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Seite 4. Nr. 257.

Wiesbadener Tagblatt

Mittwoch, 3. November 1937.

Wiesbadener Iachrichten --

Der Wettkampf alter schaffenden Deutschen.

Wesen, Aufgaben und Ziel des Reichsberufswettkampfes.

Der Reichsausschuß tagte.

2m Reichstagssitzungssaal in der Berliner Krolloper hielt Dienstagvormittag der für ben, demnächst beginnenden Berufswettkampf aller schaffenden Deut­schen 19 38 gebildete Reichsausschuß seine erste Sitzung ab. Entsprechend der Zusammensetzung des Ausschusses sah man weit über 1000 führende Persönlichkeiten der Bewegung und ihrer Gliederungen, von Staat, Wehrmacht, Arbeits­dienst und Wirtschaft, die an der Durchführung des Wett­kampfes mitwirken, unter ihnen der Reichsführer SS. Himmler und der Reichsbauernführor, Reichsminister Darre.

Zunächst sprach

Obergebietssührer Axmann.

Er hob hervor, daß die Grundsätze für den Wettkampf der Jugendlichen im großen und ganzen auch auf die Erwachse­nen übertragen worden seien, vor allem hinsichtlich der totalen Aufgabenstellung, die Weltanschauung und Sport mit einbeziehe. Reben der Ausbildung zu Fertigkeiten solle gleichwertig die Erziehung zu sinnvoller und fruchtbringen­der Mitarbeit in der Volksgemeinschaft stehen. Allein da­durch sei eine richtige, den Zufall ausschaltende Auslese mög­lich. Dies« totale Aufgabenstellung werde nun auch für die Facharbeiter und Gesellen übernommen. Im kommenden Wettkampf würden auch die sogenannten ungelernten und angelernten Jugendlichen erfaßt.

Nach einem Hinweis auf den Aufbau der Leistungs­klassen und die besondere Aufgabenstellung für das Handwerk kam Axmann auf die Bedeutung des Wettkampfes für die Gewinnung neuer Erkenntnisse tm Dienste an der Sozial­politik zu sprechen. Er würdigte dabei den Wert der reichs­einheitlichen Aufgabenstellung,' die im Laufe der Zeit ein einheitliches Berufsbild ergeben werde und zum ersten Male ein« Möglichkeit schaffe, die Leistungen der Berufe unter­einander zu vergleichen. Nicht unbeachtlich sei auch die Aus­wertung in bezug auf den Ur l a u b der Jugendlichen; hier babe es bisher an jeder Eefamtüberstcht gefehlt. Während vor der Machtübernahme 88,5 % der Jugendlichen Urlaub unter zehn Tagen gehabt hätten, fei dieser Satz heute auf etwa 38 % gesunken.

Nach demMorgenlied der Arbeiter, gesungen vom Mozart-Chor der Berliner Hitlerjugend, nahm, von leb­haftem Beifall begrüßt, der

Reichsjugendführer Baldur von Schirach

das Wort. Er ging von der Tatsache aus, daß der Berufs­wettkampf den Beweis des Vorhandenseins einer Fülle von Werten und Anlagen in der deutschen Jugend geliefert habe, die bisher völlig verborgen blieb und nur in unzulänglicher Weise zum Einsatz gelangen konnte. Die entscheidenden Hemmungen, die der Entfaltung der vorhandenen Talente gegenüberstanden, seien vor allem in den sozialen Bedin­

gungen des Elternhauses zu suchen, die oft einen Schlußpunkt der beruflichen Entwicklung setzten. Eine Überwindung der durch die sozialen Verhältnisse vorgeschriebenen Grenze würde eine unendliche Bereicherung des beruflichen Könnens und der fachlichen Leistungshöhe zur Folge haben. Aus diesen sprechenden Feststellungen leitete der Reichsjugend­führer die unbedingte Notwendigkeit einer planmäßigen Auslese und Förderung der Begabten her, und schilderte Fälle, in denen begabten Jugendlichen, die später Reichs­sieger wurden, keinerlei berufliche Aufstiegsmöglichkeiten zur Verfügung gestellt und in denen ausgesprochene Talente an völlig falschen Plätzen beschäftigt wurden. Diese Tatsache vermehre das Bedürfnis nach einer planmäßigen Berufs­führung der Besten im Rahmen der von der DAF. geschaffe­nen Begabtenförderung.

Als Sprecher der Jugend wies Baldur von S ch i r a ch unter starkem Beifall nachdrücklichü darauf hin, daß in Zu­kunft jeder öffentlich angeprangert werden muffe, der es wage, sich an unserer schaffenden Jugend zu versündigen. Der freiwillige Einsatz unserer Jugend im Reichsberufswett­kampf, im Länddienst und vielen anderen der Zukunft unse­res Volkes dienenden Einrichtungen müffe uns mit Ehr­furcht erfüllen, weil sich die Schöpferkraft unseres Blutes in diesen Leistungen offenbare.

Dann sprach

Reichsorganisationsleiter Dr. Ley.

Er verwies eingangs auf Deutschlands Armut an materiellen Gütern. Dennoch seien wir das fähigste, fleißigste und darum glücklichste Volk der Erde. Es dürfe künftig in Deutschland einenungelernten Arbeiter nicht mehr geben. Diese Höchst­leistung könne aber nur durch eine geordnete Gemeinschaft ermögucht werden, in deren Rahmen dieser Wettkampf für jeden tüchtigen Deutschen, den Armen wie den Reichen, die Bahn frei mache. Der Mensch, der seinen Beruf meistere, werde auch nicht von Müdigkeit im bürgerlichen Sinne befallen. Müde Hoffnung und keinen Glauben habe. Der Berufswettkampf bringe im schönsten Sinne des WortesBewegung und stelle damit das schärfste Gegenstück zu der Trägheit dar, die man einst von oben in das Volk hineingepflanzt habe.

Die Teilnahme auch der Erwachsenen, also aller Schaffenden am Wettkampf habe, sagte Dr. Ley weiter, von Anfang an in seiner Absicht gelegen.Auf dem Wege dieses Wettkampfes wird Deutschland das sozialste und höchst- entwickelste Land der Erde werden. Unser Volk gibt uns die wertvollste rassische Unterlage. Es liegt jetzt nur an uns, diese Fähigkeiten und daneben die Gesundheit unserer Menschen zu fördern und zu hüten. Wenn wir das tun. dann gibt es für Deutschland einunmöglich überhaupt nicht mehr. Stürmischer Beifall dankte Dr. Ley.

Die Kundgebung schloß mit dem vom Mozart-Chor ge­sungenen LiedDeutschland, heiliges Wort, dem Sieg-Heil auf den Führer und den Liedern der Nation.

Sie haben ein Recht, zu fordern.

Di« Männer der SA., SS. und des NSKK. sind am Samstag und Sonntag in allen deutschen Gauen zur zweiten Reichsstraßensammlung des WHW. eingesetzt, um überall in den Städten und Dörfern ein Opfer für das größte soziale Hilfswerk der Welt zu fordern. Keine Gliederung der Be­wegung gibt es, die mit mehr Recht an unsere Opferbereit­schaft appellieren kann, als diese Kampfformation, deren Männer in den langen Jahren des Kampfes und des Auf­baues immer wieder ihre unerschöpfliche Opferbereitschaft bewiesen haben und leuchtendes Porbild für jeden Volks­genossen sind.

Einst marschierten die Formationen der SA., SS. und des NSKK., jeden Terror brechend, für Recht und Freiheit und im harten Kampf um die Macht. Heute marschieren Jie, geschloffen wie früher, für die Gemeinschaft unseres großen Volkes, das sie zum Opfern für die Gemeinschaft aufrufen. Solange die Soldaten Adolf Hitlers marschieren, lebt Deutschland. Wenn ihr Kampf heute auch ein anderer ge­worden ist, ist doch ihr Ziel das gleiche geblieben, ein starkes und freies Deutschland.

HJ.-Heiine sind Stätten der Kameradschaft und des Glaubens.

HJ.-Architrkten tagten in Wiesbaden.

Unter Leitung des Beauftragten des Gebietsführers für Heimbeschaffung, Eefolgschaftsführer L ü n e n s ch l o ß, fand in Wiesbaden die erste Arbeitstagung der HJ.-Architekten des Gebietes Hessen-Nassau und der Sachbearbeiter für die HJ.-Heimbeschaffung in den Bannen statt. Die Anwesenheit eines Vertreters der Vauabteilung im Arbeitsausschuß der Reichsjugendführung, des Landesleiters der Reichskammer der bildenden Künste, Prof. Dr. L i e s e r, von Vertretern des Eauheimstättenamtes und des AmtesSchönheit der Arbeit der DAF., sowie des Direktors der Städelschule in Frank­furt, Prof. Lisker, unterstrichen die Bedeutung dieser Zusammenkunft und war zugleich Beweis für die Gemein­schaftsarbeit zur Lösung der Heimbeschaffungs­frage.

Di« Aufgabe der Tagung, die in Form eines Lagers durchgeführt wurde, um in kameradschaftlicher Zusammen- faffung aller Architekten mit der Lebenshaltung und dem

Geist der HI. vertraut zu machen, zeigte in Vertretung des Eebietsführers Oberbannführer Lindenburger in seiner Eröffnungsansprache auf. Erst die Lösung der Heim­frage werde zusammen mit der Führerschulung die welt­anschauliche und charakterliche Erziehung der Jugend, ge­währleisten. Der Beauftragte des Eebietsführers gab einen Aufriß vom Jahr der Heimbeschaffung und seinen Ergeb- niffen und zog daraus die Folgerungen für die Aufgaben der kommenden Zeit. Vor allem betonte er die Notwendig­keit, den Dienstbetrieb der HI. aus eigener Anschauung kennenzulernen, um die Voraussetzungen für das Bauen von Heimen mitzubringen: nämlich das Verständnis für die aus dem Schaffen und der Verantwortlichkeit der HI. ent­springende Forderung nach arteignen, würdigen Heimen. Mehr und mehr müsse erkannt werden, daß das Heim eine Erziehungsstätte ist, die durch Etil und Gestaltung, Anlage und Einrichtung einen wesentlichen und mitbesttmmenden Faktor in der Iugendführung darstellt. So haben die HJ.- Architekten den Kampf aufzunehmen gegen jeden Kitsch.

Gebietsarchitekt Peter, Offenbach, ging in längeren Ausführungen auf das Wie des Bauens ein. Als oberste Richtlinie stellte er Einfachheit, Klarheit, Schönheit und Helligkeit auf. Die Architektur müffe die Haltung der HI. widerspiegeln. Prof. Dr. Lieser unterstrich die Bedeutung der HJ.-Heimbeschaffung.

Im Mittelpunkt des zweiten Tages standen die Aus­führungen des Kameraden Mönkemeyer von der Bau- ahteilung des Arbeitsausschuffes für HJ.-Heimbeschaffung in der Reichsjugendführung, dem Stabsführer Lauterbacher vorsteht. Seinen Worten entnahmen die Architekten alle Ein­zelheiten bautechnischer Art. Der Redner erläuterte ferner die Inneneinrichtung, an deren Gestaltung nicht nur der Künstler, sondern auch der Handwerker mitbeteiligt ist, um der Jugend auch eine neue Wohnkultur beizubringen. Eine übersichtliche Ausstellung von Heimmodellen, Entwürfen und Bauplänen bildete eine Ergänzung zu den Ausführungen und wies den Architekten die Richtung, die sie mit ihren Arbeiten einzuschlagen haben.

In seiner Schlußansprache faßte der Stabsleiter, Bann­führer Dettmar, noch einmal die Gründe zusammen, die die Gebietsführung bewogen, die Architekten zu dieser be­sonderen Form der Tagung einzuberufen. Wer, so erklärte er, die Bauten der Jugend gestalte, die' ersten Denkmäler der jungen Generation errichte, müsse selbst in den Reihen der HI. stehen, das heißt ihre Haltung selbst besitzen und getragen sein von dem gleichen Drange und dem gleichen ehrlichen Wollen. Die Tagung der HJ.-Architekten in Wies­baden wird der Auftakt zur intensiven Inangriffnahme der Heimbeschaffung in allen Gemeinden des Gaues sein. Die HJ.-Architektenkameradschaft, die geschaffen wurde, wird die Gewähr dafür bieten, daß die Planung der HJ.-Heimbauten in einer klar festgelegten Richtung verläuft. E. R.

Lernt Deutschland auch im Winter kennen.

Kraft durch Freude gibt genügend Gelegenheit dazu.

Nicht nur im Sommer, auch im Winter ist Deutschland schön. Mit dem Programm der Winter­urlaubsfahrten gibt das Amt Reisen, Wandern und Urlaub der NS.-GemeinschaftKraft durch Freude dem deutschen Arbeiter Gelegenheit, die Schönheiten unseres deutschen Vaterlandes im Winter kennenzulernen.

Es ist eine ganz veraltete Anschauung, daß es nur drei Reisemonate im Jahre geben und daß während der übrigen Monate die Natur keine Reize und keine Erholungsmöglich­keiten bieten würde. Nur verweichlichte Menschen können zu einer so irrigen Ansicht kommen, Menschen, die den herben Hauch, des Herbstwindes, die Last des anhaftenden Schnees im Winter und den Schmutz am Schuh fürchten, den der be­fruchtende Regen vom erwachenden Erdboden abweichte. Ein starkes Geschlecht aber, wie es heute in Deutschland heran- wäckst, fürchtet nicht solche Äußerlichkeiten. Es weiß von den besonderen Schönheiten der Jahreszeiten, sucht die bunte Pracht im Herbst, liebt die weiße Welt des Winters und will das Erwachen der Natur im Frühling erleben.

Wie vielseitig sind die Möglichkeiten des Sports, wenn die Temperatur unter den Nullpunkt gesunken ist. Bäche, Flüffe und Seen sind mit einer blitzblanken Eisschicht bedeckt und laden zum Schlittschuhlauf. An schneebedeckten Hängen erfreut uns der Rodelsport. Weithin durch die Lande trägt uns der Schneeschuh. Ein besonderer Zauber liegt über Land

Holzschnitt eine richtige Theaterszene vorführt und dre zu­sammengehörigen Liebespaare mit schwarzen Linien ver­bindet. Den Abschluß der Schau bilden die berühmte Kosmo- graphie des Hartmann Schedel die noch auf Dürer einwirkte man betrachte den wundervollen Holzschnitt der Stadt Nürnberg und die teilweise recht phantastische, von den Windgöttern umgebene Landkarte des Ptolemäus.

Die Ausstellung, die von dem verdienstvollen Direktor der Bibliothek, Dr. Sander, angeordnet würdevoll durch ähnliche Veranstaltungen in der Form einer Wechselschau ergänzt werden. Es unterliegt keinem Zweifel, daß diese neue Sehenswürdigkeit Wiesbadens, die unentgeltlich zu­gänglich ist, die Einheimischen und die Fremden gleicherweise anlocken wrrd. Dr. Wolftam Waldschmidt.

Reue Werke bekannter Dramatiker. Fred A. Anger- mayer und der Komponist Nico D o st a l haben ein musi­kalisches LustspielDer schönste Kuß vollendet. Friedrich B e t h g e s neues Schauspiel spielt in der Welt des preußi­schen Ordensstaates. Heinrich von Plauen und der Ordens­marschall Michael Küchmeister sind die Gegenspieler im Stück. Maximilian Böttcher, dessenKrach im Hinterhaus" wohl in allen Theaterstädten belacht worden ist, schrieb jetzt ein LustspielZwei Kinder suchen ihren Vater. Hans Kyser will eine Reihe bürgerlicher Lustspiele der jüngsten Ver­gangenheit als dramatische Zeit- und Charakterbilder ge­stalten. Als Abschluß seiner preußischen Königsdramen hat Hans Rehbera ein DramaDer siebenjährige Krieg" ge­schrieben. Im Vordergrund des Stückes stehen Friedrich der Große, General Laudon und die Zarin Elisabeth. Die Ur- ausnihrung findet im Januar im Berliner Staatstheater statt. Leo Lenz will die Kaiserin Eugenie in den Mittel­punkt seines neuen Lustspiels stellen. Heinz Steguweit beendete eine DenunziantenkomödieGlück und Glas", die im 18. Jahrhundert spielt. Von Wilhelm v. Scholz liegt ein SchauspielDie Frankfurter Weihnacht" vor. Der ge­schichtliche Konflikt in der Familie des großen Sachsenkaisers Otto I. gibt der HaMung ihren dramatischen Inhalt.

Verein der Künstler und Kunstfreunde:

Das Zernick-ÜZuartett.

Am zweiten Abend der vomVerein der Künstler und Kunstfreunde im Residenztheater veranstalteten Kon­zertreihe, am Dienstag, erneuerte man die Bekanntschaft mit dem Z e r n i ck - Q u a r t e t t, das sich bei feinem ersten Auftreten vor einem Jahr als eine der begabtesten jungen Kammermusik-Vereinigungen vorgestellt hatte. Die Erwar­tungen wurden auch diesmal nicht getäuscht. Der Eifer und die Lust, mit denen die Zeinicks bei der Sache sind, übertrug sich aufs hörende Publikum und entlud sich dort in lang­anhaltendem herzlichem Beifall. Der dankte nicht schlechthin für ein zweistündiges Konzert, sondern für zwei Stunden unmittelbaren Erlebens.

Haydn begann den Reigen, wie er überhaupt den Reigen der Streichquartettmusik als unübertroffener Vor­tänzer angeführt hat. Unübertroffen auf diesem Gebiet trotz eines Beethoven der seine, Haydns, Sinfonien in ungeahn­ter Weise zu überholen berufen war, trotz eines Schubert, der den Geist der Sinfonie auch im Streichquartett zu wecken unternahm. Das G-Dur-Quartett op. 77,1 ist eines von Haydns reifsten Werken. Namentlich der dritte Satz, ein Presto, das den Namen Menuetto nur gleichsam aus Ver­sehen noch trägt, kann als klassisches Vorbild feiner Art gelten und stößt im Trio bis unmittelbar an die Grenze romantischen Gebiets vor. Das Zernick-Quartett musizierte die vier Sätze mit der rechten Herzhaftigkeit, mit der man an Haydn Herangehen soll. Leider vergab es sich im ersten Satz die harmonische llberraschungswirkung beim Eintritt der Durchführung, weil es die vorgeschriedene Wiederholung des Vorangehenden ausließ, die doch die tonale Ausweichung erst sinnvoll macht. Sehr schön ausgewogen war im Adagio das Verhältnis zwischen der solistisch führenden Prirngcige und ihren Partnern. Das thematisch stark durchgearbeitete Finale endlich wurde ein Musterbeispiel für den ungezwungenen

klanglichen Ausgleich vier verschiedener Klang-Jndiviuali- täten.

Als Neuheit hörte man ein Streichquartett von Engel­bert Humperdinck. Die naive Herzlichkeit und innere Einfachheit desHLnsel-und-Eretel-Komponisten verleugnet sich auch in diesem knappgefaßten, dreisätzigen Kammermusik- werk nicht, das wertvoll genug ist, um nicht wieder von den Quartettpulten zu verschwinden. So sauber und gerade, so volkstümlich im besten Sinne zu musizieren, hat von Humperdincks Zeitgenossen kaum einer gewagt. Die große, klare Tongebung, die rhythmische Genauigkeit, mit der das Zernickquartett das Werk vorführte bewundernswert bei­spielsweise, wie klangvoll ihnen die Pizzicato-Akkorde ge­langen sicherten der Neuheit den herzlichen Beifall der Hörer. Er steigerte sich zu einmütigen Ovationen, als die Zernicks die dritte Nummer der Vortragsfolge zur Haupt­nummer gesteigert hatten: Schuberts D-Moll-Quartett mit dem Variationensatz über das LiedDer Tod und das Mädchen. Dieser großartigen apokalyptischen Vision wurde der außerordentlich tönungsreiche, von Lebendigkeit vibrie­rende Streicherklang in einem Maße gerecht, wie man es kaum zu hoffen gewagt hatte. Der starke Beifall der mit­gerissenen Hörer ruhte nicht eher, bis Helmut Z e r n i ck, Theo Schwoon, Heinz Kirchner und Helmut Rei­mann noch den 3. Satz des A-Moll-Quartetts von Schubert zugegeben hatten. Dr. Wolfgang Stephan.

* Japans erste Schauspielerin gestorben. In Tokio ist im Alter von 62 Jahren Frau Jshimoto gestorben, die erste Frau, die eine japanische Bühn« als Schauspielerin betreten hat. Vor 34 Jahren verursachte ihr erstes Auftreten fast eine kleine Revolution. Indessen gelang es der Kunst von Frau Jshimoto sich sehr schnell durchzusetzen. Bald gab es zahlreiche japanische Schauspielerinnen, aber Fran Jshi­moto galt noch bis zum Vorjahr, als sie die Bühnenlaufbahn aufgab, als unerreichbares Vorbild.