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Wiesbadener Tagblatt

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Erscheüuwgszeit:

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Nr. 243.

Montag. 18. Oktober 1937.

85. Jahrgang

Eine unerhörte Provokation des Reiches.

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Die Regelung der sudetendeutschen Frage entscheidend für das Verhältnis zwischen Berlin und Prag. Ihre Bedeutung für den europäischen Frieden.

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Prag hat uns mit seiner Haltung gegen das Deutschtum nicht gerade verwöhnt. Erst vor einigen Tagen mutzten wir über die ungeheuerliche Provokation des nationalsozialisti­schen Reiches und die Beschimpfung unseres Führer durch un-

Die Tschechoslowakei ein Nationalitäten-Staat.

Prag, 18. Okt. (Funkmeldung.) Aus der Amtswalter­tagung in Teplitz-Schönau setzte sich Konrad Henlein als Hauptredner unerschrocken durch. Er führte u. a. aus: Ich habe in London mit einer Reihe einflutzreicher Männer gesprochen. Man würde es einfach nicht verstehen, wenn ein Versammlungsredner eine Ermahnung aus dem Grunde er­hält, weil 'er behauptet, datz der tschechoslowakische Staat keineswegs ein Nationalstaat, sondern eindeutig ein Nationali­tätenstaat sei". Der anwesende Regierungsvertreter sah sich bei dieser Stelle allsogleich veranlatzt, Konrad Henlein er­mahnen (!) zu lassen. Konrad Henlein fuhr dann fort:Das Ausland hat sich immer wieder überzeugen müssen, datz ich nichts als die reinste Wahrheit gesagt habe". Diese Fest­stellung löste unter den Anwesenden einhellige Zustimmung aus. lind so bleibe ich auch heute bei der Wahrheit", sagte Henlein abermalsdatz unser Staat nicht ein Nationalstaat, sondern ein Nationalitätenstaat ist." Eine neue Verwarnung lietz Konrad Henlein ruhig und er führte unbeirrt weiter aus:Ich kann diese Ermahnung nicht zur Kenntnis nehmen und mutz noch einmal ausdrücklich erklären:Unser Staat ist ein Nationalitätenstaat". Ein Beifallssturm ohnegleichen folgte diesen Worten.Ich mutzte dies feststellen, denn die Zukunft unseres Staates und eine friedliche Entwicklung in Europa hängt davon ab, datz man diese Tatsache zur Kennt­nis nimmt und daraus die notwendigen Folgerungen zieht, d. h. datz sich in diesem Staat ein jedes seiner Völker frei ent­

wickeln mutz. Das Vorhandensein der sudetendeutschen Frage und ihre durch die herrschende Koalition bestimmte Art der Behandlung sind ein Beweis dafür, datz ein Regime unter Umständen' auch geradezu gegen das Staatsintsresie handeln kann. Dieses Regime aber zu bekämpfen, ist für uns Sudetendeutsche aber nicht nur ein Gebot unserer Selbst­erhaltung sondern eben weil wir vom Staat eine höhere Auffasiung haben als diese andere zugleich unsere staats­bürgerliche Pflicht. Ich kämpfe nicht gegen die Lebensnotwendigkeiten der gesamten Staatsbürgerschaft, aber ich kämpfe gegen die, die den Staat mißbrauchen wollen. Noch­mals auf seine jüngste Londonreise zurückkommend, sagte Henlein:Die Sympathien, die vor drei wahren noch auf tschechischer Seite lagen, stehen heute auf unserer Seite. Man hat mich und meine Mitarbeiter achten gelernt. Man hat sich über die Ursachen unserer Beschwerden selbst unterrichtet, und man sieht ein, datz unser Kampf gerecht und notwendig ist. Man mutz auch endlich auf tschechischer Seite erkennen, datz es heute nicht mehr angeht, wie 1918 noch int Hatz gegen das benachbarte Deutsche Reich zu stehen, sondern datz dieses Reich in der Gegenwart von vielen wieder geehrt und geliebt wird. Die Voraussetzung des guten Ver­hältnisses Prag Berlin ist aber die Regelung der sudetendeutschen Frage. Einer Tatsache muh jedoch Ausdruck gegeben werden: datz das Verhältnis bis heute nicht besser wurde, ist nicht unsere Schuld, sondern dies liegt in erster Linie am Staate selbst, der es bisher nicht verstanden hat, alle seine Bürger für sich zu gewinnen.

flätige Zeichnungen, die in der von einem tschechischen Minister eröffneten Manes-Ausstellung gezeigt wurden, be­richten. Der chauvinistische Geist des Tschechentums, der sich hier in krasser Form zeigte, hat sich neuerlich in unglaub­licher Brutalität enthüllt. In einer Stadt, in der saft nur deutsch gesprochen wird, erdreisteten sich tschechische Polizisten Abgeordnete der Henlein-Partei ohne im minde­sten ihre parlamentarischen Rechte zu achten, in gröbster Weise zu mißhandeln. Ohne Warnung und ohne vorherige Aufforderung wurden sudetendeutsche Volksgenossen, die nichts anderes wollten, als ihrem Führer Konrad Henlein ihre Anhänglichkeit zu beweisen, zusammengeknüppelt. Vor­stellungen bei höheren Polizeioffizieren fanden nur ein Lächeln, woraus eindeutig hervorgeht, datz es sich in Teplitz- Schönau nicht um die Entgleisung untergeordneter Polizei- dienststellen handelt, sondern um den systematischen Versuch einer Vergewaltigung des Deutschtums. Und das geschieht in einem Lande, dessen Einwohner zu einem guten Drittel die deutsche Sprache sprechen. Das geschieht durch Organe eines Volkes, dessen kulturelle Existenz erst durch das Deutsch­tum begründet wurde, in einem Staate, indem die älteste deutsche Universität ihren Sitz hat. Und dasselbe Volkstum, das die Grundlagen für den heutigen tschechischen Staat legte, das einst von tschechischen Fürsten zur Erschließung der Erz­vorkommen ins Land gerufen wurde, möchten die Prager Herren heute in seinen Lebensgrundlagen vernichten. Sie > wollen den Raum, den sie mit drei starken Minderheiten teilen, allein beherrschen. In Konrad Henlein ist ihnen ein Gegner erstanden, der unter Hintansetzung seiner Person einen heroischen Widerstand leistet. Er hat das Sudeten­deutschtum geeinigt, mit dem die Tschechen früher, als es in viele Parteien zerspalten war, spielen konnte. Konrad Hen­lein läßt sich, das hat seine Rede auf der Amtswalter- Tagung in Teplitz-Schönau gezeigt, auch durch den brutalsten Terror nicht von der erkannten Wahrheit abbringen. Trotz verschiedener Verwarnungen betonte er zum ersten und zum zweiten und zum dritten Male, daß die Tschecho­slowakei kein Nationalstaat, sondern ein Nationalitätenstaat ist, der nur dann zu einer friedlichen Entwicklung kommen kann, wenn alle in seinem Raum wohnenden Völker eine kulturelle Autonomie genießen und gleichmäßig in der Staatsführung und Verwaltung be­rücksichtigt werden. Henlein hob die für uns Deutsche im Reich selbstverständliche Tatsache hervor, daß ein gutes Ver­hältnis, das man in Prag mit Berlin angeblich anstrebt, nur möglich ist, wenn die tschechoslowakische Regierung ein gesundes Verhältnis zum Sudetendeutschtum herstellt. Jede gegen das Sudetendeutschtum gerichtete Handlung stellt eine Beleidigung und eine Provokation des Reiches dar. Die Mißhandlungen von Teplitz-Schönau trafen jeden Deutschen und werden in Millionen Herzen nicht so schnell vergessen werden. Herr Venesch, der so gernin Vollmacht" für den europäischen Frieden zeichnen möchte, muß endlich einsehen, datz die tschechischen Methoden gegenüber dem Sudetendeutsch­tum ein Dolchstoß gegen den wahren, wie Mussolini in Berlin sagte, fruchtbaren europäischen Frieden bedeuten.

Die Vorfälle in Teplitz-Schönau.

Prag, 17. Okt. 9laä) einem störungsfreien Ver­laus der grotzenAmtswaltertagung der Sudeten- deutschen Partei des Wahlkreises Laun im Stadttheater in Teplitz-Schönau ist es am Sonntag kurz nach 14 Uhr zuuuerhörtenVorfällen gekommen.

Als Konrad Henlein, der sich mit seinen Mitarbei­tern in die Wohnung des Kreisleiters Abg. Dr. Zippe- I i u s begeben hatte, das Haus wieder verließ, um sich irt feinem Wagen, der vor der Haustür parkte, nach Leitmeritz zu begeben, fanden sich rasch etwa hundert Personen ein, um ihn zu begrüßen. Drei Polizisten, die beim Wagen standen, forderten die Leute zum Auseinandergehen auf.

Plötzlich trat eine in Bereitschaft gehaltene Polizei- abteilnng von 2030 Mann in Tätigkeit, stürzte auf - den Wagen und die ihn umstehende Menge los und begann, ohne zum Auseinandergehen aufzusordern, mit bem EummiknüppelausdieMengeeinzn schlagen. 3tt dem Augenblick, als der Abgeordnete Karl Hermann Fr a n k den Wagen besteige» wollte, versuchte die Polizei, ihn am Einsteigen zu hindern. Er wurde brutal aus dem Auto zurückgerisie«, während ein anderer Polizist mit dem Gummi­knüppel zum Schlag gegen ihn ausholte. Frank, der in der linken Hand eilte Aktentasche und seine Abgeordneten­legimitation hielt, konnte den Schlag mit der rechte» Hand abfangen. Daraus stürzten sich drei weitere Polizisten aus ihn und schleppten ihn ins Polizeigebäude. Während vier Polizisten Frank an den Armen und am Mantel hielten, schlugen andere über bereit Köpse hinweg aus ihn mit Gummiknüppeln ein.

Zur gleichen Zeit wurde der Abgeordnete Ernst K un d t, der die Polizei auf ihr ungesetzliches Verhalten aufmerksam machen wollte, trotz seiner Legitimation als Abgeordneter gepackt und rücklings über die zur Polizei führende Treppe hinabgestoßen. Der Abgeordnete Kellner, der auch gegen dieses rücksichtslose Vorgehen protestieren wollte, wurde ebenfalls mit Fauststößen mißhandelt.

Der versammelten Menge bemächtigte sich eine ungeheure Erregung, die sich in empörten Rusen Lust machte. Außer dem Abgeordnete» Karl Herma«» Frank wurden aus dem gleichen Anlaß weitere Personen verhaftet und in Polizeige­wahrsam genommen. Die unglaubliche» Vorfälle landen ihre Fortsetzung im Polizeigebände. Abgeordneter Frank wurde dort erneut mißhandelt. Er wurde durch einen brutalen Faustschlag aus die Halsschlagader verletzt. Mittlerweile hatten sich die Abgeordneten Dr. Zippelius, Sandner »nd Birke den Einlaß in den Amtsranm erzwungen. Selbst in deren Anwesenheit stieß ein h ö h e r e r Polizeibeamter, ohne daß seine anwesenden Vorgesetz­ten dagegen Einspruch erhoben hätten, Frank mit beiden Fäusten gegen die Brust. Einer der Verhafteten wurde hinter einem Vorhang von Polizisten derart mißhandelt, daß er vor Schmerz gellende Schreie aus stieß.

Die mißhandelten Abeordneten Frank, Kundt und Kell­ner sowie die als Augenzeugen anwesenden Abgeordneten Birke, Dr. Zippelius und Sandner setzten die Fest­legung schriftlicher Protokle durch und pro­testierten auf das schärfste gegen das rücksichtslose Vorgehen der Polizeibeamten. . Birke, Dr. Zippelius und Sandner be­gaben sich sofort zum Leiter der Teplitzer Staatspolizei, Dr. Soukup, und bestanden auch dort auf der schriftlichen Niederlegung ihrer Aussagen.

Abgeordnete ber_ Sudetendeutschen Partei haben mitge- teilt, daß diese Vorfälle auch Gegenstand einer scharfen Interpellation und einer Vorsprache int Innenministe­rium sein werden.

Ein weiterer Übergriff der Staatspolizei in Teplitz- Schönau ereignete sich in den Abendstunden nach der Amts­waltertagung der Sudetendeutschen Partei. Der Abgeordnete Richter, der den Abgeordneten Dr. Zippelius besuchen wollte, wurde, als er vor dem Wohnhaus Dr. Zippelius' zu den Fenstern hinaufwinkte, plötzlich von einem Wachmann aufgefordert, weiter zugehen. Als Richter sich legitimierte, rief der Polizist einen zweiten Wachmann herbei. Beide pack- den Richter und schleppten ihn in das Polizeige- bäude. Hier beschwerte sich Richter, daß dieses Vorgehen gegenüber Parlamentariern einzig, dastehe, worauf ihm ein höherer Beamter antwortete, das sei ihm vollkommen gleich­gültig.

Die Verhaftung Richters hatte einen großen Auflauf zur Folge. Gegen diese Ansammlung ging p 1 ö tz 1 i ch ei» P o 1 i - zeitrupp vou 40 Ma»« vor, u«d ohne Avsforderung zum Auseiuandergehe» schlugen die Schergen mit dem GummiknüppelausdieMengeein.

Der Abgeordnete Sandner, der mit Senator Liehm vom Fenster der Wohnung Dr. Zippelius' aus Zeuge des Vorfalls gewesen war, wollte den diensthabenden Beamten über den Zwischenfall aufklären, wurde aber, ohne Gehör zu finden, von einigen Polizisten mitallerWuchtausderTür derWachege stoßen.

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Deutschland und Italien zur Mitarbeit bereit. Die Rede Ribbentrops. Gleiche Handlungsfreiheit für Deutschland und Italien.

SS. Berlin, 18. Okt. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Nach der Samstag-Sitzung des Präsidial-Aus- schusses der Nichteinmischungskonferenz hat Reuter die Stimmung der maßgebenden Kreise dahin gekennzeichnet, daß die allgemeine Atmosphäre sehr optimistisch sei, wenn man sich auch nicht allzu großen Hoffnungen hin- gebe. Inwieweit diese Stimmung berechtigt ist, wird sich in aller Kürze zeigen, denn am morgigen Dienstag werden in London die Verhandlungen fortgesetzt. Es geht dabei um drei Hauptsragen. Einmal nämlich um die Zurückziehung der Freiwilligen, zum anderen um Garantien dafür, daß diese Freiwilligen, die zurückgezogen werden, nicht etwa wieder durch Hintertüren zurückkehren (Verschärfung der Kontrolle), sowie um Garantien, daß alle Freiwilligen er­faßt werden und drittens um die Zuerkennung der Rechte Kriegführender an die beiden spanischen Parteien. Was die Zahl der zunächst als symbolische Geste zurückzuziehenden Freiwilligen anlangt, so hat wohl der italienische Vorschlag Aussicht auf Annahme, da von beiden spanischen Parteien die gleiche Zahl Freiwilliger zurückgesandt werden soll, während die Franzosen zunächst eine stark gekünstelte Ver­hältniszahl festlegen wollten. Man mutz aber gegenüber der reichlich optimistischen Reuter-Meldung doch darauf ver­weisen, daß die ganze Freiwilligen-Frage überhaupt nur dann gelöst werden tarnt, wenn die beiden spanischen Parteien zur Mitarbeit bereit sind. Welch herrliche Möglichkeit er­öffnet sich hier also für Moskau, auf dem Umweg über Valencia den ganzen Plan zum Scheitern zu bringen. Was aber soll geschehen, wenn man in London auch diesmal nicht weiter kommt. Der deutsche Vertreter, Botschafter von Ribbentrop hat in erfreulicher Deutlichkeit sich die Drohung mit der dann zurückgewonnenen Handlungsfreiheit aufs Korn genommen. Er hat diese Drohung als einen u n - zulässigen Druckversuch gekennzeichnet und hat unterstrichen, daß auch Deutschland und Italien ihre Hand­lungsfreiheit beanspruchen würden, wenn es soweit wäre. Es ist mit den Reden Ribbentrops und E r a n b i s noch ein­mal vor aller Welt klargestellt worden, daß Deutschland und Italien zur Mitarbeit bei der Lösung der Freiwilligen-Frage bereit sind, daß sie abe,t nicht auf irgendwelche Drohungen hereinfallen. Botschafter von Ribbentrop,hat bei dieser Ge­legenheit nochmals sehr deutlich herausgestellt, datz man sich heute mit diesem ganzen Problem nicht mehr zu befassen brauchte, wenn man seinerzeit die deutsch-italienischen Vor­schläge angenommen hätte. Aber auch der englische Plan bot noch erfreuliche Aussichten, wenn man nicht zugelassen hätte, datz Moskau diesen Plan torpedierte. Moskaus Einspruch aber hängt auch über dem gegenwärtig zur Verhandlung stehenden Plan Frankreichs, zu dem Grandi Ergänzungs­und Gegenvorschläge eingebracht hat. An diese Moskauer Adresse hätte sich Herr Eden wenden müssen, wenn er in seiner letzten Rede darüber klagte, daß das Freiwilligen- Problem bisher nicht gelöst sei.

Die Rede Ribbentrops hat den deutschen Standpunkt in der Freiwilligen-Frage noch einmal klar herausgearbeitet.

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Tschechische Polizisten mißhandeln Abgeordnete der Henlein-Partei.

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