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Freitag, 15. Oktober 1937.

Wiesbadener Tagblatt

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Karteien

sinn all

Das Rosetheater ist die einzige Bühne Berlins, die des auf vielen Gebieten verdienstreichen Füniundsiebzigers Max Dreyer gedenkt. Mögen auch andere Stücke des Dichters schwerer wiegen, als ine historische BurleskeDas Tal

Typus eines von der Weiblichkeit matzlos verwöhnten und überschätztenkomplizierten Naturburschen".

natürlich, die Bedeutung des deutsch-belgischen Abkommens herabzuwürdigen und zu verdrehen.

Das Tageblatt der Sudetendeutschen Partei,Die Zeit", würdigt eingehend den Erfolg, den die deutsche ^.hese der zweiseitigen Verträge gegenüber den Kollektivvertragen von neuem gebracht hat. Nach dem Abkommen mit Polen, nach dem deutsch-englischen Flottenvertrag, nach dem Überein­kommen mit Österreich hat Deutschland sein Verhmtnis mit einem weiteren Nachbarn auf einer gänzlich neuen Grundlage gestaltet. Hätte es gewartet, bis die mit so viel Muhen zort- geschleppten und die überall durch sowjetrussische Storungs­versuche lahmgelegten Westpaktoerhandlungen zu einem Ziel geführt hätten, so wäre nach der heutigen Lage der Dinge wohl kein Ende dieser Wartezeit abzusehen gewesen So wurde das politische Bild Europas in einem entscheidenden Sektor bereinigt.Die Zeit" sieht es als Aufgabe einer zur Erhaltung des Friedens verpflichteten internationalen Diplo­matie an, aus den neugefchaffencn Verhältnissen die Lehre auch für andere Wetterzonen Europas zu zechen.

Seite 2. Nr. 241.

Wie lange noch?

Prager Kunstausstellung von deutschseindlichen Karikaturen noch immer nicht gesäubert.

Prag, 14. Okt. Die in Anwesenheit des Ministers für Schulwesen und Volksaufklärung Dr. F r a n k e am 12. Oktober eröffnete Vilderausstellung in den Räumen des Kunstoereins Manes ist bis zur Stunde (Donnerstagmittag) von den deutschfeindlichen Karikaturen nur in ganz unzuläng­licher Weise gesäubert worden. Entfernt wurden bisher die BilderAufstieg und Fall eines Diktators", das das Oberhaupt des Deutschen Reiches als Hungerdiktator dar-

Fritz SchwiefertsDrei Akte mit Musik" (Schrffbauerdammtheater) ist einSpiel mit dem Feuer". Doch nicht wie in Strindbergs bitterem Lustspiel wird eine große Leidenschaft" entfacht und erstickt, vielmehr wird Theater auf dem Theater gespielt. Die Frau inszeniert einen Ehebruch, um dem Mann, dem Bühnenschriftsteller, einen Stoff aus dem Leben an die Hand zu geben. Er macht mit Vergnügen mit, bekommt es aber dann doch mit der Eifer­sucht, und erst das Publikum, zur Zeugenschaft aufgerufen, vermag ihm über die Harmlosigkeit des Unternehmens Ge­wißheit zu geben. Schwiefert konstruiert so genau, daß der Fall wie ein Rechenexempel aufgeht. Er sorgt aber auch für gepflegten Dialogwitz und fügt Chansons ein, die die jeweili­gen Vorfälle und Erkenntnisse gefällig ausspinnen. Grete Weisers Drastik in Ton und Geste, eine Berliner Speziali­tät, siegt auf der ganzen Linie. Mit feineren Mitteln be­hauptet sich die bekannte Filmschauspielerin Hilde v. Stolz.

Florian Kienzl.

stellt, weiterhinDie Fürsorge des Diktators für das Glück seines Volkes" und drittensWilsons Frieden", das in ob- scheu-erregender Weise die Gerippe zweier deutscher und italienischer Soldaten zeigte, über denen der Geist Wilsons schwebt.

Mit Empörung muß man dagegen feststellen, daß sämt­liche Zeichnungen von John Heartfield hängengeblieben sind, vor allem derfriedensliebende" Raubfisch", eine Photomontage, die offenbar den ordensge­schmückten General Göring mit einem Fifchkopf darstcllt, undDie Todessaat", ein Bild mit dem Vers:Wo dieser Säer geht, erntet man Hunger, Not und Krieg." AuchDas fremdstämmige Beefsteak", das den deutschen Magen geschän« det hat, dann einBild ohne Worte", das eine Friedenstaube zeigt, hinter der sich ein Adler verbirgt, undDie Kriegs­polypen", die Schreckensgestalten deutscher Soldaten, die die Welt verheeren, hängen noch an der Wand. Wir fragen: Wie lange noch?

* 100 Jahre Leipziger Kunstmuseum. In diesen Tagen konnte das Museum der bildenden Künste in Leipzig die Feier seines 100jährigen Bestehens begehen. Zu gleicher Zeit feierte auch der mit dem Institut eng verbundene Leipziger Kunstoerein sein lOvjähriges Jubiläum. Vor 50 Jahren wurde das Museum in einem repräsentativen Bau am Augustusplatz untergebracht. In den Sammlungen ist be­sonders reichhaltig und markant die romantische Malerei des vorigen Jahrhunderts vertreten. Einen bedeutenden Ruf in der Kunstwelt hat auch die Leipziger Max-Klinger- Sammlung. Im übrigen geben die Bestände des Museums dem Besucher einen Überblick über die Entwicklung der deutschen bildenden Künste vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Aus Anlaß des Jubiläums wurde eine Aus­stellung * *150 Jahre Kunst und Künstler in Leipzig" eröffnet.

des Lebens": sein künstlerisches Vermögen bewährt sich auch hier. Denn es ist kein Geringes, Dinge heikler Art so naturfrisch, so mit liebenswürdiger Ausgelassenheit, so ganz ohne Häßlichkeit darzustellen. Wie falsch hatte man um die Jahrhundertwende die offenherzige Bummelwitzschnurre ein« geschätzt, als sie dem Ärger des Zensors zum Opfer fiel! Es ist die mittlerweile auch durch Film bekannte Geschichte vom Ammenkünig", dem Bauernburschen aus dem Dörfchen, wo Milch und Honig" fließt, und vom altersschwachen Mark­grafen, der keine Hoffnung mehr hatte, von seiner jungen Gattin mir einem Thronerben beschenkt zu werden, und plötzlich Wunder der Natur! zum Vater wird. Paul Rose hat das Stück frei von Zimperlichkeit, doch mit schick­lichem Geschmack inszeniert. Traute Rose gibt der Mark­gräfin ihre fröhliche Natur. Peter Arnolds ist der Ammen- kbnig jung, lieb und dumm.

Bemerkenswerte Stellungnahme eines Teiles der tschechischen Presse.

Prag, 14. Okt. Der deutsch-belgische Notenaustausch hat in der tschechischen politischen Öffentlichkeit, großes Aufsehen erregt. Die Beurteilung dieses Schrittes bestätigt den Zwie­spalt der außenpolitischen Auffassung im tschechischen Lager. Der rechtsstchendeVenkow" sieht in der neuen eiriedensaktion Deutschlands eine direkte Lehre fürdieTschecho- slowakei. Die Anerkennung der Neutralität Belgiens |et ein beachtenswerter Akt der internationalen Entwicklung der Gegenwart. Das Agrarblatt, das in dem Beispiel Belgiens ein lehrreiches Ereignis sieht, erklärt, es habe selbst mehr­fach die Forderung nach einer Verständigung mit Deutschland als eine Aufgabe 'bet tschechischen Außenpolitik erhobem Sie läge im Interesse der Sicherung des Staates und der Nation. Was für eine Belehrung für die Tschechoslowakei in ihrer so schwierigen Stellung im Herzen Europas!

Die tschechische Linkspresse nimmt in ihrer gewohnten unsachlichen und tendenziösen Weise Stellung und versucht

Anteilnahme des Gauleiters Dr. Goebbels.

Bühl (Vaden), 14. Okt. Am Donnerstag stattete die Fliegende Gauschule Berlin auf ihrer Schulungsfahrt durch die Gaue Hessen-Nassau, Koblenz-Trier, Saarpfalz und Baden auch dem Kreise Bühl einen Besuch ab. Bei der Abfahrt der Omnibusse vom Bühler Höhengebiet ereignete sich auf der steilen und sehr kurvenreichen Straße zwischen Sand und Bühl, oberhalb des Kurhauses Schindelpeter, ein schwerer Unfall. Die Bremsen des ersten Omnibusses ver­sagten, und der Fahrer verlor nach 300 Meter rasender Fahrt die Herrschaft über seinen Wagen. Der Omnibus fuhr bei der scharfen Kurve beim Medenbach den Abhang in den Wald hinunter, blieb in den Bäumen hängen und wurde schwer beschädigt. Bei dem Unfall wurde der Pg. Hch. Jordan aus Berlin getötet, während der NSKK.-Trupp- führer Heinrich Lange aus Berlin im Bühler Krankenhaus kurz nach der Einlieferung starb. Außerdem sind vier Schwer­verletzte und acht Leichtverletzte zu verzeichnen, denen sofort am Unfallplatz ärztliche Hilfe zuteil wurde. Sie wurden dann mit Sanitätswagen in das Bühler Krankenhaus übergeführt.

Die Namen der Schwerverletzten sind: Karl Kattwinkel, Berlin-Steglitz; Kurt Meyer, Berlin- Tempelhof; Adolf Buschkötter,Heinersdorf;Ella Seger, Rohrdorf bei Horb.

Die der Leichtverletzten: Walter Fischer; Werner Bock, Spandau; Gustav Bublitz, Berlin-Steglitz; Martin Günther, Berlin; Werner Zieler, Wraimelshorst; Heinrich G e r i ck e, Berlin-Wilmersdorf; Karl Kiefer- mann, Berlin; Dr. Roestel, Berlin-Steglitz.

Der stellvertretende Gauleiter Eörlitzer hat im Auf­trage des Gauleiters, Reichsminister Dr. Goebbels, noch am heutigen Abend die Angehörigen der Getöteten und der

Hauptschriftleiter: Zritz Günther.

Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Karl Heinz Kunz.

verantwortlich für Politik, Kulturpolitik und Kunst: Fritz Günther; für den politischen Nachrichtendienst: Karl Heinz Kunz; für unpolitische Beiträge uno vermischte»: Dr. Heinrich Reichert; für Stadtnachrichten, wirtschaft. Sandel und Gewerbe: Willi Pempel; für Umgebung, Provinznachrichten und den Sportteil: Heinz Lenhardt; für den Bilderdienst: die betr. Ressortleiter;

für den Anzeigenteil: Otto K a i s e r, sämtlich in Wiesbaden.

Preisliste Nr. S. Durchschnitts-Auflage Sept. 1937: 21047, Sonntags allein: 25736 Druck und Verlag des Wiesbadener Tagblatts:

L.Schellenberg'sche Hofbuchdrucker ei, Wiesbaden,Langgaffe2J,Tagblatt-Haus .

Gesamtleitung:

Dr. phil. Gustav Schellenberg und Verlagsdirektor Leinrich Pabst.

Ohne Flunkerei geht es in keinem Lustspiel ab. Mit .^Lauter Lügen" hat Hans Schwei kart den faulen Zauber gar zum Prinzip erhoben, obwohl sich die P zu einem fair play entschieden haben. Der kleine Si dieser Scharmützel jenseits der Wahrheit rührt an Grill­parzers lächelnde Erkenntnis inWeh dem, der lügt!", daß in unserer buntverworrenen Welt Lüge und Wahrheit ein­ander unmerklich durchdringen. Es geht in kurzem darum, daß zwei Frauen, die eine verwegen, die andere in Vertei­digungsstellung, ihre Energien messen um einen Mann, der selber nicht recht weiß, wohin er gehört. . . Das Stück des bekannten Theatermannes ist mit leichtem Handgelenk entworfen, hat einen flüssigen, oft auch witzigen Dialog und welcher Schauspieler auf dem Pegasus sorgte nicht für seine Kollegen! durchweg dankbare Rollen. Sie wurden, wie man das im Kleinen Haus des Staatstheaters gewöhnt ist, blitzsauber herausgeputzt. Die sprühende Wendigkeit der Maria Vard und die bedächtige Blondheit der Marieluise Claudius standen in wirksamem Gegensatz. Der Mann dazwischen: Volker von Collande, der gelungene

listischen Reich als deutscher Beamter Diener des Staates und damit zugleich Diener des Volkes fein.

Fachliches Wissen und Können genügen also nicht allein, int nationalsozialistischen Staat der ehrenvollen und ver­pflichtenden Berufung, Beamter zu sein, gerecht zu werden. Wenn die Präambel zum Deutschen Veamtengesetz in ge­meißelten Wortenein im deutschen Volke wurzelndes, von nationalsozialistischer Weltanschauung durchdrungenes Berufs­beamtentum, das dem Führer des Deutschen Reiches und Volkes, Adolf Hitler, in Treue verbunden ist, als einen Grund­pfeiler des nationalsozialistischen Staates bezeichnet", so er­gibt sich daraus, an welche politischen Voraussetzungen die Beamtenstellung im nationalsozialistischen Staat gebunden ist und gebunden sein muß. Unmißverständlich fordert das Ge­setz von dem Beamten, daß er jederzeit rückhaltlos für den nationalsozialistischen Staat einzutreten und sich in seinem gesamten Verhalten von der Tatfache leiten zu lassen hat, daß die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei in unlös­barer Verbundenheit mit dem Volke die Trägerin des deut­schen Staatsgedankens ist. Ebenso kann auch nur Beamter werden, wer bereits die Gewähr dafür bietet, daß er jeder­zeit rückhaltlos für den nationalsozialistischen Staat eintritt. Diese Eesetzesformulierung ist die keiner Diskussion und keiner Abschwächung unterwerfbare Forderung an Leben, Gut und Blut des Beamten, zu jeder Stunde für Führer, Volk und Reick bereitzustehen.

Die von dem Beamten des Dritten Reiches geforderten Eigenschaften sind Wesensmerkmale des Geistes der national- soztalistischen Bewegung.Führer und Reich", heißt es im Deutschen Veamtengesetz,verlangen vom Beamten echte Vaterlandsliebe, Opferbereitschaft und volle Hingabe der Ar­beitskraft, Gehorsam gegenüber den Vorgesetzten und Kamerad­schaftlichkeit gegenüber den Mitarbeitern. Allen Volksgenossen soll der Beamte ein Vorbild treuer Pflichterfüllung sein. Dem Führer, der ihm seinen besonderen Schutz zusichert, hat er Treue bis zum Tode zu halten."

Die Beamtenstellung im nationalsozialistischen Staat gibt nicht größere Rechte, sondern legt erhöhte Pflichten gegenüber dem deutschen Volke auf. Und nur derjenige ist würdig, in der Beamtenstellung Diener seines Volkes zu sein, der nicht nur seine Dienstobliegenheiten in diesem Geiste national­sozialistischer Pflichterfüllung wahrnimmt, sondern danach sein ganzes Leben zu gestalten trachtet.

Reichsminister Dr. Goebbels in Düsseldorf.

Besuch der AusstellungSchassendes Volk".

Düsieldorf, 14. Okt. Reichsminister Dr. Goebbels stattete am Donnerstag der AusstellungSchaftendes Volk" in Düsseldorf mit sämtlichen Abteilungsleitern und zahl­reichen Referenten des Reichsministeriums für Volksaufklä­rung und Propaganda einen Besuch ab.

'Dr. Goebbels verließ Düsseldorf am späten Abend. Bei der Abfahrt hatten sich wieder große Menschenansammlungen gebildet, die ihm immer wieder in lebhaften Zurufen die herzliche Zuneigung seines Heimatgaues be­kundeten.

Der Herzog von Windsor

bei Generaloberst Göring.

Weiterfahrt nach Essen.

Berlin, 14. Okt. Am Donnerstagmittag stattete das Herzogspaar von Windsor dem Berliner Zeughaus und dem K a ife r-F r ied rich-Mufeum einen lurzen Be­such ab. In den Mittagsstunden besuchte Reichsleiter Dr. Ley das Herzogspaar imHotel Kaiserhof". Der Herzog von Windsor sprach Dr. Ley dabei seinen und der Herzogin Dank für den eindrucksvollen Verlauf des Berliner Besuches 0115.

Am Donnerstagnachmittag folgte das Herzogspaar von Windsor einer privaten Ein ladungd es General­obersten Göring und Frau Göring zum Tee in Karinhall.

Mit dem fahrplanmäßigen Schlafwagenzug um 21.22 Uhr verließ das Herzogspaar die Reichshauptstadt, um sich gemein­sam mit Reichsleiter Dr. Ley, der von Hauptamtsleiter Selz- ner begleitet wird, zum Besuch weiterer deutscher Betriebe und Werksiedlungen z u n ä ch st n a ch E s s e n zu begeben. Zur Verabschiedung auf dem Bahnhof Friedrichstraße hatten, sich Stabsleiter Simon und Lhefadjutant Marrenbach emgefun- den. Die Berliner Bevölkerung, die während der Dauer des Berliner Aufenthaltes das Herzogspaar überall, wo es erschien, herzlich begrüßt hatte, entbot auch bei der Abfahrt den eng­lischen Gästen freundliche Grüße.

Schwerverletzten ausgesucht und ihnen seine tiefe Anteilnahme ausgesprochen. Ferner hat Reichsminister Dr. Goebbels sämt­lichen im Krankenhaus Bühl in Baden untergebrachten Ver­letzten seine besten Wünsche für baldige Genesung zum Aus­druck bringen und ihnen Blumen überreichen lassen.

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Die Kunde von dem schweren Unglück, das die Fliegende Eauschule des Gaues Berlin auf ihrer Studienfahrt durch Südwestdeutschland int Schwarzwald betroffen hat, wird weit über die Grenzen Berlins hinaus in der ganzen Bewegung tiefe und herzliche Anteilnahme Hervorrufen. Zwei junge, lebensfreudige und tatenfrohe Nationalsozialisten sind jäh aus dem Leben gerissen worden, die mit ihren Berliner Kame­raden voller' Freude und Erwartungen in den Westen und Südwesten unseres Vaterlandes hinauszogen, nicht auf eine Vergnügungsfahrt, nicht um sich zu erholen, sondern um aus eigenem Erleben Land und Leute kennenzulernen, ihren Ge­sichtskreis zu erweitern und die gesammelten Erfahrungen der Partei und ihren Gliederungen wieder zugute kommen zu lassen. So sind auch sie gefallen im Dienst an der Bewegung, der sie bis zum letzten Atemzug die Treue ge­halten haben. Unser Gedenken an sie verbindet sich mit der Hoffnung, daß die Verletzungen der vier als schwerverletzt ge­meldeten Lehrgangsteilnehmer nicht lebensgefährlicher Art sind und recht bald eine Wendung zum Besseren eintreten möge.

Wem Unfall der Fliegenden EnWle Mn.

Omnibus einen Abhang hinabgestürzt.Zwei Tote, vier Schwerverletzte und acht Leichtverletzte.

Berliner Tbeaterbrief.

Berlin, Anfang Oktober.

Daß sich Gustav G r ü n d g e n s der Leffingfchen Muster­tragödieEmilia E a I o 11 i zuwandte, ist in seiner künstlerischen Wesenheit jenseits des literarhistorischen Jn- tereffes begründet. Die absolute Klarheit der dramaturgi­schen Logik ist sein Element. Hier kann sein Bemühen, junges Blut alten Meisterschöpfungen einzuslötzen, eine der dankbarsten Aufgaben finden. Und er löst sie man kann es nicht anders sagen auf eine vorbildliche Art. Es ist ein Genuß zu erleben, wie er These und Antithese des Dialogs mit Schärfe und Glanz ausspielt, wie er das Ganze in fliegendem Tempo rafft, zu hinreißender dramatischer Wirkung steigert. Er hat wohl auch herrliche Schauspieler zur Hand. Nicht zuletzt sich selber . . . Wie sehr der Stil Lessings seiner Natur entgeaenkommt, das war bereits am Marinelli seiner Anfängerjahre zu erkennen. Jetzt ist er der Prinz von Euastalla, eine blendende Erscheinung und doch nicht blendend, nicht täuschend über ein Nichts, vielmehr behutsam seelische Feinheiten aufspürend, die problematische Anlage der Figur erhellend. Marianne Hoppe kann wohl die unserem Empfinden fremde Lebensflucht und Todessehn- fucht Emilias, wie auch die rührendste Sentimentale, kaum uns nahebringen, aber, ganz frei vom Sentimentalen, gelingt ihr die Erscheinung einer charaktervollen selbstbewußten Persönlichkeit. Menschlich wahr in allen Stufungen der Leiden und Leidenschaften und wundervoll durchsichtig im Gedanklichen gestaltet Käthe Dorsch die Tragödinnenrolle der Orsina. Und Friedrich K a y ß l e r, Hermine Körner, Paul Hartmann, Bernhard Minetti die Spitzen des klastischen Staatstheater-Ensembles.

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