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Mittwoch, 6. Juni 1934

82. Jahrgang

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\ untertauchende Frankreich sieht zunächst vendungsmöglichkeiten für nationale

Reichtümer.

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Fernsprecher-Sammel-Nc. 59631. Berliner Büro: Berlin-Wilmersdorf.

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draltar-Tunnel zu bauen. Es war viel davon die , Latz die franMsche Regierung im Falle der Aus- rung dieses technischen Projekts bestimmte finanzielle »sagen gemacht habe. Wie dem auch sei,sicherlich it der französische Generalstab ein Interesse daran, im iegsfalle Kolonialtruppen so sicher wie möglich nach K, Festlande zu transportieren. Da Spanien, ein nkreich feindliches Spanien, solche Truppentrans- »rte erschweren könnte, hielt es Herriot als Prophet dernationalen Sicherheit" für das Beste, das Projekt Gibraltar-Tunnels beizeiten in die Erörterung zu werfen.

feine Unterhaltung Bemerkungen über die Sicherung rnnzösischer Truppentransporte aus den Kolonien ein. rmals tauchte erneut der phantastische Plan auf, den

de- Ärmelkanals, ob sie nun auf dem Wege einer Brücke |efcer eines gigantischen Tunnels geschieht, Nutzen zöge.

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Die gestrigen Zusammenstöße im Abrüstungspräsidium. -

US. Berlin, 6. Juni. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) In Genf hat man sich gestern weiter auseinander geredet und zwar in einem solchen Matze, datz man für die heute angesetzte'Sitzung des H a u p t a u s s ch u s s e s z u n ä ch st a b f a g e n mutzte. Dafür wird das Präsidium der Kon­ferenz, in dessen Rahmen die gestrige Auseinander­setzung stattfand, heute erneut zusammen­treten. Die Gegensätze sind aber, das hat die gestrige Debatte wieder erkennen lassen, derart groß, datz man wirklich nicht sieht, wie man weiter kommen will. Henderson hat gestern noch einmal einen Versuch gemacht, die Konferenz zu retten. Die Entschließung, die er zu diesem Zwecke vorlegte, war zwar ein Sammelsurium aus den vielen Entschließungen, die int Laufe der Zeit vorgelegt wurden. Immerhin aber hält sie an dem Gedanken fest, daß es sich'bei dieser Kon­ferenz um die Abrüstung handelt. Herr Barthou aber ließ gar keinen Zweifel daran, datz er nicht daran denkt, diesen Weg zu gehen. Er schob wieder die Sicherheitsfrage in den Vordergrund, lehnte alle Verhandlungen mit Deutschland über dessen etwaige Rückkehr nach Genf strikt ab und warf schließlich Henderson Parteilichkeit vor. Die Rede des französischen Außenministers war nicht weniger ausfallend als die, mit der er den englischen Außenminister unlängst ' attackierte. Das war . selbst Herrn Henderson zu viel. Er drohte mit seinem Rücktritt und hielt dabei eine Rede, die erfreulich klar und eindeutig war. Henderson ließ nämlich keinen Zweifel daran, daß, wenn die Franzosen seinen Entschließungsentwurs, der von England und Italien unterstützt wurde, ablehnten, dann die F r a n - zosen die Schuld für das Scheitern der Verhandlungen träfe. Weiter ließ Henderson

keinen Zweifel daran, daß er sich niemals an Bestre­bungen beteiligen werde, die darauf hinausliefen, einen Staat, welcher es auch sei, durch einen Pakt einzukreisen. Das bedeutet eine scharfe Verurteilung der französischen Politik, wie man denn über­haupt wird feststellen können, daß der einzige Gewinn dieser Debatte der war, daß man nicht mehr um die Dinge herumredete, sondern siebet m Namen nannte. Herr Barthou sah sich nach der Rede Hendersons veranlaßt, sich zu entschuldi­gen. Damit wurde ein offener Konflikt vermieden. Insgesamt aber hat diese Sitzung den Eindruck einer vollkommenen Ratlosigkeit ver­stärkt. Die Gegensätze erscheinen unüberbrückbar. Im Aufmarsch der Mächte hat sich nichts geändert. Da ist einmal Frankreich, das alle Vorschläge ablehnt, auf den Thesen seiner Note vom 17. April beharrt und immer wieder die Sicherheit in den Vordergrund schiebt. An seiner Seite stehen Sowjetrußland und die Mächte des Balkanpaktes. Die sechs sogenannten neutralen Mächte verlangen zwar ebenfalls eine Garantie, aber nur eine Garantie für die Durchführung der Rüstungsoerein- Larung. Diesen Standpunkt teilt England und auch Amerika. Eine besondere Stellung nimmt Italien ein, das sich bei all diesen Verhandlungen sehr zurück­gehalten hat, und Polen, das zwar gegen den Litwinow-Pakt ist, aber auch gegen die Sondervevhand- lungen der Großmächte ohne Polen protestiert. Es scheint unmöglich zu. sein, diese Gegensätze irgendwie auszugleichen, zumal jeder derartige Rettungsversuch bei Herrn Barthou sofort auf eine ablehnende Haltung stößt. Die Franzosen beharren in Genf auf ihrem Nein" und haben auf diese Weise die Genfer Verhandlungen zur völligen Ergebnis­losigkeit verurteilt, obwohl es gerade die Franzosen waren, die nach Genf drängten, nachdem sie durch ihre Halsstarrigkeit vorher die diplomatischen Verhandlungen von Land zu Land zum Scheitern ge­bracht hatten. <

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Vollkommene Ratlosigkeit in Genf

Die Schuld der Franzosen. Unmißverständliche Worte Hendersons.

die Fenster des Büros der SWV. zu zerschlagen. Gemeinsam miteinem großen Haufen zusammengerotteter Menschen, sämtlich nationalsozialistischer Gesinnun g", sei er dann in das Haus eingedrungen. Die wie wild wütende Menge habe die Akten aus den Legalen gerissen und zusam­men mit den Möbeln auf die Straße geworfen.

Über die tatsächlichen Vorgänge liegt folgende amtliche Mitteilung vor:

Am Montag gegen 13 Uhr wurde in Saarlouis die auf der Geschäftsstelle der SWV. gehißte Saarfahne durch bis jetzt unbekannte Täter abgeschnitten und entfernt. Zeugen des Vorfalls, die etwas über den oder die Täter hätten aus­sagen können, konnten bis jetzt nicht ermittelt werden. Der Geschäftsführer der SWV., Ortsgruppe Saarlouis 2, Richard Goerg, an dessen Haus die Flagge beseitigt worden war, begab sich darauf sofort zu Dr. Hector, um über den Vor­fall Bericht zu erstatten. Gegen 18 Uhr kehrte er in eine Stehbierhalle in der Bahnhossstraße ein und traf dort die Erwerbslosen Heinrich Fries und Georg K i e h n, die schon den ganzen Tag beim Zechen waren. Fries stellte den Eoerg wegen seiner Äußerung zur Rede, in der Herrnstraße wohnten nur Lumpen. Es entstand sodann ein Wortwechsel, der in eine Schlägerei ausartete, wobei Goerg der Leidtragende war. Der Inhaber der Stehbier­halle entfernte die Streitenden. Goerg erstattete sofort An­zeige bei der Polizei Saarlouis 2, die dann Fries und Kiehn sofort vernommen hat. Danach kehrte Fries wieder in die Stehbierhalle zurück. Gegen 21 Uhr kamen die beiden an­scheinend schwer betrunken aus dem Nachhauseweg an der Wohnung Goergs vorbei und setzten sich auf den Treppen­stufen nieder. Nach einer Weile stand Fries plötzlich auf und schlug die Fenster der Geschäftsstelle der SWV. ein, ohne daß irgendein neuer Streit vorangegangen wäre. Polizei- und Landjägerbeamte begaben sich sofort, als sie von diesem Vor­fall hörten, an den Tatort, ahne die Täter anzutreffen. Goerg selbst hatte die Polizeistellen nicht verständigt. Nachdem die Feststellung des Tatbestandes erfolgt war, wurden die auf der Straße vorgefundenen Gegenstände durch Polizeihaupt­wachtmeister A tz wieder in den Raum der Geschäftsstelle der SWV. eingeräumt, um das Verkehrshindernis an dieser Straßenkreuzung zu beseitigen.

Inzwischen war Dr. Hector aus Saarlouis am Tatort eingetroffen und sollte in anmaßendem Tone anordnen, daß die Gegenstände auf der Straße liegen bleiben sollten, bis sie durch dasSaarlouiser Journal" photo­graphiert worden seien. Die Polizei kehrte sich jedoch nicht daran. Nachdem noch die inzwischen zusammengekom-

Frankreichs strategisches Spiel.

. Die Technik im Dienste derSicherheit".

MHafety first! Für Frankreich pflegt der Sicherheits- : «Hanken alle anderen Erwägungen auszuschalten. Das Minnen und Trachten des französischen Eeneralstabes fc doch immer dahin, einen möglichen Einbruch feindlicher Kräfte", von wo sie auch immer kommen Msgen, zu verhindern. Deutschland gilt ja dem sranzö- Mhen Eeneralstab nicht allein als'möglicher Gegner", |$tnn auch der starke Ausbau der Fest ungs- ^«tagen an der deutsch-französischen Grenze keinen Wveisel über die Mentalität der Generalstäbler zu- gx. Frankreichs Sicherheit muß praktisch überall auf Mr Well gewährleistet werden so denkt man in Paris. Und daß die Erkenntnisse der modernen Technik Wi der Verankerung der französischenSicherheit" Weitgehend benutzt wurden, ist eigentlich kein Wunder.

Frankreichs strategisches Spiel an allen Ecken und -Luden Europas läßt sich vielleicht am besten durch ein paar Einzelbeispiele veranschaulichen.

Ll l Die Ausführung des Gibraltar-Tunnel- 4J : Projekts wird wohl noch eine Zeitlang auf sich war- r, trn lassen. Die Welt ist arm. Und das selbst im Golde ' ~ *'*'*' andere Ver-

Audi entzieht Hein Mgenneiitel von Saarlouis hie WtzeigenM

Eine Folge der separatistischen Hetzkampagne.

übereilte Entscheidung.

Saarlouis, 5. Juni. Der Präsident der Regierungskom- mission hat unter Berufung aus die Ausnahmeverordnung vom 20. Mai 1933 verfügt, datz die Polizeigewalt der Stadt Saarlouis dem Bürgermeister Dr. Latz ent­zogen und dem Land rat des Kreises Saarlouis, Ar- weiler, bezw. seinem Stellvertreter übertragen wird.

Eine weitere Begründung zu der Bersügung ist nicht ge­geben worden. ist aber zweisellos, datz sie im Zusammen­hang mit den Borsällen vom Montagvormittag getroffen worden ist.

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Offenbar ist die Entscheidung des Präsidenten der Regie- rungskommission infolge der Hetzkampagne der Separatisten übereilt getroffen worden; denn die Ver­handlungen vor dem Schnellrichter und die Feststellungen des Staatsanwalts, die den ganzen Vorfall als Angelegenheit betrunkener Personen bezeichnet hatte, hätten für eine der­artig weitgehende Maßnahme keine ausreichende Grundlage geben können.

Wie private Händel politisch umgesälscht werden.

Saarbrücken, 5. Juni. Die marxistische und sonstige Emi- giantenpreffe, die aus durchsichtigen Gründen Terrorakte der Deutschen Front konstruieren will, brachte m größter Aus­machung die Meldung von der Beseitigung einer Fahne von der Geschäftsstelle der SWV. (Saarländische Wirtschaftsver­einigung) in Saarlouis und ähnlichen Vorfällen. Aus diesen Berichten klingt der Vorwurf durch, daß die Saar- polizeiAusschreitungenuntätig zusehe. Unter anderem wird von der Hetzpresse behauptet, daß der Besitzer des Hauses, in dem sich das Büro der SWV. befindet, ein ge­wisser Goerg, kurz nach der Beseitigung der Fahne in einer Gastwirtschaft der Nachbarschaft von Mitgliedern der Deut­schen Front niedergeschlagen und am Kopf so schwer verletzt worden sei, daß er sich in ärztliche Behandlung be­geben mußte. Der Täter, der die Fahne heruntergeholt habe, fei mittlerweile bekannt geworden, aber von seinen Gesin­nungsgenossen nichl verraten worden. Die Tatsache seiner Richtverhaftung habe er dazu benutzt, um gegen 9 Uhr abends

»-1 I Frankreich wäre die Macht, die von jeder Überwindung

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re; Ohne daß die französische Öffentlichkeit in auf- : " .- fälliger Weise davon Notiz genommen hätte, ist am

-24. Mai die B ach nlinie Fez Udjda in Betrieb genommen worden. Mit der Fertigstellung dieses -Z» Hchienenstrangs hat man jetzt eine vollkommene Ver- i-Ss bindung hergestellt zwischen Ost-Marokko, Algier und

' Tunis. Die drei französischen Besitzungen in Nord- .afrika rücken auf diese Weise näher zusammen. Nicht um der wirtschaftlichen Erschließung des Landes willen hat die französische Kolonialverwaktung die nordafrika- : msche Einheitsbahn bauen lassen. Die neue Bahn dient [in erster Linie strategischen Zwecken. Kommt später ein- ?mal Krieg, dann lassen sich bequem und ohne lange Ver­zögerungen Truppenverschiebungen in den nordafrika- chischen Besitzungen Frankreichs vornehmen. Kein Wun­der, daß der französische Generalstab die nordafrikanische :Bahn als einepochemachendes Ereignis" von ganzem Herzen begrüßt.

[ Das Problem der Verwendung von Kolo- suialtruppenim Falle eines zukünftigen Krieges : beschäftigt den französischen Eeneralstabschef, General Gsmelin, schon seit langem. Man wird sich erinnern: A Als Edouard Herriot vor Jahr und Tag seinen Staats- ^Mbesuch bei der spanischen Regierung machte, streute er in

Ä1 I Diese wenigen Beispiele reichen schon aus, um die - Aktivität des französischen Generalstabes auch unter den 2 . veränderten Zeitverhältnissen zu beleuchten. Die jFkvttenmanöver an der Kanalküste, 'die ,Teilmobilisierung" eines Reservekorps, die Landungs- rrperimente vom Ärmelkanal aus alles das deutet auf die strategische Vielgeschäftigkeit der Generalstäbler ja Paris hin. Daß sie die Technik im weitesten Um­fange sich zunutze machen, braucht nicht getadelt zu werden. Aber daß sie, völlig einseitig erzogen und aus- Sebildet, strategische Gesichtspunkte übe: politische Über- fegungen stellen das macht sie gefährlich für das friedliebende Europa. 1

Wenn aber jetzt von polnischer Seite erneut der gigan- Msche Plan eines Brückenbaus über den Ärmelkanal in den Vordergrund gerückt wird, jo -ari man von vornherein annehmen, daß der _ fran- Eeneralstab an der Erörterung eines solchen Mrojekts brennend interessiert ist. Man stelle sich vor, Iselifje strategische Bedeutung eine England und Frank­reich verbindende Brücke über dem Ärmelkanal haben pniifjte. England, dessen insulare Lage die europäische 5-1 Kolitik der Downingstreet erleichterte, würde plötzlich gilt deneuropäischen Wirbel" hineingerissen werden.

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