Wiesbadener Tagblatt
Sonntag, 4. Februar 1934.
Wiesbaden-Biebrich,
Musik von Erwin Dresse! zur
liung.
ffung
Das Eintopfgericht ist die Fasten- speise der deutschen Nation — Haltet am 4. Februar das Eintopfgericht.
Auf dem Erbgehöft des Landwirts Wilhelm Klotz rn Bierstadt, Privatstraße, fand vor kurzem ein« Besichttsu^9 durch eine Wiesblchener Schulklasse statt. Nach Deendisung der Besichtigung hatte man der Klasse eine große Freuoe bereitet, in dem für jeden Beschauer des Betriebes «rn gurer Schluck Milch serviert wurde. Auch auf dem Gehöft "" Landwirts Karl Kaiser in der Honigaasse f<tt" Schulklassen der Bierstadter Volksschule eine statt. Klasse für Klasse bekam nach beendigter ein bekömmliches Frühstück.
Bildende Kunst und Musik. Das Bremerhavener Stadttheater brachte di« Volksoper „Das Lambertusspiel" von Franz Ludwig zur Uraufführung. Das Textbuch, das echte dichterische Substanz ausweist, schrieb Prosper Heyl. Das Werk erzielte einen ehrlichen Erfolg.
Es gehört zu den Eigentümlichkeiten unserer tatfrischen Regierung, daß sie nicht lange fackelt; wo sie eine Notwendigkeit erblickt, läßt sie sich nicht lange in Diskussionen ein, sondern sie handelt.
So kommt in die Regierungsoerhandlungen nicht bloß der belebende Atem der Ursprünglichkeit und Kraft, sondern auch der ll b e r r a s ch u n g. Dr. Goebbels hat das einmal mit der ihm eigenen Überlegenheit so ausgedrückt: „Man kann uns alles nachsagen, nur eines nicht, daß wir langweilig wären."
Die verflossene Woche war eine solche Woche der Tatkraft und der Überraschungen. Es ging so vieles und gewaltiges vor, daß wir wohl ein ganzes Menschenalter und darüber hinaus immer wieder nachzudenken und zu staunen haben werden.
Das „Wiesbadener Tagblatt" hat die Rede Adolf Hitler am 30. Januar im Reichstag dem gesamten Wortlaut nach veröffentlicht. Das geschah aus einem besonderen Grunde. Unsere Leser sollten in die Lage versetzt werden, das, was sie mit Staunen und wachsender Begeisterung aus dem Munde des Führers im Radio gehört hatten, nun noch einmal Wort für Wort vor Augen zu haben. Der Schreiber hörte die Rede mit einem schlichten Mann aus dem Volke. „Das muß ich noch einmal lesen", sagte der fortwährend, „wo der Mann nur all die Worte herhat". So wird es vielen Lesern gegangen sein. Die Rede des Volkskanzlers war nicht bloß eine staatsmännische Tat ersten Ranges. Darüber hinaus war sie eine rednerische Glanzleistung, die verdient, studiert, überdacht — und aufgehoben zu werden. Der Leser wird seinen Nachkommen eine Freude machen, wenn er dieses Exemplar des Tagblatts sich sorgfältig aufhebt und zu den wichtigen Papieren seiner Familie sammelt.
Denn er war, ohne sich dessen vielleicht im Augenblick bewußt zu sein, zugleich Zeuge einer hi st arischen Tat, eines Marksteines allererster Art in der deutschen Geschichte. Vor die Wahl gestellt, ob man die Kaiserproklamation im Spiegelsaal von Versailles oder die Hitlerrede im Reichstage miterleben wollte, müßte man unbedenklich der letzteren den Vorzug geben. In der gleichen Tagblattausgabe stand ein Aufsatz, der eine eigenartige Beziehung zu der größten Tat Adolf Hitlers hatte, zum Neubau des Reiches.
Schon einmal vor Wochen hatten wir dem Dichter Wilhelm Schäfer das Wort gegeben. Er wies damals nach, wie das Gebiet zwischen Oppenheim und Frankfurt als Ausgangspunkt der deutschen Geschichte gedacht war. Und nun kam auch unser geschätzter Mitarbeiter Dr. Henche (Biebrich), um in einem Aufsatze, der weite Beachtung verdient, zu zeigen, wie gerade in unserer Gegend zwischen Kastel, Wiesbaden, und Rüdesheim in den Jahren 820 bis 840 der erste und wesentlichste Schritt gemacht wurde zum Aufbau des deutschen Reiches. Damals erstand in seinen
Der Küster der evangelischen Hauptkftche, Herr Bernhard Kaiser, Wiesbadener Straße 79, konnte am 1. Fehr, sein 40 jähriges Dienstjubiläum als Küster feiern. — Herr Karl Ruckes aus Biebrich erhielt heute den Lehrscheinder Deutschen Lebensrett ungs» gefe l lfch aft. 2m vergangenen Jahre wurden im Bezirk Wiesbaden 22 Lehrscheine ausgestellt.
Wiesbaden-Bierstadt.
Am Donnerstagnachmittag fand die Ernfichrung der neuen Frauenfchaftsleiterin bei der hiesigen N v - Frauenschaft statt. Die seitherige Leiterin, Freu Rösch, Wiesbaden, die die Bierstadter Frauenschaft in o«n schwersten politischen Kämpfen vor zwei Jahren übernahm, und sie zu einer beachtlichen Höhe führte, widmet sich von nun ab wieder der Frauenarbeit in Wiesbaden. Di« Kreis- frauenschaftsleiterin, Frau C h r i st, Wiesbaden, führte als NE Leiterin Fran Wüstenfeld ins Amt ein, und TOM verdiente Dankesworte für di« geleifteteten Arbeiten der scheidenden Lefterin.
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österreich-ungarischen Monarchie im Jahre 1918 setzten die leider vergeblichen Rückkehrbestrebungen dieses rein deutschen Landes zum deutschen Mutterlande ein. Die Friedensverträge verhinderten den Anschluß, und die Politik späterer Regierungen in Österreich entfernte sich immer mehr von dem wahren Willen unseres Brudervolkes, das in seiner überwiegenden Mehrheit den Anschluß herbeisehnt. Das führte bis zur Terrorregierung von Dollfuß, der mit brutaler Gewalt gegen den Willen des Volkes regiert. Sodann setzte Dr. Vinter die Ziele der NSDAP, in Österreich und die Aufgaben des Kampfringes eingehend auseinander. Nachdem der Propagandawart Eräbner noch einmal die Aufgaben der Mitglieder des Kampfringes klargelegt hatte, schloß der Ortsgruppenführer mit einem dreifachen Sieg- Heil auf Adolf Hitler und mit dem Gesang des Horst-Wessel- Liedes die Versammlung.
— 3m Männerbund der Lutherkirchengemeindc, der am Freitagabend unter Vorsitz von Oberstleutnant Meier sich versammelte, sprach nach Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten im Bereich des Gemeindelebens Pfarrer Dr. Ott über das Thema: „Sinn und Aufgabe unserer Gottesdienste". Luthers Formulierung: „Gott redet mit uns durch fein Wort und wir mit ihm im Gebet und Lobgesängen", besitzt auch heute noch Gültigkeit als Sinn des Gottesdienstes, in dessen Mittelpunkt die Wortoerkündung als Schriftvorlesung und Predigt steht. Me der Gottesdienst von jeher in allen Religionen als etwas Natürliches sich ergab, so muß er auch heute empfunden werden. Gottesdienst ist Gemeinschaft, die über der einzelmenschlichen Frömmigkeit den Zusammenschluß der Gläubiger zum Ausdruck bringt. An die Ausführungen des Redners schloß sich eine rege Aussprache über die verschiedensten Fragen des kirchlichen Lebens an.
— Führerprinzip auch in den Berufsschulen. Der preußische Minister für Wirtschaft und Arbeit hat für die Berufs- und Fachschulen eine neue Konferenzordnung erlassen. Der Minister weist daraufhin, daß nach der Neuordnung unseres Staatsgefüges die Lehrerschaft nicht weiterhin selbst in überlebten Methoden die Belange der Schule vertreten könne. Der Führergedanke müsse auch für sie richtungweisend sein. An die Stelle der die Verantwortung aufhebenden Beschlüsse einer Versammlung des Lehrkörpers tritt in Zukunft für die Schule die volle Verantwortung der einzelnen Persönlichkeit des Leiters in der Eigenschaft als Führer der Schule.
— Zusammenarbeit der Berufsschulen mit HI. und der SA. Auch für die Berufs- und Fachschulen sind jetzt vom preußischen Minister für Wirtschaft und Arbeit Richtlinien für die Zusammenarbeit zwischen Schule und Hitlerjugend, nationalsozialistischem deutschen Studentenbund und SA. ergangen, die sich an die vom Reichsinnenminister veröffentlichten Leitgedanken zur Schulordnung anlehnen. Die oberste Aufgabe aller Schulen ist die Erziehung zum Dienst an Volk und Staat im nationalsozialistischem Geiste. Die genannten Organisationen ergänzen diese Arbeit durch Stählung des Charakters, Förderung der Selbstzucht und körperliche Schulung. Eingriffe in die Tätigkeit der Schulen sind verboten. 2n ihren Ansprüchen an die Jugend sollen die Schulen sowohl wie diese Organisationen auf die Mitwirkung des Elternhauses an der Erziehung und auf di« Pflege des' Familienlebens verständnisvolle Rücksicht nehmen. Die Zugehörigkeit zur SA. ist im allgemeinen nur den Studierenden der Fachschulen erlaubt, und soll nur ausnahmsweise Schülern der Berufsschulen gestattet werden, soweit die Erfüllung ihrer Berufs- und Schulpflichten di« Teilnahme am Dienst der SA. gestattet. Auch für die Berufs- und Fachschulen gilt der deutsche Gruß, an den bergmännischen Schulen in Verbindung mit dem Bergmannsgruß „Glückauf". Ebenso ist vor und nach den Ferien die Flaggenehrung durchzuführrn.
— Einfamilienhäuser sollen gebaut werde». Der preußische Minister für Wirtschaft und Arbeit nimmt in einem neuen Erlaß Stellung zur Errichtung von Not- und Behelfswohnungen im Rahmen des Arbeitsbeschaffungsprogramms. Die Wohnungen sollen so gestaltet sein, daß sie später mit möglichst geringen Mitteln in normale Wohnungen umgewandelt werden können. Ferner sollen Flachbauten mit falschem espressivo reinzuhalten, mochte auch die Erzielung einer vollendeten Klangkultur außerhalb der Möglichkeiten weniger Verständigungsproben liegen. 2m ganzen eine Leistung, die angesichts der heiklen Darstellbarkeit dieses Werkes erneut bedauern läßt, daß wir Alberts geschickt vermittelnde Hand jetzt verlieren und nicht mehr Zeugen seiner Weiterentwicklung bleiben können. Albert wurde lebhaft gefeiert. v .
Eingeschaltet in das Orchesterprogramm war das Auftreten der Mainzer Sopranistin Lore Schwarz, die sich mit dem Vortrag zweier Opernarien als eine Sängerin von echtem Bühnenformat erwies. Eine klangvolle und dramatisch timbrierte Stimme mit vorbildlich ausgefeilter lebenserfüllter Deklamation. Eine während der Gräfin-Arie aus .^Figaros Hochzeit" zu konstatierende leichte Neigung zum Tremulieren, verlor sich in der bekannten Arie aus Götz' „Der Wiederspenstigen Zähmung" völlig, so daß die souveräne Gestaltung dieses Stückes einen ungetrübten Genuß bedeutete. Lore Schwarz erntete reichen Beifall und Blumen.
W. St.
Gartenanlage bevorzugt werden, um möglichst viele Familien wieder in gesunde Verbindung mit dem Boden zu bringen. Dies wird, wie der Minister betont, zweifellos am besten und meist auch ohne wesentliche Mehrkosten durch Erstellung von kleinen Einfamilienhäusern erreicht. Erst wenn sich nach sorgfältiger Prüfung der örtlichen Verhältnisse herausstellt, oaß der Dau von Einfamilienhäusern nicht möglich ist, kann die Förderung von Behelfswohnungen in Mehrfamilienhäusern in Frag« kommen. V«i der Prüfung der Bau- und Siedlungsplän« soll in wohnungs- und Lautechnischer Hinsicht ein strenger Maßstab angelegt werden. Das Behelfsmäßige der Wohnungen darf nur in der Beschränkung auf das unbedingt Notwendige an Wohnraum und Ausstattung bestehen, darf, aber die in gesundheitlicher, sittlicher wohnungs- und bautechnischer Hinsicht zu stellenden Mindestanforderungen nickt unterschreiten.
— Die Orgel der Marktkirche, eines der besten und größten Werke in Südwestteutschland, wurde durch Einbau von neuen Stimmen auf eine nach modernem Maßstab hohe Stufe der Vollkommenheit gebracht. Die Firma E. F. Walcker in Ludwigsburg hat aus reinem künstlerischem Interesse dem schönen Orgelwerk die Errungenschaften des modernen Orgelbaues der letzten Jahre zugute kommen lassen. Die regelmäßigen Mittwochskonzerte in der Marktkirche, die feit Jahrzehnten zum festen Bestandteil des Wiesbadener Musiklebens gehören, werden nach der Weihnachtspause am kommenden Mittwoch, 7. Februar, wieder ausgenommen. 2m Mittelpunkt der Vortragsfolge steht der Bachchor mit Bachs Motette: „2esu meine Freude". Kirchenmusikdirektor Kurt Utz spielt u. a. Bachs Konzert in C-Dur.
— Die Aushebung des Fahrschulzwauges. Der preußische Minister für Wirtschaft und Arbeit Hat Ausführungsbe- ftimmungen zu den Verordnungen des Reichsverkehrs- minifters über die Ausbildung von Kraftfahrzeugfiihrern erlassen, die den Regierungspräsidenten, den Zulassungsbehörden und den Polizeibehörden zugegangen sind. Der Minister weist daraufhin, daß di« bisherige Verpflichtung, vor Meldung zur Führerprüfung «ine Fahrschule aufzusuchen und deren Ausbildungsnachweis vorzulegen, fortgefallen ist. Der Prüfling ist in Zukunft nur noch an die Ausbildung durch einen Fahrleiter gebunden. Di« Fahrlehrer können ihre Tätigkeit nut mit Genehmigung der höheren Verwaltungsbehörde ausüben. Als HKHer« Verwaltungsbehörde gelten in Preußen die Regierungspräsidenten. Wetter weist der Minister daraufhin, Lag vor Erteilung des Führerscheines in Zukunft die Beibringung eines amtsärztlichen Zeugnisses nicht mehr, allgemein, sondern nur in gewissen Fällen verlangt wird.
— Winterschutz für unsere Tiere. Durch die Schneewehen am Donnerstag mußte der Tierschutzverein wieder in Tätigkeit treten. Durch die eingerichteten Verteilungsstellen werden augenblicklich etwa 50 Futterstellen regelmäßig versorgt, dazu kommen noch weitere rund 40 Futterstellen des Verschönerungsvereins, welche zeitweise von den ehrenamtlich tätigen Mitgliedern noch mitversoMt werden. Solche Derteilungsstellen befinden sich 'um Beispiel im Jagdschloß Platte, in den Förstereien: Adamstal, Dambachtal, Klarenthal. Dotzheim, Chausseehaus, Sonnenberg, Rambach, ferner auf allen Friedhöfen, sowie am Holzhackerhäuschen, Luft- und Sonnenbad, allen Spottplätzen uim. Darüber hinaus versorgt der Tierschutzverein augenblicklich in Wiesbaden täglich 130 wilde Tauben und gewähtt sogar den Wanderschaustellern des Andreasmarktes soweit dies« in Not sind Futterzuschüss«. Eine wirklich schwere Ausgabe. Umso bedauerlicher lst es, wenn wir heute wieder aus dem Leserkreis erfahren, daß in der Bleichstraß« wiederholt Tauben durch Bubenhände abgeschossen werden. Wir bitten alle Wiesbadener unser« Vogelwelt zu ichützen und bei solchen Beobachtungen dem Vorsitzenden des Tierschutzvereins, Herrn P. Schlink, oder der Polizei unverzüglich Mitteilung zu machen.
Aus Aunst und Leben.
* Ein Reichssilmdramaturg berufen. Reichsminister Dr. Goebbels hat im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda die Stelle eines ReichsfiIm - dramaturgen geschaffen und in sie den Schriftleiter des „Angriff" Willi Krause berufen. Der Reichssilmdramaturg hat die Ausgabe, die Filmindustrie in allen wichtigen Fragen der Filmherstellung zu beraten, die ihm vorzulegen- den Manuskripte und Drehbücher zu prüfen und rechtzeitig zu verhindern, daß Stoffe behandelt werden, die dem Geist der Zeit zuwiderlaufen. Das Arbeitsgebiet des bisher bei der Reichsfilmkammer bestehenden dramaturgischen Büros ist damit auf den Reichsfilmdramaturgen übergegangen.
Theater und Literatur. Der Oberspielleiter der Kölner Oper, Walter Felsenstein, wurde von Generalintendant Meißner ab nächster Spielzeit auf zwei Jahre als Ober- spielleiter der Oper an die städtischen Bühnen Frankfurt a. M. verpflichtet. — Am 2. Februar fand am Wiener Burgtheater die Uraufführung der Komödie „So war Herr Brummell" von Ernst Penzoldt statt. — Am 6. Februar bringt das Mannheimer Nationaltheater den „Miinster- sprung", Otto Rombachs Volksstück um den „Schneider von Ulm" und zwei Wochen später, am 22. Februar, „Das grüne Revier", eine Komödie unter jungen Menschen mit der
Anfängen und als mehr oder weniger bewußtes Ideal jenes Reich, das zugleich die Geschichte des Strebens der Deutschen und die Sehnsucht ihrer Herzen war. Damals wurde der Kern dazu gelegt, was Adolf Hitler nun endlich gebaut hat: Das Reich aus einem Volke.
Es war bis zum 30. Januar 1934 eine tragische Geschichte. Das Reich war ein atemraubendes Spiel von Sturz und Aufstieg. Es war gelungen, Deutschland vom Frankenreich abzusondern. Es war gelungen, die deutschen Stämme zu einer äußeren Einheit zusammenzufassen. Aber die Idee des Reiches blieb unerfüllt. Bis 1870, bis 1914 gelang es höchstens, einen genügsamen, handfesten Staat im deutschen Raume zu gründen. Aber, wie gesagt, das Reich blieb eine Idee. Das deutsche Volk war eine kahle Tenne, auf der andere Völker die Körner seiner Geschichte ausdroschen. Seit den Tagen, wo die Osffranken mit kühner Faust den Schwerpunkt der alten Geschichte in die deutsche Mitte trugen und darüber hinaus in ihrer Sehnsucht den Dom der deutschen Einheit wölbten, ist des Reiches in deutschen Herzen kein Ende gewesen. Mochten die Wölbungen widerhallen von Kriegsgeschrei und Niederlagen, von dem wüsten Lärm der Stammeskämpse und der Parteien, in jedem rechten Deutschen blieb die magische Kraft des Reiches ungebrochen. Was nun Ludwig der Deutsche nicht vermochte, was Otto der Große nicht gekonnt, was Bismarck nicht geschmiedet, Adolf Hitler gelang es.
Das Reich wird neu.
Es ist ein einziges Deutschland. Innerlich zusammengeschweißt zum Volke, äußerlich umschlungen von dem Band des R e i ch e s. Nur noch di« Kraft der Stämme wird bleiben, nur noch der vielfarbene Ton ihrer kulturellen Eigenart glänzen. Aber nicht mehr bleibt eigenwillige Eifersüchtelei und kleinliche Eigenbrödelei und Kleinstaaterei. Wir sind ein Volk und ein Reich seit dem 30. Ianuar 1934. Der jahrtausende alte Traum der deutschen Herzen ist in einer schlichten, fast gar kern Aufsehen machenden Weise erfüllt worden.
Dieses neue Reich ist erstanden aus einem Volke, das sich zu seiner Deutschheit als einer Verpflichtung und als seinem Rechte und als seiner Hoheit bekennt, das heißt zu sich und zu der Steigerung seines ureigenen Wesens. Und es erstand aus dem Willen des einen Mannes, der vom Schicksal die Aufgabe erhielt, was Jahrtausende nicht fertig brachten, zu erfüllen. Die Elektrizität in der Weltgeschichte wird nur von Höhen angezogen, Maulwurfshaufen sind vor jeder Art Blitz sicher.
Darum sollte jeder Leser die angezogene Tagblatt-Ausgabe bewahren. Die Enkel und Urenkel möchten ihn einmal fragen, wie war das damals, als das Reich endlich geschmiedet wurde. Und da muß man es dann wissen und zeigen können: So war es damals am 30. Januar 1934.
Besinnliche Betrachtungen
Die Schmiede des Reiches.
— Arbeit der Feuerwehr. Die Feuerwehr wurde am Freitagnachmittag nach der Friedrichstraße 15 gerufen, wo ein Kaminbrand abzuleinen war. — Am Samstagmorgen um 5 Uhr wurde die Wehr nach der Nerostraße gerufen um einen Valkenbrand zu beseitigen. Dort brannte infolge Überheizung zweier Öfen im Dachgeschoß eine Wand. Dl« Wehr löschte das Feuer ab.
— Justizpersonalien. Landgeiichtsrat und Amtsgerichts- rat Mehl in Wiesbaden ist unter Velassung in der Stellung als Amtsgerichtsrat bei dem Amtsgericht an das Arbeitsgericht dafelbst versetzt.
— Geschäftsjubiläum. Die bekannte Maßschneiderei Karl Messe r s ch m i d 1, Bärenstraße 2, 1., begeht am 4. Februar ihr 40jähriges Geschäftsjubiläum.
— Treue Dienste. Herr Friedlich Schlosser beging am 4. Februar sein 25jähriges Dienstjubiläum bei der Dresdner Bank Filiale Wiesbaden. Dem Jubilar wurden in Anerkennung seiner treuen Dienste reiche Glückwünsche dargebracht.
— Berichtigung: In dem Bericht über die große Rede des Führers vor dem Reichtsag am 1. Jahrestag des neuen Reiches (Tagblatt-Ausgabe von Mittwoch, 31. Januar) muß es in dem Abschnitt „Der Vertrag von Versailles, ein Diktat des Hasses", wie aus dem nachfolgenden Satz auch hervorgeht, sinngemäß heißen, daß Deutschland am Ausbruch dieses Krieges schuldlos war.
