^r. a'53.
Samstag, 1. August 1914,
MresbadeireV TagMM»
> russische Heer beftcht aus 37 Armeekorps,
^!chen s ^ er 7 * n , ^ien stehen und für einen eu.ro- Korvsigjcht in Betracht kommen. Es sind dies ^ rn Sibirien und 2 in Lurkestan.
Morgen-Audgave, 1. Bl-rtsi
Sette Zk«
bleibend
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__ Von den
.-, c Qno . Korps müssen beträchtliche
KJ 1 erpolitischen Gründen in ihren § Sinnr)^ ™ zurückgelassen werden, so namentlich Petersburg, Moskau und im Kaukasus. ,ffri die 16 mobil gemachten Armeekorps
^E.Est Teil des Heeres. Es kommt erner Mobilmachung nicht nur die aktiven Kch .<sus Kriegsfuß gesetzt werden, sondern daß ÖOt ittaH«~ ' ei ^ ta die Reserve-, Ersatz- und Landsturm dren aufgestellt werden. Rußland stellt im ^eserve-Divisionen und 40 Reichswehr- SC au l' bie tn ähnlicher Weise wie die aktiven M des L, zusammengesetzt sind. Für jeden Truppen- Heeres und der Reserve wird ein Er- aufgestellt, der zu einem großen Teil Leuten besteht. Wenii man alle
?r>ch^^wnen berücksichtigt, wird nicht nur das im St t ! gehende Armeekorps auf Kriegsfuß gesetzt, & e lteirt e \ Werden so viel neue Formationen m' .staß das Korps sich beinahe verdoppelt, die ''die Fassung des Telegramms zurückzuführen, icf* W&" Karps auf die Stärke von 32 Korps Sa§ russische Armeekorps hat eine Misio^uasstarke von 43 000 Mann, die Kavallerie
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>WN „• -rr . . WUinn, V IV «MlllleriL-
20nnn ri ^- ,o 7 df,e von 4400, die Division eine solche - ."u Kopsen. Danach betragen die 16 Armee-
^ Danach betragen die 16 Armee-
»io3 o»n 688 000 Mann, die 8 Kavallerie- ?o000 Mann. Rechnet man dazu noch 16 mit 320 000 Mann, so ^erhält man
« „.^starke von über eine Million Köpfe. Hiev Nsto*? £ te - eigentliche Feldarmee gerechnet, ohne r Wr r ^ewtzformationen ufw. Man erkennt dar- ""ich, welche Bedrohung in dieser Mobilmachung
Die
^ud Kasan liegen im Süden uüdHidösten des
^kau ^°äi^ gemachten Distrikte
von
Odessa,
i u nd angrenzen
» . Petersburg, Wilna und Warschau. Dabei ist
t berühr? sin? & ^ - e ” ^ eTtäe um nächsten
die -Gebiete, die unmittelbar an Es find dies die Militär-
^il^^rücksichtigen, daß in ?^>olk^chung verhältnismäßig r
diesen Teilen sich die verhältnismäßig rasch vollzieht, weil die
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^ drcht tft und gute Wege und Eisenbahn» ^ £tW en vorhanden sind. Außerdem sind bei die- .^Zstdis^u schon seit dem Frühjahr zahlreiche [.„j* .oen zu „Übungszwecken" erngezogen. Die Trup- an und für sich schon einen hohen F r i e- ond besitzen, sind dadurch noch stärker gewor- rhr Stand sich nur unbedeutend vom Wh»:’? Kriegszustand unterscheidet. Ihre volle . ™,, r . ? wird sich deshalb in kürzester Zeit
cW+n lassen. Es sind auch schon verschiedene erngetroffen, daß diese Truppen ihre Frie- verlassen haben und mich der Grenze
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-ij Enilonen
W-rt find.
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S .war die russische Mobilmachung der
"u.österreichischen gegenüber immer im Rück
deut-
f Di .^.bedeutete für uns einen wesentlichen Vor- U (Mjtwj e Obigen russischen Maßnahmen werden diesen ,10 ß et teu i r ausgleichen. In erster Linie ist E^,ez^ dadurch betroffen. Es ist nicht anzunehmen,
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N. Entwicklung der Dinge ruhig
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würde dann in eine sehr kommen. Es muß
zusehen ungünstige mili-
j J e I j, ^vge kommen. Es muß Gegenmaß- fjj 5 j g r er ßfetfcTt, die zunächst in der Mobilisierung <#£*». i r Ct noch nicht mobil gemachten Korps be° -- tnsGr auch u"s wird schließlich nichts anderes Wir ,nnen e s nicht darauf V l> daI e II e !i kassetn, daß Rußland mit fertig lJ bojJ" ^.-eer e dasteht, während wir uns noch oriedensfuß befinden. So sehr man auch Pili 1 nicht wünschen kann, so darf sich die Regienmg
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voraussichtlichen Gegner überholen wir zum Krieg gezwungen, dann tim auch unter Umständen führen, die '"„«'tN' ®inf;ir. Gn Ausgang sichern. Jedenfalls ist es für ! S Wf klar, auf welcher Seite die Friedens
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'S Jteffnf>en und von welcher Stelle aus der
Ztellung Zum Rrieg
XX London, 89. Juli. Edward Grehs Botschafter- England setzt heute dafür ere Hofftrung, daß das Kriegsfeuer auf seinen
^e^^tsnungen auf Sir
^ 'd, e".
"jA »bWre fr t^uell verflogen.
A bIJ^ rJere Hofsimng, daß.
('t i 6 onau beschränkt bleiben werde. Und in diesem
WH 'Ättmfjj, 1 ssian sich aufrichtig und einmütig. Die Haltrmg !>^"»rn^" w fast ausnahmslos rnatzvoll und unparteiisch,
^ isi snro^.^parteiischer, je näher die furchtbare Gefahr Vetter-r Sr ' e fl eS heranrückt. Denn nicht mit » % sen zu werden in den Weltkrieg, ist ja Eng-
11 siß 55ort ^ ^ V letztes Ziel. Man verschwendet kein Serbien. Es habe reichlich eine Züchtigung m , lür lange Zeit alle Lust an großserbischen .o-»z X - "?hmen und, wie der „Standard"
,4'sii k stellt sich dabei
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ausführt,
. ,.c Ut • ----- Von niemand hineinreden lassen
blbex :ßch dabei nur auf den Standpunkt, den Eng-
h 1 bie „"".Eurenkrieg Europa gegenüber einnahm". So v k Presse auch Deutschlands Zurückweisung
Nb’Vt Konferenzvorschlages durchaus „gerechtfertigt", fl Az ernsten Zeiten würde sie dem deutschen Stand- $ l'k.Vüf geworden sein. Wer „es kommt ja jetzt
A baß London und Berlin einträchtig
% !rr en arbeiten". In demselben Wem erklären die
^ p „Dam ^ruhe auf dem Entschlüsse Rußlmrds und,
Telegraph
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zu reden, „es ist unbestreitbar, 'iM K E>c>c^,s1 er das Geschick Europas in seiner t? r?"s>efsu ^ und eben diese Tatsache ermutigt uns zu n,ü^agen". Aufgabe der Diplomatie wäre jetzt, da- itw*, daß Österreich bei der Bestrafung Serbiens
Wäg'-"'-
^erhalte, und eine Einigung mit Rußland in
" hu erzielen« gelänge tatsächlich wohl eher durch
direkte Verhandlungen zwischen Wien und Petersburg, wie Deutschland sie angebahnt hat, als durch Greys Konferenz.
So bescheidet sich England, ohne in seinem Drängen auf Mäßigung nachzulassen, augenblicklich mit dem zweiten Platz. Denn — was geht uns der Streit eigentlich an! Immer deutlicher und öfter erscheint die Frage in englischen Blättern. . Und Frankreich? Nun ja, John Bull hat da sein „Verhältnis" angeknüpft. Das lvar ja so weit ganz nett, er rasselte dafür auch ganz gern gelegentlich mit dem Säbel und schrieb fleißig Liebes-Leitartikel, wenn es ihm in letzter Zeit auch etwas mühselig und lästig fiel, die nötige Feurigkeit darin zu erheucheln. Aber für das Verhältnis in einen europäischen Krieg einzugreifen, hat John Bull doch nie ernstlich beabsichtigt. Wenn auch manche Jingokreise laut genug davon geredet haben, dem englischen Volke geht jetzt erst plötzlich die Gefahr auf, die seine Freundschaft zu Frankreich nach sich zieht und — jetzt sieht man den Fall doch etwas anders an. Immer seltener findet man die schönen Beteuerungen, daß England seine „Pflicht" tun werde Frankreich gegenüber, und selbst der „Daily Expreß", einer der lautesten Chauvinisten und schlimmsten Deutschenhetzer, entdeckt heute schon, „wir sind durch kein bestimmtes Offensiv- oder Defensiv-Bündnis zum Einschreiten verpflichtet". Es ist merkwürdig, wie klar diese Erinnerung plötzlich in weiten Kreisen Englands auftaucht und wie offenbar beruhigend sie wirkt. „Eigentlich" braucht ja England sich gar nicht in einen Weltkrieg einzumischen! Zu dieser Erkenntnis gesellen sich auch bereits in einzelnen Blättern Stimmen, die dem englischen Volke nahelegen, welch unabsehbares Elend eine Beteiligung am Kriege für den größten Industrie- und Geldstaat herbciführen müßte, und daß „es ein gleich großes Verbrechen, gleich großer Wahnsinn wäre, für Deutschland gegen Rußland zu kämpfen, wie für Frankreich gegen Deutschland". Und das denken alle Geschäftskreise, denkt die ungeheure Mehrheit des englischen Volkes. Es ist gewiß nicht schwer, die Massen, wenigstens vorübergehend, in einen Kriegstaumel zu versehen, aber es würde in diesem Falle unendlich viel Miche kosten, die englischen Massen in eine Zustimmung, geschweige denn Begeisterung zu einem kriegerischen Eingreifen in Europas Händel hineinzureden. Denn — „was geht es uns an"! Diese Auffassung ringt sich immer deutlicher in England durch, und wenn Sir Edward Grey sie in diplomatischerer Fassung in Paris und anderswo zum Ausdruck bringt, dürfte sie Englands Friedenshoffnungen fördern.
Eine Kriegskmte für -bsterrcich-Rugirrn und Serbien hat
soeben t«as betannte Kartag'eaphisHe Institut Karl Fle.mming, A.-G.. Berlin W. 60 und Wogau, hevausgebra-cht. Die technische Ausführung dieser Karte ermöglicht, da sie auch die kleinsten Einzelheiten der Orts-. Boden-, Verkehrs- und Grenzverhältnisse wiedeogibt, sie zur lückenlosen Verfolgung der kriegerischen Vorgänge zu benutzen. Die Karte enthält garrz Serbien und größere Teile der Nachbavländer Albanien, Montenegro, Bosnien, Ungarn, Rurnänien und Bulgarien. Trotzdem sie a>ritzerordentlich inhaltsreich ist, wirkt sie doch übersichtlich und klar.
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nmasxamn»
PMWche Übersicht.
Warum muß Deutschlanö Kolonien haLen?*)
Warum muß Deutschland Kolonien haben? Als diese Frage zuerst auftauchte und nach jahrelanger theoretischer Erörterung zu den Erwerbungen in Afrika und der Südsee führte, waren die beiden Hauptargumente für eine deutsche Kolonialpolitik die Auswanderung und der Import kolonialer Verbrauchsgegenstände. Jeder vaier- landsliebende Deutsche mußte es schmerzlich empsinden, daß alljährlich Hunderttauscnde die Heimat verließen, um in, Amerika ein besseres Dasein zu suchen, als die Verhältnisse in Deutschland es ermöglichten. Man malte sich aus, welch einen Zuwachs für das Deutschtum in der Welt es geben würde, sobald die deutsche Auswanderung nach deutschen Kolonien gelenkt werden könnte. Andere Stimmen wiesen mit demselben Eifer darauf hin, was ftir Verluste am deutschen Volkspermögen dadurch entständen, daß jährlich Hunderte von Millionen für Kolonialwaren an andere Völker gezahlt würden.
Alle Schriften, die sich in der Zeit zwischen der Gründung des Reichs und den ersten kolonialpolitischen Schritten Deutschlands mit der kolonialen Frage beschäftigen, sind voll von diesen Gedanken. Heute kommen sie uns, man möchte fast sagen, veraltet und überwunden vor. Eine gewisse Bedeutung gebührt ihnen zwar immer noch, aber wichtigere Dinge sind in den Vordergrund getreten. Zunächst spielt die Auswanderung im deutschen Leben nicht rrrehr entfernt eine solche Rolle wie früher. Am höchsten war sie unmittelbar vor dem Erwerb der Kolonien. Im Durchschnitt der Jahre 1880 bis 1884 verließen über 176 000 Menschen jährlich Deutschland. 1881 waren es sogar 220 000 — die höchste, je erreichte Ziffer. Damals betrug die Gesamtbevölkerung Deutschlands erst zwischen 40 und 60 Millionen. Jetzt find es bald 70 Millionen, aber die Auswanderung ist gegen früher auf den zehnten Teil gesunken. Die Gewinne, die das deutsche Volk aus seiner Betätigung in.Welthandel und Weltwirtschaft zieht, sind durch den mächtigen gewerblichen Aufschwung, den wir erlebt haben, so groß geworden, daß wir heute nicht nur zahlreicher, sondern auch besser existieren können als vordem und keine Kinder der deutschen Heimat mehr als „Knltur- dünger" in die Fremde abgeschoben zu werden brauchen. (Ganz im Gegenteil sogar, wir brauchen jährlich annähernd eine Million landwirffchaftlicher Arbeiter mehr, als wir haben, und müssen diese aus dem Osten beziehen. Schrift!.)
Was der vorigen Generation so viele Sorge machte, der Verbrauch an kolonialen Genutzarttkeln, der uns den frernden Kolonialvölkern tributpflichtig machte, ist in der Gegenwart noch viel größer geworden als vor 80 oder 40 Jahren, aber in unserem nationalen Gesamthaushalt spielt er eine geringe Rolle gegenüber der immensen Steigerung des Bedarfs an ausländischen Rohstoffen für unsere Industrie und an ausländischen Nah rungsmitte ln zur Deckung unseres Defizits an Brot, Fleisch, Eiern, Gemüse, Obst usw. Am notwendigsten ist es für uns, daß wir im Bezug gewerblicher Rohstoffe vom Ausland unabhängiger werden. Es wird schwerlich daran zu denken sein, daß jemals auf deutschem Kolonialboden alle Wolle und Baumwolle, alles Holz und Erz gewonnen wird, das die deutsche Industrie von auswärts beziehen muß. Aber, wie Dernburg richtig gc-
*) Aus: Paul Rohrbach: „Die deutschen Kolonien". Ein Bilderbuch aller deutschen Kolonien, mrt 168 photographischen Aufnahmen, Karteft und Text. Herausgegeben mit Untefftutzung der Deutschen Kojontalgesellschaft. (Gelber Verlag, Dachau.)
sagt hat: es ist schon viel erreicht, wenn unsere koloniale Produktion so bedeutend wird, daß sie imstande ist, eine preisregulierende Wirkung auf dem Weltmarkt auszuüben. Das gilt vor allem für Dinge, in denen bestimmte Völker bisher eine Art von Monopol haben, wie die Amerikaner in Baumwolle.
Auch die Frage der Auswanderung nach den Kolonien ist wichtig, trotzdem wir keinen Bevölkerungsüberschuß mehr haben. Wir haben aber eingesehen, daß Südwestafcika oder die Hochländer von Ostaftika oder sonst ein Stück der afti-- kanischen Tropen auch gar nicht geeignet ist, eine Weiße Masscnbevölkerung aufzunehmen, einfach ' aus dem Grunde, weil der Land- und Handarbeiter, also das ziffern- mäßig stärkste Element im Lande, immer der Eingeborene sein wird. Der Zahl nach können die Weißen im eigentlichen Stfrifa immer nur eine Minderheit bilden. Wirtschaftlich würde ihnen natürlich die Leitung der Produktion gehören, und vor allen Dingen sehen wir es schon jetzt in unseren afrikanischen Kolonien mit Augen, wie sich ein neuer wertvoller Typus des deutschen Charakters bildet: der deutsche Afrikaner. Unsere jetzigen Kolonien, und was wir sonst vielleicht noch durch Verträge hinzuerwerben werden, können bei gehöriger Ausschließung des Landes im Laufe der Zeit immerhin eine Menge Auswanderer aufnehmen, aber das Ziel dabei ist nicht die Masse, sondern die afrikanisch-koloniale Qualität eines neuen Deutschtums jenseits des Ozeans. In diesem Sinne ist auch der nationale Wert der Kolonialpolitik sehr groß, und wenn rnan erwägt, welche wirtschaftlichen Werte in Zukunft von einem so entstandenen afrikanischen Deutschland unter der Führung einer weißen deutschen Herrenschicht geschaffen werden können, so muß in uns der Wunsch kräftig werden, daß dieses nationale Ziel unserer Kolonialpolitik bald in imch viel weiteren Kreisen begriffen werden möge, als cs jetzt noch der Fall ist,
„VewunderungswürÄige RalLbMtigkieit".
Das Organ der anarcho-sozialistischen Vereinigung deutscher. Gewerkschaften (die „Einigkeit") bringt die neue Kaiserhoch-Taktik der Sozialdenrokratie und den Meuchelmord von Serajewo in einen charakteristischen Zusammenhang. Es stellt nämlich unter heftigen Angriffen auf den Reichstagsabgeordneten „Genossen" Dr. Frank die badische Ablehnung der neuen sozialdemokratischen Kaiserhoch-Taktik mit folgenden Worten dem Serajewoer Meuchelmorde gegenüber: „Da ist man
doch „drüben, weit hinten in der Türkei" aus anderem Holze geschnitzt. Ein Gymnasiast, ein blutjunger Mensch, greift zur Waffe.und tötet mit zwei Schüssen den zukünftigen Erben der österreichischen Krone und seine Frau. An der ganzen Affäre, die uns im übrigen durchaus kalt läßt, ist die Kaltblütigkeit dieses jungen Menschen bewundernswürdig. Wir enrpfehlen ihn dem Deutschen Schützenbnnd zum Ehrenmitglied." Diese frivol-rohe SymHathie-Knndgebung für den Serajüooer Meuchelmord verrät in jedem Worte die Wahlverwandtschaft, die zwischen der anarchistischen Propaganda durch die Tat und der bosnischen Ausgeburt eines blinden nationalen Fanatismus besteht.
DeutschG§ Reich.
* NekchSgesctzliche Regelung der Abwässersrage. Die
Reichsvegieruutz hat eine Voolage «n den Bunldesrnt fertig- ggstellt, die die Frage der Abwässer, insibelsondeve »dar K a l i- ab Wässer, gesetzlich regeln soll. Die Reyelung soll dahin gehen, !>aß der Bundesrat feste BeMmmungen über die zu- lässitze Vevfalgurig der Flüsse durch Kaliabwässer aufzulstellLN ermächtigt wird. Außerdem soll ein Schiedsgericht errichtet werden, dessen Aufgabe es ijst, Metnunigsvevschieden- heiten zwischen den BuNdesreßterun>gen in der Kallwbwäffer- ftage bei Missen, die vevschiedene Bundesstaaten durchfließen, endgültig schlichtem.
* Profcssorcnsiolz. Pfarrer Ganger in Elberfeld, ein der pietistischen Gemeinschaft angehörender Geistlicher, hatte neulich geäußert: „Wir sind auf einen Sturm der Entrüstung gefaßt, wenn wir aussprechen: eine Kirche, die ein Bekenntnis hat, darf ihre auf das Bekenntnis zu verpflichtenden Theologen nicht ansbilden lassen bei einem Lehrerkollegium, das seinen Lehrauftrag vom Staat hat, der kein Bekenntnis besitzt." Diese Äußerung ist eigentlich ein Schlag in das Gesicht der gesamten Profcssorenschaft. Man hätte taffächlich einen „Sturm der Entrüstung" erlvarten sollen. Pfarrer Ganger hat seine Gegner aber offenbar überschätzt, denn ein Vertreter der Professorenschast, Professor Dr. Lemme in Heidelberg, schreibt in merkwürdiger Zustimmung zu Gängers Worten: „Bei wem dieses Wort Entrüstung Hervorrufen sollte, weiß ich nicht, bei uns Professoren sicherlich nicht." — Eigenartige Bescheidenheit! Hoffentlich denken andere Vertreter des Professorenstandes mtders als Dr. Lemme!
* Generalfeld inarschall Freiherr von der Goltz und der Jnngdeutschland-Bund. In dem Angulsiihefte der „Deutschen Revue", ida§ soeben ausgegeben worden tst, richtet der General- feldmarschall Freiherr von der Galtz noch ÄNm-al einen „offenen Brief am jedermann", in dem er towderholh daß er vom JuNgdeuhschlünd-Bund nicht nur keinen Pfennrg an Gehalt und Tagegeldern bezicht, lowdern dem von ihm vertretenen BuÄe noch große^ persönliche Opfer bringt, unid zwar nicht nur an Unkosten, soüdern auch an Zeit. Er schließt diese seine GrNävung mit den gewiß berechtigten Worten: „Mehr kann nur ein Slarr verlangen". Für jeden, der die Verhältnisse nur ein-igsnmi.rtzen kennt, war diese Erklärung eigentlich nicht nötig. Jmwrerhin ist sie vielleicht gseignet, das unnütze und bösartige Gerede völlig zuw Schweigen zu bringen.
* Selbsthilfe der Hausfrauen gegen die Teuerung im Großherzogtum Sachsen-Weimar. In recht beachtenswerter. Weise, wirb jetzt in einigen Orten des Großher-zogtums Sachs» «Weimar eine Art Selbsthiffe gegen die allgamein« Lebens.' ertsueruNg dadurch hervorgerufen, daß die Hausfrauen ch zu einer Bereinigung zusanKnenschliLtzen und gemeinsam 'Lebensmittel zum Wcitewerkmff an ihre MAglieidev ohne jöglichen Verdienst beziclhen. Besonders in EisMach hat diqses Vorgehen. auf den ganzen Lebensmittel-Mapkt preis- reguilierond gewirkt, da die Gewerbetreübenden dadurch in- drrskt gezwunigM wunden, wenn sie nicht ganz ins Hinter^ treffen kommen wollten, mit ihren Preis-en erheblich herunter-, zugchen. BorteMhaft und merklich für die Bevölkeruna Eile-
Lk YJ* Sr**™ mt?** Wunstverkauf 3 S
Verkauf von Mich gegeigt. Wie einig die Hausfrauen in
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