Wiesbadener Tagblatt
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Unterhaltungsbeilage. $etIinet Sflt0; B°°»n-WUmer-d°rs.
Dienstag, 1. Juni 1937.
Nr. 124.
85. Jahrgang.
Die Abwehr einer piratenangriffr.
Die Beschießung von Almeria. — Deutschland und Italien bleiben dem Kontrollsystem fern. Anerkennung des deutschen Anspruchs auf Vergeltung durch die Weltpresse.
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Pariser Pressestimmen zur deutschen Gegenmaßnahme.
Paris, 1. Juni. (Funkmeldung.) Die Pariser Morgenzeitunge» widmen dem Attentat von Ibiza und der prompten Antwort der Reichs- regierung spaltenlange Besprechungen. Die Blätter find übereinstimmend der Ausfassung, daß die Erklärung der Reichsregierung, durch die Beschießung des befestigten Hafens von Almeria seien die Bergeltungs- mafinahmen für den feigen bolschewistischen Angriff aus die .Deutschland" beendet, zu einer wesentlichen Entspannung der Lage geführt habe.
Man ist hier im übrigen der Auffassung, daß sowohl Paris wie London die Pflicht hätten, alles zu tun, um die Nichteinmischungspolitik aufrecht zu erhalten und für Deutschland und Italien die Voraussetzungen für deren weitere Mitarbeit im Nichteinmischungsausschutz zu schaffen. Die beiden in Spanien kämpfenden Parteien mühten allerdings entsprechende Verpflichtungen übernehmen.
Die Vergeltungsmaßnahmen, die Deutschland als Antwort auf den bolschewistischen Mordanschlag ergriffen hat, werden von der Pariser Presse — mit Ausnahme nur der marxistischen und kommunistischen Sudelblätter — als zwar scharf, aber verständlich — bezeichnet.
Es unterliege, so schreiben diese Blätter, gar keinem Zweifel, daß die Bolschewistenhäuptliuge in Valencia allein die Verantwortung an den letzten Ereignissen trügen.
Der Anschlag auf das Panzerschiff „Deutschland" schreibt der „Jour", sei vorsätzlich gewesen. Valencia, das nur noch ein Werkzeug in den Händen Moskaus sei, und dessen einziges Ziel darin bestehe, den Bürgerkrieg in einen internationalen Krieg ausarten zu lassen, habe die Anwesenheit der „Deutschland" in Ibiza benützen wollen, um allgemeine Verwirrung zu stiften. Wenn Deutschland sofort auf den Angriff reagiert habe, so sei das sein gutes Recht. Der Londoner Ausschuß überlaße es jeder Regierung, diejenigen Maßnahmen zu ergreifen, die sie im Falle eines Angriffes, wie dem vorliegenden, für angebracht halte. Ein Sonderberichterstatter des gleichen Blattes erklärt, die Haltung, die Deutschland eingenommen habe, sei die einer in ihrer nationalen Einheit starken Regierung, die geschaffen worden sei, um die deutsche Flagge zu verteidigen.
abwehr bestückt. Wenn die bolschewistischen Flugzeuge durch das deutsche Schiff beschoßen worden wären, so hätten sie in mindestens 4000 Meter Höhe fliegen muffen, um den Ee- schoffen der „Deutschland" zu entgehen. Sie hätten dann aber unmöglich mit solch einer mathematischen Genauigkeit ihre Bomben abwerfen können.
Die Blätter der Volksfront machen sich selbstverständlich den Standpunkt von Valencia zu eigen und versuchen die Verantwortung auf das Panzerschiff „Deutschland" und darüber hinaus aus die Reichsregierung abzuwälzen.
„Aus Berlin keine Gefahr für Europa."
Verständnis für die deutschen Gegenmahnahmen in Belgrad.
Belgrad, 1. Juni. (Funkmeldung.) Die hiesige Presse beurteilt die durch de» bolschewistischen Angriff auf die „Deutschland" hervorgerufene Verschärfung der Lage im allgemeinen ruhig. Die deutscherseits in diesem Zusammenhang ergriffenen Gegenmaßnahmen finden auch in der hiesigen Öffentlichkeit weitgehend Verständnis.
Das halbamtliche „Breme" schreibt dazu, Berlin sei heute der Ort Europas, der in einem entscheidenden Augenblick am meisten Geistesgegenwart gezeigt habe. Man wiffe in Deutschland, was Krieg bedeute, und deshalb bleibe man k a l t bl L t i g. Aus Berlin drohe Europa auch heute keine Gefahr. Deutschland werde auch weiterhin energisch auftreten, aber nicht herausfordernd.
(NeuesteenglischePressestimmenaufSeiteZ.)
Nach der Strafaktion.
Der Londoner Nichteinmischungsausschuß hat am Montag noch nicht zu der deutschen Note Stellung genommen, in der das Verbrechen der bolschewistischen spanischen Flieger behandelt wird. Ei hat vielmehr, einen Unterausschuß eingesetzt, der sich mit der Frage befaßen soll, wie die internationalen Kontrollschisfc künftig gegen die verbrecherischen Anschläge der roten Mord- banditen geschützt werden sollen. Über den Ernst der Lage kann man sich dabei in London wohl nicht im unklaren gewesen sein. Auch die Italiener haben dadurch, daß sic hinsichtlich der Kontrolle die gleiche Haltung wie Deutschland einnehmen, zu erkennen gegeben, daß sie, deren Schiffe ja ebenfalls das Angriffsziel der bolschewistischen Flieger bildeten, nicht daran denken, diese Herausforderungen der spanischen Bolschewisten ruhig hinzunehmen.
Was die deutsche Strafaktion betrifft, so muß immer wieder betont werden, daß Deutschland sich zu ihr entschloß, nachdem alle W a r nu n g e n und V o r st e l l u n g e n bei den roten Machchabern in Valencia ergebnislos geblieben waren. Wir haben bereits darauf hingewiefen, wie die Roten immer wieder versucht haben, Deutschland zu provozieren. Bei den mannigfachen Zwischenfällen haben wir eine Lammsgeduld bewiesen, eine Geduld, die die Roten uns offenbar als Schwäche auslegten. So kam es zu dem Überfall roter Flieger auf die „D e u t s ch l a n d", eine Aktion, die sehr wohl vorbereitet war, was sich u. a. schon daraus ergibt, daß die Bolschewisten schon sehr bald nach dem Überfall ihre Darstellung der Lage durch Havas und Reuter verbreiteten. Dabei ist auch in französischen Blättern darauf hingewiesen worden, daß die „Deutschland" sich in Ruhe befand, daß also hier die Bestimmungen über tnv 3-Seemeilen-Zone nicht Platz greifen.
Für die Weltpresse gibt es im Augenblick rt’.t e i n Thema: den verbrecherischen Anschlag der bolschewistischen Flieger auf das Panzerschiff „Deutschland", und die deutsche Antwort darauf: die Beschießung von Almeria. Überall dort, wo man sich nicht vom Haßgefühl gegen Deutsch-
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Botschafter von Ribbentrop bleibt den Beratungen fern.
„Bictoire:" „Bravo Deutschland!"
Paris, 1. Juni. (Funkm.) „Sic toi re“ stimmt den deutschen Vergeltungsmaßnahmen in jeder Hinsicht zu. Unter der Überschrift „Bravo Deutschland!“ schreibt das Blatt, die Deutschen seien vollkommen im Recht, wenn sie sich dagegen wehrten, daß bolschewistische Flugzeuge Bomben aus ihre Schiffe werfen, die im Auftrag des internationalen Nichtcinmischungsausschuffes verhindern sollen, daß die beiden sich in Spanien bekämpseuden Parteien mit Massen oder Munition versorgt werden. Die Reichsregierung habe vollen Anspruch auf Vergeltung, von dem sie durch die Beschießung von Almeria Gebrauch gemacht habe. Das Blatt behandelt dann die Möglichkeit einer Anrufung des Richtein- mischungsausschußes und stellt fest, daß dieser dasselbe sei wie der arme Völkerbund, nämlich nichts weiter als ein Diskutierklub, der 8 Tage allein dazu gebraucht hätte, um zu beschließen, daß nichts beschloßen worden sei. Im übrigen würden derartige Auseinandersetzungen die bolschewistischen Flieger nicht im geringsten beeinflußen, dagegen verständen sie die Beschießung von Almeria sofort. Es sei sicherlich zu bedauern, daß man zu solchen Vergeltungsmaßnahmen gezwungen sei, da von ihnen auch Unschuldige betroffen würden. Aber auch die Matrosen der „Deutschland“ seien unschuldige Opfer gewesen. Was würden die Mütter der französischen Matrose» sagen, wenn Flugzeuge General Frimcos aus der „Dünkirchen" eia Blutbad anrich- teteu, wie es die bolschewistischen Flugzeuge aus der „Deutschland“ getan haben? Mau spreche von diplomattschen Verwicklungen mit ihre« Folgen. Aber solche Verwicklungen feien überhaupt nur möglich, wenn man in London und Paris so unehrlich wäre und sich mit Deutschland nicht solidarisch crflärtc.
„Petit Parifien" und „Echo de Paris" stellen die Verantwortung der Bolschewistenhäuptlinge von Valencia fest.
„Figaro" setzt sich dafür ein, daß'Frankreich bemüht sein müße, die Singe auf dem Boden der Vernunft und der Kor- teftijeit überzuleiten. Die Sache der spanischen Bolschewisten dürfe es nie zu seiner eigenen machen.
Die „Action sraneaise" hebt betont hervor, daß die »Deutschland" das Recht gehabt habe, in Ibiza vor Anker <u gehen. Technisch sei es unmöglich, daß die „Deutschland" werst geschoßen habe. Das deutsche Schiss sei mit Flugzeug- rbwchrgeschützen und mit Maschinengewehren zur Flugzeug
London, 31. Mai. Botschafter von Ribbentrop übermittelte dem Vorsitzende» des Richteinmischungsausschußes am Montag folgendes Schreiben:
„Herr Präsident!
Ich habe die Ehre, Ihnen im Auftrage meiner Regierung folgendes mitzuteilen:
Nachdem am 24. Mai rote Flugzeuge die im Hafen von Mallorca liegenden englischen, deutschen und italienischen Schiffe, die zu den für die internationale Seekontrolle bestimmten Seestreitkräften gehören, mit Bomben angegriffen hatten und dabei auf einem italienischen Schiff sechs Offiziere töteten, wurde den deutschen Schiffen der weitere Aufenthalt in diesem Hafen untersagt.
Am Samstag, 29. Mai, lag das Panzerschiff „Deutschlan d" vor Anker in Ruhe auf der Reede von Ibiza.
Das Panzerschiff ist zwischen 6 und 7 Uhr abends plötzlich von zwei im Eleitflug niedergehenden Flugzeugen der roten Valencia-Behörden mit Bomben bewoxfen worden. Die Mannschaft befand sich, da das Schiff in Ruhe lag, zur Zeit des Angriffs in dem im Vorschiff befindlichen ungeschützten Mannschaftsraum. Eine der Bomben schlug mitten in die Mannschaftsmesse. 23 Tote und 83 Verletzte waren die Folge dieses Anschlages. Eine zweite Bombe traf das Seitendeck, richtete aber dort nur geringe Beschädigungen an.
Der Überfall auf das Schiff kam völlig überraschend. Das Schiff hat auf die Flugzeuge keinen Schuß abgegeben.
Dieser Angriff auf das der internationalen Seekontrolle angehörende Panzerschiff „Deutschland" ist das letzte Glied einer Reühe ähnlicher Vorfälle. Deutsche, für die internationale Seekontrolle bestimmte See- ftreitträfte — Anfang April das Panzerschiff „Graf Spee". am 11. Mai der Kreuzer „Leipzig" — wurden durch Kriegsschiffe der Valencia-Behörden bedroht. Am 24. Mai erfolgte der oben erwähnte Luftangriff auf die der internationalen Seekontrolle angehörenden englischen, deutschen und italienischen Schiffe durch Flugzeuge der Valencia-Behörden, bei dem sechs italienische Offiziere getötet wurden.
Bei den erwähnten Gelegenheiten sind eindringliche Warnungen des Nichteinmischungsausschußes und der Reichsregierung ausgesprochen worden.
Ich habe nunmehr im Namen meiner Regierung folgende Erklärung abzugeben:
1. Die Reichsregierung wird sich solange nicht mehr an dem Kontrollsystem noch an den Beratungen des Nichteinmischungsausschusses beteiligen, als ihr nicht sichere Gewähr gegen Wiederholung derartiger Vorkommnisse verschafft worden ist. Die gegenüber den roten Machthabern als Antwort auf de» unerhört tückischen überfall zu erhebenden Maßnahmen wird die Reichsregierung selbst nach ihrem eigenen Ermeßen beschließe». Sie hat außerdem für die Dauer dieses Zu- staudes ihre Kriegsschiffe angewiesen, jedes sich annähernde spanische Flugzeug oder Kriegsschiff mit den Waffen abzuwehren.
2. Zur Vergeltung des verbrecherischen Anfchlages roter Bombenflugzeuge auf das vor Anker liegende Panzerschiff „Deutschland" wurde heute in den Morgenstunden von deutsche» Seestreitkräften der befestigte Seehasen von Almeria beschossen. Nachdem die Hafenanlagen zerstört und die gegnerischen roten Batterien zum Schweigen gebracht worden sind, wurde die Vergeltungsaktio» abgebrochen und beendet.
Genehmigen Sie, Heil Präsident, Den Ausdruck meiner vorzüglichsten Hochachtung.
(gez) von Ribbentrop."
Auch Italien zieht sich
vom Nichteinmischungsausschutz zurück.
Rom, 31. Mai. Rach einer von der Agentur Stesani ausgegebenen amtlichen Meldung hat „die saschistische Regierung beschloßen, die italienischen Schisse von der internationalen Seekontrolle, sowie den eigenen Vertreter im Londoner Ausschuß zurückzuziehe», so lauge dieser Ausschuß keine Maßnahmen getroffen haben wird, die neue verbrecherische Anschläge zu verhindern vermögen.“
Diese Maßnahme wird mit den wiederholten roten Luftangriffen gegen italienische und deutsche Schiffe begründet, „die den klaren Beweis des Vorbanden- seins eines vorbedachten Angriffsplanes gegen die von den beiden Staaten entsandten Seestreilkräfte liefern, die im Auftrag des Nichteinmischungsausschußes die Seekontrolle auszuüben haben."
