Zweites Blatt. Nr. 274.
Die Sludentenunruljen in Wien, Graz und Innsbruck.
An den Wiener Hochschulen wurde am Dienstag im Anschluß an die Demonstration wegen Verlängerung des Medizinstudiums von den Studenten der Beschluß gefaßt, einen allgemeinen Vorlesungsstreik durchzuführen. Daraufhin sind noch am Wend die Rektoren der Wiener Hochschulen zusammengetreten und haben beschlossen, eine Kundgebung zu erlassen, in der die Studierenden aufgefordert werden, unverzüglich wieder den Besuch der Vorlesungen aufzunehmen. Sollte der Streik trotzdem durchgeführt werden, so würden die Hochschulbehörden mit schwersten Strafen vorgehen. Die Streikenden müßten damit rechnen, unter Umständen das Semester zu verlieren.
Die Unruhe unter der Studentenschaft in Wien ist noch gestiegen und hat auch schon aus die Bundesländer Lbergegriffen. In der Wiener Technischen Hochschule erzwangen die Studenten die Sperrung des Gebäudes. Straßendemonstrationen wurden durch die Polizei aufgelöst. Bisher sind 45 Verhaftungen vorgenommen worden.
Vor der Grazer Universität kam es ebenfalls zu Protestkundgebungen, an denen sich etwa 300 Studenten beteiligten. Diese zerstreuten sich auf Aufforderung des Rektors. In einer Protestversammlung der Studenten wurde das Fernbleiben von den Vorlesungen bis Anfang nächster Woche beschlossen.
2m Anschluß an den Hochschulstreik der Wiener Medizinstudenten ist am Dienstagfrüh auch die gesamte Hörerschaft der medizinischen Fakultät der Universität Innsbruck in den Streik getreten, mit der Absicht, die Vorlesungen in den nächsten zwei Tagen nicht zu besuchen. Die Studenten der juristischen und der philosophischen Fakultät erklärten sich mit den Medizinstudierenden grundsätzlich solidarisch.
Der „Fallschirmskiliiuser". Der starke Luftwiderstand bei der Schußfahrt hat Professor Hans T h i r r i n g von der Universität Wien, einen erfahrenen Skikäufer, auf einen Gedanken gebracht, von dem man sich nur staunend fragen kann, wie es möglich war, daß nicht schon längst jemand darauf gekommen ist. Er nahm einen capeartigen Mantel aus leichtem winddichtem Stoff, dessen Ärmel in ihrer ganzen Länge am Rücken des Mantels angenäht sind, während der Saum durch Bänder an den Knöcheln des Skiläufers befestigt ist. Wenn der Läufer nun genügend in Schuß ist, breitet er seine Arme aus, und der Mantel weht wie ein gebauschtes dreieckiges Segel hinter ihm her, bremst seine Fahrt und gibt ihm zugleich ganz neue Möglichkeiten, das Gleichgewicht zu halten und die Richtung zu beherrschen. Der „Fallschirm" tritt nur bei einem Tempo von etwa 30 Kilometer in der Stunde in wirksame Tätigkeit, also immerhin bei einem Tempo, das der nervöse Anfänger sich kaum zutrauen wird. Bei dieser Geschwindigkeit und darüber aber gibt der Fallschirm eine Sicherheit, die geeignet ist, den mittelmäßigen Läufer rasch zu einem Meister zu machen. Durch Veränderung der Armstellung kann der Läufer mit dem Fallschirmmantel ganz anders Stürzen Vorbeugen als mit der bloßen Stock- arbeft, und das „Windkissen", das erzeugt wird, trägt ihn wunderbar sanft über alle Unebenheiten des Hanges zu Tal.
Mittwoch, 24. November 1937. _____________Wiesbadener Tagblatt
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Beileid des Beides wirtsdjaitsminifiers zum Unglück auf Zed)e„KöniginLuise“.
Große Überschwemmungen über Jamaica.
Meteorologische Beobachtungen in Wiesbaden. (Klimastation beim Städt. Forschungsinstitut.)
23. Nov. 1937: Höchste Temperatur 6.2.
Tagesmtttel der Temperatur 5.0.
Datum
23. November 1937
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Niederschlagsdöhe (Millimeter) ...
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Wetter .... .........
bedeckt
wolkig
wolkig
bedeckt
24. Nov. 1937: Niedrigste Nachttemoeralur 2.8.
Sonnenschemdauer am 23. Nov. 1937: vormittags — Std. — Mtn. nachmittags — Std. — Mm.
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Loudon, 24. Nov. (Funkmeldung.) Wie aus Kingston (Jamaica) gemeldet wird, find in den letzten Tagen schwere tropische Regengüsse über Jamaica niedergegangen, die große Überschwemmungen zur Folge hatten. Dabei sind im Westen von Jamaica 19 Personen ums Leben gekommen.
Ei« weißer Bison. In der National Bison Range in Montana wurde ein weißes Bisonkalb geboren. Dieser Albino ist, wie die Frankfurter Wochenschrift „Die Umschau" dazu bemerkt, das zweite seiner Art; der erste Albino rst sein Vater, der heute vier Jahre alt ist. Beide Albinos stammen von derselben Bisonkuh. Selbst in den Zeiten, in denen die Prärien von Riesenherden von Bisons bevölkert waren, kamen weiße Exemplare nur sehr selten vor, und sie wurden sehr geschätzt, so daß ihr Fell von den Indianern mit 10 bis 15 Pferden bezahlt wurde, während die Weißen bis zu 1000 Dollar für ein einziges weißes Visonfell ausgaben.
Der Mann mit zwei Magen. Wie aus London berichtet wird, ist H a d j i Ali, der Mann, der imstande war, alles mögliche Unverdauliche wie Taschenuhren, brennende Zigaretten, lebende Fische, Taschentücher und so weiter ohne Schaden zu verschlingen, an einer einfachen Lungenentzündung gestorben. Er war bekannt als eines der seltsamsten Naturwunder, die man bisher beobachtet hat: er war mit zwei Magen ausgestattet, wodurch sich die Leichtigkeit erklärte, mit der er so ungewöhnliche Dinge herunterschlucken konnte. Sein „Talent" wurde bemerkt, als er in seiner Kindheit beinahe im Nil ertrunken wäre. Er schluckte damals eine solche Menge Wasser, daß alle glaubten, daß er sterben müßte, besonders, da in dem Wasser sich auch eine Anzahl Fische befanden. Aber Hadji Ali brachte alles wieder heraus, ohne Schaden zu nehmen. Seitdem wurde er darin geübt, solche Kunststücke zu vollbringen, und erwarb damit ein Permüzen. Es wird berichtet, daß das Rockefeller- Jnftitur ihm 10 000 Pfund dafür angeboten hat, daß nach seinem Tode ihm die beiden Magen zur Untersuchung zur Verfügung gestellt werden.
Ein neues Kampfflugzeug der amerikanischen Luftwaffe. ’
Beim Probeflug. Um ein unbehindertes Schußfeld zu haben, sind die Propeller hinten angeordnet. Automatische Kanonen und Maschinengewehre stellen die Bewaffnung der „Airacuda", so ist der Name der Maschine, dar.
________________________________________________ (Pressephoto, Zander-K.)
Berlin, 23. Nov. Der Reichs- und preußische Wirtschaftsminister hat an die Königin-Luise-Erube in Hindenburg-OS. nachfolgendes Telegramm gerichtet:
„Alle Anstrengungen der tapferen Rettungsmannschaften haben es bisher nicht ermöglicht, an die durch den Eebirgs- schlag auf der Kömgin-Luise-Erube Ostfeld verschütteten Bergleute heranzukommen. Es mußte auch nach Lage der Dinge von vornherein damit gerechnet werden, daß die Verunglückten sofort zu Tode gekommen sind. Den Hinterbliebenen der auf dem Felde der Arbeit gefallenen Bergleute, der Verwaltung und der Gefolgschaft drücke ich mein herzliches Beileid aus. Den am Rettungs- und Vergungs- werk Beteiligten, die sich unter Einsatz ihres Lebens seit Tagen heldenmütig um die Bergung der Verunglückten bemühen, sage ich meinen besonderen Dank."
Der 3. Tote der Königin-Luise-Erube geborgen.
In den frühen Morgenstunden des Mittwoch konnte, nachdem am Dienstag der vierte Tote geborgen worden war, auf der Königin-Luife-Erube der fünfte Tote geborgen werden. Es handelt sich um den Fördermann Peter Ealuschka.
Vom Spiel in de« Tod. In einem Dorf im Kreise K a r t h a u s in Pommerellen ereignete sich ein schweres Unglück. Fünf Kinder im Alter von 8 bis 15 Jahren, darunter drei Geschwister, die auf einem nur leicht überfrorenen Teich spielten, brachen durch die Eisdecke und ertranken.
85 000 Tschechenkronen für Beleidigung durch de» Film. „ Für einen Film mit dem Titel „Ein falsches K ätz chen" hatte sich ein Prager Regisseur der Photographie einer Frau oedient. die er nicht kannte. Der Hauptdarsteller hält in einer Szene diese Photographie in der Hand und bemertt dazu, daß er eine solche Frau nicht einmal Mr eine Million heiraten würde. Nun erkannte ein Fräulein Kopetzki in dieser Photographie ihr eigenes Bild und sie fühlte sich mit - Recht dadurch beleidigt. Sie verklagte also den Regisseur t und verlangte 85 000 Tschechenkronen als Schadenersatz. Das Gericht hat ihr volle Genugtuung verschafft, indem es den Regisseur zur Zahlung dieser Summe verurteilte.
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