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Rassenprinzip und Führerwille

Lei Hitler und Mussolini.

Von Ren« Fülöp-Miller.

Aus dem WerkFührer, Schwärmerund R e b e l l e n, das der bekannte Darsteller großer Epochen und faszinierender Gestalten der Geschichte soeben im Verlag F. Bruckmann AG. München, er­scheinen läßt, bringen wir mit Genehmigung des Verlages folgende Studie zum Verständnis der großen Führer Deutschlands und Italiens.

Nicht an der Nation ist es, den Staat zu erzeugen", er­klärt Mussolini,vielmehr ist auch die Nation geschaffen vom Staat, welcher dem Volk erst einen Willen und damit eine tatsächliche Existenz gibt. Sie ist daher nur so weit Nation, als sie Staat ist." Als von einem geistigen Prinzip ausgehendesSistema di pensiero" hat der Faszismus auch zuerst das Staatssystem erobern müssen, um dann erst, von oben nach unten, das Volk mit der faszistischen Idee zu durch­dringen.

3m Gegensatz hierzu sieht Adolf Hitler, der das deut­sche Volk aus dem Bann derFiktion Menschheit" herauszu­reißen sucht, im Staatnur eine Form":Der Staat ist bloß ein Mittel zum Zweck. Sein Zweck liegt in der Erhaltung und Förderung einer Gemeinschaft physisch und seelisch gleich­artiger Lebewesen. Somit ist der höchste Zweck des völkischen Staates die Sorge um die Erhaltung derjenigen rassischen Urelemente, die, als kulturspendend, die Schönheit und Würde eines höheren Menschentums schaffen."

Spricht Mussolini den Willen als die schöpferische Kraft an, die berufen sei, die neue Gestalt der Nation hervor- rnbringen, so erkennt Hitler in der Rasse das schöpferische Prinzip, das die in amorphen Abstraktionen untergegangene deutsche Nation zur lebendigen Gestalt wiedererstehen lassen soll. Der Nationalsozialismus glaubt daran, daß die Natur unter dem unverletzlichen, von der entkräftenden Vernunft niemals aufzubrechenden Siegel der Raffe ihr letztes, schöpferisches Geheimnis behüte. Einzig im Blute scheint ihm die rätselhafte Kraft beschlossen, die zur Form treibt. So vererbt sich mit der Raffe ein über das Individuum hinaus­weisendes Prinzip, eine Gewalt höheren, mystischen Ur­sprungs: die Entelechie der lebenden Substanz ist es, die alle Wachstumssäfte des Volkes aus der Erstarrung zu wecken vermag, in welcher die Vernunft sie mit ihrem Zauber so lange festgehalten hatte.

Zu diesem von der Natur selbst gesetzten Formgeheimnis zurückzufinden und von ihm aus die Nation und den Staat neu zu schaffen, das ist die Sehnsucht jener Männer, die in Deutschland gegen die von der Vernunft verkündete Einheit des Menschheitsgeschlechts aufstanden und gegen das Ideal einer weltumfaffendenHumanität" das neue Ideal der Gloria sanguinis" erhoben.

Es ist, als kehrte hier der alte Mythos wieder, wonach der Mensch nur für kurze Zeit aus dem Reich der kollektiven Stammesideen" ins Leben entlassen worden sei, um das Urbild" zu verkörpern und dann mit dem Tode wiederum in dre Raffe einzugehen zurückzufließen in das Blut der Ahnen, in jenen großen, ewigen Strom der Art, dem allein wahres Sein zukommt.

Hat der Faszismus den Primat des Willens verkündet, so stützt sich der Nationalsozialismus auf den Primat des Blutes, und wie sich im faszistischen Staat Form, Aufbau und Organisation bis ins kleinste von dem Willen des Diktators her bestimmt, der diesen Staat ge­schaffen hat, so soll der nationalsozialistische Staat nach dem Baugesetz der rassischen Artung von innen heraus empor­wachsen.

Um aber dieses erst halbgewußte, der Sphäre der In­stinkte angehörige Wissen um die Art zum fanatischen Be­kenntnis einer mächtigen Bewegung anschwellenzu lassen, um einem latenten, unklaren Drängen ein festes Wunschbild zu geben, das Millionen in ihrem Verhalten bestimmt, um schließlich das schwankende Hoffen dieser Millionen zum Tun zu entfalten, es in politische Macht, in neue staatliche Institutionen umzuprägen, dazu war auch in Deutschland der Wille eines Mannes notwendig jenes einen Mannes, der eben dadurch, daß ihm dieser Wille innewohnte, zum Führer" der deutschen Umwälzung geworden ist.Wer, was seine Zeit will, ausfpricht, ihr sagt und vollbringt", hat Hegel einmal geschriebenist der große Mann der Zeit; er tut, was das Innere und Wesen der Zeit ist, verwirklicht sie".

Hitler selbst kennzeichnet die Rolle des Führers in der nationalsozialistischen Bewegung mit folgenden Wor­ten:Hier muß aus dem Heer von oft Millionen Menschen, die im einzelnen mehr oder weniger klar und bestimmt diese Wahrheiten ahnen, zum Teil vielleicht begreifen, einer her­vortreten, um mit apodiktischer Kraft aus der schwankenden Vorstellungswelt der breiten Masse granitene Grundsätze zu formen und so lange den Kampf für ihre alleinige Richtigkeil aufzunehmen, bis sich aus dem Wellenspiel einer freien Ge­dankenwelt ein eherner Fels einheitlicher glaubens- und willenmäßiger Verbundenheit erhebt."

Dieseapodiktische Kraft", aus schwankenden Vor­stellungengranitene Grundsätze zu formen", besaß Hitler schon am Beginn seiner politischen Laufbahn, damals, als er, im Jahre 1919, zum erstenmal in das Hinterstübchen jenes armseligen Münchener Gasthofes trat, wo im Zwielicht einer zerbrochenen Easlampe sechs namenlose junge Menschen um einen Tisch saßen und in verworrenen Worten über die Bil­dung einer neuen Bewegung debattierten. Hitler aber stellte fest:Je länger ich nachzudenken versuchte, um so mehr wuchs in mir die Überzeugung, daß gerade aus einer solchen kleinen Bewegung heraus dereinst die Erhebung der Nation vorbereitet werden konnte."

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Mittwoch, 20. Juni 1934

82. Jahrgang.

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Unterhaltungsbeilage.

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Kriegsschulden Englands an USA.

Gebietsabtretung au Zahluugstatt. Erklärung Macdonalds im Unterhaus.

Geschäftszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonn- und Feiertags.

London, 18. Juni. Ein konservativer Abgeordneter wies im Unterhaus auf die in der neuerlichen amerikanischen Kriegsschuldennote enthaltenen Anregung einer Schulden­zahlung in Waren hin und fragte in diesem Zusammenhang, ob die englische Regierung die Abtretung der Ber­mudas oder anderer an die Vereinigten Staaten angren­zender Jnselgebiete erwäge. Ministerpräsident Macdo- n a l d erinnerte an seine am 6. März abgegebene Erklärung, »daß ein derartiger Schritt unter keinen Um­standen in Frage kommt". Starker Beifall dankte dem Ministerpräsidenten für seine Mitteilung, die den neuer­lich wieder aufgetauchten Gerüchten über eine mögliche Ab- ^etung der fraglichen Jnselgebiete an Amerika endgültig den Boden entzogen.

Schöne Reden.

as. Berlin, 20. Juni. lDrahtbericht unserer Berliner Peilung.) Der französische Außenminister B a r t h o u 6b heute Abend in Bukarest eintreffen, wo zurzeit die bchenminister der Kleinen Entente eine ihrer üblichen Mngen abhalten. In Rumänien ist offenbar die piibe, den französischen Außenminister begrüßen zu Men, groß, denn der rumänische Außenminister hat M Empfang Barthous einen Aufruf verfaßt, der mehr fe überschwenglich ist. Dieser Aufruf, der in allen daßen Bukarests angeschlagen wurde, lautete nämlich: Rumänen! _ Louis Barthou, der große Staatsmann id französische Patriot, wird East unseres Landes fei«, t bringt nach Rumänien eine Botschaft der Freund- M und des Vertrauens. Bereitet euch vor, ihn zu Wangen, wie man einen Sendboten des ewigen «nkreich empfängt. Die Herzen hoch!" Man kann an WM Aufruf bereits erkennen, auf welchen Ton die Wen abgestimmt sein werden, an denen es auch bei esem diplomatischen Besuch nicht fehlen wird. Eegen- P soviel Überschätzung ist es wohl ganz gut, die Dinge was nüchterner zu betrachten und da wird man sagen assen, daß dieser Besuch weder die großen u e r n a t i o na len Probleme lösen, noch ihrer Mng näher bringen wird. Ja, wenn die Begeisterung Mungen sein wird, dann wird man sich eingestehen ü!!en, daß nicht einmal die Wirtschaftsnöten des Nauraumes durch die mannigfachen schönen Reden jendwie gemildert worden sind.

Man nimmt vielfach an, daß Barthou sich um eine «Näherung der Kleinen Entente an ?m bemühen wird, da es für alle französischen Be- Mngen, mit Italien in ein engeres Verhältnis zu wnen, schwierig ist, wenn der große Gegensatz zwischen «ten und der Kleinen Entente fortbesteht. Man sieht rr vorerst nicht, auf welcher Grundlage hier eine An- wung möglich sein sollte. Würde auch wohl die Hechoslowakei sich garnicht ungern den römischen nmnbaningen anschließen, so besteht der Gegensatz Men Jugoslawien und Italien in aller Schärfe fort, denn überhaupt immer wieder festgestellt werden K daß innerhalb der Kleinen Entente selbst die jungen in wesentlichen Fragen weit auseinander R .So hat sich auch Jugoslawien im Gegensatz zu tolanien und der Tschechoslowakei noch nicht ent- ^tzen können, Rußland anzuerkennen. Auch das ist * 6rage,^ die Barthou anschneiden dürfte, läßt doch 1 französische Presse mit aller Deutlichkeit erkennen, 18,161 Frankreich daran gelegen ist, einenB l o ck

der konservativen Staaten" zu bilden, das heißt einen Block der Staaten, die für die Aufrecht­erhaltung der Friedensdiktate eintreten und jede Revision schroff ablehnen, wobei man in Frankreich Rußland auch zu diesenkonservativen" Staaten rechnet. Wir glauben also gern, daß sich der französische Außenminister auf seiner Bukarester Reise sehr um die Pakt- und Bündnisfragen bemühen wird, die ja in Genf eine sehr erhebliche Rolle gespielt haben.

Einen kurzen Aufenthalt in Wien hat Barthou zu einer Unterredung mit Herrn Dollfuß benutzt. Man hatte in Wien allerdings nicht so überschwengliche Aufrufe für den französischen East veröffentlicht wie in Bukarest, sondern man hat bis zu­letzt die Zusammenkunft zwischen Dollfuß und Barthou geheim gehalten. Aus dem amtlichen österreichischen Bericht ergibt sich, daß Herr Barthou sich erneut zu seiner schon bekannten österreichischen Politik bekannt hat. Etwas anderes hat niemand erwartet, aber Herr Dollfuß konnte wohl nach dieser Unterredung feststellen, daß seine Schwierigkeiten deshalb nicht geringer ge­worden sind, wie denn überhaupt anzunehmen ist, daß man nach dem Besuch Barthous die Dinge nüchterner betrachten wird als in den Begrüßungsartikeln und Festreden, die nun zunächst einmal fällig sind.

Amtliche Wiener Mitteilung über den Besuch Barthous.

Frankreich und die Kleine Entente

Barthou auf der Besuchstournö.Der Sendbote des ewigen Frankreich". Eine Aussprache mit Dollfuß.

Die deutsch-italienische Zusammenarbeit W Garantie für den Frieden. Suoich unterrichtet n iranzöfischcn Botschafter über die venezianischen Be­sprechungen.

v is, 20. Juni. Der französische Botschafter in Rom, ^«-hambrun, hatte am Dienstag eine längere Unter- ^9 mit dem italienischen Staatssekretär Suoich. Wie Munnische Berichterstatter desMatin" dazu mitteilt, ^Mchtete Suvich den Botschafter über die Bedeutung der Munenkunft zwischen Mussolini und dem Führer und er-

M weder auf der einen noch aus der anderen Seite g?06 Verpflichtungen übernommen worden seien. Der ^nvche Unterstaatssekretär wies darauf hin, daß sich die Koktin der Hauptsache auf die österreichische tz,?«ängigkeit, die Abrüstungsfrage und den K1616unb bezogen habe. Er erklärte ferner, datz die ^italienische Zusammenarbeit als eine Garantie M«?6 n Frieden angesehen werden müsse, umsomehr, Italien als einzige Nation der ehemaligen Alliierten M Kontakt zum Reiche behalten habe und damit die Mchkeit einer allgemeinen europäischen Zusammenarbeit Wk. Der Berichterstatter glaubt zu wissen, datz Musso- Bt,016 Absicht habe, sich demnächst auch mit Dollfutz zu g"". und datz diese Zusammenkunft wahrscheinlich in ftone stattfinden werde.

««prtife: Für eine Bezugszett von 2 Wochen 94 Rpf., für einen Monat RM. 2.. ein. Auch Traglohn. Durch die Post bezogen RM. 2.85, zuzüglich 12 Rpf. Bestellgeld, Einzel, untern 10 Rpf. Bczugsbestellungen nehmen an: der Verlag, die Ausgabestellen, die Träger s alle Postanstalten. Sn Fällen höherer Gewalt, Betriebsstörungen oder Streiks haben die jjeher leinen Anspruch auf Lieferung des Blattes oder auf Rückzahlung des Bezugspreises.

Wien, 19. Juni. Zu der gemeldeten Zusammenkunft zwi­schen Barthou und Dollfutz liegt folgender amtlicher österreichischer Bericht vor:Auf seiner Reise nach Bukarest und Belgrad hat heute abend der französische Autzenminister Louis Barthou Wien mit dem Arlberg-Expretz passiert. Bundeskanzler Dr. Dollfutz hat den französischen Autze Minister am Westbahnhof begrüßt und weilte bis zum Al gang des Zuges in seiner Gesellschaft. 2n der Aussprache, die während dieser kurzen Zeitspanne zwischen dem fran­zösischen Autzenminister Barthou und Bundeskanzler Dr. Dollfutz stattfand, hat Minister Barthou die Gelegenheit er­griffen, um Bundeskanzler Dr. Dollfutz gegenüber die Ver­sicherung zu wiederholen, datz die französische Regierung im Einklang, mit der Erklärung der drei Großmächte vom Feb­ruar laufenden Jahres die Zusammenkunft mit der britischen und italienischen Regierung fortführen werde, um nicht nur die Unabhängigkeit Österreichs zu gewähr­leisten, sondern auch im Rahmen der Empfehlungen der Konferenz von Strefa die wirtschaftliche und finanzielle Entwicklung Österreichs zu fördern. Trotz der Kürze der Unterhaltung konnten Minister Barthou und Bundeskanzler Dr. Dollfutz auch die beide Länder inter­essierenden Fragen erörtern."

Die Internationale Arbeitskonferenz vertagt.

? Erratungen über die 40-Stuudenwoche ohne Ergebnis abgebrochen.

^^«f. 19. Juni. Auf der Internationalen Arbeitskonfe- es am Dienstagnachmittag anläßlich der artikel- Abstimmung über das Abkommen für die 40»

Anzeigenpreise: Em Millimeter Höhe der 22 Millimeter breiten Spalte im Anzeigenteil Erimd. preis 6 Rpf., der 85 Millimeter Breiten Spalte int Tertteil 45 Rpf., sonst laut Tarif Nr. 2, Nachlatzstafsel 6. Für die Aufnahme von Anzeigen an besttmmten Tagen und Plätzen wird keine Gewähr übernommen. Schlug der Anzeigen-Annahme 10 Uhr vormittags. Größere Anzeigen müssen spätestens einen Tag vor dem Erscheinungstage aufgegeben werden.

Stundenwoche zu einer ernsten Krise gekommen. Schon bei der Abstimmung über den Artikel 1, der den Anwen­dungsbereich des Abkommens festsetzt, zeigte sich, datz sich die Mehrheit der R e g i er u n g s ve r t r e t e r der Stimme enthielt, wodurch die Beschlutzfähigl " Konferenz lahmgelegt wurde, da die nötige Si..........

zahl nicht vorhanden war. Für das Abkommen stimmten außer den Arbeiteroertretern nur die Regierungsvertreter Italiens, Dänemarks, Norwegens, Schwedens, Chinas und Polens. Dagegen stimmten die englische, holländische und luxemburgische Regierung, während sich alle anderen Regie­rungsoertreter der Stimme enthielten. An diesem Abstim­mungsergebnis zeigt sich die vollkommene Zwecklosigkeit, die Beratung und Abstimmung des Abkommens weiter fortzu­setzen und es wurde beschlossen, die Beratungen bis auf wei- vertagen.