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Wiesbadener Tagblatt
Montag, 21. Juni 1937.
Mettes' Blatt."Nr.i4i.
Die Tlanqa-Parbaf-Expedition Opfer einer Lawine?
Bisher noch leine Vestätigung der Expedition.
I". London, 21: Juni. (Funkmeldung.) Die deutsche Nanga- ßerbat-Expedition ist. wie Reuter aus Simla berichtet, nach Mitteilung des britischen Agenten in Eulbat r- einem Hweren Unglück betroffen worden. Der britische teilt ,it. da« die Expedition in eine große Lawine gerc. nb Wtz sieben Mitglieder der Expedition u, ..eun ingeborene Träger getötet worden seien. Rur der »eiter der Expedition. Dr. Wie», und ein weiteres Mit- slied, das nicht namentlich genannt wird, seien mit dem »eben davongekommen. Der britische Agent habe sich sofort nit einer Trägerkolonne an Ort und Stelle des Unglücks beleben. Weitere Einzelheiten fehlen.
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Bisher liegt noch keine Meldung des Leiters der Erve- ntion oder von einem anderen Teilnehmer der Expedition elbit vor. Gewisse Einzelheiten obiger Meldung sind un- oahrscheinlich. sodaß mit einer Möglichkeit von Ber- oechslungen mit früheren Vorkommnissen gerechnet werden amt. Die verantwortlichen deutschen Stellen sind bemüht, ien Sachverhalt zu Hüten und stehen in dauernder Verbindung mit Indien.
Die deutsche Nanga-Parbat-Exvedittöll die am 11. Avr'l tiefes Jahres von München aus die Ausreise .nach Indien «getreten bat, bestand aus neun Teilnehmern, die zum Mten Teil bereits an früheren deutschen Expeditionen ins iimalaia-Gebiet teilgenommen hatten. Es handelt sich um fe Herren Dr. Karl Wien. Peter Müllritter. Adolf böttner, Dr. Hepp. Dr. Hans Hartmann, Martin Pfeffer, Bert Frankhäuser, Prof. C. Troll und Dt. Ulrich Lust. _____________
Deutsche Auswanderer im Chaco-Eebiet in schwerer Lage. 5» weiten Gebieten des Chaco, an der Grenze von Argen- inien. Bolivien und Paraguay, herrscht besonders in den «ulschen Siedlungsgebieten eine starke Hungersnot. Die Lage ft teilweise trostlos. Die Hungersnot entstand infolge der ' ü r r e. die den Ernteertrag fast völlig vernichtete. Die Notage wurde durch Heuschreckenschwärme, Schweine- >eft und Pserdeseuchen verschärft, In Pampa del iniierno befinden sich 40 deutsche Auswanderersamilien — usgesamt 270 Köpfe — in der furchtbarsten Notlage. Eine nlssaktion durch den Deutschen Volksbund in Argentinien »wie durch deutsche Wohltätigkeitsgesellschaften wurde einge- eitet.
Wenn der Tauber
die Tlascbe liebt...
• Merkwürdige Gunstbezeugungen in der Tierwelt.
Von M. A. o. Lütgendorff.
| 3m Mittelmeer lebt ein grüner Sternwurm, fenellia genannt, den die Schöpfung vor eine merkwürdige |tfga6e gestellt hat. Als Larve, wenn er erst wenige Milliitter groß ist, muh er sich schon nach einer Lebensgefährtin hsehen, denn nur dann wird er zum — Mann. Hat er as Glück, ein Weibchen anzutreffe», und gelingt es ihm dann »ch, sich in die Speiseröhre dieses Weibchens hineinzu- piuggeln, das natürlich um ein Vielfaches größer ist als I winzige Larve, dann bleibt er dort und verbringt nun litt ganzes Leben als wohlgeborgener Schmarotzer in dem ieiblichen Tier, kann sich nun aber wenigstens auch zu einem kännchen entwickeln. Trifft die kleine Wurmlarve aber |f kein Weibchen, so reift sie selbst als Weibchen heran und dH, wenn es dazu kommt, zum Wirt und Ernährer eines Annchens werden.
» In gewissem Sinne ähnlich und doch auch wieder anders «hält es sich mit einigen Labyrinthfischen, jenen in fn ostindischen und chinesischen Eewäsiern lebenden Tieren, » schon deshalb merkwürdig sind, weil sie im Wasser tttungslos ertrinken, wenn sie nicht von Zeit zu Zeit nach h>ft schnappen können. Hier besitzen nämlich manche Weibsen die Fähigkeit, sich in Männchen zu verwandeln, und zwar Momrnen. Wenn die Paarungszeit herankommt, so sehen t sich nach einem Weibchen um und lasten durch nichts ordnen, daß sie vor nicht langer Zeit selber weibliche Tiere toten.
fe Einen kuriosen Lebenslauf hat die Natur auch den ftseln vorgeschrieben, die ihr Dasein als Schmarotzer zu- pngen. Bei diesen Asseln (Entoniscus) kommen aus den «et» überhaupt nur männliche Tiere. Die setzen sich dann > irgend einem großen Krebs fest, und nun geschieht etwas sonderliches: Allmählich werden aus den ursprünglich tonnlichen Tieren Weibchen, und diese Weibchen sind jetzt »enso fortpflanzungsfähig, wie sie es vorher als Männchen toten. »
Als sich die in Mittelamerika einheimische Wasser- ch.Necke in Europa zu verbreiten begann, beobachtete man, 1*1 es unter diesen Schnecken auf einmal keine Männchen tohr gab. obwohl man in ihrer Heimat beide Geschlechter grifft. Diese zunächst ziemlich eigenartige Erscheinung hatte “°es ihren guten Grund. Die Schnecken konnten sich in der 'toe» Heimat nur dann einbürgern, wenn die Fortpflanzung W an die gleichzeitige Anwesenheit der beiden Geschlechter Kunden war, womit sich jedoch im Anfang, als die Schnecken A ganz vereinzelt auftraten, nicht sicher rechnen ließ. _ Es ?nS also um »die Erhaltung der Art, infolgedesten mußten ** Weibchen allein für die Fortpflanzung sorgen. Und sie S9en dafür, indem fick die Jungtiere aus unbefruchteten :.kln entwickeln, allerdings in diesem Falle nur weibliche £ere; doch die Frage der Fortpflanzung ist auf diese Weise einfach gelöst.
j. Aber auch dann, wenn es nicht an heiratsfreudigen Wchen fehlt, geht es bisweilen recht umständlich zu, ehe sie dann endlich finden. Ganz feierlich benehmen sich die a11oHe, wenn es ans Freien geht. Mit steifen AUtten nähern sich die beiden großen Vögel einander, bis § fhre Schnäbel berühren. Dann reißt das Männchen den ■tJlf plötzlich hoch und stößt dabei einen sonderbaren Seufzer ^worauf auch das Weibchen den Kopf hochreißt und
5n Reih und Glied vor Sanssouci.
Die zurzeit in Berlin weilenden italienischen Jugendführer und Jugendführerinnen besuchten die historischen Stätten Potsdams. (Schimer, Zander-K.)
seufzt. Nun tritt der männliche Vogel zurück und verbeugt sich mehrmals tief vor seiner Zukünftigen. Sie erwidert die Verbeugungen ebenso. Hierauf erfolgt ein kleines Gefecht mit den Schnäbeln, und jetzt erst ist die Verlobung eine beschlossene Sache.
So erzählt der bekannte Vogelsorscher Profestor Hein- roth von Vögeln, die er im geschlossenen Raum aufgezogen hatte. Er gab ihnetr feine Gelegenheit, mit Artgenossen des anderen Geschlechts zusammen zu kommen. Als nun die Paarungszeit herannahte, verliebten sie sich in ihn oder seine Frau! Ein Wachtelkönigmännchen entbrannte in heftiger Zuneigung zu Frau Heinroth und konnte sich nicht genug tun, seine Balztänze vor ihr aufzuführen. Ja, seine „Liebe" ging so weit, daß er ihr Mehlwürmer oder Fleischstückchen aus einem Futternapf verehrte. Wogegen Herr Heinroth wieder von einem Fasan umbalzt wurde, der noch dazu ein wahrer Othello war und böse Schnabelhiebe austeilte, wenn ihn die Eifersucht überfiel.
Es scheint übrigens, daß, wenngleich wohl selten, auch bei Tieren, die genug Gelegenheit haben, sich auf natürliche Weise zu paaren, zu absonderlichen Abwegen in der Liebe kommt. Der englische Naturforscher Romanes beobachtete einmal einen Tauber, der eines Tages eine glühende Leidenschaft für eine durch Zufall in den Geflügelhof gelangte — Bierflasche faßte, um die er in feierlichen Valzschritten herumstelzte, sich vor ihr verbeugte und girrte, als wäre sie das reizvollste Weibchen. Nahm man ihm die Flasche weg, war er sofort ruhig. Allein sobald er seine Flasche wieder- sah, begann das alte Spiel von neuem mit Balzen und Anschmachten. _____________
Belagerungszustand in Johnstown. Infolge der Verhängung des Belagerungszustandes über die Stadt Johnstown bat oer Eewerkickaftsleiter Lewis die für Sonntag geplanten Riesenkundgebungen abgesagt. Auch der Marsch von 40 00U Anhänger!! der Lewis-Kohlengewerkschaften nach Johnstown wird nickt stattfinden.
Betrunkener Jiutofahrer raft in eine Sotdatengruppe.
Sn der Nacht zum Sonntag fuhr in L i n g e n ein Kraftwagen in eine Gruppe von 15 Soldaten, die auf dem Wege zur Kaserne waren. Der Fahrer, der angetrunken war. blendete nach dem Umglück ab und ergriff die Flucht. Von den vier Soldaten, die zu Boden geristen wurden, e r I a g der Schütze Witte aus Hamm im Lingener Krankenhaus seinen Verletzungen. Ein zweiter Soldat befindet sich mit einem Sckadelbruch in Lebensgefahr. Die übrigen Soldaten trugen Hautabschürfungen davon. Die Polizei nahm sofort die Nachforschungen nach dem verbrecherischen Wagenlenker auf an* konnte ihn noch in der gleichen Nackt verhaften.
Kotntnuniflen überfalten britische Faschisten in Edinburgh.
London, 21. Juni. (Funkmeldung.) In den Straßen von Edinburgh kam es am Sonntagabend zu Unruhen die erwiesenermaßen von Kommunisten *linsesettelt wurden, tut mit britischen Faschisten letzter Propaganda-Lastwagen wurde von Kommunisten überfallen. Eme Versammlung der gleichen Gruppe wurde von Marxisten gestört., und, berittene Polizei mußte mit dem Gummiknüppel eingreifen, um schwere Zusammenstöße zu verhüten. Später kam es zu Schlägereien in den Straßen Edinburghs. Die Polizei ver- baftete neun Personen, darunter mehrere kommunistische Rädelsführer.
Mutter mit zwei Kindern freiwillig in den Tod. Bei der Kriminalpolizei erschien der Ehemann Brösel aus Weißenfels und meldete das plötzliche Verichwinden feiner Ehefrau und feiner beiden Kinder. Fast gleichzeitig wurde die-Leiche des vierjährigen Knaben aus der Saare geborgen. Man nimmt daher an. daß die 25 Jahre alte Ehefrau mit beiden Kindern den Tod in der Saale gesucht bat Die Leichen der (Ebefrau und des funiiahngen Knaben sind noch nicht gefunden.
Die Eesamttotenzahl im amerikanischen Stahlstreik ist seit dem 26. Mai durch die neuesten Unruhen auf 11 gestiegen alles Streikende wozu über 300 Verletzte treten. Die Zayl der im Ausstand befindlichen Arbeiter beträgt 100 000.
* Dressurversuche mit Einzellern. Den Anfang des zoologischen Systems bilden die Protozoen, deren gesamter Körper aus einer einzigen Zelle besteht. Diese einzige Zelle bringt alle diejenigen Tätigkeiten hervor, die bei Vielzellern nur gemeinsam von zahlreichen Körperzellen geleistet werden können. Bei der Beantwortung von llmweltreizen vermutete man bei den Einzellern nur die einfachsten Reaktionsformen, während man Lernvermögen und „Gedächtnis" nur höherstehenden Tieren zuschrieb. Außerordentlich interessant ist dagegen das Ergebnis wissenschaftlich einwandfreier Versuche, die Univ.-Professor Dr. Fr. A l v e r d e s in der „Umschau in Wissenschaft und Technik" (Frankfurt a. M.) beschreibt: Pantoffeltierchen und Muscheltierchen, Einzeller von Vs und / mm Größe, ließ man in einem Wassertropfen schwimmen, dessen eine Hälfte beleuchtet und zugleich stark erwärmt wurde. Unter gewöhnlichen Umständen beachtet das Pantoffeltierchen den Unterschied zwischen Hell und Dunkel überhaupt nicht, so daß man glaubte es besäße gar keinen Lichtsinn. Die in der hellen Tropfenhälfte herrschende hohe Temperatur schreckte die Tiere aber so sehr ab, daß sie an der Grenze halt machten und rasch wieder in die kühle, dunkle Tropsenhälfte zurück- wichen. Nach zwei Stunden wurde nun die Helle Tropfenseite auch auf Zimmertemperatur gebracht. Trotzdem behielten die Einzeller ihre Bahn bei. schreckten in der Helligkeit zurück — obwohl das Wasser hier nicht mehr wärmer war als in der anderen Hälfte — und hielten sich lediglich im Dunkel. Durch diesen Versuch war also nicht nur gelungen, Dunkel-Hell-Empfindlichkeit auch bei Einzellern nachzuweisen, man konnte sogar ein gewisses „Gedächtnis" feststellen. Zahlreiche andere Versuche mit Muschel- und Pantoffeltierchen führten zu gleichen Ergebnissen. Einmal gelernte Bewegungsfiguren "wurden beibehalten, wenn sich auch die Form der Gefäße, in denen die Tiere schwammen, änderten usw. Die geradezu überraschenden Ergebnisse dieser Untersuchungen sind für unser Weltbild und unsere Auffassung vom Leben von großer Bedeutung.
Felssturz in der Schweiz
Eine Unwetterkatastrophe brach über das Dörfchen Lourtier im Kanton Wallis (Schweiz) herein. Ein Schlammbach, der sich mitten durchs Dorf ergoß, schädigte 65 Gebäude. Die Bevölkerung mußte das Dorf räumen. — Große Steine, die vom Schlammbach ins Dorf getrieben wurden. 3m Vordergrund ein roeggeriffenes Haus. (Associated Pretz- Wagenborg-M.)
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