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Nr. 51

Mittwoch, 21. Februar 1934,

82. Jahrgang

Eden ist opttmistisch

Die Berliner Gespräche

Paris hofft auf den zweiten Besuch.

as. Berlin, 21. Febr. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) über die Besprechungen, die Lordsiegelbe- | Wahrer Eden gestern in Berlin hatte er konferierte ,nicht nur.mit dem Außenminister und Reichs­weh rmi nist er, sondern auch mit dem Reichs­kanzler wird ein amtlicher Bericht veröffentlicht, der besagt, daß die Besprechungen in freundschaftlichem Seifte geführt wurden. Das ist naheliegend, denn die Reichsregierung hat von vornherein die englische ^Initiative, die in der Rundreise Edens ihren Ausdruck ! findet, lebhaft begrüßt und ebenso auch die letzte eng- : lische Denkschrift zur Abrüstungsfrage, wenn man auch nicht verkennt, daß dieser englische Plan mancherlei Mängel aufweist. Minister Eden setzt heute seine : Unterhaltungen in Berlin fort. Es ist deshalb un­möglich, im Augenblick etwas Abschließendes zu sagen, i zumal die gestrigen Besprechungen naturgemäß mehr

wie man sie in Rom ausfaßt, am besten sichern zu können glaubt. Ohne eine planmäßige wirtschaftliche Unterstützung Österreichs, /so kann man in der italieni­schen Presse lesen, würden alle diplomatischen Anstren­gungen so gut wie nutzlos bleiben. Es scheint aber, als ob man doch zu der Einsicht gekommen ist, daß man auf diesem Wege das Donauprdblem nicht lösen kann, wenigstens gibt ein Berliner Blatt heute eine Äuße­rung maßgebender römischer Stellen wieder, wonach bei den italienischen Donauplänen die Mitarbeit Deutschlands für unbedingt notwendig erachtet wird. Die Freundschaft zwischen Deutsch­land und Italien dürfe durch die österreichische Frage nicht gefährdet werden. Die Außenpolitik Italiens sehe in der herzlichen Freundschaft zu Deutschland ebenso einen Grundpfeiler wie Deutschland umgekehrt zu Italien. Das klingt wesentlich anders als manche italienische Presseäußerungen der letzten Zeit, ändert aber nichts an der Tatsache, daß die italienische Polittk auf eine enge Zusammenarbeit mit den in starkem Maße Italien gleichgeschalteten Staaten Österreich und Ungarn mit Nachdruck hinarbeitet und diese Politik in Budapest wirtschaftlich zu untermauern trachtet. Auf jeden Fall verdient bei der ganzen Lage der Dinge der Budapester Besuch des italienischen Staats­sekretärs Suvich volle Aufmerksamkeit.

werden heute fortgesetzt.

einleitender und vorbereitender Natur waren. Man hört aber, daß Eden, wenn auch keine ins einzelne gehende Äußerungen von ihm bekannt wurden, opti­mistisch gestimmt war, was auch in Londoner Mel­dungen bestätigt wird. Bon Berlin wird Minister Eden sich nach Rom begeben, doch steht im Augenblick der T e r m i n für die Weiterreise noch nicht fest. In Paris legt man Wert auf die Feststellung, daß Eden, wie bereits berichtet wurde, bei der Rückreise von Rom nochmals in Paris Aufenthalt nehmen wird. Man hat es nämlich offenbar als nicht sehr angenehm empfunden, daß Eden bei dem starken Widerstand, den er in Paris fand, Frankreich für ein etwaiges Scheitern der Verhandlungen verantwortlich machen könnte und möchte gern diesen Eindruck bei weiteren Verhandlungen wieder verwischen, was aber bei der ganzen Einstellung der gegenwärtigen franzö­sischen Regierung wohl kaum bedeutet, daß in der Sache selbst Zugeständnisse gemacht werden sollen.

nicht katalogisieren konnte, lehnte sie sie als unwissenschaft­lich ab, oder aber sie redete weltensernt darüber, nicht dar­aus. Nur wenige erkannten blutsmässig das Richtige, ent­deckten plötzlich den ewig sprudelnden Quell der wahren Kraft, die das Leben treibt, und damit auch den Sinn einer Bewegung, die inzwischen ohne Wissenschaftlichkeit die besten Menschen im Volke erfasst hatte. Diejenigen, die sich die geistigen Führer des Volkes dünkten, konnten auf den ausgefahrenen Gleisen ihrer Geistigkeit nicht heraus und so auch ist die ost beklagte Uniformierung der deutschen Presse zu erklären, in der gewiss zu einzelnen Punkten der neuen Lehre manches Richtig

Es geht nicht ohne Deutschland.

as. Berlin, 21. Febr. (Drabtbericht unserer Berliner ßlbteilung.) Der italienische Staatssekretär Suvich, Der vor einiger Zeit Berlin einen Besuch abstattete, Nairn die österreichische Regierung besuchte, ist heute Mrmittag in der ungarischen Hauptstadt eingetroffen. Msiese Budapester Reise des italienischen Staatssekre­tärs, der auch hier als Vertreter Mussolinis l verhandelt, ist bereits Gegenstand zahlreicher Presse- erörterungen gewesen, denn es ist klar, daß ihr ange­sichts des gegenwärttgen Standes der österreichischen Frage eine besondere Bedeutung zukommt. Wenn in diesen Presseäußerungen gesagt wurde, daß Italien auf eine enge Zusammenarbeit mit Österreich und Ungarn " hinwirke, so ist dem heute nichts hinzuzufügen. Da- »gegen werden Pläne einer Zollunion zwischen ( diesen drei Ländern dementiert und ebenso wird rttflärt, daß die Nachricht von einer Konferenz F3Kussolini - Eömbös - Dollfuß zum min­desten verfrüht waren, da man über eine solche : Konferenz sich erst nach den Budapester Verhandlungen Suvichs schlüssig werden könnte. Man leugnet aber ; nicht, daß die italienischen Pläne auf eine Besserung i der Lage in Ungarn und in Österreich 'hinzielen, und i man gibt ohne weiteres zu, daß man mit einer roirt- | fchaftlichen Stützung die Unabhängigkeit Österreichs,

Suvich in Budapest.

Die italienisch - österreichisch - ungarische Zusammenarbeit.

zu Hilfe. Nun umreitzt er in bildhaft, klarer Darstellung das Wejensgefüge der neuen Anschauung,'den Sinn der Politik. Dabei ergibt sich, dass die klare prägnante und anschauliche Darstellung wie alles wahrhaft Grosse in Wirklichkeit ausser­ordentlich einfach ist.

Dr. Otto Dietrich, der Reichspressechef der NSDAP., der am Dienstagabend in der Hochschule für Politik über das Wesen der Politik im Lichte des Nationalsozialismus und seiner Mhrerpersönlichkeit sprach, ging Habei von einem schon oft betonten Grundsätze aus, dass nämlich, wer das Gedankengut des Nationalsozialismus erfühlen und erfassen wird, rücksichtslos mit allen überlebten Anschauungen und Begriffen brechen, und sich innerlich völlig umstellen muss. Was bisher als Grund- und Leitsatz für di« Sinngebung der Politik galt, mutz über Bord geworfen werden. Schon der Begriff der Politik, ist ein anderer, als man ihn bisher definiert. Die Politik ist keine Wissenschaft, sondern eine Kunst, aber sie ist nicht die Kunst des Möglichen das falsch verstandene Wort des Altreichskanzlers ist zum Frei­brief jener Art politischer Entschlusslosigkeit der Nichts­könner und der Kompromißler geworden .sie ist für den Nationalsozialismus geradezu umgekehrt die Kunst, das unmöglich Erscheinende möglich zu machen. Nach ihm sind wahre Politiker Seher und Propheten ihres Volkes, die nach den Sternen greifen, wenn es ihnen gelingt, dieses Volk willensmähig zu einem Block zu organisieren.

Das Gesetz des Willens ist eines der fundamentalsten Erkenntnisse, die der Nationalsi^ialismus dem deutschen Volke gebracht hat. Und die Macht des Willens, geboren aus dem Willen eines einzelnen, erweckt in Millionen Herzen und verschmolzen zur geschlossenen Volksgemeinschaft, ist das letzte Geheimnis der nationalsozialistischen Bewegung. Mit seelischen Energien hat sie den Kampf um die Macht im Staate geführt. Hier lag ja in der meisterlichen Beherr­schung der Psychologie die Kunst der Politik. Auf dieser politischen Logik, die der Führer lehrte, waren Zuversicht und Selbstbewusstsein gegründet. Die Wahrheit der national­sozialistischen Idee, die in der Erkenntnis liegt, dass sie btm

Polens Sympathie und Hochachtung vor dem Reichskanzler.

Fürst Radzivills Kritik an Frankreichs Politik.

Warschau, 20. Febr. Vor führenden Persönlichkeiten des konservativen Lagers des Regierungsblockes in Krakau sprach der Vorsitzende des Aussenausschusses des Sejm, Abgeordneter Fürst Radzivill, über innen- und aussenpolitische Fragen unter besonderer Berücksichtigung der Nachbarstaaten. Er kündigte an, dass das deutsch- polnische Abko mmen noch im Lause dieser Woche ratifiziert werde. Es sei dadurch eine an­dere Einstellung in den deutsch-polnischen Beziehungen her- beigesührt worden. Das 10jährige Abkommen habe den grossen Mut des Reichskanzlers Hitler be­wiesen, der beim Gegner Sympathie und Hochach­tung Hervorrufe. Die durch den Reichstag angenom­mene Reichsreform habe ein neues Deutschland geschaffen, was wiederum als Anzeichen dafür zu werten fei, dass die Politik des neuen Reiches unter der Führung Adoif Hitlers andere Wege gewählt habe als das frühere Deutschland, das durch das Preussen der Junker und durch die Hohen- zollernsche Hausidee vertreten gewesen sei.

In längeren Ausführungen widerlegte Radzivill die abfällige französische Kritik an der polnischen Polttik. Radzivill führte ferner Klage gegen die un- loyale Politik des französischen Kapitals in Polen, die zahlreiche Schwierigkeiten verursache. Des­gleichen erhob er bittere Vorwürfe gegen französische Poli­tiker, die in Polen ein Hindernis und eine Beunruhigung erblicken würden. Polen werde alles tun, um die Beziehun­gen so günstig wie möglich zu gestalten. Der Redner ver­trat schliesslich die Meinung, dass andere Staaten an der Unabhängigkeit Österreichs in stärkerem Masse interessiert seien als Polen.

Neue Sinngebung der Politik."

Reichspressechcf der NSDAP., Dr. Dietrich, gibt eine wissen­schaftliche Fundamentierung des Nationalsozialismus.

Reichspressechef der NSDAP., SS.-Gruppen- führer Dr. Dietrich sprach in der Neuen Aula der Berliner Universität von einer Fülle bekannter deutscher Wissenschaftler über das Thema:Neue Sinngebung der Politik". Er gab zum erstenmal, und zwar mit Genehmigung des Führers und in Übereinstimmung mit ihm, eine wissenschaftliche Fundamentierung der nationalsozialistischen Politik.

Das erschütternde Erlebnis des Weltkrieges für alle bewusst Lebenden war der Zusammenbruch der Hegemonie des Geistes, das Versagen der Kräfte, denen man bis dahin gestaltenden Einfluss auf alle Dinge dieses Lebens zuge­schrieben hatte. Sie verfielen vor der brutalen Wirklichkeit wie fauler Zunder, und die, die alles auf diese eine Karte des die Weit beherrschenden Geistes gesetzt hatten, stancen nun arm und innerlich bloss vor einem Nichts. Sie mutzten erkennen, dass ihre Welt wirklichkeits- und volksfremd ge- \ worden, die Quellen ihrer Kraft verlassen hatte. Sie mutz­ten sehen, dass der schranken-, und grenzenlose Individualis­mus, das falsch verstandene Herrenmenschentum, die über­steigerte Jch-Sucht ihnen nichts gebracht hatte, mit dem sie in 'der Welt der Wirklichkeiten hätten bestehen können. Von dieser Erkenntnis konnten sie sich nicht wieder erholen.

Die Generation, die im Schützengraben die Umwertung aller Werte erlebte, fand zwar gefühlsmässig den neuen Weg, aber sie war so verbildet, so überladen mit falschen Vor­stellungen, dass sie ihn nicht zu erkennen vermochte. An der Wissenschaft hatte sie keine Hilfe, denn auch die hatte längst den gesunden Boden verlassen, sprach ihre eigene Sprache, lebte ein eigenes vom Volke getrenntes Leben in unwirk­licher, blasser, schemenhafter Höhenluft. Ihr Leben waren Systeme und Ismen; das bluterfüllte wirkliche Dasein leug­nete sie ab und, obwohl sich die Erkenntnis durch die harten Realitäten mehren mutzte, fand sie den Boden nicht wieder, lief auf den Krücken rhrer konstruierten Gebilde hilf- und ratlos nebenher.

Wurden ihr neue Erkenntnisse nahegetragen, die sie

Der deutsche Arbeitssoldat, ein Bild straffster Selbstzucht.

Es gilt ein Führerkorps zu schaffen.

Berlin, 20. Febr. Da nach den wiederholten Bekun­dungen der zuständigen Stellen im nationalsc^ialistischen Staate erstrebt wird, datz möglichst jeder junge Deutsche durch die Erziehung zum Frei­willigen Arbeitsdienst geht, ist für die Entwick­lung der nächsten Generationen in Deutschland von ganz hervorragender Bedeutung, von welchen Grundsätzen die Erziehung im Arbeitsdienst geleitet wird. Der Leiter der Reichsführerschule des Arbeitsdienstes in Potsdam-Wild­park, Major a. D. Sa nee He, erklärt zu dieser Erundsatz- ?tage, datz es gelte, für die jeweils 250 000 jungen Deutschen, öle im Arbeitsdienst vereint sind, ein Führerkorps zu lchaffen, das die ihm anvertraute Jugend aufwärts zum »Deutschen des Dritten Reiches" entwickeln könne. Dazu lei notwendig, datz der Führer im Arbeitsdienst ein Gemisch P»n Arbeiter, Bauer, Techniker und Soldat sei. Es solle un Führer des Deutschen Arbeitsdienstes nicht wieder er Typ des Vorgesetzten des alten Heeres Entstehen; diese Männer sollten vielmehr sich jene als Borbild wählen, die in Dreck und Schlamm, in Trichtern und Gräben mit ihren Leuten zu einer untrennbaren Ge­meinschaft verwuchsen. Der Führer des Deutschen Arbeits- Lenstes solle mit seinen Freiwilligen auf Grund seiner naatspolitischen Erkenntnis den Nationalsozialismus der "t im Deutschen Arbeitsdienst erstehen lassen. Wohl aber wollen wir, so sagt der Leiter der Reichsschule,die hohen äugenden, die das alte deutsche Heer auszeichneten, wieder Stornnen, die Ordnung, die Pünktlichkeit, die Sauberkeit, rie hohe Ehrauffassung, die Ehrlichkeit, die Achtung vor ttemdem Eigentum und deutschem Recht. Der deutsche Ar- «itsfofoat still das Bild straMer Selbstzucht sein."

wichtige gefegt, das Wesenhafte aber nicht erkannt wurde. Die Träger der neuen Lehre aber lebten bereits in einer ganz anderen Welt der Vorstellung««, sie hatten um ihre Ideen zu kämpfen und konnten sich um die nicht kümmern, die teils mit, teils ohne Schuld zu d^n ewig Gestrigen gehörten. Sie blieben bei ihrem wissen­schaftlichen System und bei ihren Ismen, und niemand war da, der sie daraus erlöst und ihnen die grosse Richtlinie auf­gezeigt hätte. Das konnte nur jemand tun, dem das Wissen auch geworden ist, der es erzielte und erwarb, um es zu besitzen, der aber auch wie sie den gleichen falschen Propheten gelauscht und den Weg zu neuer Erkenntnis durch eigene Kraft gefunden hatte. Run nach der Beendigung des poli­tischen Kampfes und bei der Sammlung aller Kräfte für das Werden einer neuen Welt kommt er den Bedrängten

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