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Der 1. Mai.

Achte Anordnung.

Großes Arbeitsbeschafsnngsprogramm für die not­leidenden Künstler anläßlich des Nationalen Feiertages des deutschen Volkes am 1. Mai!

Die Not vieler schaffenden Künstler ist so groß, datz mit allem Nachdruck etwas geschehen muh, um wertvollste Kräfte vor dem völligen Ruin zu bewahren.

Auf ausdrückliche Anordnung des Gauleiters, Pg. Sprenger, gebe ich folgendes Arbeitsbeschaffungsprogramm bekannt:

Alle Künstler im Gau Hessen-Nassau gestalten Motive, die sich aus dem Aufmarsch der gesamten schassenden Bevölke­rung ergeben, in Gemälden, Ölskizzen, Aquarellen, Zeich­nungen, Radierungen usw. usw.

In engster Zusammenarbeit mit dem Führer der Landes- stellc Hessen-Nassau der Reichskammer der Bildenden Künste, Pg. Blattner, findet dann zu einem Zeitpunkt, der noch in der gesamten Presse bekanntgegeben wird, zuerst in Frank­furt a. M. und später in den gröhercn Städte» des Gaues, eine öffentliche Ausstellung dieser Kunstwerke statt.

Die staatlichen und kommunalen Behörden, die Führer der Wirtschaft und des Handels, auherdem Rechtsanwälte, Arzte, Zahnärzte, Dentisten sowie Geschäftsleute aller Zweige werden dann aufgcfordcrt, dieser Ausstellung be­sondere Aufmerksamkeit zu schenken und nach Möglichkeit ein Stück für die dem Publikum zugängliche» Räume zu erwerben.

Dadurch wird allen Künstler» die Möglichkeit geboten, wertvolle Arbeiten zu zeigen und zu verkaufen, und gleich­zeitig erreichen wir, dah der künstlerische Niederschlag des 1. Mai Tausenden immer wieder sichtbar in Erscheinung tritt.

gez.: Müller-Scheld.

Legende der deutschen Aufrüstung.

Was sich nach der französischen Note entwickeln wird, das liegt in der Luft. Am Quai d'Orsay wird man nach bewährtem Muster alle Propagandaminen wieder springen lassen, aber Propaganda allein tut's auch nicht, denn diese Propaganda kann als das gekenn­zeichnet werden, was sie ist, als bewußte Legendenbil­dung. Das tut Major Hans Rohde in seinem Buche Französische G e s ch i ch t s a u f f ass u n g und Propaganda in der Abriistungsfrage." (VerlagBerliner Börsenzeitung", Berlin W. 8). Wir geben daraus folgenden Abschnitt wieder:

Von wem die Legende von den deutschen Rüstungen erfunden ist und von wem sie verbreitet wird, bedarf wohl nicht erst besonderer Erwähnung. Es sind die Mächte und Länder, die sich seit jeher einer eige­nen Abrüstung beziehungsweise der praktischen Ver­wirklichung der Deutschland im Dezember 1932 in Eens zuerkannten Gleichberechtigung widersetzt haben und es zum Teil heute noch tun.

Nun, alle diese Mächte und Länder haben sich in ihrer Propaganda gegen Deutschland niemals einer be­sonders großen Objektivität und Sachlichkeit befleißigt. Sie haben im Gegenteil mehr als einmal selbst vor fal­schen Behauptungen nicht zurückgeschreckt, wenn es galt, vor der Welt ihre von dieser nicht mehr verstandene Haltung in der Abrüstungsfrage zu rechtfertigen und Deutschlands moralische Stellung zu schwächen, wenn es galt, neue Wege und Gründe zur Ablehnung ihrer vertraglichen Verpflichtungen zu finden.

Was soll man dazu sagen, wenn beispielsweise immer und immer wieder aus dem deutschen Wehr­haushalt unter Zugrundelegung der Herstellungskosten für Heeresmaterial in anderen, in der Waffenher­stellung Staatsmonopol besitzenden Ländern und unter völliger Nichtberücksichtigung der infolge von Ver­sailles in Deutschland wesentlich anders gearteten, und zwar ungünstigeren Verhältnisse für Deutschland eine Waffen- und Munitionsmenge errechnet wird, die den Tatsachen in keiner Weise entspricht? Was soll man weiterhin dazu sagen, wenn aus den Außenhandels- ziffern Deutschlands, den Zahlen seiner Ein- und Aus­fuhr von Erz und Eisenprodukten einjpch ohne weiteres auf deren Verarbeitung zu Kanonen und Artillerie­munition geschloffen wird, und wenn schließlich eine Persönlichkeit wie Andr6 Tardieu, eine Persönlichkeit, die einerseits in Versailles der engste Mitarbeiter Clemenceaus gewesen ist, andererseits noch am 13. November 1930 als Ministerrprästdent im Parla­ment die Versicherung abgegeben hat, daß Deutschland alles zerstört habe, was zu zerstören es verpflichtet ge­wesen sei, wenn eine solche Persönlichkeit also, die über die Verpflichtungen Deutschlands und ihre Erfüllung doch genauestens unterrichtet sein muß, nun plötzlich nicht mehr zu seinen Worten steht.

Nun, darüber kann wohl kein Zweifel sein, die Or­gane der Militär-Kontrollkommission Haben während

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110.

Montag, 23. April 1934

82. Jahrgang

3 3

5

Doumergues Mahnung.

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Fernsprecher-Eammel-Nr. 59631.

Berliner Büro: Berlin-Wilmersdorf.

,2:

Bor wichtigen Erklärungen

über die Zukunft des Saargcbietes.

Seschäftszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonn- und Feiertags.

Zn London eingetroffen.

London, 22. April. Staatssekretär Sllvich ist Sonntagabend in London eingetroffen. Auf die An­fragen zahlreicher Pressevertreter lehnte er es ab, irgendeine Erklärung abzugeben.

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IS 8.

Unruhige Welt.

is nervöse Paris. Streik ohne Ende in Spanien. Bor Arbeitskämpfen in Amerika.

eher nach Abwehr als nach Ausbesserung aus. ilen bewahrt man einmal ruhig Blut und ver- tt der Regierung Doumergue, die mit ihrem Vor- gegen die demonstrierenden Beamten und mit Verbot einer sozialistisch-kommumstischen Ver- Wrlung beweist, -daß sie vorerst nicht die Absicht hat, t den Drohungen der Linken zu kapitulieren.

Panz wesentlich ungünstiger und schwieriger liegen Tinge in Spanien. Die Streiks brechen in Lande nicht ab und nun ist auch die Hauptstadt r i d von einem E e n e r a I st r ei k überrascht n, der als Protestaktion gegen einen großen Auf- der katholischen Volksaktion gedacht war. Der k, der völlig überraschend kam, machte sich inso- besonders unangenehm bemerkbar, als Madrid dtzljch ohne Brot war und Militär eingreifen M, um die Bäckereien in Betrieb zu setzen. Es kam zu erheblichen Ruhestörungen in der stadt wie im ganzen Lande und alle diese Vor­beweisen wieder, wie groß nach wie vor die innen- Spannung in Spanien und wie schwach die on der Minderheitsregierung der Mitte, der Re- Le r r o u x, ist. Dabei ist noch zu berllck- n, daß durch das jetzt angenommene spanische tiegesetz nicht nur die Teilnehmer an monarchisti- und rechts gerichteten Verschwörungen in Freiheit __^werden, sondern auch Tausende, die bei den Messtischen Kämpfen der letzten Zeit beteiligt waren

Bas. Berlin, 23. April. (Drahtbericht unserer Berliner Meilung.). Der französische Ministerpräsident Dou- ^lirgue ist zu der Erkenntnis gekommen, daß der Mundfunk ein sehr brauchbares Mittel für einen Matsmann ist und _ so hatte er am Sonntag zum Weiten Male auf diesem Wege an das französische Volk Melliert. Er hat es e-nmal für nötig befunden, eie Wnpchche Haltung in der Rüstungsfrage zu verteidi- M und dabei um Vorabend der englisch-'talieni'chen Mxräche und am Vorabend des Besuches Barthous in Marschau -- die Sicherheitsfrage erneut in den Vordergrund zu rücken Er hat aber auch sehr nach­drücklich gewarnt vor den Gefahren des Würge r k r i e g e s. Man kann wohl annehmen, Mh diese Warnung nicht leichthin ausgesprochen wurde, Widern, daß der französische Ministerpräsident guten hatte, vor innenpolitischen Kämpfen zu warnen.

Msächlich macht sich in Paris nämlich eine gewisse M.rvö se Stimmung bemerkbar. Man sieht mit Wiger Unruhe dem 1. Mai entgegen und fragt W, ob dieser Tag nur den traditionellen Streik der 'Äutodroschkenchaufseure, sondern etwa den Aufmarsch Maffneter Massen bringen wird. Es scheint auch, als W man für alle Fälle gewisse Vorbereitungen trifft, Wenigstens veröffentlichen französische Blätter Bilder, M zeigen, daß die E i s e n g i 11 c r vor dem Kammer- "Mde verstärkt werden. Die Verwaltung der rötmer erklärt dazu zwar, daß es sich nur um fällige vbesserungsarbeiten handele, die Bilder aber zeigen, P neuerdings die Eisen st äbe des Gitters tt Stacheldraht umwickelt werden. Das

Hnätigenpreile: Ein Millimeter Höhe der 22 Millimeter breiten Spalte im Anzeigenteil Grund, preis 6 Rpf., der 85 Millimeter breiten Spalte im Tertteil 45 Rpf., sonst laut Tarif. Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Plänen wird leine Gewähr übernommen. Schluß der Anzeigen-Annahme 10 Uhr vormittags. Erobere Anzeigen müssen spätestens einen Tag vor dem Erscheinungstage aufgegeben werden.

Für eins Bezugszeit von 2 Wochen 80 Rpf., für einen Monat RM. 1.70 »uzüq. Kso Mpf. Ira0l°l)n. Durch die Post bezogen RM. 2.35, zuzüglich 42 Rpf. Bestellgeld? d^?SdbestelIungen nehmen an: der Verlag, die Ausgabestellen, die Träger und alle Postanstalten, -dn prallen höherer Gewalt, Betriebsstörungen ober Streiks haben die Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung des Blattes oder auf Rückzahlung des Bezugspreises.

Am 1. Mai wirb der Lohn bezahlt.

Nähere Ausführungsbestimmu»gen folge».

Berlin, 23. April. (Drahtbericht unserer Berliner ung.) Wie wir erfahren, wird am 1. Mai, dem «le» Feiertag des deutschen Volkes, entsprechend der des Vorjahres und entgegen bisher anders

^dtenden Meldungen, Lohn gezahlt werden. qTy** Ausführungsbestimmungen folgen in den nächsten

Die Aussprache Suvich-Doumergue.

Verschiebung der Genfer Verhandlungen auf

Wunsch Mussolinis?

Paris, 22. April. Unterstaatssekretär S u v i ch hatte am Sonntagmorgen eine einstünbige Unter­redung mit dem französischen Ministerpräsidenten. Im Anschluß an diese Unterredung wurde eine amtliche Verlautbarung herausgegeben, in der es lediglich heißt, baß Suvich auf der Durchreise nach London eine herzliche Aussprache mit dem Ministerpräsidenten hatte.

In gut unterrichteten politischen Kreisen erklärt man zu dieser Unterredung, daß die Frage der Rüstungen und die Lage in Mitteleuropa besonders eingehend behandelt worden seien. Suvich habe dem Ministerpräsidenten sicherlich die Ansicht des Duce bar­gelegt, der die Verhandlungen auf diploma- t i s ch e rn W e g e den Genfer Besprechungen vor- ziehe. Auf der anderen Seite habe der italienische Unterstaatssekretär vom französischen Ministerpräsi­denten Einzelheiten über die Haltung Frankreichs in der R ü stu n g s f r a g e er­beten, damit er in voller Kenntnis der Lage in London verhandeln könne. Doumergue, so glaubt man, habe sich sicherlich auch nach der Tragweite der Abkommen er­kundigt, die die italienische Regierung am 17. März mit Österreich und Ungarn getroffen hat.

Paris Soir" glaube zu wiffeki, daß Suvich den französischen Ministerpräsidenten von dem Wunsche Mussolinis verständigt habe, die Genfer Aus­sprache zu verschieben.

und die nun wahrscheinlich nichts Eiligeres zu tun haben werden, als sich an diesem Kampf gegen die Re­gierung zu beteligen. Es ist leider kaum anzunehmen, daß in Spanien in absehbarer Zeit eine Beruhigung eintreten wird.

Aber auch den amerikanischen Präsidenten Roose­velt will es nicht mehr gelingen, soziale Kämpfe zu verhindern. Die von ihm ange­regten Verhandlungen zwischen den Eisenbahngesell- schaften uni) ihren Angestellten sind gescheitert. Die Arbeiter verlangen eine nicht unbeträchtliche Lohn­erhöhung, die die Gesellschaften für untragbar halten. In den nächsten Tagen müssen die Arbeiter selbst zu dieser Frage Stellung nehmen und die Gewerkschafts­führer glauben, baß die Entscheidung zugunsten des Streikes fallen wird, da die Kommunisten in diesem Sinne lebhaft agitieren. Man sieht, daß Herr Roosevelt mit seinen wirtschaftlichen Aufbauplänen sich nicht ohne weiteres immer durchsetzen kann, sondern mit starken Widerständen nicht nur bei den Unter­nehmern, sondern auch bei den Arbeitern rechnen muß.

?!niSer Zeit wirb eine gewaltige Kundgebung der vMjen Deutschen Front in Zweibrücken stattsiaden. ' Kundgebung werden sehr wichtige Erklä-

B abgegeben, bte sich auf die Zukunft des Soor« ? wts beziehen.____

| Abbruch des dänischen Schiffahrtsstreiks.

?ovr»hagen, 22. April. Nachdem die dänischen Matrosen > beschlossen hatten, am Montagfrüh die Arbeit

aufzunehmen, haben heute auch sie Heizer ein« - beschlossen, morgen früh wieder an die Arbeit zu

Der Generalstreik in Madrid.

Zwei Tote, zahlreiche Verletzte.

Madrid, 22. April. Die Eewerkschaftsverbände der Sozialisten haben in der Nacht von Samstag auf Sonntag zusammen mit den Organisationen der Syndikalisten in Madrid einen 24stündigenEeneralstreikprokla- m i e r t. Weder die Regierung, noch die Polizei waren darauf vorbereitet, so daß dieser Schlag völlig unver­mutet und überraschend kam. Innerhalb einer halben Stunde war der gesamte Kraftdroschken-, Straßen­bahn- und Autobusoerkehr eingestellt. Auch in den Bäckereien ist die Arbeit niedergelegt worden, so daß Madrid ohne jede Brotversoraung ist. Der Streik ist vo» den Marxisten als Protestaktion gegen die Regierung und gegen di« am heutigen Sonntag im Escorial stattfindende Rie­senversammlung der katholischen Volks­aktion gedacht. Im Zusammenhang mit dieser Protest­kundgebung kam es in der vergangenen Nacht an verschie­denen Stellen der Stadt zu Schießereien zwischen Marxi^n und Polizei. Eine Person wurde getö­tet, zahlreiche wurden verwundet. I» der Hauptverkehrsstraße in Madrid wurde eine Bombe ge- warfen, die einen jungen Mann tötete. Cafes und Restau­rants, die nicht auf die Aufforderung der Marxisten sofort schlossen, wurden mit Steinen bombardiert. Sämtliche Theater und Kinos mußten ebenfalls schließen.

Trotz dieser anarchistischen Lage in der Hauptstadt erklärt der Innenminister, Herr der Lage zu sein.

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