Wiesbadener Tagblatt
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85. Jahrgang
Dienstag, 14. Dezember 1937
Nr. 291
k. o.-Sieg in 8. Runde.
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Htueigettpreile: Ein Millimeter Höhe der 22 Millimeter breiten Spalte im Anzeigenteil Grund. Preis 7 Rpf., der 85 Millimeter breiten Spalt« im Tertteil 60 Rpf., sonst laut Preisliste Nr. 6, Nachlahstaffel B. — Für die Ausnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Plätzen wird keine Gewähr übernommen. — Schluß der Anzeigen-Annahme 9‘/a Uhr vormittags. Größere Anzeigen müssen spätestens einen Tag vor dem Erscheinungstage aufgegeben werden.
unter Vorsitz des Kaisers an, um Richtlinien für die Festlegung des politischen und militärischen Friedens in Fernost aufzustellen. Das Hauptksuartier, die Regierung und der Be- raterstab seien darüber einig, daß auch weiterhin Entschlossenheit nottue.
L. Echellenberglche Hofbuchdruckerri, „lagblatt < Saas“.
Fernfprecher-Sammel-Nr. 59631. Drahtanschrift: Tagblatt Wiesbaden.
Postscheckkonto: Frankfurt a. M. Nr. 7405.
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Die chinesische „Zentralregierung" nur noch eine Lokalregierung.
Eine Erklärung des japanischen Ministerpräsidenten.
Tokio, 14. Dez. (Funkmeldung. Ostasiendienst des DRV.) Ministerpräsident Fürst Konoe gab zum Fall von Nanking eine Erklärung ab, in der er sagte, Japan sei stets auf Lokalisterunq und Milderung der Feindseligkeiten bedacht gewesen. Tschiangkaischek habe dagegen mehrfach ernste Warnungen Japans ausgeschlagen und durch seine antijapanische Politik in Verbindung mit dem militärischen Vorgehen Japan zu militärischen Aktionen in großem Maßstäbe gezwungen. Durch den Fall von Nanking sei die,chinesische Zentralregierung zu einer bkotzen Lokalregierung herabgesunken. Japan müsse jetzt seine Chinapolitik neu orientieren. Die militärischen Operationen würden bis zur völligen Zerschlagung aller antijapanischen Bewegungen in China durchgeführt.
Nanking von den Japanern vollkommen besetzt
Die chinesischen Stellen schweigen sich aus.
Die Zwischenfälle im Fernen Osten
Washington und London beraten. — Paris möchte dabei sein. — Hetzer am Werk.
amerikanischen Stellen haben ebenso das versenkte Kanonenboot als Schutzfahrzeug für einen Transport von chinesischen Flüchtlingen auf amerlkanischen Leichtern zur Verfügung gestellt. Die japanischen Militärbehörden waren aber offensicht- lich nicht in der Lage, der damit entstandenen schwierigen Rechtslage praktisch zu begegnen. Die Dampfer standen theoretisch unter dem Schutz der Kriegsschiffe, praktisch unterstanden sie aber als Handelsdampfer dem erlassenen Schifffahrtsverbot. Daraus gingen die Zwischenfälle hervor, deren Beilegung jetzt den Diplomaten einige Sorgen bereitet.
Squgsp*ei|e: Für eine Bezugszen von 2 Wochen 94 Rpf., für einen Monat RM. 2.—, ein- ichuetzllch Troglohn. Durch die Post bezogen RM. 2.35, zuzüglich 36 Rpf. Bestellgeld, Einzelnummern 10 Rpf. — Vezugsbestellungen nehmen an: der Berlag, die Ausgabestellen, die Tröger und alle Postanstalten. — Die Behinderung der Lieferung rechtfertigt keinen Anspruch auf Rückzahlung des Bezugspreises.
„Einleitung einer neuen Aera in Ostasien."
Tokio, 13. Dez. (Ostasiendienst des DRV.) Die japanische Nachrichtenagentur Domei meldet, datz Nanking von den japanischen Truppen vollkommen besetzt worden ist.
Die chinesischen Behörden hüllen sich gegenüber den bereits von verschiedenen Seiten verbreiteten Meldungen von einer vollständigen Einnahme Nankings in Stillschweigen. Dementsprechend war eine amtliche chinesische Bestätigung noch nicht zu erhalten.
„Der Fall Nankings leitet eine neue Ära in O st a s i e n ein und ist von weittragender politischer und militärischer Bedeutung für Japan und die Nachbarstaaten", so fassen die zuständigen Kreise Tokios ihr Urteil über die Bedeutung dieses Ereignisses zusammen. Das Hauptquartier betont in einer längeren Erklärung, datz die Feindseligkeiten solange weitergehen würden, als Tschiangkaischek den Widerstand nicht aufgebe. Die japanische Armee würde den militärischen Druck auf die japanfeindliche chinesische Regierung und ihre Truppen verstärkt fortsetzen. Autzenpolitisch müßten internationale Aktionen aufmerksam beobachtet werden. Das japanische Volk würde nunmehr seine Kräfte verdoppeln, um feindliche Operationen endgültig unmöglich zu machen.
Das Blatt „Asahi Schimbun" schreibt, der Fall Nankings mache die internationale Stellung des japanischen Kaiserreiches bedeutender und einflußreicher. Das Blatt kündigt eine Sonderkonferenz des Hauptquartiers und der Regierung
Nie wieder Genf.
Das Echo des deutschen und des italienische« Schrittes.
(Von unserer Berliner Schriftleitung.)
Der schwere Schlag, den die deutsche Erklärung und der italienische Schritt der Genfer Entente zugefügt haben, hat naturgemäß ein überaus starkes Echo in der gesamten Welt ausgelöst. Niemand konnte in Berlin oder in Rom Lobpreisungen dort erwarten, wo man sich noch mehr oder minder stark der Genfer Ideologie verschrieben hat. Ganz allgemein aber ist doch festzustellen, daß eine Schimpfkanonade, wie sie in früheren Zeiten üblich gewesen wäre, diesmal nicht eingesetzt hat und daß nur verhältnis- mätzig wenige Blätter des Auslandes einen rüpelhaften Ton anschlagen. Ganz einheitlich ist das Echo nicht einmal bei den Weltmächten. Man gibt sich in London betont ruhig und versucht die Dinge so darzustellen, als ob man keineswegs- überrascht sei, zumal, wie man in der englischen Hauptstadt hinzufügt, sich in der Praxis garnicht viel geändert habe. Diesem Versuch, die neue schwere Niederlage der Genfer Entente zu bagatellisieren, entspricht die Haltung der französischen Presse keineswegs. Wir wollen es dahingestellt sein lassen, inwieweit das auf eine verschiedenartige Einstellung gegenüber Genf selbst beruht. In England ist der Glaube an Genf doch wohl nicht mehr so groß wie in Paris, wurde doch in der letzten englischen Thronrede die Genfer Institution nicht einmal mehr erwähnt. Darob war, wie noch erinnerlich sein dürfte, die englische Linke sehr bestürzt, da in den Thronreden bisher Genf stets als Grundlage der englischen Politik bezeichnet worden war. In Paris, wo man nach wie vor auf die „kollektive Sicherheit" ebenso eingeschworen ist wie auf die Genfer Entente, zeigt man sich wesentlich nervöser als in London. Man'ist hier auch ehrlich genug, zuzugeben, daß die Kundgebungen Berlins und Roms einen äußerst schweren Schlag für Genf bedeuten. Das Blatt „Oeuvre" schildert sogar sehr eingehend die „Panik", welche die Nachrichten aus Berlin und 'Rom in den Genfer politischen Kreisen aus- gelöst haben. Man fürchtet nämlich — und zwar sowohl in Genf als auch in Paris — datz eine größere Anzahl kleinerer Mächte nunmehr ihr Verhältnis zu der Genfer „Institution ebenfalls überprüfen und dabei möglicherweise zu Entschlüssen kommen, die für Genf alles andere als erfreulich wären. Einmal gilt diese Besorgnis den lateinamerikanischen Staaten, die der Genfer Entente ohnehin skeptisch gegen- überstehen. Zum anderen aber ist man auch der europäischen Staaten keineswegs sicher. So hat man nicht ohne Ängste das Echo aus Schweden vernommen. Dort ist nämlich sehr deutlick> zum Aufdruck gebracht worden, datz der deutsche und der italienische Schritt ein« Schwächung für die Genfer Entente bedeuten und datz soniit dieser Genfer Verband immer mehr zu einer reinen Jnteressentengruppe werde. Man glaubt diesen Äußerungen um so mehr Eewichr beimessen zu müssen, als erst unlängst in der skandinavischen Presse Erörterungen über die Notwendigkeit od»r lln- zweckmätzigkeit der Genfer Institution angestellt wurden, Erörterungen, die kein Loblied für Genf bedeuten. Cs scheint, als ob in Skandinavien jedenfalls die Stimmung wächst, keinerlei Verpflichtungen dieser Genfer Entente weiter zu
Eine Gegenregierung in Peking?
Tokio, 13. Dez. (Ostasiendienst des DRV.) Während Marschall Tschianakaischeck sein Hauptquartier nach der Hauptstadt der Provinz Kiangsi, Nantschang, verlegt hat und die Zentralregierung bereits vor einiger Zeit nach Hankau bzw. nach Tschungking, der Hauptstadt der Provinz Szetschuan, Lbergesiedelt ist, soll, wie die Agentur Domei amtlich meldet, nach dem Fall von Nanking am Dienstagvormittag in Peking eine „Vorläufige Regierung der Republik China" gebildet werden. Die neue Regierung, der, wie verlautet, die früheren chinesischen Bundespräsidenten Tsaokun und Hsuschihtschang sowie eine Anzahl ehemaliger chinesischer Minister angehören sollen, wird von dem jetzt öSjährigen Wangkomin geleitet werden, der Präsident der Chinesischen Zentralbank und im Jahre 1917 Finanzminister war.
In einer von der neuen Regierung verbreiteten Erklärung heißt es u. a., daß die Erneuerung Chinas unter Beseitigung der Willkürherrschaft der bisherigen Regierung und der Kuomintang durchgesührt werden solle. Das Hauptziel der neuen Regierung sei die Ausrottung des Bolschewismus. Mitglieder der Kuomintang, die an der (Erneuerung Mitarbeiten wollten, seien willkommen. Alle bisherigen Verträge mit Ländern, die mit China auftichtig befreundet seien, würden geachtet werden, während neue Verträge von der künftigen Einstellung der Länder zu China und zu der Pekinger Regierung abhängig gemacht werden. Als vorläufiges Programm sei enge steundschaftliche Zusammenarbeit mit Japan und Mandschukno, Entwicklung von Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft sowie planmäßiger Ausbau der Selbstverwaltung vorgesehen.
WM schiert M M nie.
Harry Thomas nach sechs Niederschlägen verteidigungsunfähig aus dem Ring geschickt.
New York, 13. Dez. Max Schmeling erfocht im ausoer- kauften Madison Square Garden einen neuen großen Sieg. In Anwesenheit des deutschen Botschafters Dieckhoss schlug er den Amerikaner Harry Thomas in acht Runden derart zusammen, daß sich Ringrichter Artur Donooan kurz vor Schluß der achten Runde gezwungen sah, den nicht mehr verteidigungs- fiihigen Amerikaner nach sechs kurzen Niederschlägen aus dem Ring zu schicken und Max Schmeling zum ko.-Sieger zu erklären.
Die Ursache des Konflikts.
as. Berlin, 14. Dez. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung). Mit der nunmehr von japanischer Seite gemeldeten völligen Einnahme Nankings ist ein wichtiger Abschnitt in dem japanisch-chinesischen Ringen erreicht. Dabei tritt aber die Frage, wie sich rein militärisch die Dinge weiter gestalten, werden, d. h. wo und ob die Japaner den Vormarsch fortsetzen, im Augenblick zurück, da durch die Versenkung des amerikanischen Kanonenbootes „Panay" und durch die Be- L schießuna englischer Schiffe auf dem Jangtsefluß die Situation ^sich verschärft hat. Es ist nicht zu leugnen, daß eine gewiß? k Auslandspresse versucht, Öl in das Feuer zu gießen. So sind ein amerikanischen Blättern recht scharfe W Kommentare gegen Japan zu finden, die in der Fest- k stellung gipfeln, datz die japanisch-amerikanischen Beziehungen I noch nie so gespannt gewesen seien wie im gegenwärtigen । Augenblick. Ja, einige amerikanische Blätter glauben an- | kündigen zu können, daß ein Teil der amerikanischen Pazifik- l Flotte nach China beordert werden würde. Nicht minder scharf L ist, obwohl Frankreich von den Dingen direkt gar nicht be- f troffen wird, die Sprache des „Temps", der Japan gegenüber | einen geradezu drohenden Ton anschlägt. Das Blatt will - nichts von Irrtümern japanischer Flieger oder Kanoniere - wissen. Es spricht geradezu von einer vorbedachten, wirklich . feindseligen Haltung Japans. Der gesunde Menschenverstand ' sollte eigentlich auch den französischen Journalisten sagen, datz die Japaner nicht das mindeste Jnteresie daran haben können, U die Situation zu komplizieren. Es scheint, als ob man in Frankreich gern einmal die so oft in den Zeitungen erwähnte „Zusammenarbeit der großen Demokratien" in der Praxis durchexerzieren möchte und die Zwischenfälle auf dem Jangtse als erwünschten Anlaß hierzu betrachtet. Jedenfalls spricht man in Paris bereits davon, daß Frankreich sich einem 1 amerikanisch-englischen Protest in Tokio selbstverständlich anschließen wird.
Sehr viel ruhiger als gewisse Presseorgane, verhalten sich die amtlichen Stellen. So wird in New Yorker Meldungen gesagt, daß die maßgebenden politischen Kreise in Washington alles zu vermeiden trachten, was im gegenwärtigen Augenblick die Spannung auf die Spitze treiben könnte. Andererseits legt Washington großen Wert darauf, gemeinsam mit England vorzugehen. Der Telegraph hat denn auch zwischen London und Washington eifrig gearbeitet und auch die telephonische Verbindung ist wiederholt benutzt worden, llber das Ergebnis dieser „Konsul- : tation“ ist nichts bekannt geworden. Eden hat zwar gestern ' im Unterhaus auf eine Anfrage wegen der Zwischenfälle auf dem Jangtse betont, datz der ernste Charakter dieser Zwischenfälle nicht zu leugnen sei, hat es aber vermieden, irgendwie auf die Dinge und auf das, was weiter geschehen soll, ein« rngehen. Das amtliche London ist, das kann aus der , Antwort Edens ohne weiteres geschloßen werden, ganz offensichtlich bemüht, den Ernst bex Zwischenfälle nicht noch zu steigern.
Die Dinge liegen völkerrechtlich sehr kompli- s ziert. Denn diplomatisch betrachtet, gibt es ja keinen Ktteg l zwischen Japan und China, da eine amtliche Kriegserklärung nicht erfolgt ist. Dazu kommt nun noch, daß sich auf dem | Jangtse, Lchinas größtem Strom, stets "ganze Geschwader aus- r ländischer Kriegsschiffe befinden. Die englischen und ; amerikanische« Kanonenboote sind dort seit Jahren stationiert, I also nicht erst jetzt zum Schutze der Interessen ihrer Länder ? dorthin entsandt worden. Die englische Jangtse-Flotte bei- ' spielsweise besteht aus nicht weniger als 13 stark bewaffneten l Fluß-Kanonenbooten, die der Vereinigten Staaten aus 7 Booten, die gleiche Zahl von Fluß-Kanonenbooten ^unterhielten bisher auch die Japaner auf dem Jangtse, während = sich die Franzosen mit 4 Booten begnügen. Nun haben die - Japaner ein allgemeines Schiffahrtsverbot auf dem Jangtse, - zwischen Nanking und Wuhu erlassen, offenbar um den Ab- ; transport chinesischer Truppen aus Nanking auf diese Weise 5 zu verhindern. Sowohl die Kommandanten der englischen f Fluß-Kanonenboote in Wuhu wie die der amerikanischen | Kanonenboote haben es aber abgelehnt, sich dieser Anordnung e fügen. Wie sich aus der Erklärung Edens ergibt, hat man zar eine Zusammenziehung der Handelsdampfer unter dem Schutze bet englischen Kriegsschiffe vorgenommen. Die
6^~ Wnertrtftött Werktäglich nachmittags.
Ulisgtwen Geschäftszeit: 3 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, autzerSonn- u. Feiertags.
gp Unterhaltungsbeilage._______________Sto: ___________
Damit erlebte Thomas die erste ko.-Niederlage seines Lebens. Max Schmeling hingegen wurde vom New Yorker Publikum gefeiert wie noch nie; er ist und bleibt der größte Publikumsboxer, de« Amerika seit Jack Dempseys Zeiten gesehen hat. Die Hetze der jüdische« Uatermeyer- Eruppe ist völlig fehlgeschlagen — mit Schmelings großem Sieg hat die deutsche Sache i« Amerika eine« neuen Erfolg errungen. Schmeling begibt sich sofort nach Deutschland, um das Weihnachtssest zusammen mit seiner Frau und seiner Mutter feiern zu könne«. Am 30. Januar trifft er in Hamburg auf Beu Foord, für Februar hat er ein Angebot erhalte« in Miami (USA.) gegen Steve Doudas zu boxen.
(Einen ausführlichen Bericht über den Kampfverlauf finden unsere Leser im Sportteil dieser Ausgabe. Schristltg.)
