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Wiesbadener Tagblatt
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85. Jahrgang,
Montag, 26. Juli 1937
Nr. 171.
der
Rtz.
des Kaisers beschränkte sich i Reichstag zusätzliche Mittel für
beraten werden könnten. Uns will scheinen, als ob man die Dinge außerordentlich vereinfachen würde, wenn man sich an die logische Reihenfolge halten wollte. Es ist ganz klar, daß zunächst di« Kontrollfrage geregelt werden mutz. Es hat gar keinen Sinn, das ist erst unlängst an dieser Stelle betont worden, die Freiwilligenfrage anzüpacken und Matzregeln zur Zurückführung der Freiwilligen zu ergreifen, wenn keinerlei Garantie dafür gegeben ist, datz die Freiwilligen, die eben Spanien verlassen hoben, nicht durch eine Hintertür wieder nach Spanien hineinkommen. Im gleichen Sinne heißt es auch in einem Artikel Mussolinis im „Popolo d'Jtalia", datz die Freiwilligenfrage praktisch gar nicht vorhanden sei, wenn nämlich die Kontrolle funktioniere. „Denn", so sagt Mussolini, „wenn kein Ersatz geschickt wird, so ist es klar, datz das Problem sich von selbst löst durch den furchtbaren Verschleiß des Krieges." Hinter der Weigerung, zunächst eine gut funktionierend« Kontrollmaschinerie aufzubauen und dann an die anderen Fragen heranzugehen, steckt eben die Tendenz gewisser Kreise, die spanischen Bolschewisten weiterhin zu unterstützen und sie im Endkampf nicht allein zu lassen.
Die gleichen Kreise möchten sich um jeden Preis von einer Anerkennung Francos als kriegführende Macht drücken. Der deutsche Botschafter v. Ribbentrop hat deshalb schon im Nichteinmischungsausschutz betont, datz die Frage der Anerkennung nicht durch andere Probleme erstickt werden dürfe. Mussolini weist in dem gleichen Sinne in dem schon angeführten Artikel mit Recht darauf hin, datz es lächerlich sei, einem General, der ein Heer besitze, der 12 Monate lang kämpfe, der zwei Drittel des spanischen Gebietes beherrsche und 14 von den 22 Millionen Spaniern
Die Kundgebung des Kaisers beschränkte sich auf die Aufforderung an den Reichstag zusätzliche Mittel für die Bestreitung der Kosten des Nordchina-Konfliktes zu bewilligen. Eine Vorlage für die Bewilligung von 70 Millionen Pen ist bereits ausgearbeitet. Die Summ« soll durch eine besondere Staatsanleihe aufgebracht werden.
Einwirkung Nankings auf die Führer der 29. Armee?
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Die japanischen Reservisten fordern „eine starke Haltung".
Deutscher Sieg auf dem Nürburgring
beim 10. Grotzen Preis von Deutschland.
Zu einem der hestigsten Kämpfe, die je auf dem Nürburgring ausgetrage» worden sind, gestaltete sich der „10. Grohe Preis von Deutschland", der am Sonntag vor 300 000 Zuschauern bei schönem, aber dennoch kühle» Wetter mit dem 5. Sieg Rudolf Caracciolas aus Mercedes-Benz endete. In 3:46:00,1 legte Caracciola die 501 km zurück, was einem Stundendurchschnitt von 133,2 km gleichkam. Hinter ihm landete sein Markengefährte Manfred
9ujdgtniun|t: Ern MUltrneter Höhe der 22 Millimeter breiten Spalte tm Anzeigenteil Grund, preis 7 Rpf„ der 85 MUltrneter breiten Spalte tm Hattet! 60 Rpf„ sonst laut Preisliste Nr. 5, Nachlatzstaffel B. — Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Plätzen wird keine Gewähr übernommen. — tzchluh der Anzeigen»Annahme 9’/i Uhr vormittags. Grätzere Anzeigen müssen spätestens einen Tag vor dem Trichemungsiage aufgegeben werden.
Der Fragebogen als Ausweg
Wird der tote Punkt überwunden? — Die Logik würde die Rettung bringen. Die Kontrollmaschinerie mutz funktionieren.
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Tokio, 26. Juli. (Funkmeldung. Ostasiendienst des DRB.) Rach der Meldung von neuen Kämpfen bei Lanfeng teilt jetzt das Hauptquartier der japanischen Nordchina-Truppen mit, datz sich die 3 7. Division der chinesischen Truppen weigere, Peiping vollständig zu räumen. Auch westlich Peipings hätten nur kleine Teile der 37. Division den Rückzug auf das Westufer des Pungting-Flusses angetreten; andere Teile dieser Truppe wären beim Ausheben neuer Stellungen unweit Peipings. Nach Mitteilung der Agentur „Domei" hat der japanische Konsul in Kanton scharfen Protest wegen „ständiger Verschärfung antijapanischer Agitation in Südchina" erhoben. Die millionenstarke Vereinigung japanischer Reservisten veranstaltete am Sonntag in ganz Japan Kundgebungen und forderte starke Haltung China gegenüber.
Peiping, 26. Juli. (Funkmeldung. Ostasiendienst des DNB.) Bei Lafang an der Bahnstrecke Tientsin—Peiping hat sich ein neuer Zwischenfall ereignet. Nach hier vorliegenden Meldungen haben angeblich Truppen der 38. chinesischen Division an der Bahnstationi Lansang am Sonntagabend japanisches Militär mit Gewalt daran gehindert, den Zug zu verlassen und die Station zu besetzen. Hierbei kam es zu neuen Kämpfen. Der Zugverkehr mutzte daraufhin wieder eingestellt werden.
Die Verantwortung für diesen neuen Zusammenstotz wird, wie üblich, von feder Seite der anderen zu- ?e s ch o b e n. Nach japanischer Auffassung hat die Anwesen- eit und die Einwirkung der Vertreter der Nanking-Regierung, insbesondere des stellvertretenden Chefs des chine- 1 fischen Generalstabs, des. Generals H f i u n g p i n, die zur Verständigung bereiten Führer der 29. Armee umgestimmt. Hsiungpin hat am Sonntagfrüh Peiping verlassen, worauf es am Sonntagabend zu den Vorfällen auf der Station Lansang kam.
Die militärischen Operationen im Raume von Peiping werden durch die augenblicklich dort herrschende ungeheure Hitze stark behindert. Das Thermometer zeigt am Tage 38 Grad Celsius und bei Nacht 26 Grad Celsius. Eine Luftfeuchtigkeit von 90 und mehr Prozent macht die Temperatur völlig unerträglich.
Die Vorgeschichte des neuen Zusammenstotzes
Peiping, 26. Juli. (Funkmeldung.) Über die Vorgeschichte des neuen japanisch-chinesischen Zwischenfalls an der Bahnstrecke Peiping—Tientsin ist hier folgendes bekannt geworden:
Die mehrfache Unterbrechung japanischer Militär- Fernsprechleitungen in der Nähe von Langfang führte vor. einigen Tagen zur Entsendung einer Abteilung der japanischen Nachrichtentruppe, die nach der Wiederherstellung der Leitungen in Langfang zu bleiben beabsichtigte. Auf die Vorstellungen des Kommandos der 113. Brigade der 38. chinesischen Division, deren Stab in Langfang liegt, zog die japanische Nachrichtenabteilung zunächst jedoch wieder ab. Am Sonntagmorgen kchr- ten die Japaner in Begleitung von 100 Mann japanischer Infanterie zurück und verlangten die Benutzung der chinesischen Militär-Fernsprechleitungen. Dies wurde von chinesischer Seite unter der Bedingung gestattet, datz die japanischen Truppen vor Betreten der chinesischen Kernsprechanlagen ihre Waffen ablegten. Hierauf entstanden im Laufe des Tages Streitigkeiten und schließlich Schießereien, die zur Besetzung der Anlagen durch die japanischen Truppen führten. Gleichzeitig liefen die Japaner aus Tientsin und Fenktai Ver- stärkungm herbei. Während aus Tsingtau einige hundert japanische Soldaten mit vier Geschützen unbehindert in Langfang eintrafen, fand ein aus Tientsin kommender japanischer Panzerzug die Gleise durch chinesisches Militär aufgerissen, worauf eine Beschietzung der in der Nähe liegenden chinesischen Militärbaracken und schließlich der gemeldete Bombenabwurf 'japanischer Flugzeuge erfolgte.
Japanische Bombenflugzeuge eingesetzt.
Tokio, 26. Juli. (Funkmeldung. Ostasiendienst des DNB.) Die hiesigen militärischen Kreise heben hervor, datz bei dem Zwischenfall auf der Station Lansang nicht Truppen der seit langem als japanfeindlich bekannten 37. Division, sondern Teile der 38. Division in Erscheinung getreten sind. Gegen sie wurden Bombenflugzeuge der japanischen Nordchina-Garnison eingesetzt.
Die politischen Kreise messen der Verwicklung der 38. Division in die Kampfhandlungen erhebliche Bedeutung bei, da nunmehr auch die Entfernung dieser Division neben der schon geforderten Zurückziehung der 37. Division zu erwarten sei. Die beiden Divisionen bilden das Rückgrat der in den Provinzen Hopei und Tschachar stehenden 29. Armee des Generals Sungtscheyuang.
Ernste Beurteilung der neuen Lage in Tokio.
Tokio, 26. Juli. (Funkmeldung. Ostasiendienst des DNB.) Das Nachrichtenbüro „Domei" Meldet den Ausbruch neuer Kämpfe in Nordchina. Die Zunahme der Spannung zwischen den Gruppen der chinesischen 29. Armee und der verstärkten Nordchina-Garnison Japans hat in der Nacht zum Montag zu ernsten Zufammenstötzen bei Lansang an der Eisenbahnlinie Tientsin—Peiping, am Standort des 226. Regiments der 37. Division General Fengschians geführt. Japanische Verstärkung ist von Tientsin her unterwegs, da nur eine kleine japanische Einheit einem weit. überlegenen Gegner bei Lansang gegenübersteht. Militärische Kreise sehen den Ausbruch neuer Kämpfe nach erfolgter lokaler Einigung mit Sungcheyuan sehr ernst an, da die Aussichten zur friedlichen Lösung des Nordchina-Konfliktes so lange, als die 29. Armee und besonders die 37. Division auf nördchinesischem Boden stationiert sei, stark verringert wären.
Unehrliche Politik.
äs. Berlin, 26. Juli. (Drahtbericht unserer Berliner Ab- teikung.) Di« Bemühungen, die festgefahrenen Nichtein- mischungsoerhandlungen wieder flott zu machen, sind auch über das Wochenende hinweg fortgesetzt worden. Die Rettung soll jetzt ein von der englischen Regierung ausgearbeiteter Fragebogen bringen, der den Inhalt des englischen Planes präzisiert und kein Ausweichen duldet, sondern vergeblich nur mit einem Ia oder Nein beantwortet werden kann. Dieser Fragebogen soll heute dem Präswial- ausschutz des Nichteinmischungsausschusses vorgelegt werden. Er ist aber in seinem wesentlichen Inhalt zweifellos schon den Hauptmächten bekannt, denn der französische Botschafter in London hat das Wochenende in Paris verbracht, um neue Instruktionen für die in den nächsten Tagen einzuschlagende Taktik einzuholen. Wenn man ferner von Besprechungen des deutschen Botschafters v. Ribbentrop im Londoner Auswärtigen Amt hört, so geht man pcherlich nicht in der Annahme fehl, datz diese Besprechungen ebenfalls dem „Fragebogen" galten. Obwohl sich in der ausländischen Presse eine ganze Reihe vom Kombinationen über den Fragebogen finden, läßt sich doch keineswegs übersetzen, ob der fetzt geplante Weg wirklich aus der Sackgasse heraus- fützrt.
Wie erinnerlich sein dürste, handelt es sich bei dem jetzigen Streit vor allem darum, in welcher Reihenfolge die einzelnen Punkte des englischen Planes beraten werden sollen. Man hat davon gesprochen, datz mehrere Unterausschüsse eingesetzt werden sollen, sodah alle strittigen Fragen gleichzeitig
Japanischer Matrose in Schanghai vermißt.
Schanghai, 24. Juli. (Ostasiendienst des DNB.) In dem Schanghaier Stadtteil Hongkew wird ein japanischer Matrose vermißt. Starke japanische Streifen durchziehen auf der Suche nach dem Vermißten die Straßen. Alle Bemühungen, den Vermißten zu finden, seien erfolglos geblieben. Den ganzen Sonntag über wurde ein verschärfter japanischer Nachtdienst durchgeführt. Auch die chinesischen Behörden haben Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Der Bevölkerung von Schanghai und insbesondere der Stadtteile Hongkew und Chapei, die sich bisher sehr ruhig verhielt, hat sich inzwischen eine ungewöhnliche Erregung bemächtigt. Namentlich in der Gegend des Nordbahnhofs konnte man in den Vormittagsstunden des Sonntags Hunderte von Rikschas sehen, die mit Frauen. Kindern. Betten und Küchengeräten beladen tparen.- Sie fuhren in die nach ihrer Ansicht sichereren Stadtteile. Diese allgemeine Fluchtbewegung wurde noch verstärkt durch die Auffahrt japanischer Panzerwagen und Ambulanzen, die den ganzen Sonntagvormittag die Hauptstraßen von Schanghai abpatrouillierten.
KorpssLhrer Hühnlein überreicht dem Sieger Caracciola den Preis des Führers.
(Photo: Pfülb-K.)
von Brauchttsch in 3:46:46,3 (132,7) auf dem zweiten Platz. Bernd Rosemeyrr, der mit 9:55 Minuten und 137,8 Stdkm. einen neuen Rundenrekord ausstellte, hatte Pech und verlor durch Reifeuwechsel kostbare Minuten. Er arbeitete sich vom 11. auf den 3. Platz vor. Nuvolari (Alfa-Romeo), Hasse (Auto-llnion) und Kautz (Mercedes-Benz) waren die Nächstplazierten.
Nach dem packenden Kampf erstattete Korpsführer Hühnlein dem Führer mit folgendem Telegramm Meldung:
Meldung an den Führer.
Mein Führer! Ich melde: „10. Großer Preis von Deutschland auf dem Nürburgring nach überaus spannendem Kampf siegreich für Deutschland entschieden. Sieger wurde Rudolf Caracciola auf Mercedes-Benz und damit Gewinner Ihres Preises. Zweiter Manfred v. Brauchttsch auf Mercedes-Benz, Dritter Bernd Rosemeyer auf Auto-Union.
Heil mein Führer! KorpssLhrer Hühnlein.
(Ausführlicher Bericht im Sportteil die.fer Ausgabe.)
Der Kaiser beantragt 70 Millionen Pen zur Bestreitung der Kosten.
Tokio, 25. Juli. Am Sonntagvormittag fand die feierliche Eröffnung des außerordentlichen Reichstages im Beisein des Kaisers, Der kaiserlichen Prinzen und der Minister statst. Der Reichstag stand völlig unter dem Eindruck der letzten politischen und militärischen Ereignisse in Nordchina und der daraus erwachsenen Gesch-lossenheit des japanischen Volkes.
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Neuer Zwischenfall an der Bahnstrecke Tientsin-Peiping.
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