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Unterhaltungsbeilage. ««lm-Wimersdorl.
Nr. 251.
Mittwoch, 27. Oktober 1937.
85. Jahrgang.
965 MM öes Mi5M5.
Am Donnerstag feiert das faschistische Italien den 15. Jahrestag des berühmten Marsches der faschistischen Milizen auf Rom, von dem der Kalender des Imperiums d i e neue Ära der italienischen Geschichte datiert. Zum ersten Male wird an diesem Ehrentage Italiens und seines Führers Mussolini eine amtliche Abordnung der NSDAP, unter dem Stellvertreter des Führers, Reichs- minister Rudolf Hetz, teilnehmen und so der grotzen politischen Wandlung Ausdruck geben, die sich dürch die innige und freundschaftliche Verbundenheit Italiens mit dem Deutschen Reiche, des Faschismus mit dem Nationalsozialismus, im Laufe des letzten Jahres vollzogen hat. In ganz Deutschland wird man deshalb diesen Tag und seine Feierlichkeiten wie eine eigene nationale Angelegenheit empfinden und dabei die Gewißheit haben dürfen, datz auch das italienische Volk dieses 15. Jubiläum in der besonderen Bedeutung sieht, die ihm die Solidarität mit Deutschland verleiht.
Als am 28. Oktober 1922 die Welt von der Kunde der faschistischen Revolution überrascht wurde, ahnten wohl nur wenige, daß damit ein Ereignis eingetreten war, das nicht nur für Italien eine neue Epoche seiner Geschichte einleitete, sondern auch für die weltanschauliche und politische Entwicklung Europas und der Welt von tiefster Wirkung sein werde. Der Faschismus, dessen Führer und Ideen bis dahin von der außenstehenden, fast durchweg in demokratischen Anschauungen lebenden Welt an- gefeindet oder höchstens mit einem zurückhaltenden Interesse beobachtet worden waren, rückten nun mit einem Male in das Spielfeld der europäischen Diplomatie, die zunächst wenig mit diesen befremdlichen Erscheinungen anzufangen wußte. In den Erinnerungen des ehemaligen englischen Diplomaten Harold Nicolson liest man heute mit viel Vergnügen jene Bemerkungen über die Eindrücke, die Mussolini, als er zum ersten Male in Lausanne auf einer internationalen.Konferenz erschien, auf die hochmütige englische Berufsdiplomatie machte; so wenig glaubte dieser sonst kluge und für einen Engländer unvoreingenommene Diplomat an die Beständigkeit dessen, was in Italien vorgegangen war, datz er in einem politischen Zukunftsroman für das Jahr 1940 den Zerfall Italiens in einigen Republiken einsetzte. Gewiß eine Utopie, aber eine, die Harold Nicolson doch immerhin für möglich und wahrscheinlich hielt!
Wir wissen es aus unserem eigenen deutschen Erleben, wie der Sieg des Faschismus auch bei uns nur auf jene kleine Schicht von Männern wie eine nahe Verkündung wirkte, die in der Befreiung Italiens von den historischen Belastungen der Demokratie und der künftigen Gefahr des Bolschewismus ein Beispiel, eine Ermunterung und eine Hoffnung erblickten. Nur Adolf Hitler und sein damals noch enger Kreis von Anhängern haben in jener Stunde die Bedeutung des Marsches auf Rom für Deutschland und für die europäische Entwicklung richtig erkannt und daran die Zuversicht geknüpft, datz auch ihr Werk gelingen werde, das unter ähnlichen Voraussetzungen und mit gleichen Zielen begonnen worden war. Das Deutschland der Weimarer Republik aber stand dem Faschismus teils vollkommen ablehnend, teils mit der törichten Hoffnung gegenüber, datz dieses neue Italien die Politik eines Landes unterstützen werde, das fast nichts tat, um sich selbst zu helfen, und dessen Regierungen sich nur beflissen zeigten, die Gunst der Zwingherren Deutschlands zu gewinnen. So mutzten die Beziehungen zwischen Italien und dem Reiche in den Jahren von 1922 bis 1933 schwankend, wechselnd und ungewiß bleiben; Perioden, in denen Italien, wie der Führer und Reichskanzler in seiner Rede beim Besuch Mussolinis anerkannte, sich deutlich von der Vergewaltigungspolitik der Westmächte distanzierte, wurden abgelöst durch Zeiten starker Spannungen, in denen auch die letzten Bindungen aus der gemeinschaftlichen Geschichte und Kultur unserer beiden Länder
6* Wille der Japaner del WM
Erbitterte Kämpfe im Gange. — Neue chinesische Divisionen greifen ein.
Der Nor-bahnhof und Tschapxi besetzt.
Tokio, 27. Okt. (Ostasiendienst des DRV.) Nach japanischen Meldungen gelang es den vereinigten Heeres- und Marinestreitkräften nach schweren verlustreichen Kämpfe», die festungsartig ansgebaute Kianwangstellung, etwa 5 Kilometer nördlich von Schanghai gelegen, und den lang umkämpften Nordbahnhos von Schanghai zu besetze».
Bei fortschreitenden Angriffe» aus der Richtung Taschang in südlicher und Tschapei i» westlicher Richtung dauern di- chinesische» Rückzugs- und Räumungsbewegungen auf der Bahnlinie Schanghai—Nanking an.
Die Japaner nach Schenju vorgestotzen.
Schanghai, 27. Okt. (Funkmeldung). Die mit dem Morgengrauen des Mittwochs begonnenen Operationen der japanischen Marinetruppen gegen Tschapei führten »ach einem mehrstündigen Luft- und ÄrtNeriebombardement zur Umzingelung des Stadtteils, aus dem sich die chinesischen Truppen nach Sprengungen ihrer Stellungen zurückzogen. Riesige Brände aus einem Kilometer Breite deckten die Rücknahme der chinesischen Front. Auch aus der Bogenstellung von Kianwang, das am Mittwochmorgen ebenfalls von Truppen der japanischen Armee besetzt wurde, haben sich die Chinesen zurückgezogen.
Von der Straße Taschang—Nansiang südwärts vordringende japanische Truppen erreichten am Mittwochmorgen die Schanghai-Nanking-Bahn in der Nähe von Schenju. 3m Westen von Kaschan ist die Schlacht noch aus der Höhe. Erbitterte Kämpfe find im Gange, da neue chinefische Divisionen aus Kwangfi in die Kampfhandlungen eingegriffen haben.
Alle an der Front von Schanghai verfügbare» japanischen Flugzeuge wurden am Mittwochmorgen zu einem Groß- Bombardement aus die rückwärtigen chinesischen Stellungen eingesetzt.
Das nächste militärische Ziel: Abschneiden Schanghais von Nanking.
Schanghai, 27. Okt. (Ostasiendienst des DNB. Funkmeldung). Die nächsten japanischen Operationen im Raum von Schanghai zielen, wie ei» hoher japanischer Generalstabs- ossizier dem DNB.-Vertreter mitteilte, darauf ab, einen Gürtel um Schanghai zu lege», der Schanghai von Nanking vollkommen abschneiden soll. Wenn die Nanking- Regierung daraufhin den Widerstand fortsetzen würde, würden japanische Streitkräfte neue Operationen einleiten, die die Eroberung Nankings selb st zum Ziel hätten. Die Japaner hassten jedoch, daß die Nanking-Regierung sich vorher zu einem anderen Kurs entschließen würde.
Mu, Wieher der MlMeil Bewegung.
Die Unruhen in Marokko und die Spannungen in Syrien.
beamte leichtverletzt. Etwa 30 Verhaftungen wurden vorgenommen.
In Rabat schritt die Polizei zur Verhaftung von 3 Eingeborenen, die einige Kaufleute zwingen wollten, ihre Läden zu schließen. Man mißt besonders der Verhaftung eines Eingeborenen namens Bru Ayad in Fez große Bedeutung bei, der englischer Untertan ist und dessen Einfluß auf den marokkanischen Aktionsausschuß sehr groß gewesen sein soll.
Wie der „Matin" zu diesen Meldungen aus Marokko hinzufügt, soll sich aus beschlagnahmten Dokumenten der verhafteten marokkanischen Führer ergeben haben, daß die nationalistische Bewegung nicht nur marok- kanisch ist. Sie gehöre der panarabischen Bewegung an, die die Wiederaufrichtung des muselmanischen Reiches zum Ziele habe.
Luftverkehr Algier—Marseille eingestellt.
Paris, 26. Okt. In Auswirkung der Beschießung französischer Schiffe im Mittelmeer ist der Luftverkehr zwischen Marseille und Algier eingestellt worden. Fahrplanmäßige Flugzeuge sind am Dienstag nicht mehr abgeflogen.
HuDolf Hetz und Hin MlteiMdllllilg ouf im Wege Ilch Mm.
Wovon Paris nicht spricht.
»8. Berlin, 27. Okt. Die Entwicklung in den nordafrikanischen Besitzungen macht den Franzosen nach wie vor erhebliche Sorgen. Man spricht im Paris der Volksfront freilich nicht gern davon, daß am 20. Juli d. I. die n o r d a f r i k a n i s ch e Sektion der Komintern in einer Sondertagung in Moskau erklärte, datz „die Situation in Nordafrika als günstig für eine energische Maffenaktion anzusehen sei". So ist in den Pariser Meldungen fast immer nur von der panarabischen oder von der nationalistischen Bewegung unter den Eingeborenen die Rede, nie aber davon, datz die Komintern nach bewährtem Muster stch diese Bewegung zunutze macht. Nachdem es am vergangenen Freitag schon zu Unruhen in Marokko gekommen war und die Franzosen daraufhin Verhaftungen der „panarabischen" Führer vorgenommen hatten, haben gestern vor den Moscheen von Rabat, Fez und Casablanca sehr heftige Kundgebungen gegen die Verhaftungen stattgefunden. Datz die Franzosen diese Dinge nicht leicht nehmen, zeigt die Tatsache, datz in den genannten Orten die Eingänge zu den Eingeborenen-Vierteln von Fremdenlegionären mit Maschinengewehren besetzt wurden. Diese Maßnahme, die zunächst nur während der Verhaftungen durch- acführt werden sollte, ist angesichts der starken Erregung beibehalten worden, zumal auch ein Aufruf der französischen Behörden, in dem die Verhaftungen begründet und verteidigt wurden, wirkungslos geblieben ist.
Wer nicht nur Nordafrika macht den Franzosen Sorge, sondern auch das syrische Mandat. Man fürchtet, daß die Unruhewelle, die von Palästina ausgeht, auch Syrien überflutet. Die Spannung zwischen de» arabischen Nationalisten und den französischen Behörden nimmt von Tag zu Tag zu. Einmal wird sie dadurch verschärft, daß die französischen Behörden unter dem Druck Englands die Bewegungsfreiheit des Mufti stark einengen und ihn, der aus Jerusalem geflohen ist, schlechter als andere politische Flüchtlinge behandeln. Zum anderen trägt wesentlich zur Verschärfung bei, datz Paris die Ratifizierung des ftanzöfisch-syrischen Vertrages verschleppt, durch den das Mandat beendet und Syriens Unabhängigkeit bestätigt werden soll. Auch diese Verschleppung geschieht, so nimmt man in arabischen Kreisen an, auf englisches Betreiben, da London befürchtet, daß sich nach den letzten Ereignissen in Palästina Damaskus zum Zentrum anti- englischer Propaganda entwickeln könnte.
Das Ziel: Wiederaufrichtung des muselmanischen Reiches.
Paris, 27. Okt. (Funkmeldung). In Marokko kam es am Dienstag trotz der von den Behörden getroffenen strengen Maßnahmen erneut zu Kundgebungen und Zusammenstößen. I» Casablanca stießen eingeborene Kundgeber mit dem Ordnungsdienst zusammen. Bei dieser ersten Kundgebung am frühen Nachmittag konnten sie noch zerstreut werden. Eine Stunde später jedoch entwickelte sich ein heftiger Zusammenstoß, als einige Hunderte Eingeborene bei einem Umzug von der Polizei in der Nähe des jüdischen Friedhofes angehalten wurden. 3m Verlaufe einer Schlägerei wurden 5 Polizei-
Die Abfahrt von München.
München, 26. Okt. Rudolf Hetz hat am Dienstagabend mit dem fahrplanmäßigen Nachtzug München verlassen, um der Einladung des Duce nach Rom Folge zu leisten.
Stabschef Lutze, Reichsleiter Frank, Gauleiter Adolf Wagner, Gauleiter Terboven und stellvertretender Gauleiter Görlitzer befanden sich als Abordnung der NSDAP. in der Begleitung des Stellvertreters des Führers. Vor der Abfahrt des Zuges hatten sich am Münchener Hauptbahnhof zur Verabschiedung des Stellvertreters des Führers und der Parteiabordnung eine grotze Menschenmenge eingefunden. Nachdem der Stellvertreter des Führers die Front der angetretenen Ehrenformationen abgeschritten hatte, setzte sich der Zug unter den Klängen der Nationalhymnen und begeisterten Heilrufen in Bewegung.
Herzliche Begrützungsartikel in der italienischen Presse.
Rom, 26. Okt. Der ersten offiziellen Abordnung der NSDAP., die als East der Faschistischen Partei an den Feiern zum Jahrestag des Marsches auf Rom teilnimmt, entbietet die gesamte italienische Presse am Dienstagabend den herzlichsten Willkomm. In reich bebilderten Berichten werden die Verdienste der einzelnen Ahordnungsmitgliedcr um den Sieg der nationalsozialistischen Bewegung hervorgehoben. „Alle
diese tapferen früheren Frontkämpfer", schreibt das „Giornale d'Jtalia", die sich nach der Hingabe ihres Blutes an der Front mit Opfermut für die Befreiung ihres Vaterlandes von den heimtückischen Kräften des Bolschewismus einsetzten, haben sich zur Bekämpfung der drohenden Gefahr dem Führer mit jener prächtigen Disziplin zur Verfügung gestellt, für die Rudolf Hetz das leuchtende Beispiel gegeben hat.
Empfangsvorbereitungen in Rom.
Rom, 27. Okt. Die offizielle Abordnung der NSDAP., die mit dem Stellvertreter des Führers, Reichsminister Rudolf Heß, an der Spitze, am Mittwochnachmittag in Rom eintreffen wird, wird auf dem Hauptbahnhof von Außenminister Graf C i a n o, Parteisekretär Staatsminister S t a r a c e und dem Minister für Volksbildung Alfieri empfangen werden.
Gauleiter Stteicher
von Minister Alfieri empfangen.
Rom, 26. Okt. Der italienische Minister für Volksbildung Dino Alfieri hat am Dienstagnachmittag Gauleiter Streicher empfangen. Gauleiter Streicher, der bereits seit Samstag in Rom weilt, hat in den letzten Tagen unter der Führung des Präsidenten des faschistischen Jndustrie-Arbeiter- verbandes Gianetti Rom und die neue Provinz Littoria kennengelernt und im besonderen Littorias und Sabaudia und die dort geschaffenen großzügigen Anlagen besichtigt.
