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Nr. 44

Mittwoch, 14. Februar 1934,

82. Jahrgang

Das Chaos in Oesterreich

Hunderte von Todesopfern

Die Pläne des roten Generalstabs

Einzige Befriedungsmöglichkeil: Wiederherstellung des Selbstbestimmungsrechts des Volkes

Jnterventtonsgelüste?

Nachlassen der Widerstandskraft?

Noch kein Überblick über die Verlustziffern,

Offene Mnung 6er heulten MsgleWmiWl?

Fernfprecher-Sammel-Nr. 59631.

Berliner Büro: Berlin-Wilmersdorf.

strengstes Stillschweigen über den Inhalt der französischen Note an Deutschland. Man wisse nur, daß die Note sehr höflich gehalten sei und daß in ihr ausdrückliche Vor­behalte hinsichtlich der von Deutschland vertretenen Auf­fassung gemacht wurden. Die französische Note antworte nicht aus die Fragen der Reichsregierung im Zusammen­hang mit den französischen Kolonialtruppen. Havas hält es für wahrscheinlich, daß der Wortlaut der französischen Note am Donnerstag veröffentlicht wird.

pen zur Sicherung der Ruhe nach Wien gu senden. Wenn dieser Plan jetzt sogar mit der Begründung propagiert wird, daß seine Durchführung nötig sei, nicht nur um Österreich, sondern um das Prestige des Völkerbundes zu retten, so zeigt das nur erneut die Un­zulänglichkeit, ja Gefährlichkeit des heutigen Völker­bundes. Daß allerdings Regierungen ernsthaft einen solchen Plan verfolgen können, vermögen wir uns ein­fach nicht vorzustellen, zumal sich selbst in der franzö­sischen Presse langsam die Erkenntnis durchsetzt, daß Dollfuß für die ganze Entwicklung der Dinge verant­wortlich ist und man auch einzusehen beginnt, daß hinter ihm in dem Heimwehrklllngel niemand steht, schätzt doch selbst ein französisches Blatt, daß Dollfuß und Fey sich noch nicht einmal auf ein Fünftel des österreichischen Volkes stützen könnten.

Keine Waffenstillstands Verhandlungen zwischen Heimwehr und NSDAP.

Berti», 13. gebt. Die Landesleitung Österreich der NSDAP, teilt mit: Die in Österreich offenbar planmäßig in Umlauf gefetzten Gerüchte, wonach Wischen Heimwehr und NSDAP. Waffenstillstandsverhandlungen geführt wür­den oder sogar schon zum Abschluß gekommen sein sollen, entsprechen in allen Teilen in keiner Weise den Tatsachen. Der Kampf der NSDAP, gegen das System Dollfuß wird kompromißlos weitergeführt.

Volk selbst das Bestimmungsrecht über das Schicksal in die Hand zu geben. Hier ist in der Tat ein Weg ge-

Die Tagung des Bureaus der Abrüstuugs konferenz.

Geschäftszeit: 8 Uhr morgen» bis 7 Uhr abends, außer Sonn- und Feiertags.

Anzeigenpreise: Ein Millimeter Höhe der 22 Millimeter breiten Spalte im Anzeigenteil Grund, preis 6 Rpf., der 85 Millimeter breiten Spalte im Tertteil 45 Rpf., sanft laut Tartf. — Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Plätzen wird keine Eewöhr übernommen. — Schluß der Anzeigen-Annahme 10 Uhr vormittags. Größere Anzeigen müssen spätestens einen Tag vor dem Erscheinungstage aufgegeben werden,

dem Chaos in Österreich ein Ende zu machen und diesen Brandherd in Mitteleuropa auszurotten. Diese Mög­lichkeit aber besteht darin, unverzüglich einen Schluß st rich unter das Willkürregime

zeigt, der zum Ziele führt. Unsinnig aber ist es, wenn ein französischer Senator in einem Artikel eine inter­nationale gemeinsame Besetzung Wiens als einzige Maßnahme bezeichnet, die jetzt ergriffen werden müsse. England, Frankreich und Italien müßten sofort han­deln, so meint der französische Senator, um Herrn Doll­fuß zu retten. Es ist bestimmt nicht Berlin allein, das solche wilden Pläne zurückweist. Schon vor einiger Zeit tauchte in Frankreich die Idee auf, Trup-

litten haben sollen. Ein Leutnant vom 8. Alpenfäger- regiment versuchte mit vier Mann im Auto die Kampflin» zu durchstoßen. Das Auto wurde unter schweres Maschinen gewehrfeuer genommen und die fünf Insassen getötet.

Regierung meldet Übergabe der Aufständischen.

Wie», 14. Febr. (E. D.) 2» de» Mittagsstunde» des Mittwoch wird von amtlicher Seite mitgeteilt, daß der letzte Kampfabschnitt, der noch in größerem Ausmaß im Besitz der Schutzbündler war, nämlich die Stellung um Floridsdorf, nunmehr völlig in der Hand der Regierungstruppen fei. DieSchutzbündlerhabensichnachderamtlichen Meldung ergeben und die weiße Fahne gehißt. Auch an den übrigen Kampsbrennpunkten sollen die Regierungs­truppe» gesiegt haben. Im Schlingerhos, der von den Regie­rungstruppen mit Minenwerfern beschossen wurde, sand man 50 Tote.

gen, der aller Welt, offenbar nur nicht der Regierung Dollfuß, bekannt war, macht es erst verständlich, daß man in den Straßen schwere Haubitzen auffahren und Minenwerfer einsetzen mußte, um sich in den Besitz solcher Stützpunkte setzen zu können. Aber selbst wenn es der Regierung Dollfuß mit Einsatz ihrer ganzen militärischen Machtmittel gelingt, die Stützpunkte des Schutzbundes einzeln zu erledigen, wobei noch mancher Baublock in Trümmer gelegt werden muß, so ist es doch fraglich, ob dann der Kampf beendet ist, ob dann nicht der zweite gefährlichere Abschnitt beginnt, der Klein­krieg einzelner Abteilungen, wie ihn der Plan B des roten Schutzbundes vorsieht.

Vorauszusagen, wie sich die Dinge weiter gestalten werden, ist unter diesen Umständen ganz unmöglich. Daß auf die Dauer niemand nur mit Hilfe der Bajo­nette regieren kann, ist ein alter Satz, der auch wohl Herrn Dollfuß nicht unbekannt sein dürfte. Qb er aber aus diesem Satz die Folgerungen ziehen wird, ist eine andere Frage. Die Nationalsozialistische Korrespondenz sagt mit recht, daß es nur eine Möglichkeit gibt,

Nicht unter 500.

W'e», 14. Febr. Noch immer ist durchaus keine Klarheit darüber zu erlangen, was das Blutbad von Wien bis jetzt an Todesopfern geostet hat. Es läuft zwar die Z a h l v o n 384 Toten um, jedoch wird behauptet, daß diese Angabe aus linksgerichteten Kreisen stammt, und daß sie als reine Kombination auszufasien sei. Die einzig sichere Angabe, die zur Verfügung steht, ist die Zahl der Personen, die schwer­

Ge»f, 13. Febr. Das Völkerbundssekretariat veröffent­licht über bi« Tagung des Bureaus der Abrüstungskonferenz, die Dienstagnachmittag in London stattfand, eine kurze Mit­teilung, aus der hervöraeht, daß beschlossen worden ist, das Präsidium der Abrüstungskonferenz zum 10. April einzuberufen. Die Tagungsteilnehmer feien der Ansicht gewesen, daß es bei dem gegenwärtigen Stand der Äbrüstunasfrage unmöglich sei, Entscheidungen zu treffen, da diese sie vorgesehenen Verhandlungen des

z» treffen, da _WU______ ______ ______

englischen Lordsiegelbewahrers Eden in den Hauptstädten ungünstig beeinflusien könnten. Falls eine an den Verhand­lungen beteiligte Macht cs wünschen sollte, könnte die Tagung des Präsidiums auch bereits vor dem 10. April stattfinden.

Frankreichs Abrüstungs-Antwort.

Paris, 13. Febr. Zu der französischen Antwortnote aus die deutsche Antwortnote glaubt der „Paris Soir" mitteilen zu können, die Note sei sehr kurz gehalten und stelle im wesentlichen die Meinungsverschieden­heiten fest, die zwischen den beiderseitigen Aufsasiungen über die Abrüstungsfrage bestünden. Die französische Regie­rung habe es vermieden, zu weit in Einzelheiten über die verschiedenen Punkte einzudringen. Die Note sei aber sehr höflich gehalten und bringe den Wunsch der französischen Regierung zum Ausdruck, den Meinungsaustausch fortzusetzen; das Interesse daran werde nicht in Zweifel gezogen. Die französische Regierung habe den Wortlaut der Note auch den übrigen interessierten Mächten mitgeteilt. , ..

Das „Journal des Ddbäts" ist offener und glaubt die Auffassung gut unterrichteter politischer Kreise wiederzu­geben, wenn es behauptet, man sei sich in französischen Re­gierungskreisen darüber klar, „daß die Forderungen des Reiches alle nützlichen Verhandlungen unmöglich machten und daß die Verantwortung an einem Scheitern der Ab­rüstungskonferenz einzig und allein Deutschland zufalle das Sine Rüstungsforderunaen aufrechterhalte, ohne überhaupt ie Garantieftage anziychneiden, die für die Festigung der Sicheret notwendig fei." (!).

Eine Havas-Auslastung.

Paris, 14. Febr. Nach einer Auslasiung der Agentur Havas bewahrt man in französischen Regierungskreisen

Lezpgspreise: Für eine Bezugszeit von 2 Wochen 80 Rpf., für einen Monat RM. 1.70, zuzüg. Itd) 30 Rpf. Traglohn. Durch die Post bezogen RM. 2.35, zuzüglich 42 Rpf. Bestellgeld. — Bezugsdestellungen nehmen an: der Verlag, die Ausgabestellen, die Tröger und alle Postanstalten. — e Sherer Gewalt, Betriebsstörungen oder Streiks haben die Bezieher keinen Anspruch

auf Lieferung des Blattes oder auf Rückzahlung des Bezugspreises,

Zahlreiche Flüchtlinge in Prehburg.

Budapest, 13. Febr. „Mai Nap" meldet, daß in Preß­burg große Massen Wiener Flüchtlinge eintreffen. Da die elektrische Fernbahn Wien-Preßburg infolge des Streiks der Elektrizitätsarbeiter nicht verkehrt, bedienen sich dieFlucht- linge aller möglichen Beförderungsmittel. 2!» den Morgen­stunden konnten noch Autobusse und Kraftwagen von Wien nach Preßburg abfahren. Ob jetzt iwch Kraftwagen Wien verlassen können, ist noch den letzten Meldungen zweifelhaft. Ein Verlassen Österreichs scheint zur Zeit völlig ausgeschlossen zu sein. Unter den in Preßburg angelangten Wiener Flücht­lingen befindet sich auch einer der Führer der österreichischen Sozialdemokraten, Dr. Otto Bauer.

Ultimatum an die Schutzbündler.

Wien, 24. Febr. (Eig. Drahtmeldung.) Die Kampf­handlungen haben am Mittwochvormittag wieder in großem Umfang eingesetzt. Die Kämpfe erstrecken sich jetzt hauptsäch­lich auf den Abschnitt Floridsdorf. Die Regierungstruppen nahmen nach längerer Artillerieoorb,ereitupg einige größere Bauwerke ein. Floridsdorf soll gegenwärtig von den Regie­rungstruppen eingefchlosien fein. Den Schutzbündlern soll ein Ultimatum übermittelt worden fein, die Waffen abzuliefern und sich zu ergeben, andernfalls das gesamte Gebiet, in dem sich die Schutzbündler verschanzt haben, vollständig mit Artillerie zu- s a m m e n g e s ch o ff e n würde.

Aus St. Pölten sind auch am Vormittag Artillerie- und Jnfanterieabteilungen eingetrofsen und sofort in Floridsdorf eingesetzt worden. Die Zahl der eingeschlossenen Schutzbündler wird mit 3000 angegeben. Schwere Kämpfe werden gegenwärtig auch von der Philadelphiabrücke gemel­det und vom Ottakring.

Aus Linz wird berichtet, daß Bundesheeresab- teilungen am Waldegg schwere Verluste er-

verwundet in das „Allgemeine Krankenhaus" einge­liefert wurden und dort ihren Verletzungen er­legen sind. Diese Zahl belief sich zuletzt auf 123 Per­sonen. Ferner sollen in den Nachmittagsstunden vom Dienstag 100 Leichen bei der Präfektur des Anatomischen Instituts eingeliefert worden [ein. Die Rettungsgesellschaft gibt an, daß sie am Montag 136 Personen, am Dienstag 148 Personen behandelt hat. Dazu kommen noch 13 Fälle, in denen sie lediglich den Eintritt des Todes feststellen konnte. Bei all diesen Angaben kann es sich selbstverständlich nur um Teilgisfern handeln.

Nach Informationen des Wiener Reutervertreters dürfte die Zahl der Todesopfer in ganz Österreich nicht unter 500 anzusetzen sein.

as. Berlin, 14. Febr. (Drahtbericht unserer Berliner

Abteilung.) Die blutigen Kämpfe in Österreich dauern _ - . - v - ....

an. Die optimistischen Berichte der Regierung, nach^'Z o l l f uß - F e y zu ziehen und dem österreichischen denen sie überall Herr der Lage sei, werden durch die ~ 51

neuesten Meldungen Lügen gestraft. Außerordent­lich schwer und blutig gestaltet sich vielmehr weiterhin der Kampf, für den die Verantwortung einzig und allein die R e g i e r u n g D o I l f u ß zu tragen hat. Auf nicht weniger als 500 schätzt jetzt schon der Wiener Vertreter des Reuter-Büros die Zahl der Todesopfer in Österreich und dabei laufen stündlich Meldungen über neue Kämpfe ein, über Kämpfe, bei denen die Artillerie des österreichischen Bundesheeres eine nicht geringe Rolle spielt. Die Schwere dieser Kämpfe wird nur dann verständlich, wenn man sich vor Augen hält, daß die marxistischen Wohnblocks, die von den roten Gemeindebehörden Wiens errichtet wurden, von Anfang an so gebaut wurden, daß sie nötigenfalls zu wichtigen Verteidigungsstützpunkten ausgestaltet werden konnten. Zeder einzelne dieser Häuserblocks ist eine kleine Festung mit eingebauten Maschinengewehrständen, Betonunterständen usw.

Der Plan A des Eeneralstabs des roten Schutz­bundes sieht die hartnäckige Verteidigung feiner Stütz­punkts in allen von den Roten beherrschten Stadt­vierteln vor und nach diesem Plan A ist man denn auch in den letzten Tagen ganz planmäßig vorgegangen. Dieser starke Ausbau der roten Stellun-