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Sonntag, 13. Mai 1934

82. Jahrgang

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Geschäftszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonn- und Feiertags.

Werktäglich nachmittags, Samstags vor- u. nachmittags Fcrnsprecher-Sammel-Nr. 59631.

Höchstens Präzisierung der bereits gegebenen Garantien.

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3m Mittelpunkt: Die Saarfrage.

Bor einer entscheidenden Bölkerbundsratssitzung.

Schon die Anrufung der Völkerbundsstadt lagt die meisten Zeitgenossen in einen Zustand der Langeweile versinken. Dennoch hat diesmal der Völker­bundsrat, der am 14. Mai zu seiner 79. Tagung in ®cnf Zusammentritt, eine äußerst wichtige Entscheidung zu treffen. Das Schicksal des Saargebietes steht auf der Tagesordnung. Der T e r m i n d e r Volks­abstimmung, über den sich die Gelehrten bisher nicht einig werden konnten, muß endlich festgesetzt werden. Das deutsche Saarvolk dringt auf eine Ent- scheidung. Umsomehr als sich in den letzten Wochen Strömungen bemerkbar machten, die auf eine Verschie­bung der Volksabstimmung hinausliefen. Auf dem Umweg über den BernerBund" hat auch das deutsche Volk mancherlei über die merwürdige Kulisienpolitik im Hinblick auf das Saarproblem erfahren.

Die klaren Buchstaben des Rechts lassen sich dabei durch keinen Winkelzug aus der Welt schaffen. Der Versailler Vertrag sicht vor, daß die Saarbevölkerung 15 Jahre nach dem Inkrafttreten des Friedensver- trages über die Frage ihrer künftigen Staatszugehörig- kert entscheiden soll. Der 10. Januar 1935 ist dieser Stichtag. Es wäre nur recht und billig und entspräche den diplomatischen Gepflogenheiten, wenn gleich nach diesem Stichtag das Saarproblem durch die Volksab­stimmung aus der Welt geschafft werden könnte. Denn daran zweifelt doch niemand, auch nicht die aus­ländischen Sonderberichterstatter, die jetzt rudelweise das Land bereisen: daß die Saarbevölkerung sich zu weit mehr als 90 Prozent zum deutschen Mutterlande bekennen wird. Der deutsche Charakter des Saarlandes kann nicht angezweifelt werden. Und wenn sich jetzt der Saarpräsident Knox immer noch wieder hilfeflehend an den Völker­bund wendet und die Sicherheitsverhältnisse im Saar­gebiet in den düstersten Farben schildert, so spricht auch aus solcher Hilflosigkeit letzten Endes die Erkenntnis, daß die saardeutsche Entscheidung mit kleinlichen Schikanen nicht umgebogen werden kann.

Wer will sich darüber wundern, daß die Franzosen in Herrn Knox ganz und gar den Mann ihrer politischen Wünsche sehen! Die französische Presie lebt ja immer noch von der Goebbels-Rede in Zweibrücken, deren drohender Ton" nicht genug hervorgehoben werden kann. EinDeutschland, das Frankreich und dem Völkerbund widerstehen kann komme, was kommen mag" ist allerdings den Franzosen ein Stein des An­stoßes. Systematisch versucht dechalb die französische Presse den Völkerbundspolitikern einzureden, daß die Saarpolizei politisch unzuverlässig sei. Mehr noch: Herr Knox versuchte abermals sich mit der Behauptung interessant zu machen, daßin nächster Zeit" ein An­schlag gegen die jetzige Saarregierung geplant sei. Selbstverständlich von deutscher Seite! Herr Knox be­müht sich erst gar nicht darum, den Beweis für seine unsinnigen Behauptungen zu führen. Es genügt ihm vollkommen, Gerüchte nach Genf weitergeleitet zu haben, die ihm irgendwann einmal zu Ohren gekommen sind. Wer will es der deutschen Saarbovölkerung übel-

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Schuldnerländern . auf eine entsprechende Anfrage ge­antwortet, daß diejenigen Länder, die ihrer Zahlungs­pflicht nicht voll nachkommen, als in Zahlungsverzug betrachtet würden. Ganz offensichtlich hoffen die Amerikaner auf diese Weise auf ihre Schuldner einen Druck ausüben zu können, um diese Länder wieder an den Verhandlungstisch zu bringen. Niemand in Amerika wird nämlich annöhmen, daß nun die Schuldnerstaaten ihren Verpflichtungen am 15. Juni voll nachkommen werden, sind doch beispielsweise weder im französischen noch im englischen Haushalt irgend­welche^ Vorkehrungen zur Schuldenzahlung an Amerika getroffen worden. Wichtig ist aber auch für die Ameri­kaner, daß man zu einem endgültigen Abkommen ge­langt, sind doch noch immer 14 europäische Länder Schuldner Amerikas aus dem Weltkrieg. Der unter großen Schwierigkeiten aufgestellte Zahlungsplan, der sich für die meisten Länder auf 62 Jahre erstreckt, wurde im Sommer 1931 durch Hoovers Schuldnerfeierjahr das erstemal unterbrochen. Die ganze Frage der internationalen Schulden hat dann in Zusammenhang mit der Lausanner Konferenz eine sehr wesentliche Rolle gespielt. Am 15. Dezember 1932 zahlten die Schuldner mit Ausnahme von Frank­reich ihre Rate unter Protest alsletzte Rate". Seit jener Zeit hat ein Teil der Schuldner, vor allem Frank­reich, gar nicht bezahlt, ein anderer Teil hat sich in ein besseres Licht setzen wollen und hat darum kleine Ab­schlagszahlungen geleistet. So ging im Dezember 19 33, dem letzten Zahlungstermin, z. B. etwa fünf Prozent der fälligen Summe ein. Diesem Zustand wollen die Amerikaner offenbar jetzt ein Ende machen, wenn sie sich wohl auch klar darüber sind, daß die astronomischen Zahlen der alten Schuldenpläne nicht wieder erreicht werden. Möglich also, daß nun­mehr wieder der große Handel um die Schuldenfrage losgeht, es sei denn, daß die europäischen Schuldner gegenüber dem amerikanischen Druck gänzlich un­empfindlich bleiben.

Amerika mahnt seine Schuldner

Das ewige Schuldenthema.

AWeigeiipreise: Em Millimeter Höh« der 22 Millimeter breiten Spalte im Anzeigenteil Grund, weis 6 Stof., der 85 Millimeter breiten Spalts im Tertteil 45 Rps., sonst laut Tarif Nr. 2, Nachlagstaffel C. Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Plätzen wird leine Gewahr übernommen. Schluß der Anzeigen-Annahme 10 Uhr vormittags. Drogere Anzeigen müssen spätestens einen Tag vor dem Erscheinungstage aufgegeben werden

Paris, 12. Mai. 3n Paris ist man allgemein der An­sicht, daß Hendersons Besuch für die Förderung des 216= rüstungsproblems ohne Erfolg geblieben ist. Man glaubt, daß Henderfon'der französischen Regierung als äußerstes An­gebot eine~ Nachprüfung der Garantien aus den und eine

5u militärischen Sanktionen gehen könnten. DasEcho de Paris" spöttelt über Hendersons Versuche zur Rettung der Abrüstungskonferenz und hofft, daß die französische Regierung endlich darauf dringen werde, von der englischen Regierung bestimmte Auskünfte darüber zu erhalten, wie sie'sich die großen Grundfesten des Friedens eigentlich vorstelle.

Eden reist nach Paris.

London, 12. Mai. Der Lordsiegelbewahrer Eden reist am heutigen Samstag nach Paris ab, nachdem er von dem inzwischen nach London zurückgekehrten Präsidenten der Ab­rüstungskonferenz Henderson einen Bericht über die Be­sprechungen mit Barthou entgegengenommen hat. Henderson wird heute auch Außenminister Simon über den Verlauf feiner Pariser Besprechungen berichten.

von Ribbentrop: Die deutschen Forderungen sind unverändert.

London, 12. Mai. 3n einer Unterredung, die einem Reutervertreter von Herrn von Ribbentrop gewährt wurde, sagte dieser, die Forderungen der deutschen Regierung hinsichtlich der Abrüstung seien in keiner SBeiie ab geändert worden und stellten das Mindestmaß dar. Wenn alle Per­sonen und alle interessierten Staaten ihr bestes täten, müßte man in kurzer Zeit zu einem Abrüstungsabkommen gelangen können, denn es scheine in dieser Frage kaum Gegensätze von Belang zu geben.

Anerkennungszahlungen" nicht ausreichend.

I: as. Berlin, 12. Mai. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Es stand von vornherein fest, daß mit dem i nächsten Termin für die fälligen Kriegsschulden­zahlungen an Amerika die Frage der interalliierten l Schulden wieder spruchreif werden würde. Die Arneri- l kaner, die vorübergehend einmal bereit zu sein schienen, = unter das Kapitel Kriegsschulden einen Schlußstrich zu i ziehen, ließen in immer stärkerem Maße erkennen, daß \ sie keineswegs gewillt sind, auf die Zahlung ihrer 1 europäischen Schuldner zu verzichten. In dieser Hinsicht war bereits die vor einiger Zeit vom amerikanischen Parlament verabschiedete Johnson-Bill ein sehr deutliches Zeichen. Verbietet doch dieses E e - ssetz denjenigen Ländern Kredite einzu- s räumen, die mit ihren Schuldenzachlungen i i m R ü ck st a n d sind. Die große Frage war dabei, V wer als im Zahlungsverzug befindlich betrachtet wer- rden würde. Vor allem glaubten die Länder, die, wie [ England, jeweils bei dem Fälligwerden der Schulden­kzahlung kleinere Beträge alssymbolische" s Z ah l u n g e n geleistet hatten, daß sie nicht unter die I Bestimmungen der Johnson-Bill fallen würden. In - Frankreich war man sogar bereit, unter solchen llm- ; stäriden am 15. Juni eine Anerkennungszahlung zu l leisten, um nicht als säumiger Schuldner betrachtet zu { werden. Das ist. für ein Land wie Frankreich naturge- | mäß nicht gerade angenehm, zumal sich auch a m e r i - : konische Banken bereits geweigert haben, pi e ihnen von fremden Diplomaten vor- (gelegten Schecks und Wechsel ein zu lösen, ? soweit es sich um Länder handelt, die ihre Schulden an |bie Vereinigten Staaten nicht gezahlt haben. Wenn I man sich aber in Paris oder in London der Hoffnung ' hingegeben hat, daß man auch am 15. Juni mit einer kleinen Anerkennuygszahlung die Schuldenfrage in Ordnung bringen könnte, so sieht man sich darin ge­täuscht. Die amerikanische Regierung hat nämlich den

Zum Reichsbeauftragten für die Überwachungsstelle ist Herr Erich Hammesfahr (Hamburg), Adresse: Handels­kammer, Hamburg 11, Börse, ernannt worden.

Stabschef Röhm verbietet der SA. Teilnahme an kirchenpolitischen Kundgebungen.

Berlin, 11. Mai. Das Presseamt der Obersten SA.- Führung teilt mit: Um die Versuche gewisser Elemente, An­gehörige der SA. in kirchenpolitische Streitigkeiten hineinzu- ziehen und dadurch dem Ansehen und der Geschlossen- heit der SA. zu schaden, ein- für allemal unmöglich zu machen, hat Stabschef Röhm einen Erlaß an die SA. heraus­gegeben, in dem angeordnet wird, daß die Teilnahme von SA.-Angehörigen an derartigen poli­tischen Demonstrationen verboten ist. Gleichzei­tig wird jede Art von AmtshinderunZen oder Maßnahmen gegenüber den Pfarrern beider Konfessionen untersagt.

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| früheren Verträgen, so aus dem Loearnovertraa, ' Nachprüfung des Begriffes des Angreifers im Si...........

Verstärkung bezw. Präzisierung angeboten habe. Aber ; französischerseits habe man das als unzureichend abgelehnt.

Man findet in der Presse natürlich die üblichen Rechtfer­tigungsversuche, die darauf hinausaehen, daß Frank- t-teich nicht daran schuld sei, wenn die Abrüstungskonferenz Wn eine Sackgasse geraten sei. DerPetit Parisien" sucht in einem spaltenlangen Artikel, Frankreich vor der Welt rein zu waschen und beruft sich dabei auf eine Mitteilung, die Paul- Boneour zum erstenmal am 28. Juli 1933 an die englische Regierung gerichtet habe und in der vorgeschlagen wurde, man möge in Nachrichtentausch über die deutschen Pläne zur Schaffung einer Militärluftfahrt eintreten und gemeinsam in Berlin 'Erläuterungen verlangen. Dieser fran­zösische Vorschlag sei, obwohl man ihn noch mehrmals wieder­holt habe, englischerseits nie aufgegriffen worden. Der'

Motin" betont, daß für Frankreich in der Abrüstungsfrage e-n Kompromiß nicht möglich sei. Er behauptet, zur'Förde­rung der Abrüstungsverhandlungen wäre Italien bereit, Frankreich bedeutsame Garantien anzubieten, die sogar bis

«qvgvpreil-: Für eine Bezugszeit von 2 Wochen 94 Rpf., für einen Monat RM. 2.. ein- fchlieWch Traglohn. Durch diePost bezogen RM. 2.35, zuzüglich 42 Rpf. Bestellgeld, Einzel- nummern 10 Rpf. Bezugsbestellungen nehmen an: der Verlag, die Ausgabestellen, die Träger und alle Postanstalten. In Fällen höherer Gewalt, Betriebsstörungen oder Streiks haben di« Bezieher keinen Anspruch aus Lieferung des Blattes oder auf Rückzahlung des Bezugspreises.

lelegramm-Adresst: Zagblatt Wiesbaden.

Nr. 128.

Lberwachungsstelle für Kautschuk

zur Sicherstellung einer wirtschaftlich günstigen Rohstoff­einsuhr.

Berlin, 11. Mai. Auf Grund des aus dev i fen w i r t Haftlidien Gründen erlassenen Gesetzes über den Verkehr mit industriellen Rohstoffen und Halbfabrikaten 22. März 1934 hat der Reichswirischafisminisier zur RMlung und Überwachung des Verkehrs mit Kautschuk eine uoerwachungsstelle für Kautschuk mit dem Sitz in Hamburg ^richtet. Zweck der Lberwachungsstelle ist, die Versor - ?up.c, der Kautschukindustrie mit Rohkaut- uk in einer wirtschaft lich möglich günstigen 8 i i e sicherzustellen. Der Verordnung unterliegen Kaut­el, Guttapercha und Balata sowie «genierter Kautschuk schließlich Kautschukabfälle und dergleichen.

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