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Nr. 39.

Freitag, 9. Februar 1934

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82. Jahrgang

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Doumergue bei der Regierungsbildung

Von Herriot bis Tardieu?

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I fang Dezember nahm Pr darauf hinzuweisen, daß

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früher das Amt des Staatspräsidenten innechatte, ist eine durchaus populäre Erscheinung.

Doumergue hat gestern sofort die Bemühungen um die Bildung eines neuen Ministeriums ausgenommen. Er hat sich dabei nicht überstürzt, sondern er hat die gute Angewohnheit, zeitig schlafen zu gehen, in Paris beibehalten. So gingen denn erst heute vormit­tag die Besprechungen des neuen Mannes weiter, und es ist wohl anzunehmen, daß sie in verhältnismäßig kurzer Zeit zu einepr Ergebnis führen werden. Doumergue hat dabei die Möglichkeit, eine Regierung der sogenannten nationalen Union zu bilden, das heißt, eine Regierung, die von der linksbürgerlichen Partei der Radikalsozialisten, ja vielleicht sogar von den Neu­sozialisten hinüberreicht bis zur äußersten Rechten, bis zu Tardieu. Das Entscheidende ist dabei j^>enfalls, daß die linksbürgerliche Partei der Radikalsozialisten, die Partei H e r r i o t s und D a I a d i e r s, von ihren sozialistischen Kartellfreunden getrennt und in die bürgerliche Front eingezogen wird. Wie weit sich der stärkere Einfluß der Rechten außenpolitisch aus­wirken wird, ist im Augenblick noch nicht ganz zu über­sehen.

Die erste große Belastungsprobe könnte dem Kabinett erwachsen, wenn die Sozialisten daran festhalten, daß für Montag wirklich der General­streik proklamiert wird. Aber auch hierüber würde das neue Kabinett zweifellos hinwegkommen. Es kann auch im Parlament unbedingt mit einer Mehrheit rech­nen, wenn man auch wohl sagen kann, daß feine Tätigkeit sachlich und zeitlich beschränkt bleiben wird. Zunächst aber wird jedenfalls einmal das friedliche Temperament des Herrn Doumergue sich beruhigend auswirken und die ungeteilt« Sym­pathie ganz Frankreichs wendet sich r h m z u.

Großer Erfolg der Winlerschlacht!

Berlin, 8. Febr. Der planmäßige Einsatz der A r - beitsbeschaffungsmaßnahmen zum Aus­gleich der winterlichen Saisonschwankungen führte im Januar zu einem guten Erfolg. Während in früheren Jahren in diesem Monat unter dem Einfluß der Entlastungen aus den Außenberufen die Arbeitslosenzahl zu steigen pflegte, gelang es in diesem Jahre, allerdings st a r k begünstigt durch die milde Witterung, die Ar- beitslosenzahl im beträchtlichen Umfange zu senken. Der Rückgang betrug 285 0 0 0, so daß die im Dezember eingetretene Zunahme von rund 344 000 zum großen Teil wieder ausgeglichen ist. Insgesamt wurden bei Len Arbeits­ämtern 3 774 000 Arbeitslose gezählt, das sind rund 2 239 000 weniger als am gleichen Stichtage des Vorjahres.

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Der Osten als preußisches Prinzip.

Bis vor einem guten Zahl war der Osten des Reiches der Teil, der, zurückgeblieben und unberührt von den Fortschritten der industriellen Zivilisation, mit großenOsthilfe"-Spenden bedacht und gepflegt werden mußte. Mit der nationalsozialistischen Revolution hat sich dieses Verhältnis grundlegend gewandelt. Fast ist es umgekehrt: Der Osten ist nicht mehr der kranke, unterstützungsbedürftige Teil des Reiches, sondern er ist Vorbild des tätigen Nationalsozialis­mus Der neue Osten ist nicht nur der Teil des Reiches, der als erster die Arbeitslosigkeit völlig zu be­seitigen fähig war, sondern er ist auch der Teil, der durch die Frische und Lebendigkeit seines nationalsozia­listischen Geistes überall beispielhaft wirkte.Wir ost­preußischen Nationalsozialisten", so sagte kürzlich Erich Koch, der Gauleiter und Oberpräsident der ost­preußischen Provinz,wollen uns in dem Soldati­schen und Ilnbürg erlich en unserer Gesinnung, in unserer Devisemehr sein als scheinen" von nieman­dem übertreffen lasten."

Woher nimmt der Osten diese Kraft? Was befähigt ihn, vorbildlich für das ganze Reich zu sein? Erich Kock) weiß, daß er mit seinem Amt nicht nur eine gegen- wartsgebundene, sondern eine geschichtsverbun­dene Aufgabe übernommen hat. Er weiß, daß der Osten ein Erbe bewahrt, das schon mehrmals in der deutschen Geschichte für das ganze Reich fruchtbar ge­worden ist. Der Raum des Ostens schenkt den Menschen, die mit ihm verwachsen und die seine ärmliche Karg­heit zu lieben bereit sind, eine Ur wüchsig keil und Kraft, die schon mehrmals die deutsche Ge­schichte gewendet hat.

So vollzog sich zum Beispiel ipmitten des Verfalls des staufischen Kaisertums vom 12. Jahrhundert ab die für die künftige Entwicklung des deutschen Volkes ent­scheidende Ausweitung des deutschen Lebensraumes hinaus nach Osten. Nachdem die Deutschen sich ein paar Jafuihunderte lang immer wieder in den Süden und WeMn verloren und verschwendet hatten, wurde hier zum erstenmal' wieder der Blick zurückgelenkt zu den alten germanischen Siedlungsgebieten im Osten. Über hundertundfünfzig Jahre lang rang der Deutsche Ritterorden um das Land und bildete mit seinem festgefügten Ordensstaat, der aufgebaut war auf dem Prinzip des Gehorsams und der Unterordnung des einzelnen unter das staatliche Gemeinwohl, ein V o l l- werr gegen den Ansturm der slawischen Völker.

Zur napoleonischen Zeit, nach dem Zu­sammenbruch des preußischen Staates, trat Ostpreußen

as. Berlin, 9. Febr. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) In der französischen Hauptstadt hat sich die. Lage sehr wesentlich beruhigt, seitdem Gaston Doumergue mit der Regierungsbildung be­auftragt worden ist. Zwar lasten die Meldungen keinerlei Zweifel daran, daß auch gestern abend noch mancherlei Elemente die Straßen un­sicher zu machen versuchten, aber es handelt sich hier doch nicht mehr um politische Kundgebungen, sondern um Versuche lichtscheuen Gesindels, die bisherige Entwicklung für ihre dunklen Zwecke ans- zunutzen. Die große Mehrheit ist jedenfalls mit der Betrauung Doumergues einverstanden, woraus sich aber auch ergibt, daß es sich in Frankreich, wenigstens heute noch nicht, um eine Staatskrise handelt, daß man noch nicht auf der Suche nach neuen Formen ist, sondern daß man lediglich die unfähige und zum Teil nicht ganz saubere Linksregierung durch eine starke Rechtsregierung abgelöst sehen wollte, wobei daran erinnert fei, daß Paris im Gegensatz zu dem Süden Frankreichs, immer rechts eingestellt war.

So ist denn auch der Mann, der jetzt das Vaterland retten soll, kein Jüngling mehr und kein stürmischer Draufgänger, sondern Gaston Doumergue ist 70y2 Jahre^alt. Er gehört in die aussterbende Gene­ration der Briand, Poincarck, deren geschichtliche per­sönliche Bedeutung er selbst nicht zu erreichen vermag und von denen Poincar^ ihm wesentlich näher stehen dürfte als Briand. Poincar 4 hat dem neuen Ministerpräsidenten im Jahre 1913 das Zeugnis aus­gestellt, daß er ein klarblickender Patriot, ein eifriger Republikaner und ein gewissenhafter und urteilsfähiger Mann sei. Es wird nicht viel Franzosen geben, die dieses Urteil über Doumergue nicht unter«

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Die privaten Wirtschaftskräfte beginnen sich zu regen.

| Zahl der Arbeitslosen in den Außenberufen ist in

Diesem Wintermonat um rund 140 000 zuriickgegangen. So wurden z. B. im Baugewerbe und den von ihm abhängigen Wirtschaftszweigen Ende Januar 110000 Arbeitslose weniger gezählt, als zu Beginn des Monats. Ein Teil dieser _ Entlastung ist auf die großen öffentlichen Arbeiten wie A u tostraßenbau und die zahlreichen Notstandsarbeiten zuruckzuführen, die im Januar durch die Kunst der Witte- .rung weiter ausgedehnt werden konnten. Die übliche win- t-rliche Arbeitsruhe im Hochbau und seinen Nebenzweigen wurde durch die zahlreichen Anregungen zu Umbau- und Jnstandsetzungsarbeiten st a r k gemildert. Dag sich über diesen von der Regierung herbeigeführten An­trieb auch die privaten Wirtschaftskräfte zu regen beginnen, zeigt die Entwicklung der Zahl der mehr von der Konjunktur abhängigen Verufsgruppen In diesen Verufsgruppen ist ein Rückgang der Arbeitslosen um rund 144 000 eingetreten. Träger dieser günstigen Entwick­lung waren in der Hauptsache das Eisen-undMetall- ge werbe, das Holzgewerbe und das Spinnstoffgewerbe. Ich Einklang mit der Entwicklung der Arbeitslosenzahl zeigte sich auch in den llnterstützungseinrichtungen der Reichs­anstalt und der öffentlichen Fürsorge eine entsprechende Ent­lastung. Die Zahl der Arbeitslosen in der Ar­ve lts los e nv e rs i ch e r u ng ging auf 549 192, in det Krisenunterstützung auf 1166806 zurück. Arbeits- loie anerkannte Wohlsahrtserwerbslose wurden von den Arbeitsämtern 1317 873 gezählt, das find 93 681 weniger als am 31. Dezember 1933. Die Zahl der Rot- standsarbeiter nahm im Januar um rund 138 000 zu. ^"bHechint wurden bei den durch die Reichsanstalt geförder- ten Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen am 31. Januar 414 274 Notstandsarbeiter gezählt. Der Rückgang der Arbeitslosen verteilt sich bis auf eine Ausnahme auf alle Landesarbeits- L amtsbezirke.

Dr. Syrup über die Gefahr winterlicher Rückschläge.

.. 3m Anschluß an den offiziellen Bericht der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung über die Entwicklung der Arbeitslosigkeit im Januar ü. I machte Präsident Dr. Syrup vor der Presie bemerkenswerte Ausführungen.

Im Jahre 1933 konnte erfreulicherweise vom Januar L bis November jeder Monatsbericht der Reichsanstalt eine Verminderung der Arbeitslosenzahl melden. Von 6 014 000 L Arbeitslosen int Januar 1933 waren wir auf 3 715 000 im November 1933 gefallen. Man begann in der Öffentlichkeit |gr bereits diese Meldungen, in denen der Erfolg des siegreichen Kampfes gegen die Arbeitslosigkeit zum Ausdruck kam, als W etwas Selbstverständliches hinzunehmen. An­fang Dezember nahm Präsident Syrup daher Gelegenheit, | darauf hinzuweisen, daß man für die Frostperiode | Rückschläge erwarten und naturnotwendig mit einem Steigen der Arbeitslosigkeit rechnen müfle. Längandauernde : Frostperioden legen in weitem Maße die Außenarbeiten still, die Arbeitskräfte werden m großer Zahl entlaßen und somit t ordnungsmäßig als Arbeitslose gezählt, auch wenn die - Sicherheit besteht daß sie bei Beendigung des Frostes wieder ihre verlaßenen Arbeitsplätze entnehmen können Diese Fest- 6 stellung enthält etwas Selbstverständliches, trotzdem erschien Z es ihm damals angebracht, sie der Öffentlichkeit in die Er- 1 innerung zurückzurufen. In der Tat brachte uns der r. Dezember mit seinen langem und heftigen Frost das k unabwendbare Ansteigen der Arbeitslosig- t Zeit Die Zahl der Arbeitslosen stieg zwar nicht so stark ; wie in früheren Jahren, aber doch um 340 000. Dieser Zu- ~ wachs mochte dem Laien hoch erscheinen, dem Sachoerstan- 9____, ...... ___u.l4W

, Ligen erschien er niedrig, denn im Laufe des Sommers waren schreiben. Der neue Ministerpräsident, der ja schon

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Zweieinviertel Millionen Erwerbslose weniger als im Vorjahr.

Hunderttausende von Arbeitskräften mehr als in den Vor­jahren in die Saisonberufe eingestellt und die Gefahren winterlicher Rückschläge waren deshalb für diesen Winter besonders groß. Daß es sich bei diesem Dezemberzugang ganz überwiegend um Saisoneinflüsse, um Auswirkung von Naturkräften gehandelt hat, das beweist nun der neue Bericht der Reichsanstalt. Im Gegensatz zu dem winterharten Dezember war der Januar milde, ohne starke Fröste. Die Arbeiter, die im Dezember ihre Außenarbeits- ilätze aufgeben mußten, konnten im Januar ihre Be- chäftigung wieder aufnehmen. Die Arbeitslosen- i ahl ging um 285 000 zurück. Die Gesamtzahl der Arbeits- osen, die Ende Dezember die 4-Millionen-Grenze leicht über- chritten hatte, sank wieder unter 3% Millionen.

Kein Zögern und Warten.

Allerdings, ganz so.selbstverständlich ist dieser Rückgang doch nicht. Auch in den früheren Jahren traten im Winter Perioden milderen Wetters ein; damals griff man aber nicht sogleich wieder zu Hacke und Schaufel, sondern wartete mit der Wiederaufnahme der Arbeit, bis der Winter sich seinem Ende näherte. Der jetzt zum Ausbruchgekom- mene Kampseswille läßt ein solches Warten nicht zu. Die Arbeit wird auf ganzer Front wieder aufgenommen, auch wenn die Gefahr droht, daß ein nochmaliger scharfer Frost wiederum die Einstellung der Arbeiten erzwingt.

Der Glaube an den Erfolg.

Dieser Gesinnung, diesem ElaubenandenErsolg der Arbeitsschlacht ist neben den umfassenden Maß­nahmen der Reichsregierung der Rückgang der Arbeitslosen­zahl initzuverdanken. Wir können und wolle« uns dieses Erfolges erfreuen, aber wir müssen uns trotzdem die Mög­lichkeit vor Augen halten, daß ein scharfer und langdauern- der Frost im Monat Februar nochmals einen Rückschlag bringen kann. Aber auch dieser Rück­schlag, falls er kommen sollte, braucht nicht zu schrecken. Er ist dann ein Ergebnis elementarer Kräfte und zeitlich be­grenzt. Die große Linie des Arbeitskampfes wird von den winterlichen Einflüssen nicht berührt. Nach den Erfahrungen der Monate Dezember und Januar glaubt Präsident Dr. Syrup sagen zu können, daß die während der sommerlichen Arbeitsschlacht gewonnene Stellung in diesem Win­ter trotz aller jahreszeitlichen Einflüsse gehalten und gefestigt wird, und daß von diesem Stande aus int Frühjahr der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit seinen Fort­gang nehmen wird. Der Kampf in diesem Sommer wird schwer jein, schwerer als int Vorjahr, aber der Erfolg wird bei Zusammenfassung aller Kräfte nicht ausbleiben.