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Sonntag, 18. März 1934.

Zweites Blatt. Nr. 76.

M6

Für Zuschriften aus dem Leserkreise, die unter dieser Rubrik veröffentlicht werden und möglichst knavu und gegenständlich gehalten sein sollen, übernimmt die Schriftleitung nur die prehgejetzliche Verantwortung.

Nochmals: Die Kahlemühle.

Mit Recht ist die Schlageterstraße als unpassierbar geschildert worden. Es ist un­verständlich, daß keine Abhilfe geschaffen wird. Vor allem, da die Kosten sehr gering sind, um einen einfachen Schlackenweg her- zurichten. 140 bis 150 Familien wohnen von der Kahlemühle bis zur Siedlung Talheim. Da man ja Feldwege mit Schlacken befestigte, j>te nicht so viel begangen und bewohnt sind, müßte meiner Ansicht nach erst für die Be­wohner der Schlageterstraße Sorge getragen werden. Die Stadt verlangte ja schon vor Jahren, daß ein 5 Meter breiter Gelände­streifen für den Bürgersteig von den Grund­stücksbesitzern abgetreten wurde. Dieses ab­getretene Gelände braucht nur etwas geebnet üiü> mit Schlacken befestigt zu werden, und ein gangbarer Fußweg wäre vorhanden. Die Anwohner, die täglich 2= bis 4rnal zum Dienst und zum Geschäft in die Stadt müssen, würden das aufs herzlichste begrüßen. An ein Vermieten der leerstehenden Wohnungen ist gegenwärtig nicht zu denken.

Einer für viele. K. Z.

Zusammenbruch der Relativitätstheorie?

Jüngst sind Mitteilungen aus Professor Michelsons hinterlassenen Papieren ver­öffentlicht worden, aus denen die Erschütte­rung derberühmten Theorie Einstein" ge­folgert werden kann. Professor Michelson hat nämlich durch jahrelange haarscharfe Messungen festgestellt, daß im Gegensatz zu der Lehre Einsteins Abweichungen der an­geblich konstanten Lichtgeschwindigkeit be­stehen. Zur Erklärung der sogenannten Einstein-Effekte gibt es anschauliche Theo­rien, die sick aus Bewegungen des Licht- ätbers gründen. Durch photographische Auf­nahmen bei Sonnenfinsternissen der letzten Lahre wollte man die Ablenkung der Licht­strahlen durch das Schwerfeld der Sonne be­weisen und damit das Gesetz von der grad­linigen Fortpflanzung der Licht­strahlen widerlegen. Die Erscheinung der Ablenkung der Lichtstrahlen durch die Attrak- tionskräit« der Sonne läßt fich aber auch »ach folgender Überlegung erklären: Der tgi chtäther, wie er den ganzen Welten- raum erfüllt, ist wohl der feinste Stoff, denn er ist ja der Träger der größten Geschwindig- Wt, die wir kennen, der Lichtgeschwindigkeit.

Da der Lichtäther der substantielle Unter­grund der Wirklichkeit ist, unterliegt er darum auch den Naturgesetzen. Er wird also auch durch die Anziehungskräfte der ^Himmelskörper beeinflußt. Leder Himmels­körper wird also den Lichtäther, soweit die Anziehungskräfte ausreichen, anziehen und an den Eigenbewegungen der Himmels- - körper teilnehmen lassen. Also muß der die Sonne umgebende Lichtäther an deren Drehungsbewegung teilnehmen, und durch diesen sich mitdrehenden Lichtäther müssen natürlich alle Lichtstrahlen, die an der Sonne Vorbeigehen, hindurchgehen. Diese . Lichtstrahlen werden durch die Drehungen der Sonne und ihres Äthermantels abge- - lenkt. Die Größe dieser Ablenkung hängt natürlich von der Drehungsgeschwindigkeit und der Drehungsrichtung der Sonne ab.

Dies sind unbekannte Größen, so daß sich nach dem heutigen Stand der Astronomie die Ablenkungsgröße der das Schwerefeld der Sonne passierenden Lichtstrahlen nicht be­stimmen läßt. Aber diese Ablenkungs­art unterscheidet sich doch wesentlich von derjenigen, die nach Einstein unmittelbar aus die Einwirkung der Schwerekräfte der Sonne zurückgeführt wird. Nach Einstein müssen die Sterne-Lichtstrahlen, die das Schwerefeld der Sonne passieren, auf beiden Seiten der Sonne in entgegengesetzter Rich­tung abgelenkt werden, während nach der vorstehend entwickelten, mehr einleuchtenden Theorie die Ablenkungsrichtung auf beiden Seiten der Sonne die gleiche sein muß. Da­mit würde auch das Rewtonsche Gesetz von der gradlinigen Fortpflanzung der Licht­strahlen unangetastet bleiben. Verfasser hat hierfür experimentelle Beweisführung ver­anlaßt; bei deren Gelingen wäre ein weiterer Pfeiler der Einsteinschen Theorien

gebrochen, wenn nicht schon die wissenschaft­lichen Feststellungen von Professor Michelson genügen sollten, dengroßen Einstein" zu widerlegen. M. Eroskopf.

Entfernt alte Antennen!

Die Hausbesitzer werden in ihrem eigen­sten Interesse gebeten, beim Wohnungs­wechsel ihrer Mieter deren entbehrliche An­tennen, die über die Straße wegführen, ent­fernen zu lassen. Erfahrungsgemäß werden bei solchen Antennen die Blitzschutz-Einrich­tungen von dem ausziehenden Mieter ent­fernt und die Antennen dann ihrem Schicksal überlassen. Sie bilden eine Gefahrenquelle nicht nur für die Pasianten, da die Haltbar­keit der aus Litzendraht bestehenden An­tenne nur eine kurzfristige ist und die Ge­fahr des Herunterfallens besteht, sondern auch für das Gebäude und die neu einziehen­den Mieter. D. L.

Das Kirchenbuch, die wichtigste Quelle der Familienforschung.

Die Familienforschung hat im nationalsozialistischen Staat eine un­geahnte Bedeutung erlangt und wird in Zukunft auch in der Schule gepflegt werden. Ihre Leser wird daher die Einführung in die Familienkunde" von Prinz von Isenburg, der ich den nachstehenden Abschnitt entnehme, leb­haft interefsieren. (Verlag von Quelle und Meyer in Leipzig.)

Die Kirchenbücher enthalten die Haupt­daten der Standesdokumente, also Taufe, Vermählung nebst vorhergegangener Ver­kündigung und Tod bezw. Begräbnis. Ferner bringen sie di« Listen der Firmlinge, Konfir­manden und Abendmahlsgäste. Der Quellen- wert der Kirchenbücher besitzt fast urkund­lichen Charakter. Rur selten weisen sie Ab­weichungen von der Wahrheit oder Ver­schleierungen auf. Manche, besonders -ältere Kirchenbücher kleinerer Gemeinden enthal­ten oft ganz« Chroniken, auch ganze Geneal­ogien ortsansässiger Geschlechter, so daß man ein lebendiges Bild vergangener Menschen und Ereignisse erhält.

Da die KirHenbücher von den jeweilige Geistlichen geführt wurden, und diese sich auf die ihnen gemachten mündlichen Angaben verlassen mußten, besitzen sie nicht den gleichen Wert wie die heutigen Standes- register, di« sich in ihren Angaben auf die Vorlage amtlicher Dokumente stützen.

Die Eintragungen erfolgten in chronolo­gischer Reihenfolge, jedoch getrennt nach den drei Amtshandlungen der Taufe, der Ver­mählung und des Begräbnisses. Entweder wurden drei verschiedene Bücher angelegt, oder man vereinigte sie in einem Bande. Nicht selten wurden die Eintragungen teil­weise vorne und teilweise rückwärts in einem einzigen Bande verzeichnet. Das Suchen nach bestimmten Namen wird durch ein Register wesentlich erleichtert, was aber sehr oft nicht vorhanden ist. Sehr zu be­achten sind die Namen der Paten der Ge­tauften, woraus wichtige Schlüsse auf die verwandtschaftlichen Beziehungen der Eltern gezogen werden können. Einträge über An­gehörige solcher Religionsgemeinschaften, die

am Ort kein eigenes Pfarramt hatten, stehen in den Matrikeln der nächstliegenden Kirche ihres Bekenntnisses. Es kommt aber auch vor, daß diese kirchlichen Amtshandlungen in den Matrikeln der anderen Konfession verzeichnet sind. Für Soldaten wurden be­sondere Militärkirchenbücher angelegt.

Für die Praxis der Kirchenbuch­forschung seien einige Winke- gegeben. Die Eheschließung fand in der Regel im Wohnort der Frau statt. Ein neugeborenes Kind erhielt ost den Vornamen des vor ihm verstorbenen Bruders oder der Schwester. Dies ist zu beachten, wenn etwa zwei Kinder eines Ehepaares den gleichen Vornamen führen sollten. Totgeborene und solche Kin­der, die in den ersten Lebenstagen verstorben sind, stehen oft nur in einem Kirchenbuch, also im Tauf- oder Begräbnisbuch, vielfach nur im letzteren. Die Eintragungen über uneheliche Kinder stehen gelegentlich auf dem Kopf. Allgemein ist vor allem der Unter­schied zwischen Geburt und Taufe, Tod und Begräbnis zu beachten. Oft ist nur di« kirch­liche Handlung eingetragen. Die Nichier- wichnung einer kirchlichen Handlung ist kein zwingender Beweis dafür, daß sie überhaupt nicht stattgefunden habe. Kriegszeiten, Tod des Pfarrers ober fonftige Umstände können eine Eintragung unmöglich gemacht haben, sie wurde auf geordnete Zeitläufte verschoben, dann aber vergeßen. Oft konnten auch die (Äbühren für eine Eintragung nicht bezahlt werden, und so unterblieb sie. Bei der Be­nennung der einzelnen Monate ist auf die abgekürzt« Form 8 6ris = Oktober zu achten. Sie bedeutet in diesem Fall den 10. und nicht den 8. Monat. Entsprechend verhält es sich bei September, November ^rnd Dezember.

Einen nicht wieder gut zu machenden Schaden richtete der Dreißigjährige Krieg in Deutschland an. Er vernichtete zahllose Kirchenbücher, so daß es heute in vielen Fällen unmöglich ist, über diese Zeit hinaus altere Abstammungen nachzuweisen.

In der Regel werden die Kirchenbücher in den zuständigen Pfarrämtern aufbe­wahrt. Ältere Register finden fich auch auf

den Bürgermeistereien, Gerichten und Standesämtern. Viele Kirchenbücher sind den zuständigen Staatsarchiven abgeliefert wotden. Es besteht keinerlei Zentralisie­rung, so daß ein Forscher niemals von vorn­herein weiß, welche Stell« die zu seiner Untersuchung notwendigen Bücher verwahrt. Viele sind schon durch unsachgemäße Behand­lung und Ausbewahrung zugrunde gegangen. So mancher Geistliche kennt nicht den großen Wert der ihm anoertrauten Bücher, der einzigen Urkunden über den Bevölkerungs- staNd vergangener Zeiten.

Manchen Schwierigkeiten begegnet der Forscher bei der Entzifferung der alten Ein­träge. Nicht selten ist die Gefahr der Lese­fehler, besonders bei Namen. Die Schreib­weise der Familiennamen unterlag ebenfalls verschiedenen Einflüßen, so daß verschiedene Formen für ein und denselben Namen häufig sind. Infolge der Unleserlichkeit mancher Handschriften ist auch den Auskünften von Pfarrämtern gegenüber eine gewisse Kritik geboten. Es sind Bestrebungen von amtlicher Seite im Gang, diese Dokumente der Ver­gangenheit zu schützen und der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Man will all« Ein­träge durch Photokopien festhalten und damit ihren Quellenwert sicherstellen. Die so ent­stehenden Riesenkarteien können der Zusam­menstellung von Stammtafeln eines ganzen Volkes dienen und die Ausarbeitung von Ahnentafeln wesentlich erleichtern. $

Schüler und Lehrer über die Möwe.

Dem Inhalt Ihrer Notiz, daß die Möwen keine Fischräuber sind, müssen wir aus eigener Beobachtung widersprechen. Bei einer Schulwanderung tarnen wir an den Kostheimer Hafen. Da sahen wir einige Zeit dem Tun und Treiben der Möwen zu. Ihre große Gefräßigkeit nach Fischen fiel uns besonders auf. Sobald wir ein Fisch­lein an der Oberfläche erblickten, schoß auch eine Möwe pfeilschnell auf es zu. Sie faßte es in ihren Schnabel, flog in die Höhe und verschluckte es. Diesen Vorgang konnten mir oft beobachten. Danach schließen mir, daß die Möwe doch ein Fischräuber ist. Wie verhält sich nun diese Wahrnehmung zu der von Ihnen auf gestellten Beobachtung? Vielleicht kommen Sie unserem Interessen entgegen und lassen uns bald die Antwort in Ihrem geschätzten Blatt lesen!

Mit deutschem Gruß:

Klqsse II der Volksschule zu Wiesbaden-Erbenheim.

Sehr geehrte Schriftleitung! In der mir vorliegenden leider älteren Literatur wird die Möwe auch als Fischräuber be­zeichnet, daneben wurden als Hauptnahrung Kerbtiere, Würmer und Aas angegeben. Meine Kinder hatten die Notiz gelesen und brachten sie ganz erstaunt mit in die Schule, weil sie doch einige Zeit vorher ihre Be­obachtungen gemacht hatten. So entstand der Brief. Da ich selbst nicht Fachmann bin, bitte ich Sie, die Frage gelegentlich in Ihrer Zeitung zu klären.

Mit deutschem Grutz:

H. G ö r n e r t.

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