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Wiesbadener Tagblatt

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85. Jahrgang

Dienstag, 9. November 1937

Nr. 262

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L. ScheUenberg'sche tzoftnuhdruckerei, ^tageiett.öoxs1'.

Moskauer Protest.

Rom, 8. Nov. Der sowjetiussische Botschafter am Montag den italienischen Außenminister aufgesucht, im Namen seiner Regierung gegen den Beitritt

Italiens zum Antikomintern-Abkommen zu protestieren. Amtlich wird darüber mitgeteilt:

Der italienische Außenminister, Gras Ciano, hat den sowjetrussischen Botschafter Stein empfangen, der ihm mit­geteilt hat, daß die Moskauer Regierung den Abschluß des Antikomintern-Abkommens als imWiderfpruch stehend mit dem Abkommen von 1933 betrachte und die italienische Geste als nicht freundschaftlich gegenüber der Sowjetregierung ansche. Graf Ciano hat von dieser Erklärung Kenntnis genommen.

Die geistig Verantwortlichen.

Zur Eaukulturwoche.

H. R. Gewiß, es bestimmten im neuen Deutschland den Gang der Dinge die entscheidenden Schritte der Außenpolitik, die zugreifenden Maßnahmen der inneren Ausrichtung, die zusammengeballten Kräfte der Nation, ihr politisches und wirtschaftliches Schwergewicht die handgreifliche, zupackende Führernatur, die MännerderTat. Sie sind Hand und Hirn Deutschlands.

Daneben klopft das Herz Deutschlands. Es sind die Betrachtenden, die die anstürmenden Stoffe formen und verewigen und in der Hellsicht ihrer Herzen für die Zukunft Hinweisen, was die Männer der Tat erst verwirk­lichen werden. So total ist die deutsche Volkwerdung, daß sie alle Hirne und Herzen wie alle Hände haben muß. Nie hat der Nationalsozialismus auch nur eine Sekunde daran gedacht, die Männer des braunen Hemdes, des Spatens und der Gewehre von denen der Feder, des Pinsels und des Meißels zu trennen. Der Kraft ist die Schönheit ver­mählt: es ist nichts mitden Cimbern und Teutonen", als die man im Neide und in der Ohnmacht gerne uns sehen möchte. Wenn auch ein paar Köpfe ihre Dekadenz freiwillig anders­wohin exportiert haben, das deutsche Volk, ausgerichtet auf die Jahrhunderte und erneuert aus den Kräften seiner eigenen Art, nahm keinen Schaden. Die Walhalla seiner geistigen und künstlerischen Größen steht makellos. Das geistige Gesicht Deutschlands ist sein eigenes, es trägt keine artfremden Züge. Seine Schönheit ist Freude.

Wer genauer hinhorcht, wird gerade das künstle- rische, schöpferische Moment der deutschen Revolution nicht verkennen. Andere Revolutionen haben die führenden Köpfe des Geistes abgeschlagen, damit sie der Tyrannei kein Kopfweh mehr verursachten. In Deutschland verkündete der Führer von Anfang an seine Politik als die K u n st der Staatsführung und erklärte die Kunst als Symbolgestalterin der völkischen Kraft, Dr. Goebbels erklärte seine Propaganda als künstlerische Tat. Rosenberg baute vom künstlerischen Standpunkt die deutsche Wertlehre auf, die Maßstab für die Gesamtgeisteshaltung wurde. Man lehrte uns als Aus­gangspunkt der künstlerischen Tat: die Seele der deut­schen Kultur ist die Kultur der deutschen Seele. Es war nicht die späte Erkenntnis wie etwa des russischen Bolschewismus,

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schluß, vier Tage zuvor loszuschlagen und aus diese Weise das Gesetz des Handelns an uns zu reißen!"

Daß es dann damals doch fehlschlug", so fuhr der Führer fort,das war vielleicht das größte Glück meines Lebens und das größte Glück für die deutsche Nation! So wie es damals kam, mußte es kommen! Die Zersplitterung Deutschlands aber war auf alle Fälle verhindert worden. Denn um mit uns fertig zu werden, benötigte man die Hilfe des deutschen Nordens. Damit war der Abfall verhindert. Man hat uns dabei nicht mundtot machen können, sondern wie durch eine Explosion sind unsere Ideen über ganz Deutschland geschleudert worden. Mein Entschluß war damit gerechtfertigt!"

Mit bewegten Worten und unter tiefer Ergriffenheit seiner alten Parteigenossen gedachte der Führer dann der er st en Märtyrer der nationalsozialistischen Bewegung, der 16 Opfer des 9. Novembers 1923. Er er­innerte daran, daß sie alle bereits als Soldaten im Kriege ihre Pflicht erfüllt hatten und nun ein zweites Mal wieder nach ganz anderen Gesetzen antraten zum Kampfe für Deutsch­land.Ihr Opfer, so rief der Führer aus,hat geholfen, die Partei zu festigen und sie zu befähigen, die Macht zu er­greifen und zu erhalten!"

Am Schluß seiner immer wieder von begeisterten Kund­gebungen unterbrochenen Ansprache wandte sich der Führer noch einmal an seine alten Kampfgenossen des 8./9. Novem­bers :Heute sehen wir mit Stolz und Rührung auf die damalige Zeit zurück und sind glücklich, wenn wir uns wieder­treffen. Für uns ist das Wiedersehen an diesem Tage ein beglückender und gleichzeitig rührender Tag, und er wird es immer mehr werden. Viele von denen, die damals marschier­ten, leben nicht mehr unter uns. Wir werden weniger, aber eine neue Generation wächst nach. Je mehr wir diese Eeneta- tion in ihrem wunderbaren Emporstieg sehen, desto mehr denken wir Alten zurück an jene Tage und haben das stolze Bewichtsein, Beigetragen zu haben zu dieser Schicksalswende des deutschen Volkes. Sie freuen sich immer auf diesen Tag, weil Sie mich wieder in Ihrer Mitte wissen. Und ich freue mich, (Fortsetzung auf Seite 3).

und der kommunistischen Internationalen geht, das zeigt auch die Tatsache, daß der Sowjetbotschafter in Rom es für er­forderlich erachtet hat, mitzuteilen, Sowjetrußland betrachte den Beitritt Italiens zum Anti- komintern-Pakt als unfreundlichen Akt. Dieser Protestschritt ist erfolgt, obwohl ein früherer sowjet- russischer Protest in Tokio von japanischer Seite mit dem Hinweis beantwortet wurde, daß doch die sowjetrussische Regierung sich von der Komintern zu unterscheiden vorgebe. Diese Belehrung hat also auch jetzt die Sowjetregierung nicht davon abgehalten, sich durch ihren Protestschritt in Rom mit der kommunistischen Internationale zu identifizieren. Es ist immerhin bemerkenswert, wenn die Sowjetregierung damit vor aller Welt das Eingeständnis macht, daß praktisch Sowjet­regierung und kommunistische Internationale nicht vonem- ander zu trennen sind.

Nicht uninteressant ist auch die Mitteilung des Blattes Even'ng News", daß nach der Erweiterung des Antikommu- nist^npaktes sich D e l b o s in Brüssel nochmehrals bis­her um die Zusammenarbeit der Demo­kratien bemühen werde. Vor allem dürfte es für den französischen Außenminister wohl darum gehen, England Bei der Stange zu halten, denn die Amerikaner haben bereits deutlich zu verstehen gegeben, daß sie in die europäischen An­gelegenheiten nicht verwickelt werden wollen, womit die französische Illusion von der Zusammenarbeit der drei Demokratien bereits geplatzt ist. Die Einwirkung Delbos' auf Eden aber würde ganz den Anregungen und Wünschen Leon Blums entsprechen, der auf dem Sozialdemo­kratischen Parteikongretz in Paris die Zusammenführung von London und Moskau als die vordringlichstFriedensaufgabe" der französischen Diplomatie bezeichnete!

Amtliche italienische Mitteilung über den

Zwischen Tokio und Brüssel.

Neue Erfolge Japans in China. Kommunistische Umtriebe im Fernen Osten, Sowjetregierung fühlt sich getroffen.

Delbos' Brüsseler Pläne.

as. Berlin, 9. Nov. (Drahtbericht unserer Berliner Ab­teilung ) Mit der Eroberung der Hauptstadt der chinesischen Schanst-Provinz Tayuan haben die Japaner einen neuen Erfolg errungen. Sie sind damit praktisch bereits Herren von fünf Provinzen Nordchinas geworden. Wenn nicht alles täuscht, so reift ihnen ein weiterer Erfolg bei Schanghai entgegen, das jetzt, nachdem die Japaner Truppen im Süden der Stadt gelandet haben, von ihnen in die Zange genommen wird. Sollten die Chinesen hier nicht rechtzeitig ihre Stellungen räumen, so müssen sie damit rechnen, daß ihnen die Rückzugsstratzen verlegt werden. So hat sich seit dem Beginn der Brüsseler Fernost-Konferenz die L a g e B e r Japaner in China weiterhin erheblich ge­bessert. Trotzdem dürfte man aber in Tokio den Augen­blick zu Verhandlungen noch nicht für gekommen erachten und wenn heute in Brüssel die Fernost-Konferenz nach der Wochenendpause ihre Verhandlungen wieder aufnimmt, zu denen sich Eden wieder in die belgische Hauptstadt begab, so wird man kaum mit einer positiven Antwort Tokios auf die letzte Einladung der Konferenz rechnen können. Worauf es Japan an kommt, das hat gerade jetzt der Chef der China- Abteilung im japanischen Generalstab Oberst Takahashi auf der Durchreise durch Warschau einem polnischen Journalisten auseinandergesetzt. Diese Ausführungen des japanischen Obersten verdienen um so mehr Beachtung, als auch sie erneut zeigen, wie notwendig der Kampf gegen den Bolschewismus ist, der auch in China immer wieder versucht, festen Fuß zu fassen. So wies der japanische Oberst darauf hin, daß China unmittelbar vor dem Ausbruch des japa­nisch-chinesischen Konfliktes große Kriegsmaterial­transporte aus Sowjetrußland über Wladi­wostok und über Chinesisch-Turkestan e r h a lt e n habe. Die japanische Aktion in China, so erklärte der Oberst, werde dazu beitragen, die sowjetrufsisch-japanischen Beziehungen zu klären. Entweder würden die Sowjets in loyaler Weise die Stellung Japans auf dem chinesischen Kontinent anerkennen und die weitere Verbreitung des Kommunismus im Fernen Osten einftellen, oder die Sowjets würden es für angezeigt erachten, offen zu intervenieren, was natürlich den Krieg zwischen Japan und Sowjetrußland bedeuten würde. Oberst Takahashi wandte sich dann weiter gegen die Darstel­lung, daß das chinesische Volk japanfeindlich eingestellt sei. Das sei keineswegs der Fall. Er lretz weiterhin keinen Zweifel daran, daß die Aktion Japans die Unterbin­dung aller kommunistischen Einflüsse in China zum Ziel habe.

Diese Worte des japanischen Obersten zeigen nochmals, wie sehr Moskau und die kommunistische Internationale China für ihre Zwecke auszunutzen trachten. Wie weit dieses Zusammenspiel zwischen der fowjetrusstschen Regierung

Tag der Kameradschaft.

München, 9. Nov. In seiner Rede vor der im historischen Biirgerbriinkeller versammelten Alten Garde rief der Führer die Erinnerung wach an die denkwürdigen Tage des 8. und 9. Novembers 1923 in München und würdigte ihre tiefe sym­bolische Bedeutung für die Schicksalswende der deut­schen Ration.

Unter dem Jubel seiner alten Kampfgenossen von da­mals rief der Führer aus:Wenn wir heute zurückblicken, kommt es uns nicht selbst wie ein Wunder vor? Und wenn wir uns die Frage vorlegen, w i e konnte dieses Werk uns gelingen, so lautet die Antwort: Es war der große Glaube an unser Volk, an Deutschland, an die Unsterblichkeit und Unver­gänglichkeit der Werte unseres Volkes und auch der Glaube an die Richtigkeit der Führung!"

Der Führer sprach, von dem neuen Rhythmus, der unser Volk seit der Machtübernahme durch den National­sozialismus ergriffen hat, von der Erziehung zu stolzem und berechtigtem Selbstbewußtsein, das auf den Höchst­leistungen und Schöpfungen, die wir heute auf allen Gebieten hervorbringen, begründet ist. Diesen gewaltigen Leistungen im Innern stellte der Führer in eindrucksvollen Worten bie Steigerung des deutschen Ansehens in der Welt gegenüber:Als ich vor fünf Jahren die Führung übernahm, war Deutschland der schlechtest geachtete Staat in der Welt. Heute aber kann jeder Deutsche stolz und er­hobenen Hauptes ins Ausland reifen, er braucht sich nicht mehr zu schämen, ein Deutscher zu sein!" (Stürmischer Beifall). Deutschland ist heute nicht mehr vereinsamt!", io M stellte der Führer unter tosender Zustimmung fest.Wir alle haben die glückhafte Zuversicht, daß die Isolierung, die uns mehr als 15 Jahre lang umgab, beendet ist. Und zwar nicht nur durch eine nichtssagende Teilnahme an unbedeutenden Völkergremien, sondern durch die Bedeutung, die sich Deutschland selbst wieder geschaffen hat! Aus dieser Bedeutung resultieren für uns neue Beziehun­gen, die man vielleicht als nicht in die Völkerbundsideologie passend, ansehen kann; allein sie passen jedenfalls für uns und unsere Interessen! Und sie passen auch den Interessen anderer Völker, die diese Beziehungen mit uns auf­genommen haben! Der sicherste Garant für die Dauerhaftigkeit solcher Beziehungen sind nicht irgendwelche Phrasen, sondern die nüchterne und klare Erkenntnis der Zweckmäßigkeit. Aus dieser Zweckmäßigkeit heraus haben sich heute drei Staaten zusammengefunden. Erst eine europäische Achse und jetzt ein großes weltpolitisches Dreieck! Ich Bin der Überzeugung, daß die Versuche unseres alten Wider­sachers, die Unruhe über die ganze Welt zu tragen, in eben dem Matze ihre Erschwerung erfahren, in dem sich dieses Drei­eck festigt. Denn es besteht nicht aus drei kraftlosen Gebilden, sondern aus drei Staaten, die bereit und entschlossen sind, ihr Recht und ihre Lebensinteressen entschlossen wahrzunehmen." (Lang anhaltender, brausender Beifall).

Wie sehr das deutsche Volk, so fuhr der Führer fort, auch innerlich dieser Politik seine Zustimmung erteilt, das haben wir vor wenigen Wochen in Deutschland erlebt, als der große Repräsentant einer dieser uns befreundeten Natio­nen Deutschland zum ersten Male einen Besuch abstattete. Wir haben dabei gesehen, daß sehr wohl die Vertretung wirk­licher Interessen die Wärme einer herzlichen Zustimmung der Völker erfahren kann, und so wie wir in Deutschland be­geistert und glücklich waren über diesen Besuch, so war auch das italienische Volk glücklich und begeistert über feinen Ver­lauf und seine Ergebnisse".

3m weiteren Verlauf seiner Rede schilderte der Führer in außerordentlich anschaulicher Weise die gewaltige Umstellung des Denkens und der Gesinnung, die sich auf politischem, wirtschaftlichem und sozialem Gebiet im deutschen Volke vollzogen hat. Eine ungeheure Umschich­tung uns Neuausrichtung unseres Volkes nach einer wirklich ideellen Seite hin sei eingetreten.Die innere Ordnung, die wir seitdem aufbauen, kennzeichnet sich durch die radikale Aus­rottung der früheren deutschen Zersplitterung und Zwietracht".

Zum ersten Male, feit es Deutsche auf der Welt gibt, ist eine solche zentrale Staatsgewalt aufgerichtet worden, bereit Autorität unerhört ist und die von niemand gehemmt ober gar sabotiert werden kann". (Begeistert stimmen die Massen dem Führer zu.)

Unter dem Jubel feiner Alten Garde sprach der Führer dann von dem Geist und den Tugenden, die die Männer des 9. Novembers 1923 beseelten und die am Ende des inneren Ringens um bas deutsche Volk den Nationalsozialismus zum Siege führten:Das deutsche Volk ist wieder groß geworden. Nicht durch Zufälligkeiten, sondern durch das Zusam­menwirken von Einsicht. Mut, Beharrlichkeit und äußerster Entschluß fr aft!

Und auch dieser 8. und 9. November kann als ein Doku­ment dieser Entschlußkraft gelten. Es war ein fehr schwerer Entschluß, der damals gefaßt werden mußte. Ich habe ihn gefaßt in der Erkenntnis, Sag sonst Deutschland einer entscheidenden Katastrophe entgegengehen würde. Als damals unsere Gegenseite oeabsichtigte, um den 12. November eine Revolution, und zwar eine bajuwarische, auszurufen, und sie unter dem Motto vollziehen zu lassen:Ausbrennen des bolschewistischen Nordens und vorübergehende Separation Bayerns", an diesem Tage wußte ich: Jetzt kommt Deutschlands Schickfalsstunde, da faßte ich den Ent-

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Die Rede des Führers vor der Alten Garde im Bürgerbräukeller.

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