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nntQ 9» 2. August 1914
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Morgen» Ausgabe.
Nr. 355. ♦ 62. Jahrgang.
Deutsches Volk, steh
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^ ^ie Entscheidung.
Q ttcsemeine Mobilmachung if in OeuLschland.
*♦ Ang., 6.30 abends. Die
^deutschen Heeres und Ro,.:. c soeben verfügt worden. Der
'iDbjj soeben verfugt worden. Der
».""chungstag ist der morgige Sonn» 'Ugust.
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^grerklärung Deutschlands
l» Jiu an Mutzland.
f; ' f t j,*' 2?ug. Eig. Drahtbericht) Der
Mjr. '^utc nachmittag zugleich mit der
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*nng des deutschen Heeres "ttc den Krie ^^ierung erklärt.
^c^^"tte de» Krieg an die kaiserlich-
^Äung ist da; ein diesem Sonntag ist der
r%n intn, 0 'st -da; an diesem <Z Fr^^ingstag. Rußland hat's gewollt und ipjegj " "Pch. Nun denn, sie mögen ihn haben, >4 ^ert ihn nicht gewollt; bei Gott
? ltnb Verantwortung trifft ein- ! tiitjff, Auch unser Kaiser hat bis zur
en ^ en Stunde sich aufrichtig bemüht, i ^ erhalten. Rußland aber hat die
Etznk.. ^schworen, hat provoziert. Der blind- . Panslawisten hat über die Vernunft ge
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j 1 ggf in Petersburg scheinbar den Augen- , ^ die niedrigen slawischen Instinkte
^anentum zum Durchbruch kommen zu
I» v, l, '-‘ uulu sum L-'uraiorum rommen z,r ( s' l ’ : dg- ~~ es sei! Wir sind bereit und ent
rH. Reckt ist „f an;.. e „,
e , ocht ist ns unserer Seite. Wir sind
Eitlen ^ ' gungsstelIung gedrängt, aus
anderen als einen gewaltsamen Ausweg
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daß
hat ausgespielt. Er hat
der Brand, an dessen Ent-. ^i> . Zumindest mitschuldig ist, e n t- 11 toirö für i h n und das Haus der ' L d°Ni' Deutsche aber werden unentwegt i b e § ^icksal vorgeschriebenen Weg gehen, t rte§ unseres eisernen Kanzlers:
'i:' fürchten Gott, sonst nichts
k.s ;. t!
Duzende Phalanx werden wir in Ge- SjlpXb , r Un ^ crcm Bundesgenossen Lsterveich-
^ l _ en bilden, eine schimmernde Wehr “ * Verteidigung unserer Ehre, unserer
K'"Estell„ng. Noch ist Eng
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Seine politischen Interessen V> biff C5 falsch wäre, wenn es mit dem Zwei^ V % at J J nb . dünn ginge. Bindende Erklärung
gfnge. Dinoenoe tmiaram* ff hy x ^„r manner sind noch nicht erfolgt. Aber H das wir mitteilten, besagte,
l ' U ^ Bef ^ z, "Freude der englischen Armee Lord biner Konferenz mit Poincars nach ff-./^sst dies zu. so müssen wir uns M'vboi^' nuch England gegen uns i V- jftk, , .dia englischen Staatsmänner ein- 1 B die Interessen und die Sicherheit
. von einem übermächtigen Rn ß- ^ vden würde, aber niemals von
b ^ber die englische Regierung an-
^ besuchten haben sollte, so werden wir
Inlett ^dhtigen und überlegenen englischen
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ivissen, obgleich wir uns nicht Ver
ein Krieg, in dem England unsere ^ darrt, eine Katastrophe in wir t-
^riehun.
ag für uns bringen kann. Wie
dem aber auch sei: Wir wissen, daß wir in e r n st e r Stunde stehen; wir wissen, daß es gilt. Laßt uns dessen alle eingedenk sein; Parteihader und Parteigegensätze Lars es nicht mehr geben. Wir haben jetzt nur eine einzige große und heilige Pflicht zu erfüllen, der wir Schulter an Schulter dienen müssen in Zuversicht aus unsere gerechte Sache, in der Hoffnung aus unseren gerechten Sieg:
Mit Gott für Kaiser und Reich!
lvsr ist schuld?
Bon Tr. Joseph Bayer.
Die furchtbare Entscheidung ist gefallen;
die Mo b i l m ach u n g ist angeordnet; auch die Kriegserklärung von Berlin aus ist bereits erfolgt. Die an der letzten Stelle verantwortlichen Personen haben bis zu allerletzt vor dem verhängnisvollen Entschluß zurnckgeschreckt. den Weltkrieg zu entfesseln. Alle Hoffnungen der Diplomaten, eine Österreich und Rußland der- sichtende Formel zu finden, sind indessen erfolglos gewesen, und die Bevölkerung aller Länder erschanevt unter dem Ernst der Lage/
Und überall fragt man sich: mußte es sein? und: warum mußte es so kommen? So mag sich der einzelne llicann fragen, der den Tornifter auf den Rücken nimmt, und das ganze Volk, das Weh und Leid, wirtschaftliches und persönliches. eines Krieges auf sich zu nehmen bereit ist, eines Krieges, wie ihn die Weltgeschichte noch nicht f^b 5 n hat. Man steht vor einer Gefahr von einer Größe, wie sie ein Wahnsinniger in seinen erregtesten Phantasien sich nicht vorzustellen vermag, und man fragt sich, ob bie Streitfrage, um die es sich handelt, die Ziele, die von den Kämpfenden mit Waffengewalt durchgesetzt werden sollen, in irgend einem Verhältnis zu der Größe der drohenden Opfer an Leben und Wohlstand der Völker stehen. Man sieht überall ein großes Mißverhältnis zwischen der befürchteten Katastrophe und dem kleinen serbischen Verbrech e r st a a t, um dessentwillen ein ganzer Weltteil in Schrecken gesetzt ist. und die Frage liegt nahe, an wem die Schuld liegt, daß das Verhängnis nicht abgowendet werden konnte.
Die französische Presse hat in den letzten Tagen in geradezu verolüfffellder Verdrehung der Tatsachen Deutschland für die Wendung der Dinge verantwortlich gemacht. N^in kennt die friedliebende Stimmung des ftanzösi- schen Volkes, die so deutlich sich erst bei den letzten Wahlen kundgetan hat, so daß viele glauben konnten. Herr Poincare werde von Petersburg die Zustimmung zu der Abkürzung der dreisährigen Dienstzeit in Frankreich mit nach Hause bringen. Serbien liegt etwas weit ab von der Seine, und das Schicksal der interessanten balkanischen Völkerschaften liegt den Franzosen. wie erst die letzte große Orientkrise gezeigt hat. nicht so nahe am Herzen, daß sie um ihretwillen das Schwert ziehen mochten. Wenn es möglich sein sollte, das französische Volk für den Krieg zu erwärmen, dann mußte Deutschland der Feind sein, und darum wurde nun mit einem Raffinement. das schließlich seinen Eindruck auf die Volksstimmung nicht verfehlte. Deutschland als der Friedensstörer hingestellt, der. angeblich mit überlegtem Entschluß. Österreich in den Krieg mit Serbien hineingetrieben, der seit Wochen auf den^ Angriffskrieg gegen Rußland und Frankreich losgearbeitet haben sollte, aus den Präventivkrieg, von dem in der französischen Presse schön seit Wochen und Monaten so viel die Rede war. Das ganze Unheil der Stunde, so wurde behauptet, sei von Deutschland ausgegangen, das Rußland durch seine Unterstützung des österreichischen Bundesgenossen unerhört herausgefordert habe, und darum müsse auch Frankreich seinem Bundesgenossen mit Begeisterung und Entschlossenheit zur Seite stehen. Die Tendenz dieser Darstellung war durchsichtig. Man kann ihr nicht frühzeitig und nicht entschieden genug entgegentreten, gerade in dieser schicksalsschweren Stunde, in der das fieberhafte Bemühen der deuffchen Diplomatie, den Frieden zu erhalten, endgültig gescheitert ist.
Jedes Kind in jedem zivilisierten Land, in dem Zeitungen erscheinen, weiß heute, daß die durch nichts gerechtfertigte russische Bedrohung Österreichs, daß die Mobilisierung der russischen Armee die bis zum Zerreißen gespannte Weltlage geschaffen hat. überall weiß man und die gesamte englische und selbst ein Teil der französischen Presse hat es anerkannt. daß Österreich gegenüber dem königsmörde- rischen Serbenvolk eine gerechte Sache vertritt, und daß ihm die Durchführung seiner Straferpedition nicht verwehrt werden kann. Kein Vernünftiger findet Österreichs Verlangen unbillig, endlich einmal, nachdem sein eigener
Thronfolger der großserbischen Propaganda zum Opfer gefallen, mit dieser für immer abzurechnen und an seiner Grenze Ruhe zu schaffen. Es ist ein heuchlerisches Verlangen, der deutsche Kaiser hätte dem österreichischen Verbündeten verbieten sollen, gegen die Serben in den Krieg zu ziehen, der durä) sine j ah r z eh n t e l a n g e Kette von Missetat e n notwendig geworden war. Aber wolagdieNot- Wendigkeit für die Russen, sich in den österreichisch- serbischen Krieg e i n z u m i s ch e n und dadurch die Weltkriegsgefahr heraufzubeschwören? Sie haben es mit dem sicheren Bewußtsein der Folgen ihrer Politik getan. und sie tragen vor Europa und vor der Geschichte die Verantwortung für alle Entwicklungen, die sich daran schließen müssen. Bei der Entschlossenheit, die Deuffchland von vornherein gezeigt hat, konnte und kann nicht mehr angenommen werden, daß es Rnßland nur, wie vor 5 Jahren, um einen ungeheuren Bluff zur Einschüchterung Österreichs zu tun gewesen sei. und daß die Russen noch einmal bereit seien, im letzten Augenblick zu r ü ck z u w e i ch e n. Rußland mußte sich selber sagen, daß ein solcher Bluff ein z w e i t e s m a l nicht ertragen werden konnte. Darum liegt das Ziel der russischen PolstA Mar zutage: Es ist wirklich onffchlossen. Österreich von seiner G r o ß m a ch t st e l l u n g herabzudrängen, und wenn dies nicht durchführbar ist, mit der Waffe um das Ziel der Zertrümmerung Österreichs zu kämpfen.
Das ist der tiefere Sinn des Weltkriegs, an dessen Beginn wir stehen. Die russischen Panslawisten und Nationalisten, die nach der bosnischen Krisis in der Minderheit geblieben sind, beherrschen heute die öffentliche Meinung und den Zaren. Die militärischen Reorganisationen. die mit ftanzösischer Hilfe durchgeführt wurden, haben das Zutrauen in die -eigene Kraft gestärkt. Die Furcht vor dem Ausbruch einer Revolution im Moment des Kriegsbeginns ist — man weiß nicht, mit welchem Recht — in den Hintergrund getreten. Man hält die Zeit für gekommen, den ungerechtfertigten Anspruch, als Protektor aller Slawenvölker auszutreteu, durchzusühren. und die russische Vormacht st ellunginganzO st europa ein- für allemal zu begründen und zu sichern. Man hält die Zeit für reif, den „germanischen Drang nach dem Osten" gewaltsam zu unterdrücken, worunter man den Widerstand gegen die eigene unersättliche Ausbeutungssucht und Herrsch gier nach Süden und S ü d w e st e n hin versteht. Diese panslawistische Bewegung ist die eigentliche Triebfeder bei der gegenwärtigen Haltung der russischen Politik, und sie hat dazu geführt, daß man von Österreich Zusicherungen für sein« Haltung nach dem Abschluß des S e r b e n k r i e g s forderte, die in Wien natürlicherweise als eine Kapitulation vor den russischen Drohungen angesehen werden mußten. Wwn wollte Österreich auf das Ä u ß e r st e herausfordern und demütigen oder versuchen, es zu z e r m a l m e n. In diesen tieferen Ursachen der Vorgänge dieser Tage lag auch die Entschlossenheit begründet, mit der Deutschland dem Verbündeten zur Seite trat. Deutschland kämpft für seinen blutverwandten Rachbar nicht nur aus moralischem Pflichtgefühl, sondern im wohlverstandenen eigenen Jnter- e s s e. Es ist für uns eine absolute Notwendigkeit, gegenüber dem russischen Ansturm die österreichisch-ungarische Monarchie zu erhalten. Das gebietet uns der Selbsterhaltungstrieb. Gleich den Österreichern sind wir bei dem uns aufgedrungenen Kampfe durchaus in der Verteidigungsstellung als Glied einer Völkergruppe, die gegermber der Offensive von Osten für ihre Existenz kämpft.
Was und wer immer in diesen Kampf hineingezogen werden mag, welche unermeßlichen Werte an Menschenleben und wirtschastlichen Gütern in Frage kommen mögen, die Verantwortung für die unheilvolle Wendung fällt nicht a u f D e u t s ch l a n d z u r ü ck. Es hat bis zur I e tz - l e n Stunde alles getan, um der russischen Negierung den Weg zu einer Verständigung nach Wien hin zu ebnen, und wenn dieser Weg nicht zuin Ziel geführt hat und die große Katastrophe nun hereinbricht, so fällt die Verantwortung dafür allein auf R u tz l a n d und auf seine Unterstützung durch das revanchelüsterne Frankreich.
Oietzrerfide Täuschung öe§ Katars durch den Uaren.
O Berlin. 31. Juli.
Berlin ist im Fieber. Die Erlösung von unerträglicher Spannung wird jubelnd begrüßt. Als nach- mittags Hu-nd-erttausende von Extrablättern die Erklärung des Kriegszustandes milteilten, fühlten Millionen, daß eine S ch i<k s a l s st u n d e der Welt angebrochen sei. Erschütternde Szenen spiÄten sich ab. Die Gewalt der Entscheidung läßt alle Herzen erbeben. U.n-
