Wiesbadener Tagblatt
Montag, 11. Oktober 1937.
Wiesbadener Nachrichten.
Seite 4. Nr. 237.
Kriegsgräberfürforge ist Ehrenpflicht.
Gautagung des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge.
Am Samstag und Sonntag hielt der Gau Westfalen - Ruhrgebiet und Hessen- Nassau des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Wiesbaden in Anwesenheit zahlreicher Vertreter der Partei, der Wehrmacht und der Behörden seine Jahrestagung ab.
Auf der Arbeitstagung berichtete der stellvertretende Eauführer, Schriftleiter Klo st ermann, Essen, über Ziel und Bedeutung der Bauarbeiten des Volksbundes, überall, wo deutsche Soldaten kämpften, bluteten und starben, entstehen die Ehrenhaine des Ruhmes, die Male der Dankbarkeit, die Türme der Treue. Diese ragen hoch empor an unseren Grenzen. Und doch wartet noch ein großer Teil deutscher Soldatenfriedhöfe auf das Opfer des deutschen Volkes. Immer noch mahnen kahle Gräberfelder zum Opfer. Daß wir über der Sorge für die Gemeinschaft der Lebenden das Opfer für die toten Soldaten nicht vergessen, das fordert das Ansehen des deutschen Volkes in der ganzen Welt.
. . Aber die innere Organisationsarbeit und Beschaffung der Vaumittel berichtete Stadt- in Winkel, Gelsenkirchen. Er legte dar, wie in den 19 Jahren nach dem Kriege aus der kleinen, von Dr. Eulen gegründeten Fürsorge-, Auskunfts- und Vermittlungsstelle dre groge, das ganze Volk nicht nur innerhalb der Reichsgrenzen, sondern darüber hinaus umfassende Organisation wurde, die sich heute gliedert in 12 Gaue mit 43 Bezirken, falt. 5000 Ortsgruppen und zwei Auslandsverbänden, die in München eine besondere Bauabteilung unterhält die in 40 verschiedenen Ländern an mehreren hundert Stellen die deutschen Kriegerfriedhöfe pflegt und ausbaut. Der Redner gedachte dankbar, der bisherigen Leistungen der fast 300 000 A^Slreder, die tn den letzten acht Jahren mehr als sechs Millionen RM. für Friedhofsbauten zur Verfügung stellten r>.?r. allem aber auch der vielen Patenschaften, die in großzügiger Weise Mittel zum Bau der Mahnmale hergaben, so besonders der Ruhrstädte, die durch eine Umlage von 3 RM auf 100 Einwohner in wenigen Jahren mehr als 100 000
aufbrachten, um dem Friedhof Maisftmy eine würdige Gestalt zu geben und viele vorbildliche Beispiele mehr.
Mit Genugtuung stellte der Redner weiter fest, daß gerade die Werbung in der Jugend, die das Werk, das die Frontgeneration nicht vollenden könne, als nationale Aufgabe und Pflicht weiterzuführen habe, besonders eifrig und erfolgreich fei. So ist aus den Opfern der Schuljugend bereits ent Vaustock von 15 000 RM. in 1% Jahren angesammelt worden, der, gesondert verwaltet, für ein Ehrenmal der deutschen Schule auf einer der bemerkenswertesten Kriegerehrenstatten an einem Brennpunkte des Krieges verwendet werden soll. Rur durch die Opferbereitschaft des ganzen Volkes werde es möglich sein, daß Deutschlands Ehrenmale an allen Fronten einst groß und geachtet stehen und zeugen von der Kraft des geeinten Willens aller Deutschen unter der starken Führung Adolf Hitlers.
, ®.et , Bericht des Gaugeschäftsführers Konrektor Hatheysen, Geilenkirchen, über die letzte Arbeitsperiode stellte als Ziel der gesamten Arbeit des Gaues und seiner Gliederungen heraus, für jeden gefallenen Soldaten, der in fremder Erde ruht, in der Heimat einen aktiven Mitarbeiter «n Volksbund zu gewinnen. Die Mitgliederzahl müsse die Zwel-Millionen-Grenze erreichen! Denn die gewaltige Aufgabe, den toten deutschen Soldaten würdige Ruhestätten zu schatten, ihre Ruhestätten zu Ehrenmalen zu gestalten, die der Eroge des Opfers und des Heldentums deutscher Soldaten entsprechen, kann nur durch das Opfer der Lebenden gesichert werden. Der Gau Westfalen-Ruh r- gebiet und Hessen-Nassau umfaßt heute rund 48 000 Mit-
Die Zahl der Kreisgruppen konnte* von 60 auf 91 erhöht werden. Die Zahl der Ortsgruppen im Eaugebiet erhöhte sich von 635 im Vorjahre auf 818.
. Die Erstattung des Kassenberichts und eine rege Aus- Iprache über die Erfahrungen der einzelnen Gruppen be- fchlosien die Arbeitstagung.
„Auf den Spuren des Weltkrieges."
Als Abschluß des ersten Tages der Gautagung fand in der Aula am Boseplatz eine öffentliche Kundgebung statt, die unter dem Kennwort: „Auf den Spuren des Weltkrieges" stand. Mit einer feierlichen Totenehrung begann die Veranstaltung, in der als erster Redner Generalleutnant von Schenckendorff, Hannover, über eine Reise durch die Kampfgebiete des Balkans sprach, die im Herbst 1936 von Belgrad aus bis zum Ochridasee und zurück nach Serajewo führte. In fesselnder Weise berichtete er über seine Begegnungen mit ehemaligen Kriegsgegnern wie dem greisen General Milecowicz, der in seiner Eigenschaft als Kommandeur des 19. Regiments im Herbst 1915 Semendria verteidigte, er erzählte von dem jungen aufstrebenden Jugoslawien, das heute halb so groß wie Deutschland ist und desien Hauptstadt Belgrad (240 000 Einwohner) man ein Paris des Ostens nennen könne. Manche Anekdote flocht er ein, die bewies, daß die Vergangenheit ein für allemal der Geschichte angehört, und mmer wieder leuchtete die Erinnerung an den Krieg durch eine farbige Schilderung von Land und Leuten, von der Naturschönheit Mazedoniens oder dem eigentümlichen Ee- schichrsschicksal des Balkans. Zum großen Teil farbige Lichtbilder vertieften seine Worte. Angehörige von 11 Nationen ruhen in serbischer (Erbe; davon 11300 Deutsche. Seit 1912 standen 24 % des serbischen Volkes unter den Waffen, hiervon sind etwa 60 % gefallen. Noch heute sind die Serben stolz darauf, daß ihnen ein solch anständiger und ritterlicher Gegner wie der Deutsche gegenüberstand, und sie schauen mit Ehrfurcht auf zu unseren Ehrenfriedhösen, die meist auf den einst hartumkämpften Höhen liegen. Uns aber erfüllt der Anblick der Totenburg in Bitolj, früher Monastir, mit einem wehmllttgen Stolz. Das wuchtig aufragende, von dem Vundesarchitekten Robert Tischler entworfene Mal liegt angesichts des Peresteri, über den, 2600 Meter hoch, einmal die deutsche Stellung lief. Von einem Friedhof abgesehen, machen alle deutschen Totenäcker in Jugoslawien einen schlichten, aber sehr sorgfältig gehaltenen Eindruck. Hier, wie in Polen, in Finnland oder Flandern findet sich die Bronzetafel, die überall die gleichen vier Worte trägt: „Hier ruhen deutsche Soldaten".
Ausklang des Rheingauer Weinfestes.
Massenandrang im Paulinenschlößchen. — Weinkostprobe im Kurhaus.
Mit einem Massenbesuch, der am Samstag vorübergehend zu einer polizeilichen Absperrung der Feststätte Veranlassung gab, ist das große Rheingauer Weinfest im Paulinenschlößchen zu Ende gegangen. In allen Räumen herrschte noch einmal Frohsinn und festlicher Betrieb bei Tanz und fröhlichem Becherklang. Und wenn die Fülle der Besucher ein Maßstab ist für die Beliebtheit, deren sich die Weine des sonnigen Rheingaues erfreuen, dann werden auch in Zukunft den Winzern die Fässer immer wieder leer werden, damit für den „Neuen" Platz geschaffen wird. Als 10 000. Besucher wurde am Samstag eine junge Dame ermittelt und von der Festleitung entsprechend ausgezeichnet.
Eine Weinprobe im Kleimn Saal des Kurhauses, die der Wiesbadener Kur- und Verkehrsverein im Rahmen von Wiesbadens Herbstwochen und des Rheingauer Wein- festes veranstaltet hatte, gab den Freunden eines besonders guten Tropfens Gelegenheit, Rheingauer Originalweine verschiedener Jahrgänge mit sachkundiger Zunge zu verkosten. Wie Dr. Wilhelm Ruthe, der die Weinprobe mit einer kurzen Ansprache einleitete und zu den 26 Nummern, die gereicht wurden, entsprechende Erläuterungen über Art und Charakter gab, hervorhob. sollten die Teilnehmer nicht nur in oberflächliche Bekanntschaft mit den älteren und jüngeren Weinen des Rheingaues, diesen Kindern unserer heimatlichen Erde, in Berührung kommen, sondern die Weine sollten zugleich mit Freude und Entspannung ein Stück von dem
P. C. Ettighofer, Düsseldorf, bekannt durch seine zahlreichen Kriegsbücher, führte uns dann nach dem Westen. Die Lichtbilder, die er zeigte, waren zwar etwas klein, aber dafür waren seine Schilderungen von einer treffenden Anschaulichkeit, die auch ohne dieses Hilfsmittel, ihre Wirkung nicht verfehlt hätten. Ettighofer hat die Kämpfe bei Verdun und in der Champagne als Kriegsfreiwilliger mitgemacht. Ergreifend war seine Schilderung von Verdun, das sie monatelang vergeblich beramtten und das sich ihm nun als ein farbloses Landstädtchen vorstellte und sein Weg durch die von der Witterung eingeebneten Laufgräben zur Höhe 208, wo er auf einem Eeviertmeter 52 Granatsplitter zählte, die noch in der harten Kreideerde staken. Vor unser inneres Auge trat der Wald schwarzer Kreuze, von Lavendel oder blühender Heide umgeben, von niederen Hecken oder Steinmauern eingeschlossen, oft abseits der Straßen zuweilen mit kleinen Grabkapellen, die eine Höhe von vier Metern nicht übersteigen dürfen. Uber den Friedhöfen der Franzosen weht die Trikolore, weiß schimmern die Dollargrabstätten der Amerikaner aus Alabaster und Marmor. Sie sind von Rosengehegen durchzogen, breite Straßen, über die die Autos rollen, laufen zwischen den Kreuzen hin, doch unserem Gefühl ist diese Zurschaustellung des Heldentodes fremd. Unsere Friedhöfe haben keine pomphaften Eingänge, sondern schmale Pforten, denn sie sind uns Stätten der Besinnung und der Einkehr. Mehr als hundert Meter lange Massengräber, die die Gebeine von vielen hundert unserer Besten bergen, überwuchert blühende Heide oder blauer Lavendel. Zu dem Ehrenfriedhos La Maison Vl.anche, dem Patenfriedhof unserer jungen Wehrmacht, wo sechzigtausend deutsche Krieger beigesetzt sind, führte uns Ettighofer und schließlich zu dem in der Nähe von Lille gelegenen Totenhof des Regiments List.
So schloß die Kundgebung mit dem Gedenken an den Mann, der einst des öfteren hier an den offenen Gräbern stand, damals ein unbekannter Gefreiter, heute der Führer der Nation. K. E.
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Am Sonntagvormittag legten der Volksbund Deutscher Kriegsaräberfürsorge, der Kommandant des Standortes Mainz-Wiesbaden, und der Waffenring deutscher Pioniere, Kränze am Ehrenmal auf dem Neroberg nieder. Nachdem so dem Geiste der Verbundenheit mit unseren großen Toten auch symbolisch Ausdruck gegeben war, fand im Nassauischen Landesmuseum die Eröffnung der Ausstellung „D a s Ehrenmal der deutschen Front" statt, über die wir an anderer Stelle dieser Ausgabe berichten.
Wesen unserer Landschaft und den dort wohnenden und arbeitenden Menschen offenbaren. Die Mannigfaltigkeit der Rheingauer Rebe kam in der Probe, die alle hervorragenden Lagen von Hochheim bis Lorch berücksichtigte und mit edelsten Kreszenzen, Spätlesen, Auslesen und Beerenauslesen eine eindrucksvolle Steigerung bis zu den Spitzengewächsen erfuhr, aufs beste zum Ausdruck. Den Höhepunkt und Abschluß bildete eiit 1911er Eltviller Taubenberg, Trockenbeeren-Aus- lese, Cabinett-Wein und Originalabfüllung der Preußischen Domäne.
Am Sonntag war dann endgültig Kehraus im Paulinenschlößchen. Noch einmal gingen die Wogen der Freude hoch. Besonders die Jugend huldigte eifrig dem Tanz. Die Angehörigen des Musikkorps unserer 87er spielten im Rundsaal und im Alten Saal unermüdlich auf, Musiker, die mit* Lust und Liebe bei der Sache sind und den Beweis lieferten, daß sie nicht nur Marsch- und ernste Musik trefflich zu Gehör bringen können, sondern ebenso hervorragend in rhythmischer uni) klanglicher Beziehung moderne Tanzmusik erklingen lassen. Kein Wunder, daß die Tanzenden bis zum Schluß aushielten und die jungen Musiker mit lebhaftem Beifall überschütteten. Das „Rheingauer Weinfest" nahm so einen harmonischen Ausklang und damit haben auch die erstmalig in festlichem Rahmen durchgeführten WiesbadenerHerbft- wochen 19 3 7 ihr Ende erreicht.
— 3n den wohlverdienten Ruhestand versetzt wurde nach 40jähriger Dienstzeit der Schulhausmeister der Schule an der Lorcher Straße, Wilhelm Braun.
Das Ehrenmal der deutschen Front Eröffnung der Ausstellung des Volksbundes Deutsche Krieas- gräbersürsorge, E. B.
Bon der unermüdlichen, verdienstvollen Arbeit des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge kündet die sehenswerte, gegenwärtig im Nassauischen Landesmuseum gezeigte A u s st e l l u n g. Es ist zu begrüßen, daß von dieser, vielfach in der Stille geführten Arbeit die Breite Öffentlichkeit nun einmal in umfassender Weise unterrichtet wird; man kennt wohl einzelne der monumentalen Heldengedenkmäler, etwa das Ehrenmal deutscher Jugend bei Langemarck, die Totenburg bei Bitolj in Jugoslawien, aber man wußte im ganzen viel zu wenig von Stätten der Helden- ehrung, die im Bereich der einzelnen Weltkriegsfronten gewissermaßen einen gewaltigen Ring um das Reich legen, tm Westen und Osten, tm Alpenland, in Italien, selbst im fernen Südosten bis Palästina und an den Küsten der Nordsee. Die durch den Volksbund in Verbindung mit dem Nassauischen Kunstverein veranstaltete Ausstellung wurde Sonmagvor- mittag in Anwesenheit zahlreicher Gäste feierlich eröffnet. Ein Streichquartett gab stimmungsvolle Umrahmung, nach der Begrüßung durch Reichsanwalt Fischer vom Kunstverein sprach der Gauführer des Volksbundes, Stadtbau- rat i. R. Arendt (Essen), einführende Worte über Wesen und Bedeutung der Kriegsgräberfürsorge wie über die Absicht und den Inhalt der Ausstellung. Pflege der Heldengräber ist nationale Ehrenpflicht; ein Volk, das sich selbst achtet, mutz für seine toten Kämpfer würdige Ruhestätten schaffen. Da diese durchweg im Ausland liegen, kann das Reich selbst nur mit diplomatischen Verhandlungen wirken, der Volksbund aber als private Einrichtung unmittelbar die Interessen der Hinterbliebenen vertreten. Selbst in der Dankespflicht an die Toten mußten hartnäckige Kämpfe bestanden werden, bis die deutsche Gleichberechtigung anerkannt war. Trotzdem bleiben die Möglichkeiten, der Raum, der Baustoff, gebunden an die Vorschriften der fremden Regierungen. Im Rahmen des Gegebenen höchste Wirkung zu erreichen, ist stolze Aufgabe der gestaltenden Künstler. Es kommt darauf au, die Ehrenfriedhöfe und Erabmonumente
harmonisch der Landschaft anzupassen, den natürlichen Schmuck von Bäumen und Blumen einzubeziehen. Die Form soll monumental sein, schlicht, würdig, mit Echtheit des Materials und weiser Maßhaltung; sie muß dem völkischen Empfinden entsprechen, vor allem stark in Gefühlswerten sein die durch Farbenstimmung, durch kleine Einzelzüge unterstrichen werden mögen.
An die mit herzlichem Beifall aufgenommenen, klaren und kundigen Darlegungen des Redners schloß sich ein Rund- gang, der die ausgeführten Richtlinien in zahlreichen schönen Radierungen, Zeichnungen, Photos. Entwürfen und Bunt- bildern zur Anschauung brachte. Erschütternden Eindruck gibt die Gegenüberstellung unausgebauter Kriegerfriedhöfe mit anderen, die durch würdige Ehrenmäler ihre Weihe erhielten' Photographien der Entwicklung während eines Jahrzehnts verdeutlichen zugleich die schöpferische Kultur- leiftung deutscher Kriegsgräberfürsorge. Immer ist wundervolles llbereinstimmen mit der umgebenden Landschaft, mächtig der Eindruck des von rotem Mohn umblühten Ehrenmals von Langemarck (das in großem Modell gezeigt wird), anderswo ein Blütenmeer von Lavendel, gewaltig aufstrebende Pappeln. Eräbermale, die alter Wald umraüscht. Wuchtig ragen Gedächtnismaie auf Bergrücken, ernst mahnen Kapellen rn schöner Reinheit des Stiles, Pforten tun sich auf, die mit fernster Schmiedearbeit geziert sind, kunstvolle Fresken und Elasmofaik erhöhen den Erndruck. Als Vergleich ziehen demgegenüber auch die Beispiele von Heldenehrung anderer Volker an, die jeweils den nationalen Charakter durchleuchten lassen, englische, französische, amerikanische, kana- mjche, ttalrenriche Kriegerfriedhöfe. Wie das neue Reich
^pflicht an den Gefallenen erfüllte, davon gibt die Ausstellung den überzeugendsten Beweis, und besonders interessiert in solchem Zusammenhang die Ausstellung etni- ger Aquarelle von der Westfront unseres Führers und Reichskanzlers. Von der weiter fortschreitenden Arbeit endlich erzählen Entwürfe wie der des Kieler Marineehrenmals mtt einem fünf Meter hohen, sich aufschwingenden Adler. In ihrer Reichhaltigkeit und der ernsten Schönheit des zusammengetragenen Bildmaterials sollte die Ausstellung stärksten Widerhall finden.
Heinrich Leis. ,
Aus Aunst und Leben.
* Sinfoniekouzert im Kurhaus. Das Sinfoniekonzert am Sonntag trug einen vorzugsweise ernsten Charakter. Bestimmt wurde er durch die Uraufführung der Liedfolge „Bruder Tod" (nach Worten von Hermann Hesse) von Robert Curt vonEorrissen. Ähnlich wie die am vorigen Totensonntag urausgeführte Folge „Vom Baum des Lebens" zeugt auch dieses Opus 17 des Wiesbadener Tonsetzers von vornehmer Geistigkeit und geschmackvoller Bevorzugung gedämpfter Farben. Der schlichten Prägung der Hefleschen Worte schiene uns eine noch einfachere, harmonisch kargere Tonsprache sogar am ehesten anzustehen. Henny Schmidt die Frankfurter Konzertsängerin, setzte ihre beachtlichen, hier schon öfter gerühmten stimmlichen Mittel und ihr Ausdrucks vermögen für das Werk ein, das freundlich ausgenommen wurde. Vogt war um Durchsichtigmachung der Partitur lohnend bemüht. Als weitere Gabe bescherte Henny Schmidt die Arie „L amero saro coftante" aus Mozarts „II re pastore". Zur Ergänzung ihres gefühlvollen Vortragstalentes hatte man ihr hier noch überlegene« Ruhe in Linienführung und Körperhaltung wünschen mögen; man vergesse nicht, daß sich Mozart bei der Komposition dieser Arie'den objektiv-instrumentalischen Klang eines Kastratensopran-, vorgestellt hat. Henny Schmidt wurde durch Beifall und Blumen reich ausgezeichnet. Vogt schlug den ernsten Grundakkord des Abends mit der „Tragischen Ouvertüre", dem Zwilling der „Akademischen", der sie in der Tat ähnelt, ohne deren Verbindlichkeit zu besitzen; — es ist roohl die im Vergleich zu Beethovens Ouvertüren mangelnde Sinndeutbarkeit dieses vom Geist der großen Chorwerke Brahms inspirierten Stückes, die es etwas zum Stiefkind hat werden lassen. Vogts grotzzügigeund gesammelte Darstellung war recht dazu angetan, dem äßert neue Freundschaft zu erwerben. Zum Schluß horte man Schuberts B-Dur-Sinfonie, die Fünfte, die durchaus das Zeug dazu hat, die Stelle der übermäßig oft gespielten Unvollendetenzu vertreten. Überraschend nah gerät hier der jüngste der „Wiener Klassiker" dem ältesten, Joseph Haydn, der gleich ihm schon in der Jugend Wiener Luft geatmet hat. Die gut gelungene, feinhörige Wiedergabe erntete dankbaren Applaus. Dr. Wolfgang Stephan.
