Verlag Langgaffe 21
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,Tagblatt.HanS" Nr. 6S50-5Z.
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^.nsg bis 8 Uhr nachmittags. Berliner Redaktion des Wiesbadener TqgblnttS- Berlin-Wilmersdorf, Güntzelsir. 66, Fernspr.i Am t Uhland 450 u. 451.
l. August 1914. ItlmVIOII»
62. Jahrgang.
Kriegszustand in
Maßnahmen zum Schutz der Eisenbahnen und zum Schutz des Kaiser-Wilhclm-Kanals, Aufstellung der dazu bestimmten Truppe».
Angaben über den Gang der Mobilmachung, die Einberufung der Reserve und der Landwehr und das Klarmachcn (Ausrüstung) von Schiffen.
Aufstellung neuer Formationen und ihre Bezeichnung.
Das Eintreffen von Kommandos in Grenzgebieten zur Vorbereitung der Einquartierung.
Der Bau von Rampen auf den Bahnhöfen in Grenzgebieten durch Eiscnbahntruppen und Zivilarbeitcr.
Die Einrichtung von Magazinen in den Grenzgebieten und die Aufkäufe der Vorräte durch die Militär- und Marinevcrwaltung.
Der Abtransport von Truppen und Torpedos aus den Garnisonen und die Richtung ihrer Eisenbahnfahrt.
Die Durchfahrt oder der Durchlaß von Truppen anderer Garnisonen und die Richtung ihrer Fahrt oder ihres Marsches.
Eintreffen von Truppenabteilungen aus dem Inland an der Grenze und die Angabe ihrer Ausladestationen und Quartiere,
die Stärke und die Bezeichnung der in den Grenzgebieten aufmarfchicrenden Truppen,
die Angabe der Grenzgebiete, in denen sich keine Truppen befinden oder aus denen Truppen wcggezogen werden.
Die Namen der höheren Führer und ihre Verwendung, sowie etwaiger Kommandowechscl,
die Angaben über Abtransport und Eintreffen höherer Kommandobchörden und der großen Hauptquartiere.
Störungen der Eisenbahntransporte durch Unglücks- I fälle und Unbrauchbarwerden von Eisenbahnen und Brücken,
Arbeiten an Festungen und Küsten, sowie Feldbefestigungen,
Bcrcitstcllen von Wagenparks und Arbeiten für Zwecke des Heeres und der Marine.
In- und Außer - Dienststellung von Kriegsschiffen, Aufenhalt und Bewegungen von Kriegsschiffe», Fertig-
I heure ^Dimensionen an, insbesondere zwischen bei ßwfeen ^ernbahnhösen herrschte ein noch nie Lage ” C, * r f a « en ! ,£cIe ^ Besondere Aufmerksamkeit fanbet aföBarb °uftauchenden Wagen des fönig
d,en Marstalles. Ern gewaltiger Zudrang machte fiel
“ ^4 in den Vororten in den Kolonialwaren-
geschaften usw. geltend, die zeitweilig polizeilich geschlosser werden mußten. Die Waren wurden zum Teil in kurzer St e^r-ch ausverkauft. Einzelne Geschäfte mußten be-
1 Dre Rückkehr des Kaisers von Potsdam
nach B erlr n erfolgte bereits um 2y z Uhr. Der Kaiser fuhr mtt der Karserrn zusammen, im nächsten Wagen folgte
ff ^""prtnzenpaar. Das Publikum war aus die
schnelle Rückkehr des Kaisers wenig vorbereitet; trotzdem waren dre Linden bereits stark belegt und der Kaiser und das Kronprmzenpaar wurden mit ungeheurer Begeisterung begrüßt. Es war ein Jubel, wie ihn Berlin und die Linden seit vielen Jahren nicht mehr erlebt hatten.
I ^ ©pater erfolgten weitere Ovationen, z. B. als das Kronprinzenpaar im Auto vom Schlosse zu seinem Palais fuhr. Das Automobil vermochte sich nur langsam durch die dichtgedrängte Menschenmenge einen Weg zu bahnen. Der Kronprinz wurde stürmisch bejubelt und mußte ailf dem Balkon seines Palais erscheinen. Das Publi- kum stimmte rn diesem Augenblick die „Wacht am Rhein" an.
Auch andere Mitglieder der kaiserlichen Familie, die vom oder zum Schlosse fuhren, wie z. B. P r i n z H e i n r i ch und Prinz Adalbert, wurden stürmisch begrüßt. Von 4 Uhr ab wurde der Verkehr Unter den Linden geradezu lebensgefährlich und es mußten größere Polizeiaufgebote nach denk Schlosse und den Linden dirigiert werden. Auch von den Vororten her begann um diese Zeit ein M a s s e n z u z u g. Die Extrablätter der Zeitungen wurden in Automobilen in die Hauptstraßen gebracht und dort den Verteilern förmlich aus den Händen gerissen, überall, namentlich aber vor den Botschaften, bewahrte das Publikum e i n e g e r mb e z u mustergültige Ruhe. Auf allen Mienen liegt tiefer Ernst, aber auch ruhige Zuversicht.
6 Uhr abends: Die Linden und die Friedrichstraße sind von einer schier undurchdringlichen Menge besetzt, die wohl nun schon auf mehr als 100 000 Köpfe angewachsen ist. Ein furchtbares, nicht zu beschreibendes Gedränge herrscht namentlich vor dem Kronprinzenpalais, wo die Menge fortgesetzt „Deutschland, Deutschland über alles" und die „Wacht am Rhein" singt und der Kronprinz immer aufs neue auf dem Balkon erscheinen muß. An den Lit-
! seiner Majestät des Kaisers wird für 1a. Armeekorps hierdurch der
Areegszustanö
'" 'ESJ* Ostungen Mainz und Koblenz t eneur bezw. Kommandanten der Festung
skibkft^'^tderwaltungs- und Gemeindebehörden L^.^Nord,, ^^en Funktionen. Sie haben aber tf'Sei, to ö - cn ,tnb Aufträgen, im Befehlsbereich .1 ta| U Mainz und Koblenz denen des Gouvcr- ’ Kommandanten der Festung Folge zu Der Kommandierende General.
H. Militärischen Maßnahmen.
komm«, An militärischen Mast.
BeLt 1 W. * Kriegsgefahr Haupt- f, bc t iä,--- /- Alle an der Grenze und zum ^forderlichen Maßnahmen; w e JJl V 2 “ ß e n der. Post, des
8(S r f t,enb ^ n u,lu * 3U Gunsten des
-.ta'ahr C ? o I g e it des Zustandes der drohenden '"bes '"'d: 3. Erklärung des Kriegs- , t bcx J Ur ?as gesamte Reichsgebiet; Ita ll7?'roffentli ch u n g über Truppen-
8f 3 u st and in Reichspcrfassung.)
betr. das verbot der veröffent- ^ kuppen- oder Schiffsbewegungen
^Äerl ^ ^"^bmittsl vom 31 . Iuli 1914 .
Ä«n Juli. Auf Grund des 8 10 des Geiz sR-s iw L^rrat militärischer Geheimnisse vom
Bcrcithaltung, Herrichtunq und Beschlagnahme von Schiffe», der Kauffarteischiffc für Zwecke der Marine, Änderung ihrer Order, Bereitstellung von Docks, Veröffentlichung von Briefen der Angehörigen des Heeres und der Marine ohne Einverständnis mit den in der Heimat verbliebenen Militärbehörden.
V o r s ä t; 11 ch e , Z u w i d c r h a n d l n n n aeaen d"s Verbot wird mit Gefängnis bis zu 3 Jah?cn oder Geldstrafen bis zu 5000 M. bestraft.
Unterzeichnet: Berlin, 31. Juli 1914.
Der Reichskanzler.
Die Begeisterung in Berlin.
sEioener Drahibericht unserer Berliner Redaktion.)
Berlin, 81. Juli. Die Nachricht von der Erkkärnng des Kriegszustandes durch den Kaiser wurde in den Straßen der Reichshauptstadt am Nachmittag vom Publikum rührig und mi t B.efriedigung ausgenommen. Der Berliner Verkehr nahm in den ersten Nachmittagsstunden u n g e -
»' ?Uf d,/Rcichsgcsetzblatt Seite 195) verbiete % u ta ^keres die Veröffentlichung von Rach- !, . 'dpcn- und Schiffsbewegungen oder
ofe s«.denn, das, die Vcröffcnt-
° r f, „ ,'.rlcht durch die zu ft a n d i g c n M i l i- U Ut die Ausdrücklich genc h m i g t ist. Zu- kl L . ' ni 0 smd die Gcncralkomman-
'°nki,,„^^ E ^uKiii Generalkommandos, die tzö 'l>rc,„ m'uudos' .das Gouvernement Berlin
Q deren^m Druckschriften. Zu
's?ei, ° » Beroffcntlichmig verboten ist, P S(„ , s'c s-ch auf Deutschland oder feta, tEn beziehen, sind besonders zu
übnZ" ? rupi>cn °ls Grenz-, Küsten- und Jnsel- wachung der Hafeneinfahrten und Fluß-
Rriegsfurcht.
k Bilder aus ©traßburg.
M Kurt Schede, Straßburg.
Die gute Alte.
Gäßch.gn, das ich täglich mehrmals durch- , "k, biedere Elsässerin am Fenster ihrer
0t es der bevorzugte
eckbt hat^ ££ ^U' dw sie als junge Frau in Straßburg mit- Das wäre nicht auszudenken!
Wieder wandern ihre angstvollen Blicke über die schwarzbedruckten Blatter, wahrend die Seele sich die schauerlichsten
Zwei Zentner Mäht sind vorhanden. In riesigen Tüten liegen Erbsen, Bohnen, Linsen und Reis aufgestapclt.
Auch Konserven hat Herr Apple kommen lassen.
vlxix. mit.bert Karitoffeln -ist es eine dumme Sache. Die alten taugen nichts mehr und die neuen halten sich nicht gut.
ersteht Madame Äpple beim Ep'icier mehrere Buch;en mit Zwieback, die man für den Winter über auf- heben kann.
Am Mittag liest Rentier Äpple in der „Straßburger Post" nicht notwendig sei, sich unnötigen Vorrat zu be- ichaffen. Die Lebensmittelpreise -würden nur in die Höhe getrieben, und im wirklichen Kriegsfall fei an Vorräten jeder Art kein Mangel.
Herr Äpple lächelt sin wenig geringschätzig
Besser ist besser!
Das finden auch Madame Äpple und die alte Babette.
Trotzdem sie rechtschaffen müde sind von dem Einkäufen, und Warten in den menschengefüllten Geschäften, schleppen sie die Vorräte am Mend noch in den Keller.
Das Mehl, die Erbsen, die Bohnen, -die Linsen und den Reis.
Und c. f die Wandbretter stellt Herr Äpple selbst die Büchftn-Ko> serven. Eine neben die andere — im oanxpr»
Aufregung seiner Herrin. '
Es hockt vergnüglich auf dem Fensterbrett und fährt sich eben mit ferner weichen Pfote über den borstigen Schnurr-
Herr Apple kauft ein.
Der kluge Mann baut vor ... .
zu den klugen. Und außerdem ist er ein weitsichtiger Politiker, der das Gras wachsen hört, wenn andre noch nicht einmal ans Gras denken.
Am Morgen war die österreichische Note in Straßburg bekannt geworden.
Verdammt noch einmal, das wird ja jetzt ernst.
perr Apple sieht alles kommen.
Die Serben werden die Note nicht anerkennen. Die Österreicher werden die Donau überschreiten und flugs in Belgrad sinrucken.
Und dann?
Herr Äpple ist über alle Zweifel hinaus.
Dann werden die Russen sich einmischen. Die Deutschen werden mobil machen, und ehe mans denkt, ist der Weltbrand entfacht.
Zum Kuckuck ja, da heißt es, sich rühren!
.Mit Madame^ Äpple und der alten Babette, die seit fünfzehn Jahren im Haus des Rentners die Küche versorgt, hält er geschäftigen Kriegsrat.
Lebensmittel müssen heran, das ist die Hauptsache!
Und Babette.eilt in die Warenhäuser und zu dem alten Epicier an der Straßenecke.
P'ti ta»,, § E bevorzugte Platz der braven [ta e "tan"» Morgen oder Abend unsre Blicke Sill 1 sie uns wie gute, alte Bekannte zu.
Ä r-b'Ukn Strickstrnmps in der Hand. Die
-dem Knäuel einen Stoß gibt, so daß
^ wrer vierfüßigen Freundin dann wohl ^ °ps, und das Kätzchen springt vom «rraße, um wenige Augenblicke später
^ das idyllische Bild gründlich verändert, hielt die Alte ein Zeitungsblatt in kMe große, runde Brille auf der kleinen
Seite der Zeitung steht in drohenden Krieg, und darunter drängen die rli & ^ uud Serbien zusammen.
«1, bekümmert und kann von dem bos- Ichummen Nachrichten sich gar nicht
nm Ü" 13 bie ^ugen nicht mehr so still und , wie Furcht und Sorge liegt darin, l krnst werden?
g. ^uimen Serb-en wegen mit den Fran- - So wie anno 70 in den fürchter-
