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82. Jahrgang
Samstag, 23. Juni 1934
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Blick in die Wett.
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Devisenrepartierung der Reichsbank
Nach der Zusammenkunft in Venedig.
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jchästszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonn- und Feiertags.
Es ist nicht weiter verwunderlich, daß die internationale Presse noch lange nach dem Ende der Besprechungen von Venedig immer wieder die Frage erörtert, was Venedig
Ke täglichen Devisenabgaben nicht höher als die Eingänge.
Werktäglich nachmittags, Samstag, vor- «.nachmittag Fernsprecher-Sammel-Irr. 59631.
Berliner Büro: Berlin-Wilmersdorf.
Das Zeichnungsergebnis der neuen Reichsanleihe.
Insgesamt rund 300 Millionen RM.
Berlin, 22. Juni. Die Anmeldungen zum Erwerb
4 v. H. Reichsanleihen von 1934 sind in sehr befriedigendem Umfang eingelaufen und haben ein Gesamtergebnis von fast 300 Millionen RM. erbracht. Hiervon verteilt sich knapp die Hälfte etwas gleichmäßig auf Neuzeichnung und Umtausch der 1929er Reichsanleihe, während die andere Hälfte auf den Umtausch der Anleiheablösungsschuld entfällt. Von letzterer sind rund 80 v. H. des umlaufenden Betrages zum Umtausch in die 4 v. H. Reichsanleihe von 1934 angemeldet worden.
für die große Politik bedeute. Man konnte sich zunächst im Ausland schwer vorstellen, daß in Venedig nicht irgendein Komplott geschmiedet worden sei und daß, wie es das „Eiornale d'Jtalia" ausdrückte, die direkte Aufnahme der Beziehungen zwischen den beiden Revo- lutionssührern nicht das Ziel hatte, eine Revolution der politischen Karte Europas hervorzurufen, sondern im Gegenteil die europäische Politik auf eine gesunde Grundlage zu stellen. Hitler selbst hat auf dem Thüringer Eauparteitag des näheren erläutert, worin er das Gute der Aussprache von Venedig erblickt und er hat dabei nochmals den Friedenswillen und Verständigungswillen Deutschlands betont, aber auch keinen Zweifel daran gelassen, daß die Zeit der Diktate vorbei ist. Deutschland ist in seinen Zuge st änd- nissen in der R ü st u n g s f r a g e so weit gegangen wie nur irgend möglich und hat jede Anstrengung gemacht, um der Gegenseite das Einlenken zu erleichtern. Es läßt sich aber nichts diktieren und wenn nicht mehr einzelne Verständigungsvorschläge, sondern die Verständigung überhaupt und an sich auf Ablehnung stößt, dann wird Deutschland „um die Erhaltung der eigenen Kraft besorgt sein". Noch scheint das letzte Wort in dieser Frage erfreulicherweise nicht gesprochen zu sein und selbst in Paris gibt man sich zumindesten den Anschein, als ob die Tür noch nicht völlig zugeschlagen ist. So hat der deutsche Beauftragte der Abrüstungsfragen, von Ribbentrop, Unterredungen mit Barthou und mit Lesien Vertreter gehabt und wenn auch über das Ergebnis dieser Unterredungen zunächst kaum etwas bekannt geworden ist, so zeigt doch die Tatsache dieser Besprechungen, daß persönliche Unterredungen noch immer möglich sind und der Weg der diplomatischen Fühlungnahme noch nicht völlig verschüttet ist. Freilich beweist auch die Haltung einiger Pariser Blätter, wie unangenehm ihnen diese Unterredungen sind.
Der französische Außenminister setzt Barthou allerdings derweilen seine alte Politik
als konsequent fort. Der Reise nach Polen
Rostklopfer, und der Tschechoslowakei ist jetzt die Fahrt nach Bukarest und Belgrad gefolgt. Die italienische Presie hat das in sehr treffender Weise dahin charakterisiert, daß der französische Außenmini st er sich auf seiner Znstruktions- rundfahrt vergewissern wolle, ob und wieviel Rost sich auf dem System festgesetzt habe, das Clemenceau zur Behauptung der französischen Vorherrschaft in Europa ins Leben gesetzt habe. Diesen Rost muß der französische Außenminister natürlich abklopfen und es wird ihm besonders darum zu tun sein, Jugoslawien nicht aus der Reihe tanzen zu lassen, da man in Paris schon mit lebhaftem Unbehagen seinerzeit sah, daß sich die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Belgrad und Berlin günstig entwickelten und nun noch mit Bedauern feststellen muß, daß die Belgrader Regierung auch in der Frage der Anerkennung Sowjet-Rußlands aus der Reihe tanzt. Es ist nicht anzunehmen, daß die Reise Vauthous besondere Ergebnisie zeitigen wird, denn das Problem des Donauraums kann nun einmal nicht ohne Mitwirkung Deutschlands gelöst werden. Im übrigen zeigt auch die Konferenz der Außenminister der Kleinen Entente, _ daß diesem Staatenblock jeder schöpferische Gedanke renlt Der Bericht über die Zusammenkunft der Außenminister ist zwar ziemlich lang, besagt im wesentlichen aber doch nur, daß die Kleine Entente ihre alte Politik fortsetzt, sich mit einem Eifer sondergleichen gegen jede vernünftige Revision wehrt, wobei man nicht einmal vor Kriegsdrohungen zurückschreckt. Wenn in der Erklärung auf die Einigkeit der Auffasiung m der Beurteilung der politischen Lage in Europa hingewiesen wird, so scheint auch das nicht einmal zutreffend zu sein, wie die Sonderpolitik Jugoslawiens in der russischen Frage beweist. Zusammenfassend wird man feststellen können, daß die mit großem Tamtam angekündigte Konferenz der Außenminister der Kleinen Entente nichts Neues gebrach t h a t. ■ ...
Man ist in der Abrustungszrage in Auftakt zur der letzten Zeit um keinen Schritt weiter Flotten- gekommen, vielmehr bemüht sich offenbar konferenz. der französische Eeneralstabschef, General W e y g a n d, in London um irgendwelche Zusicherungen seiner englischen Kameraden, während Frankreich gleichzeitig weiter rüstet. Bedeutet das schon kein günstiges Vorzeichen für die Flottenkonferenz, die im nächsten Jahr beginnen muß und für die jetzl
«meiaenprels«: Ein Millimeter Höhe der 22 Millimeter breiten Spalte tm Anzeigenteil Grund, preis 6 Rpf., der 85 »Millimeter breiten Spalte im Tertteil 45 Rpf., sonst laut Taris Nr. 2, Nachlatzstaffel C. — Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Plätzen wird leine Gewähr übernommen. — Schluß der Anzeigen-Annahme 10 Uhr vormittags. Größere Anzeigen müßen spätestens einen Tag vor deni Erschemungstags aufgegeben werden.
I Das Augenleiden des englischen Ministerpräsidenten.
Berlin, 23. Juni. (Drahtbericht unserer Berliner ng.) Der englische Ministerpräswent M a c - ald wird in Kurze einen Urlaub antreten, der stens drei Monate dauern soll. Wenn so hohe tichkeiten sich auf eine Weile von der Politik ziehen, so liegt immer die Vermutung nahe, daß gründe maßgebend sind, die weniger im Be- szimmer des Arztes als vielmehr in den Räumen rieten und Fraktionen festgestellt wurden. Bei englischen Ministerpäsidenten trifft das nicht zu. sich, wie noch erinnerlich sein dürfte, schon vor Jahren zwei Augenoperationen untermüssen, die ihn damals zwangen, sich eine Weile Politik fern zu halten. Jetzt haben die Ärzte llt, daß mit einer Verschlimmerung des Augen- As, wenn nicht gar mit einer Erblindung zu rechnen nn der Ministerpräsident sich nicht eine aus- de Zeit der Schonung gönnt. Es handelt sich also ieient Fall um einen tatsächlichen Krankheitsurlaub, i auch hier zunächst andere Lesarten auftauchten, fen sie wohl an E er üchte über die Um- n g des englischen Kabinetts, die im shr verbreitet und dann dahin richtiggestellt daß eine solche Umbildung keineswegs vor dem des Sommers stattfinden würde. Selbstverständ- ibt es auch in England Kreise, die es begrüßen n, wenn Macdonald aus dem Urlaub nicht wieder kehren würde, doch die Mehrheit der Bevölkerung rer Ansicht, zumal ein Nachfolger Macdonalds sichtbar ist.
Es ergibt sich nun die Frage, in wieweit der Urlaub englischen Ministerpräsidenten auf die große Politik ftken wird. Der diplomatische Terminkalender ichnet für den 8. Juli den Besuch B a r t h o u s o n d o n und es scheint sicher zu sein, daß schon in Tagen Macdonald nicht mehr amtieren wird.
s«: Für eine Bezugszeit von 2 Wochen 94 Rpf., für einen Monat RM. 2.—, ein- Trag lohn. Durch die Post bezogen RM. 2.35, zuzüglich 42 Rpf. Bestellgeld, Einzel- San 10 Rpf. — Bezugsbestellungen nehmen an: der Berlag, die Ausgabestellen, die Träger Postanstalten. — Sn Fällen höherer Gewalt, Betriebsstörungen oder Streiks haben die E» keinen Anspruch auf Lieferung des Blattes ober auf Rückzahlung des Bezugspreises.
Macdonald geht in Erholung
Krankheit, nicht Politik. — Baldwins „Wirklichkeitssinn".
Aerlin, 22. Juni. Dir angespannte Devisenlage der febanf macht es notwendig, die tätlichen Visenabgaben bis auf weiteres so einzuschränken, sie nicht höher sind als die Eingänge an Ijelbe n Tag. Die Reichsbank wird daher von Mon- -25. Juni 1934, ab nach Maßgabe der Deviseneingänge - Repartierung der angeforderten Beträge vornehmen. Zuteilung wird nicht für alle Anforderungen und Wäh- Vn die gleiche sein. In erster Lime wird daraus Be- I; genommen werden, daß der Bedarf a n R o h - fftn und Lebensmitteln in ausreichender h« gesichert wird.
Grundlage für die Devisenanforderungen bet der Reichs- ‘ bleiben wie bisher die Einzelgenehmigungen und all
gemeinen Genehmigungen der Devisenstellen. Die Repartierung macht es erforderlich, daß auch alle Zahlungen an das Ausland, die bisher in unmittelbarer Form, insbesondere durch Verrechnung geleistet wurden, als Deoisenanforde- rungen an die Reichsbank gelangen. Genehmigungen im Warenverkehr werden daher künftig nur noch in der Form erteilt, daß sie zu Anforderungen von Devisen bei der Reichsbank berechtigen. Auch Auslandszahlungen im Po st verkehr sind nicht mehr zulässig. Die allgemeinen Genehmigungen für den Warenverkehr werden mit Wirkung vom 1. Juli 1934 entsprechend neu geregelt. Die Einzahlungen für den Warenverkehr und auf die Konten der Notenbanken, mit denen Verrechnungsabkommen bestehen, werden durch die Repartierung nicht berührt. Die bisher vorgesehene beschränkte Kompensations- befugnls der Devisenbanken entfällt; ebenso werden die den einzelnen Importeuren zugeteilten Devisenfonds aufgelöst.
Rerchsregierung und Episkopat.
Verhandlungen über das Konkordat.
Berlin, 22. Juni. Wie aus kirchlichen Kreisen verlautet, werden am 2 5. Juni im Reichsinnen m i nisterium die Besprechungn über die Anwendung des Reichskonkordates Sischen der Reichsregierung und drei Vertretern des Deuten Episkopates beginnen. Vonseiten des Episkopates sind Erzbischof Dr. Gröber- Freiburg, Bischof Dr. Berning- Osnabrück und Bischof Dr. Bares-Berlin mit der Führung der Besprechungen beauftragt worden, über die Dauer der Besprechungen ist näheres nicht bekannt.
Flottenkonferenz?
Nun sprach man allerdings von einer Verlegung des Besuches des französischen Außenministers, aber darüber dürfte eine endgültige Entscheidung noch nicht gefallen sein. In einem Teil der französischen Öffentlichkeit scheint man es keineswegs zu bedauern, wenn Barthou in London nicht mehr Macdonald antreffen würde. Dann müßte er eben mit Baldwin verhandeln, von dem ein Pariser Blatt sagt, daß er „immer viel Wirklichkeitssinn" gehabt hätte, mit anderen Worten, man hofft offenbar, daß Baldwin sich den französischen Wünschen geneigter zeigt als Macdonald. Sicher ist, daß Macdonald sich immer wieder bemüht hat, die Abrüstungsverhandlungen fortzuführen und ein Versanden zu vermeiden, wobei er freilich seltsamerweise in letzter Zeit ausgerechnet von Deutschland Zugeständnisse erwartet. Ganz offenbar hat sich der englische Ministerpräsident von dem Gedanken leiten lassen, daß ein Ergebnis der Abrüstungsverhandlungen notwendig ist als Auftakt für die Flottenkonferenz des kommenden Jahres. Hier haben ja bereits die ersten Fühlungnahmen begonnen, zugleich haben sich freilich schon die großen Schwierigkeiten gezeigt, die einer Verständigung in der Flottenfrage entgegenstehen. Neuerdings lasten sogar die Amerikaner einen Versuchsballon steigen in dem Sinne, ob es nicht praktisch sei, die ganze Flottenkonferenz auf das Jahr 1940 zu vertagen^Die Zwischenzeit wolle man dann benutzen, um die Flotten noch so weit zu verstärken, wie es die bisherigen Verträge gestatten. Auch mit ber Spannung im Fernen Osten wird der Vertagungsgedanke begründet. Das sind Eedankengänge, die die Aussichten der Flottenkonferenz nicht gerade in rosigem Licht erscheinen lassen. Macdonald nimmt also eine ganze Reihe von Sorgen in den Urlaub mit. Er wird nicht sehr gern gerade jetzt London verlassen, aber ein Augenleiden wie der grüne Star ist eine Sache, mit der nicht zu spassen ist und auf die selbst der englische Ministerpräsident Rücksicht • nehmen muß.
Wei der Betrachtung der einzelnen Steuerarten kommt »Heinhardt ebenfalls' zu wertvollen Ergebnisten, so schließt «iis der Entwicklung des Lohnsteueraufkommens, daß sich Mohnsumme, die in der deutschen Volkswirtschaft gezahlt M innerhalb der letzten vier Monate um rund 10 v. H. Figcrt hat.
zende Entwicklung der Steuereinnahmen.
rlin, 22. Juni. Aus der amtlichen Übersicht die vor Tagen veröffentlicht wurde, hat das deutsche Volk ersehen können, daß die Einnahmen des Reiches an n, Zöllen und Abgaben im Monat Mai weiterhin glänzende Entwicklung genommen haben. In der „Deut- Steuerzeitung" würdigt nun Staatssekretär R e i n - t dieses Ergebnis im einzelnen, wobei sich der erste brud noch verstärkt. Er stellt fest, daß die beiden n Monate April und Mai des Rechnungs- 1934 gegenüber 1933 ein Aufkommensmehr von ,9 Millionen R M. gebracht habe. Reinhardt er- j selbst, daß die Aufkommensentwicklung im ersten des Rechnungsjahres noch keinen endgültigen | auf die Aufkommensentwicklung im gesamten Rech- rjähr zuläßt. Immerhin nimmt er heute schon mit t Wahrscheinlichkeit an, daß das Aufkommen in 1934 Voranschlag, der nur mit einer Verbesserung um Millionen RM. gerechnet hatte, doch um einige Hun- Z Millionen RM. übersteigen wird.
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