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Seite 28. Nr. 289.

Wiesbadener Tagblatt

Samstag/Sonntag, 11./12. Dezember 1937.

Die Schlacht bei Ochamps 1914

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frtfiirterung;

A Bereitstellung am vormittag O.P. Offizier Pollen

Boooo =. Vormandi xvm Angriff

+ 4-> Steliung'äegenAbend _

<» Vormarsch und Angriff der Franzotto > Rüdaug der Franzosen

Ochamps, wo es sich gegen 9 Uhr 1 Kilometer östlich des Dorfes gedeckt nach Westen bereitstellte.

Vor der Schlacht.

Die drei Batterien gingen hinter der Höhe gedeckt in Stellung, die Sicherung feindwärts übernahm das II. Bataillon, das Patrouillen nach Ochamps entsandte und die Dorfausgänge nach Westen und Süden, sowie die Kapellenhöhe mit Offizierposten besetzte. Das I. Bataillon stellte sich rechts, das III. Bataillon mit MEK. links rück­wärts der Höhe auf. Die Ulanen sollten nach Westen auf­klären und mit der 25. Division Verbindung ausnehmen. sSkizze H). Der am Morgen noch dichte Nebel verzieht sich allmählich. Man gewinnt Ausblick nach dem tiefer liegenden Dorf, dessen Gehöfte am Südwestausgang sich nach der Kapellenhöhe hinaufziehen. Der Höhenrücken mit der Kapelle schließt den Blick nach Westen ab. Zwischen der Bereit­stellung und der Kapellenhöhe ist das Gelände übersichtlich, aber von zahlreichen Drahtzäunen und Dornenhecken durch­zogen, die später sehr hinderlich werden sollten. Wiesen, Brachfelder, Äcker zum TeU noch mit Hafer auf den Halm,

Eine Ruhmestat der 87er.

Zur Erinnerung an den ruhmvollen Kampf des 1. Nassauischen Infanterie-Regiments 87 im Welt- frieg, dessen Traditionspflege dem 87. Regiment unserer neu erstandenen Wehrmacht und zwar dessen Regimentsstab mit 13. und 14. Kompagnie und dem H. Bataillon übertragen ist, trägt die neue Kaserne an der Schiersteiner- und Gersdorff- straße, die am nächsten Samstag mit einer Feier offiziell ihrer Bestimmung übergeben wird, den NamenOchamps-Kaserne". Um allen Wies- badern, die sich eng mit ihrer neuen Garnison ver­bunden fühlen, Einblick über den Grund dieser Be­nennung zu geben, lassen wir eine Schilderung des Offiziersbundes der alten 87er über den Verlauf der Schlacht von Ochamps folgen.

(Sie Schriftleitung.)

Die 87er auf dem Vormarsch.

Aus ihrem Aufmarschraum im Eroßherzogtum Luxem- °ut 8 war bte deutsche IV. Armee unter Herzog Albrecht von Württemberg vni. AK. auf dem rechten Flügel XVIU. AK. in der Mitte, VI. AK. links, dahinter rn zweiter Linie VIII. und XVIU. Reservekorps - seit dem *914 sw Vormarsch in nordwestlicher Richtung

Dclgien. (Skizze I) Am 20. August kam es zum ersten Gezecht gegen bte französische 4. und 9. Kavallerie- Division, die durch ein Infanterie-Bataillon (I. Infanterie- Regiment 87) und eine Radfahrerabteilung verstärkt waren, der Longlier (Bahnhof von Neufchüteau). Deutscherseits waren beteiligt Jiff.-Reg. 87, I. Abt. Feldartillerie-Regt! 27, 1. Pionier-Bataillon 21, 4. Ulanen 6 und Juf.-Regt. 88. Der getttb wurde, mit empfindlichen Verlusten des Jnf.-Vatls. und der Radfahrerabteilung zurückgeworfen. Waren die Ver- luste auf unserer Seite auch gering, traf uns doch ein schwerer otf)Iag. Wir verloren unseren jugendfrischen und tapferen Regimentskommanbeur, Oberst K i e r st e i n, der in der vor­dersten State, mit dem Gewehr in der Hand, so schwer ver- wunbet wurde, daß er nach wenigen Wochen im Lazarett in Koblenz starb.

Am 21. August wurde in der bisherigen Richtung weiter­marschiert und von der 21. Division die Gegend von Recogne Libramont (Jnf.-Regt. 87 bei Neu­ville r s), von der 25. Division der Raum um Libin er­reicht.

Die deutsche IV. Armee sollte nach Weisung der Obersten Heeresleitung unbedingt Verbindung halten nach rechts mit bet IH. Armee und nach links mit der V. Armee deren Flanken sichern, und sich selbst nach der Lage angriffs- oder vertetdtgungsweffe verhalten. Diese gewiß nicht leichte Auf­gabe wurde am 22. August noch wesentlich schwieriger da­durch, daß das linke FlLgelkorps (VI.) auf dringenden Ruf der V Armee von seiner ursprünglichen Marschrichtung auf Neu f chL t e a u scharf nach Süden abgebogen war und das vHl. auf dem rechten Flügel, um Anschluß an die m. Armee M halten, nach Westen weitermarschieren mußte. Der Raum in der Mitte vergrößerte sich dadurch auf mehr als 40 Kilo­meter. Da das XVIII. Reservekorps mit feiner vordersten Division (21. Res.-Div.) erst gegen Mittag Neufchüteau er­reichen konnte, war die Sage für das XVIU. Armeekorps äußert ernst. So standen am 22. August seine beiden Divisionen in dem stark bewaldeten und unübersichtlichen Gelände 10 Kilometer voneinander getrennt die 25 bei Libin, die 21. bei Libramont. Um diese Lücke aus­zufüllen, schob der Kommandierende General ein selb­ständiges Detachement unter General v. d. Esch (Komman­deur der 41. 2nf.-Brigabe) Jnf.-Reat. 87. I. Abt Nelb-

Eegner jeden Fußbreit Boden in zähem, heftigem Kampfe unter schweren blutigen Verlusten ab.

I./87 Major Denkendorf erhält Weisung, nördlich von Ochamps vorbeizurücken und sich in den Besitz des Höhenrückens nordwestlich des Dorfes zu fetzen.

Die MGK. 87, Hauptmann Michaelis, wird zunächst auf der Höhe dicht nordöstlich Ochamps eingesetzt und be­kommt bald darauf Befehl, auf der Höhe südwestlich von Ochamps unmittelbar in den schweren Kamps der Bataillone einzugreifen, wo sie bald hervorragend wirkte.

Vom III./87, Major Krumm, waren ohne Befehl, dem Tatendrang folgend, zwei Kompagnien, 9. und 10. Kompagnie, selbständig in der Waldecke, 1 Kilometer süd­östlich von Ochamps, eingesetzt worden. Diese Maßnahme, mit der die Brigade zunächst nicht einverstanden war, weil sie dem Führer die Hälfte der letzten Verfügungstruppe vor­zeitig entzog, wirkte sich im späteren Verlauf des Tages recht günstig aus, weil ein feindlicher Durchstoß durch die große Lücke zwischen bet 21. Jnf.-Div. unb dem Detachement von der Esch verhindert und der Gegner durch die Bedrohung seiner rechten Flanke stark beunruhigt wurde. Die beiden Kompagnien drängten in schwerem Waldkampf, wenn auch unter schmerzlichen Verlusten, hierbei fand der schneidige Führer der 10. Kompagnie, Hauptmann von H i r s ch f e l d, an der Spitze seiner Kompagnie den Heldentod die Franzosen ständig zurück.

Zahlenmäßig doppelt überlegener Feind.

Die 21. Jnf.-Div., die selbst bei B e r t r i x mit ihren Hauptkräften um 3.30 Uhr nachmittags in scharfen Kamps getreten war, verfolgte mir banger Sorge die Lage beim Detachement von bet Esch. 5 Uhr nachmittags meldete General von der E s ch nochmals schriftlich der Division, daß das Detachement mit an Zahl überlegener feindlicher Infanterie in schwerem Kampfe stehe, aber glaube, sich halten zu können, da keine feindliche Artillerie bisher in das Gefecht eingegriffen habe. Die Division entsandte darauf­hin noch die 3. Esk. Ul. 6, die dem Führer der 4. Esk., Ritt­meister Schwarz, mit unterstellt wurde, der nochmals den Auftrag erhält, die rechte Flanke zu sichern und aufzuklären.

Unsere Artillerie und die Maschinengewehre feuerten sichtbar gut, die feindlichen Verluste waren zweifellos stark. Aber der Franzose füllte feine Linien immer wieder durch Verstärkungen auf. Der Brigadestab schätzte die feindliche Infanterie unb bte feindlichen Maschinengewehre den unserigen an Zahl doppelt überlegen. Aber es war bereits 5 Uhr nachmittags vorbei, und noch war kein französisches Geschütz im Kampfe. Daß das auf dem Wege Vertrix Ochamps im Vormarsch befindliche französische Feld- Artillerie-Regt. 18 im Walde von dem III./88 und einer Ab­teilung unseres Feld-Artillerie-Regts. 63 gänzlich zusammen-

Das Eingangstor der Ochamps-Kaserne.

(Photo: Espert

Oberkommando durch Flieger fünf französische Divisionen int Vormarsch in Richtung Neufchüchteau gemeldet. Diese mußten also auf die schwache 21. Res.-Division stoßen. Zu ihrer Unterstützung sollte das XVIII. Korps nach Süden antreten. Doch dazu kam es nicht mehr. Nicht von unseren Fliegern erkannt, aber im Marsch nach Norden begriffen, waren vier weitere französische Divisionen, also zwei Armee­korps gegen das XVIII. Korps. Der Flieger, der sie hätte melden können, war am Südrande des Waldes (foret de Luchy) von dem französischen Regiment, das uns nachher bei Ochamps zuerst angrtff, abgeschossen worden. Das zertrüm­merte Flugzeug sahen wir am nächsten Tage auf unserem Weitermarsch an der Straße liegen.

Das soeben erwähnte französische 2nf.-Regt. (mit der Nummer 20) marschierte an der Spitze der rechten Kolonne (verstärkte 66. Jnf.-Brigade), in der Marschfolge Jnf.- Regt. 20, FeN^Artillerie-Regt. 18 und Jnf.-Regt. 11. Diese Brigade gehörte zur 33. Division des XVII. Korps. Die andere Brigade der 33. Division war mit Sicherungsauftrag noch südlich Bertrix und erreichte erst nachmittags das Kampffeld. Die 34. Devision dieses Korps marschierte eben­falls in zwei Kolonnen weiter westlich. Noch weiter westlich ging das XI. Korps vor. Die Franzosen hatten danach mit der Offensive begonnen. Der Stotz ihrer IV. Armee traf die deutsche IV. Armee, und zwar der des französischen XVII. und XI. Korps das deutsche XVIII. Korps. Kehren wir jetzt nach Ochamps zurück, so stellen wir fest, daß von diesem starken, schon bedrohlich nahe herangerückten Feind niemand etwas ahnt. Kurz vor 1 Uhr 30 Minuten entdecken die auf Bäumen sitzenden Späher Feind im Marsch aus dem foret be Luchy auf Ochamps.

Der Kampf beginnt.

Kurz barauf schlagen die ersten Schrapnells unserer 1. Batterie neben dieser Kolonne ein. Von links, aus dem großen Walde, wo man ihn nicht erwartet hatte, kam der Franzose, aber aufgepaßt hatte man. Der Feind entwickelt sich nach links, also nach Westen heraus und greift mit großem Schneid trotz deutlich mit dem Glase erkennbarer großer Verluste Ochamps und die Kapellenhöhe an.

Was tut in dieser Lage das U. Bataillon 87? Keine der vorgeschobenen Sicherungen denkt daran, den Befehl zum Ausweichen auszuführen, sondern sie verbeißen sich mit dem Feinde und geben nicht einen Meter Boden dem Feinde kampflos preis. Die Namen der tapferen Unterführer sind in der Geschichte des Regiments verzeichnet. Der besonders tapfere Offizierstellvertreter Bernhard von der 5. Kompagnie sei auch hier lobend erwähnt. Als er mit seiner Sicherung vor dem immer stärker werdenden Feind seinen Posten an der Kapelle räumen muß und ihm ein Unteroffizier zurust, daß die Tornister noch an der Kapelle liegen, antwortet er;Laßt sie nur liegen, wir sind doch bald wieder hier". Unerschrocken und tapfer hat er wetter- gekämpft, bis ihn die tödliche Kugel traf, Er ruht jetzt auf dem Kapellenfriedhof in der ersten Reihe neben den Haupt­leuten v. H i r s ch f e l d und Paetzold. Das war der Angriffsgeist, der in der deutschen Armee herrschte und der hell leuchtend hier in Erscheinung trat.

Sage noch ungeklärt.

Der Feind verstärkt sich immer mehr und drückt schließ­lich die vorgeschobenen Sicherungen langsam zurück. Unsere Artillerie wirkt prächtig. Die Sage ist noch ziemlich ungeklärt, ba bisher keine feindliche Artillerie in Tättgkeit getreten ist, womit aber jeden Augenblick gerechnet werden muß. Die SBrigabe erkennt, baß bie Kapellenhöhe ber springende Punkt des Kampfes wird und befiehlt 3.30 Uhr nachmittags dem II./87, den Südwestrand von Ochamps in Besitz zu nehmen. I./87 wird hinter den rechten Flügel näher her­angezogen. 4. Ul. 6 wird auf den rechten Flügel gezogen und mit dem Schutz ber rechten Flanke betraut. III./87 unb MEK. 87 bleiben noch zur Verfügung bes Brigabekornman- deurs in der Walbecke füböstlich Ochamps, weil bie Lücke zwischen ber 21. Jnf.-Div. unb dem Detachement von der E s ch groß war und man in dem unübersichtlichen Gelände mit Überraschungen rechnen mußte.

Der tapfere Kommandeur des H./87, Major Klein, setzt sein Bataillon durch den Südrand von Ochamps an, nimmt den Südwestausgang des Dorfes und ringt dem

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Skizze der Schlacht bei Ochamps.

geschoßen war, ahnte man nicht: man sah das grausige Bild der Zerstörung erst am 23. früh beim Vormarsch.

Der Gedanke, in der Nacht nach so schwerem Kampfe einem doppelt überlegenen Feinde auf nächste (Entfernung gegenüberzuliegen, hatte wenig Verlockendes. Und das Ver­trauen des Detachements-Führers auf die Tüchtigkeit der Truppe, bie er vom Frieden her genau kannte, gab den Ausschlag.

Der Angriffsgedanke wurde zur Tat.

Der Kommandeur des Jnf.-Regts. 87 Oberleutnant Frhr. von Serener, dem die noch geschloßenen Teile des III./87 zur Verfügung gestellt werden, erhält den Befehl zum Angriff und Sturm auf^bie Kapellen­höhe, bie ber Brennpunkt des Kampfes geworden war. Der Hauptverbandsplatz wird in Ochamps errichtet. Der Brigadekommandeur selbst reitet nördlich an Ochamps vorbei auf die Höhen westlich dieses Doffes. 6.30 Uhr, nachmittags, kommt eine dringende Bitte der 25. Jnf.-Div., bie auf ben Höhen südlich Anloy in sehr schwerem Kampfe stehe, an das Detachement von der Esch um Hilfe. Der Bitte kann zunächst nicht entsprochen werden, ba alle Kräfte für bie Entscheibung selbst benötigt werden. Aber spätere Arttllerie- Unterstützung wirb zugesagt.

Der Angriff ber braven 87er kommt in Fluß. Wie auf dem Exerzierplatz sieht man allerorts Bewegung, hier fpringt eine Gruppe vorwärts, dort gewinnt ein Halbzug nach vorn Gelände, dort kriechen einzelne Seute und Gruppen im rasenden feindlichen Schnellfeuer vor, vortrefflich unterstützt von den Maschinengewehren und ber Artillerie. Alles hat ben DrangHeran an den Feind". Und nach kurzer Zeit wird die Kapellenhöhe unter dem Schlagen der Trommler und dem Blasen der Hornisten genommen. Die Opfer sind groß.

Der Brigadekommandeur selbst eilt zur Kapelle. Die Feld-Art.-Abt. erhält Befehl zum Stellungswechsel mit zwei Batterien auf die Kapellenhöhe, wo bald darauf di« 2. unb 3. Batterie im Galopp auffahren, freudig unb dankbar be­grüßt von den 87etn.

Der Feind weicht zurück.

Nicht unerwähnt bleiben soll das Verhalten einiger Ulanenoffiziere, die sich im diesem Augenblick in der

wechseln ab. _ Nach Süden zu hindert der viele Kilometer tiefe F o r ft (foret de Luchy), der nach Ochamps zu mit vielen cheit ausgreifenden Zipfeln abfchließt, jede Aussicht. Stunden tiefsten Friedens lassen trotz des Gefechts bei Longlier zwei Tage vorher den Gedanken nicht wach werden, daß man vor einem ungeheuren schweren Kampf steht. So wird es Mittag.

Der Aufmarsch vollzieht sich.

Da auf einmal horcht alles auf. Von rechts vorwärts schallt Kanonendonner herüber. Die Hessen kämpfen. Nun wird es auch bald bei uns losgehen, sagt sich mancher. Aber noch 1% Stunden sollen vergehen, bis auch hier der erste Kanonenschuß fällt. Bis zum Mittag waren dem Armee- P

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Aufmarschplan der IV. Armee.

Werden Sie sich der Annehmlichkeit bewußt, persil-gepflegte

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I tragen - zum gepflegten Körper gehört Persil« gepflegte Leibwäsche!