgebung gegen die Kleine Entente als gegen Albanien ge-

Werktä-llch nachmittags, Samstags vor- u. nachmittag Fernsprecher-Sammel-Nr. 59631. Berliner Büro: Berlin-Wilmersdorf.

Zwölf Sowjet-Zeitungen in Polen verboten.

Warschau, 26. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Einer Verfügung des polnischen Innenministeriums zufolge haben 12 kommunistische Zeitungen und Zeit­schriften, die vorwiegend in Moskau oder Charkow er­scheinen, das Verbreitungsrecht in Polen verloren.

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kn polnischen Behörden gegebene Personalbeschreibung ks flüchtige« Mörders des polnischen Innenministers pnau zutraf. Skyba kam an dem genannten Tage mit tinem Dampfer aus Zoppot in Swine- dun d e an, wo er von den Beamten der Geheimen Staatspolizei unter den etwa 600 Ausfliiglern ermittelt ßsd festgenommen werden konnte, «kyba bestreitet fcoat, der gesuchte Attentäter zu sein. Nach der Sach- ^ekanneraberalsüberführtangeseheu

werden. Der Festgenommene zourde am gleichen Tage mittels eines polnischen Sonderflugzeuges nach Warschau transportiert.

Z iandpunkt, soweit die Abrüstung in Frage kommt, - hen etwa der Luftfahrt- und der Kriegsminister. Da 2j lgland kein einheitliches Verteidigungsministerium f ßtzt, sondern drei getrennte Ministerien, für Luft-

Der Mörder des polnischen Innenministers

beim überschreiten der deutschen Grenze von der Geheimen Staatspolizei, festgenommen.

? Berlin, 26. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) llm-

Anschlagsversuch auf Gandhi.

Siebe» Verletzte, Gandhi unverletzt.

Puna, 25. Juni. Aus Gandhi ist ein Anschlagsversuch verübt worden, dem der Mahatma nur durch einen Zufall entging Die Täter warfen eine Bombe in einen Kraft­wagen, in dem sie Gandhi vermuteten. Hierbei wurden sieben Personen verletzt. Der Mahatma traf aber erst spater in einem anderen Wagen am Schauplatz des Anschlages ein, ein Versammlungsraum, in dem zu Ehren Gandhis eine Veranstaltung stattfinden sollte.

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Der Besuch Weygands.

«8. Berlin, 26. Juni. (Drahtbericht unserer Berliner bteilung.) Der englische Außenminister und die ihm hestehenden Blätter betonen immer wieder, daß yland mit allem Eifer aus den Abschluß einer Kstungsvereinbarung hinarbeite. Die eng- Bn Militärs haben eben den Glauben an die Ab- ng, wenn sie ihn überhaupt je besaßen, längst ihren lasten. Der englische Marineminister hat sich üängst dahin geäußert, daß der Traum von der brüstung ausgeträumt Jet, und daß die eng- sche Flotte verstärkt werden muffe. Auf dem gleichen

Englische Aufrüstung.

Der Kampf um die Geldmittel. Soll die Luftwaffe bevorzugt werden? Ein englisches Expeditionskorps.

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ohne daß man , , . ,, , v

schaff zwischen den alten Rivalen dauern wird, -rm übrigen liegt die ziffernmäßige Stärke bei den gemäßigteren Sozia­listen, die größere Energieentfaltung zweifellos bei den Kommunisten der Vergleich mit früheren deutschen Ver­hältnissen liegt gerade in diesem Punkt sehr nahe. Dabei muß man feststellen, daß diese Einheitsfront der Linken tn taktischer Hinsicht gerade in den letzten Wochen außerordent­lich geschickt vorgegangen ist.

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vlgreiche Fahndung«Maßnahme« der deut- _ " s sch en Erenzbehörde führten am 23. Juni, früh hegen 6 Uhr, zur Festnahme des polnische« Staats« ^gehörigen Eugen Skyba, Student der Chemie, - "r vboren am 11. Mai 1908 zu Lemberg, bei dem die vou

Tumulte in Frankreich.

Die politischen Leidenschaften in Frankreich haben sich seit der niedergeschlagenen Februar-Revolte von Paris fort in die Provinz verlagert. Seit etwa zwei Monaten wollen die Nachrichten von blutigen Zusammenstößen in den ver­schiedensten Groß- und Mittelstädten im Innern Frankreichs nicht aushören, immer wieder gibt es Tote und zahlreiche Verwundete, Barrikadenkämpfe, gesprengte Versammlungen, Überfälle auf politische Persönlichkeiten häufen sich. Man fragt sich erstaunt, ob das die innenpolitischen Rückwir­kungen der Regierung der nationalen Einigkeit, der Regie­rung derstarken Hand" sind, wie das Kabinett Douinergue bei feinem Amtsantritt allgemein, und wie es jetzt nur noch mit einem deutlichen Anflug von Spott genannt wird. Weshalb ist es nicht gelungen in Toulouse, Lille, Grenoble, Marseille, Roubaix und Lyon ebenso die Ruhe herzustellen, wie das in dem sonst so unruhigen und von politischen Lei­denschaften erhitzten Paris seit Monaten geglückt ist?

und der Marine hat bisher das Heer im allgemeinen bei dieser Debatte eine geringere Rolle gespielt. Aber auch hier ist man um eine Verstärkung bemüht. So wird unter anderem gefordert, daß schon jetzt ein Verter- digungskorps gestellt werde, das als Expe­ditionsarmee sofort bei Ausbruch von Feind­seligkeiten auf das Festland gebracht werden müsse, um Holland und Belgien zu besetzen, damit sich dort nicht der Gegner Stützpunkte für seine Flugzeugangriffe auf Eng­land schaffen könne. Vielmehr müsse England selb ft dort Stützpunkte ausbauen, von denen aus die englische Luftflotte Vergeltungsflüge mit Bomben­geschwadern unternehmen könne. DerDaily Telegraph" selbst gibt zu, daß solche Pläne bei dem Besuch des französischen General stab s- chefsWeygand in London erörtert worden sind. Ob sie verwirklicht werden, ist eine andere Frage, denn auch die englische Regierung kann nicht unbeschränkte Mittel für die Aufrüstung aufbringen. Es ist aber charakteristisch, daß solche Pläne, die von vorn ^herein im Kriegsfall ein Zusammengehen Englands mit Frank­reich vorsehen, überhaupt bestehen und erörtert werden. Damit nähert man sich schon bedenklich den französischen Eedankengängen, bemühen sich die Pariser Zeitungen und französischen Militärs doch immer wieder, den Eng­ländern klar zu machen, daß sie allein garnicht in der Lage sind, ihr Land zu verteidigen, sondern die Luft­sicherung Englands eine enge Zusammenarbeit aller alliierten Armeen an der französisch-belgischen Küste verlangen, was notwendigerweise voraussetzt, daß schon in Friedenszeiten ein Defensivbündnis zwischen Frank­reich und England geschaffen werde. Wenn solche Ge­dankengänge gerade jetzt wieder von den französischen Generälen stark in den Vordergrund gestellt werden, so kann man ohne weiteres annehmen, daß es sich hier schon um eine Vorbereitung für den bevor st ehe n- denBesuchBarthousinLondon handelt und daß über diese Dinge sich auch General Weygand bei seinemprivaten" Besuch eingehend mit den englischen Militärs unterhalten hat.

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Zwischen beiden Fronten steht die auch heute noch das innenpolitische Leben Frankreichs zum guten Teil bestim­mende links-büraerliche Partei der Radikalen. Mini­steriell ist diese Partei durch ihren Führer Herrtot eng an das Kabinett der Nationalen Einigung gebunden, gefühls­mäßig und ihrer sozialen Struktur nach sind aber die Wählermassen der Radikalen insbesondere in den ländlichen Bezirken den Sozialisten Leon Blums eng verbunden.

Auf dem letzten großen Parteitag der Radikalen in Clermont-Ferrand hat die Frage des Verhältnisses zu den Sozialisten wie eigentlich wohl auf jedem Parteitag dieser parlamentarischen Gruppe eine große Rolle ge­spielt. Entschieden wurde sie nicht, weil Herriot gerade zur rechten Zeit einen Ohnmachtsansall erlitt und so verhindert war,schwarz" oderweiß" zu sagen. Zwar hatten aus diesem Parteitag Dhautemps und auch Daladier dem doch gewiß niemand mangelnden Patriotismus nachsagen kann angekündigt, daß die Partei einen Gesetzentwurf einbringen werde, um die Auflösung der bewaffneten Ver­bände der Rechten zu fordern. Aber es ist nicht einmal zu diesem Entwurf gekommen, es blieb bei seiner Ankündigung. I Wenn nicht das peinliche Bündnis mit den Kommunisten bestünde, würde die große Gefolgschaft Herriots ganz offen den Sozialisten zuneigen so aber laviert man, wobei man

^Kundgebung gegen die Kleine Entente?

t Tirana, 26. Juni. (Eig. Drahtmeldung.) Das erste Geschwader der italienischen Adrtatlotte, bestehend aus SO Einheiten, ist im Hafen von Durazzo vor Anker gegangen. Nach der Ankunft begab sich der Vertreter des ^eschwaderkommandanten sofort an Land und stattete den Manischen Behörden einen offiziellen Besuch ab.

I Das Belgrader BlattPolitika" beschäftigt sich mit dem ^Italienischen Flottenbesuch in Durazzo. Sie behauptet, das Erscheinen der italienischen Kriegsschiffe habe tn Tirana das trotzte Aufsehen erregt, da die albanischen Be­erben über den Besuch nicht unterrichtet ae- vesen seien. Man habe angeblich mit der Möglichkeit einer Landung italienischer Truppen gerechnet. Die Kriegsschiffe

3 j?" sitz für die Kriegsmarine und für das Heer, führt, so H gbt sich nunmehr das Schauspiel, daß die Leiter dieser 3 ei Ministerien ein Wettrenen um die Geld-

Fi ittel für die Aufrüstung begonnen haben. Jeder

ihnen verteidigt seine Forderungen mit besonderem druck. Immer wieder wird von dem Luftfahrt- sterium erklärt, daß ein Ausbau der englischen Wflotte unbedingt erforderlich sei. Die englische Luft- e müsse in der Lage sein, jeden Luftangriff abzu- ren. Bekanntlich sind ja auch schon por einiger Zeit e erörtert worden, nach denen im Zeitraum von bis 5 Jahren ein sehr starker Ausbau der englischen lotte erfolgen soll. Die englische Admiralität steht gegenüber auf dem Standpunkt, daß eine starke Luft- te gewiß erforderlich sei, aber lediglich die eng- ksche Marine könne im Kriegsfall die Verbin- sngswege nach Übersee offen halten, und damit die kbensmittel- und Rohstoffzufuhr Englands sicher- itellen. Deswegen wird denn immer wieder der Ruf «ach einer erheblichen Verstärkung der Kriegsmarine rufen. Es kommt hinzu, daß im nächsten Jahr die glottenkonferenz stattfindet, für die sich die »glifche Admiralität eine möglichst günstige Verhand- Mgsposition sichern möchte. Gegenüber der Luftflotte

Die Frage beantwortet sich vielleicht am besten mit dem Hinweis auf die verschiedene politische Struk­tur von Hauptstadt und Provinz. Die Gegensätze sind in dieser Hinsicht in Frankreich wesentlich schärfer als in den meisten anderen Ländern. In Paris ist Politik gleich­bedeutend mit den Ämtern, den Parlamenten, den poll- tischen Salons, den großen Tageszeitungen Paris ist, wenn man so sagen will, eine einzige, debattierende Fami­lie. In der Provinz aber wird die Politik in viel stär­kerem Maße vom Wähler gemacht. Die Buhne, auf der hier gespielt wird, ist die Versammlung int Gasthaus oder in der Schule, die Schauspieler nicht wie in Paris, die Leute, die die Politik machen, sondern gewissermaßen die Objekte der Politik, der Kleinbürger, der Rentner, der Bauer, der Arbeiter. Für Agitatoren gibt es kein dank­bareres Feld. Die gesamte sozialistische Linke, d. h. also die Sozialisten der Färbung Blum ebenso wie die Kommu­nisten haben sich von dem Februar-Schrecken verhältnis­mäßig schnell erholt, sie sind wohl etwas gehandikapt, aber doch noch ungebrochenen Mutes, in die Provinz verzogen und setzen nun hier mit neuer Initiative zum Stotz an. Man kann ohne Übertreibung von einer sozialistisch- .kommunistischen Einheitsfront sprechen, aus beiden Flügeln dieser Eerneinschaftsgruppe vermeidet man es nach wie vor forqfältigst sich gegenseitig anzugreifen

' ' freilich sagen kann, wie lange diese Freund- t>en alten Rivalen dauern wird. Im übrigen

Die Gegner sind die vaterländischen Ver­bände, die fast durchweg einen deutlich faschistischen Einschlag haben. Vor einiger Zeit hatte auch hier eine Zusammenfassung der bisher getrennt marschierenden Organisationen vorgenommen werden können. Die neue ge­einteFront National" hat nun mit großer Energie und jugendlicher Schwungkraft die Verkündung ihrer Ideale Wahrung der nationalen Kultur, Achtung vor der Staats­autorität, Kampf dem Klassenkampf, Schutz des Privateigen­tums vor allem in derunverdorbenen" Provinz in An­griff genommen und zwar, wie immer wieder von guten Kennern der französischen Verhältnisse versichert wird, mit relativ gutem Erfolg. Nichts also ist zumal bei der libe­ralen Grundhaltung der französischen Regierung begreif­licher, daß unter solchen Umständen kaum eine patriotische oder eine sozialistische Versammlung abgehalten werden kön­nen, ohne daß es nicht gu einem mehr oder^ weniger ernsten Zusammenstoß kommt. 't *i"

der sozialistisch-kommunistischen T r. .

aber sie setzen sich zum größten Teil aus Menschen zusammen, die in ihrem politischen Leben viele Enttäuschungen er­fahren und sie deshalb 'auch zum guten Teil den Mut aufge­geben haben, daßihre" Leute doch etwas werden ausrichten können. Ganz anders steht es mit der geistigen Verfassung der Rcchtsverbände hier ist Zuversicht, Initiative, und eine gehörige Portion von Mißachtung aller politischen Tra­ditionen der Demokratie vorhanden.