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Wiesbadener Tagblatt

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85. Jahrgang,

Mittwoch. 21. Juli 1937

Nr. 167

England und die Minderheiten

Die Haltung der Zentralen,

en

militärischen Kreise

Nankin

una

Wieder italienische Pressevertreter in London.

Rom, 21. Juli. (Funkmeldung). Nach der Anfang Mai erfolgten Abberufung der italienischen Korrespondenten aus London teilt dieAgenzia Stefani mit. daß sie ihren Nach­richtendienst aus London mit dem 1. August wieder durch einen eigenen Vertreter in der englischen Hauptstadt aus­führen lassen wird.

viel übrig geblieben. Eie interessieren sich für solche Fragen nur dann, wenn sie als propagandistische Hilfsmittel der Jnteresienpolitik brauchbar sind, verfallen aber in eine tiefe Teilnahmslosigkeit oder offene Ungerechtigkeit, wenn es sich um Klagen von Minderheiten handelt, mit deren Zwing­herrn und Gewaltherrschern man es aus einemhochpolitischen Grunde" nicht verderben mag. Auch hierfür ist die Haltung des größten Teils der europäischen Öffentlichkeit und der sie beeinflussenden Regierungen in der sudetendeutschen Frage das bezeichnendste und trübste Beispiel. Das Schlagwort von derBedrohung der Tschechoslowakei durch Deutschland" ist

, > edition gegen

Im Rahmen dieser Straf«

DieAction franyaise" sieht in der Taktik der einzelnen Vertreter des Londoner Ausschusses den W u n s ch, Zeit zu gewinnen. Doch arbeite die Zeit nur gegen Frank­reich. Das Blatt spricht di« Hoffnung aus, daß möglichst bald eine Lösung gefunden werde, die es gestatte, aus der Sackgasie herauszukommen. Leider habe aber der s o w j e t - russische Botschafter, indem er sich von seinem Eifer für di« Kommunisten von Valencia fortreißen lief;, u n - zweideutig erklärt, datz seine Regierung auf keinen Fall die Idee der Zuerkennung der kriegführenden Eigenschaft an Franco annehmen werde. Dieses ungeschickte Geständnis be- laste von jetzt an die Sowjets mit einer Verantwortung. Warum solle man denn nun noch über Kontrolle oder über Rückberusung der Freiwilligen diskutieren, wenn die Bolschewisten doch entschloffen seien, auf die dritte Frage des englischen Planes (Zuerkennung der kriegführenden Eigenschaft) negativ zu antworten.

Die Eowjots mit einer Meren SttoiiwortiBi belastet.

Paris über die Vertagung des Nichteiumischungsausschusses überrascht.

Bquarpieise: Für eine Bezugszelt von 2 Wochen 94 Rps., sür einen Monat RM. 2., ein. schließlich Traglohn. Durch bi« Post bezogen RM. 2.35, zuzüglich 42 Rpf. Bestellgeld, Einzel, nummern 10 Rpf. Bezugsbestellungcn nehmen an: bei Verlag, die Ausgabestellen, bie Träger und alle Postanstalten. Sn Fällen höherer Gewalt oder Betriebsstörungen haben die Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung des Blattes ober auf Nachzahlung des Bezugspreises.

Als es kurz nach dem Kriege klar würbe, daß die natio­nalen Minderheiten, Seren Zahl durch die neuen Staatenbildungen erheblich vermehrt worden war, trotz der schönen Versprechungen und der in den Verträgen vielen Re­gierungen auferlegten Verpflichtungen einer schweren Leidens­zeit entgegengingen, schloffen sie sich zu einer gemeinsamen Organisation zusammen, um ihre Interessen gegen das Ver- geffenwerden zu schützen. Einzelne Männer, wie der vor kurzem verstorbene Deutsch-Balte Dr. Amende haben sich diesen Kampf zur Lebensaufgabe gemacht und wenigstens erreicht, datz die Minderheitsfrage aus der internationalen Diskussion nicht verschwand und eine stete Warnung für die Staats­völker blieb, die ihre Verträge nicht hielten oder sie offen abschüttelten. Darüber hinaus kann man leider nicht sagen, datz das Recht der Minderheit sich seit dem Kriege praktisch befriedigend entwickelt hätte. Abgesehen von einigen Licht­blicken, 'wie sie die Rede des ungarischen Innenministers von Szell über die Behandlung der deutschen Mivcherheit^ ge­währte, sehen wir säst überall die einem s " -

eingegliederten Volkssplitter in einem f a st hoffnungs­losen Kampf um die Erhaltung ihrer Volks­art, Sprache, Kultur und um ihre Gleichberech­tigung im Staat. Es genügt, auf die Vergewaltigung der Kaukasus-Bölker durch die Sowjetunion und, was uns näher liegt, an die Behandlung der deutschen Minderheit in Polen hinzuweisen, dessen Regierung bekanntlich vor zwei Jahren im Völkerbund jede internationale Verpflichtung ablehnte; vor allem aber auf die Lage des Deutschtums in der Tschecho­slowakei, eine Frage, die nachgerade eine ausschlaggebende Bedeutung für den europäischen Frieden angenommen hat. Überall zeigt es sich, datz der Assimilierungsdrang der Staats­völker sich der Idee der nationalen Selbstbestimmung wider­setzt, die in der Ideologie der Friedensverträge und des Völker­bundes eine so große Rolle spielte, und datz der Völkerbund selbst dort vollkommen versagte, wo er die ausdrückliche Garan­tie der Minderheitenschutzverträge übernommen hat.

Diese beiden Ursachen für den trostlosen Zustand dieser wichtigen Frage hat der 13. europäische Rationale Minderheitenkongretz aufs neue festgestellt, her in der letzten Woche in London tagte. Die Bedeutung und Wirksamkeit dieses Kongreffes dürfen leider nicht allzu hoch eingeschätzt werden, denn von den Idealen des Rechts, des Schutzes der Schwachen, der nationalen Selbstbestimmung und Gleichberechtigung ist in dem amtlichen Betrieb der Politik und in dem Gewissen der leitenden Staatsmänner nicht mehr

Die Londoner Presse schweigt.

Loudon, 21. Juli. (Funkmeldung.) Die Londoner Press« bespricht ausführlich dis Dienstagsitzung des Hauptaus­schusses des Richteinmifchungsausschuffes. Die Blätter weisen darauf hin, daß in der Vormittagssitzung zunächst eine glatte Einigung über die zur Debatte stehenden Fragen erzielt wurde, daß aber nachmittags ein Stillstand eingetreten sei.

Bezeichnenderweise enthalten sich die Morgen- blätter jeglicher Stellungnahme. Nur die oppositionellenDaily Herold" undNews Ehronicle" kön­nen es sich nicht verkneifen, Italien und Deutschland die Schuld für die neuen Schwierigkeiten in die Schuhs zu schieben. Aus der Tatsache, daß die sonstigen Blätter di- Lage nicht kommentieren, will man schließen, daß man dir aufgetauchten Schwierigkeiten nicht tragisch nimmt.

Stündige Tagungsbereitschaft des englischen Kabinetts.

Die Minister verzichten auf Auslandsreisen.

London, 21. Juli. (Funkmeldung.) Das englische Parlament geht am Freitag nächster Woche bis zum Oktober in die Ferien.

Verschiedene Blätter wollen mitteilen können, daß Mini­sterpräsident Chamberlain die Regierungsmit­glieder gebeten habe, ihre Ferien in England zu verbringen. Mehrere Kabinettsmitglieder, die bereits eine Reise ins Ausland geplant hätten, seien bereit, dem Wunsch des Ministerpräsidenten nachzukommen. Außenminister Eden begebe sich nach Süd-England, um in Verbindung mit dem Autzenamt bleiben zu können.

In Regierungskreisen sei man, wird allerdings betont, der Ansicht, daß sich die internationale Lage, mit Ausnahme der Situation im Fernen Osten, gebessert habe. Dennoch wünsche Chamberlain, nötigenfalls innerhalb weniger Stun­den das britische Kabinett berufen zu können.

Tokio, 21. Juli. (Funkmeldung. Ostasiendienst des DNB.) Der Sprecher des Auswärtigen Amtes stellt die gestrigen Kämpfe bei Wangping und Peiping als lediglich lokaler Natur hin, veranlaßt durch chinesische Feuerüberfälle auf japanische Stellungen und die Weigerung, entsprechend den Vereinbarungen die chinesischen Stellungen bei Lukoutschiau

tige pwlitische Unternehmungen in Nord­china nicht billigen kann. Für die Haltung Japans führt man schließlich weiter an. daß Tokio doch einmal die nordchinesische Frage anpacken muß und zwar im Sinne einer größtmöglichen Sicherung für Mandschukuo, dem einzig möglichen, weiter nach Westen ausgedehnten Vor­feld gegen den roten Feind, den Bolschewis­mus. Weiterhin verweist man auf die erheblichen japanischen

o8. Berlin, 21. Juli. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung). Die Lage im Fernen Osten, die Eden in seiner Unterhausrede alshöchst unbefriedigend und verworren" bezeichnete, bleibt auch weiterhin undurchsichtig. Die Frage, ob die jetzigen Kämpfe weiter an Ausdehnung gewinnen und ob es zum regelrechten Krieg zwischen Japan und China kommen wird, läßt sich auch heute noch nicht mit Bestimmtheit beantworten. Die Japaner bezeichnen ihr jetziges Vorgehenals Strafexpedition gegen die 2 9. chinesische Armee. Im Rahmen dieser Straf­aktion haben sie die chinesischen Stellungen bombardiert. Die chinesischen Truppen sind nicht untätig geblieben, sie haben auf die japanischen Angriffe geantwortet. Nach europäischen Begriffen würde es wohl kaum möglich sein, derartige Kampf­handlungen lokal zu begrenzen. Dieser Anschauung entspricht auch der Kabelbericht des Tokioer Vertreters desVölkischen Beobachters", in dem es u. a. heißt:Nach dem Beginn einer massierten Strafexpedition japanischer Truppen infolge plötzlicher Angriffe chinesischer in xgkio ein

Anzeigeiwreife: Ein Millimeter Höhe der 22 Millimeter breiten Spalte mt Anzeigenteil Grund, preis 7 Rpf., bei 85 Millimeter breiten Spalte im TeTtteü 60 Rpf fönst laut Preisliste Nr. 5, Nachlaßstaffel B. Für bie Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen unb Plätzen wirb leine Gewähr übernommen. Schluß bei Anzeigen. Annahme 9Vi Uhr vormittags. Größere Anzeigen müßen spätestens einen Tag vor bem Erfchermingstage aufgegeben werben.

aufzugeben. Er halte, wird weiter berichtet, die Annahme, datz die Zusammenstöße der Beginn einer allgemeinen japanischen Strafexpedition" seien, für unberechtigt, wenn auch über die Beendigung der Aktionen keinerlei Mitteilung ge­macht werde. Er habe Zweifel darüber ausgedrückt, ob' man auf chinesischer Seite die am 19. Juli in Tientsin geschloffene Vereinbarung mit der Nordchina-Earnison durchführe. Daher sei man in der letzten Kabinettssitzung zur Sanktionie­rung aller notwendigen Schutzmaßnahmen für die japanische Armee für den Fall der Nicht­durchführung der getroffenen Vereinbarungen geschritten. Die gestrige Unterredung des Botschaftsrates Hidaka mit Außen­minister Wangtschunghui sei für Japan unbefriedigend aus­gefallen. Dieser Ausgang der Unterredung bedeute jedoch nicht den Abbruch jeglicher Verhandlungen mit Nanking, und eine Wiederaufnahme der Besprechungen sei jederzeit möglich.

In der Sackgasse."

Paris, 21. Juli. (Funkmeldung.) Die Dienstagnach- mittagssitzung des Londoner Richteinmischungsausschnffes, die zn einer Vertagung führte, hat in der französischen Öffentlichkeit große Überraschung hervorgerufen. Man ver­hehlt sich nicht die Tragweite dieser Ver­tagung und die Tatsache, daß damit die Nichteinmischungs- Verhandlungen in eine Sackgasse geraten sind. Der Aus- bruckSackgasse" kehrt in fast allen Kommentare« der Mitt woch-Frühpreffe wieder. Wie nicht anders zu erwarte» war wird versucht, die Vertagung des Nichteinmischungs-Aus- schuffes hauptsächlich Italien und Deutschland zuzuschteben.

Die rechtsstehendeEpoque" meint, die gestrig« Aus­sprache vor dem Unterausschuß habe tiefgehende Meinungs- Verschiedenheiten über den als Verhandlungsgrund­lage genommenen englischen Kompromißvorschlag zutage ge­bracht. Wie so oft in internationalen Verhandlungen, be­träfen diese Meinungsverschiedenheiten nicht den ' Grund­gehalt der Angelegenheit, sondern Fragen des Vorgehens im einzelnen. Sowjetrußland weigere sich, Franco die krieg­führende Eigenschaft anzuerkennen, was ziemlich merkwürdig fti, da es doch letzten Freitag dem englischen Kompromitzvor- schlag zugeftimmt habe. Italien weigere sich, über die Zurück­ziehung der Freiwilligen zu verhandeln, wenn General Franco nicht vorher die kriegführende Eigenschaft zuerkannt würde.

.. Saint Brice schreibt imJournal": Der Doppel­sinn des englischen Planes sei gestern offenbar geworden. Der am letzten Sonntag von A z a n a abgeschoffene Torpedo - seinen Anteil (der Valencia-Bolschewist hatte

auf Befehl Moskaus voreilig erklärt, datz Verhandlungen über Anerkennung Francos auf jeden Fall zwecklos sein wurden). Azana habe den Italienern und Deutschen klar­gemacht, wie die ganze Angelegenheit in Wahrheit anzusehen sei. Habe das Schiff nun Schiffbruch erlitten oder bandele es sich nur um eine Panne? Auf alle Fälle handele es sich um einen sehr schlechten Start

Wirtschaftsintereffen in Äordchina. Auf der anderen Seite ist zu berücksichtigen, datz die Nankinger Regierung auf die immer stärker werdende antijapanische Volks- stimmung Rücksicht nehmen mutz, und es ist zu berücksichtigen, daß Nanking auch wrchl auf die Großmächte wie England und Amerika rechnet und schließlich der Meinung ist, daß Japan unter der sowjetrussischen Drohung im Fernen Osten nicht mehr risikolos einen Krieg mit China in Kauf nehmen kann. All das spricht in der Tat dafür, datz sich die Haltung der beiden Zentralen ver­schärft. Aber die Dinge liegen im Fernen Osten nun doch einmal anders als in Europa. Das letzte Wort ist somit noch nicht gesprochen und die Verhandlungen sind noch nicht abge- riffen. Man wird deshalb die Lage mit Zurückhaltung betrachten müssen und wird sich heute mit der Feststellung zu begnügen haben, wie Eden sagt, daß nämlich die Lage völlig unbefriedigend und verworren ist.

Tokio bestätigt

den Beginn der Kampfhandlungen.

Tokio, 20. Juli. (Ostasiendienst des DNB.) Nach einet offiziellen Mitteilung des Kriegsministeriums haben chinesische Truppen am Dienstagmorgen das Fen er auf japanische Truppen eröffnet und nachmittags die japanischen Stellungen bei Papaoshan und Lukoutschiau angegriffen. Die japanischen Truppen hätten, wie weiter berichtet wird, sofott den Abwehrkampf ausgenommen, und mit der Beschießung Wampingshie« durch Attillerie begonnen.

Auffällige Reise des Sowjetbotschafters nach Nanking.

Nanking, 20. Juli. (Ostasiendienst des DNB.) Der Bot-- chafter der Sowjetunion in China, B o g o l o m o w. der «inen Amtssitz in der früheren chinesischen Hauptstadt Peiping hat, hat seinen bevorstehenden Besuch in Nanking angekündigt. Dieser Besuch des Sowjetbotschafters im augenblicklichen Zeit­punkt findet starke Beachtung.

Japan zu weiteren Verhandlungen mit China bereit.

, : Angriffe

Truppen in der Nähe von Peiping erscheint kriegerischer Konflikt unvermeidlich. Die militä , . sind über die ihrer Meinung nach unbefriedigende Antwort Nankings auf das japanische Ultimatum äußerst empört. Sie erklären, daß die Weigerung Nankings, den Marsch chinesischer Truppen nach Norden aufzuhalten, eine nicht mehr durch diplomatische Verhandlungen zu meisternde Lage heraufbeschworen hab e." Trotzdem hoffen amtliche Tokioer Kreise noch immer, daß es gelingen wird, den Konflikt auf den Raum Peiping Tientsin zu beschränken. Es bleibt also weiterhin die Frage, ob man die Kampfhandlungen als Auseinandersetzungen mit lokalen Gewalthabern ansehen will und kann, oder ob nunmehr tatsächlich beide Zentralen Nanking und Tokio aneinander geraten.

Vielfach befürchtet man auch, daß die japanische Armee gegen den Willen der zivilen Stellen den Konflikt weiter­treiben könnte. Aber schließlich hat auch die japanische Armee schon einmal erfahren müssen, daß Tokio eigenmäch-

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Die Straferpedition der Japaner. Undurchsichtige Lage. Verschärfung der Gege nsätze