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Nr. 48.

Frertag, 26. Februar

1937

Ein Spanienroman von Erica Grupe-Lörcher

22. Fortsetzung.

(Nachdruck verboten.)

deiner Liebe

rs ganze Gebiet unö Gesamturteil sich zu

Frau fest an

.Jetzt beginnen wir drei ein neues Leben/

Verantwortlich fflr di« Echristleitung: F. Düntber in Wiesbaden. — Druck und Bcrlag der L. Schellcnberg'schm Hosbnchdruckerei in Wiesbaden

Lächeln.

„Mein Junge ist das einzige Vermächtnis zu mir."

sie und Ludwig sich gefunden, so kommt nun aufs neue eine Trennung. Sie birgt den Kopf unter brennenden Tränen in die Kissen und lauscht auf das Geräusch des davonfahrenden Autos, bis die Stille der Nacht jeden Laut verschlungen hat.

Der Mann nimmt den Kleinen auf den Arm, drückt ihn an sich und küsst ihn. Mit dem anderen Arm zieht er die

* Dr. Walter Wache : „I u d e n f i b e l". (Theodor Fritsch, Verlag, Leipzig.) Die „Judenfibel" soll den weitesten Kreisen des deutschen Volker eine erste, aber umfassende Einführung in diese so wichtige Frage geben. Sie ist leine Sammlung non statistischem Material, das dem Wandel der Zeit unterworfen ist und immer nur der Beleg für grund­sätzliche Ausführungen sein kann. Die „Judenfi'bel" ist viel­mehr eine knappe Gesamtübersicht über das ganze Gebiet und setzt den Leser in den Stand, ein eigenes Eesamturteil sich zu bilden.

Ruck. Seine 2n seine lns-

„Dann — ist — also — der — Junge — unser — Kind." Ein offenes und schlichtes „Ja" ist die Antwort der Frau. „Warum hast du mir niemals etwas davon mitgeteilt?" fragt der Mann.

„Weil ich wollte, datz du glücklich sein sollst. Weil ich nicht wollte, das, deine Ehe darunter leidet. Eine kleine Erb- K machte es mir leichter. Außerdem verdiene ich noch

. Schreiben von kleinen Erzählungen."

Er greift die Hand der Frau und hält sie ganz fest.

Nach einer Weile fragt er leise, behutsam als rühre er an Glas: „Und weshalb hast du nicht geheiratet?"

„Weil ich dich noch immeplieb habe."

Dr. Bartz steht auf. Ganz dicht tritt er an die Frau heran, nimmt ihren Kopf fest in seine Hände und blickt ihr tief in die Augen.

„Kannst du mir verzeihen", kommt es bittend von seinen Lippen.

„Ich habe dir nichts zu verzeihen", antwortete die Frau.

Da zieht er sie fest an sich und küßt sie lang und heiß.

„Seit wenigen Tagen bin ich frei. Schuldlos geschieden. Willst du jetzt noch meine Frau werden?"

Sie antwortete nicht, Tränen der Freude stehen in ihren Augen. Sie schlingt nur die Arme um den Hals des Mannes und schmiegt sich dicht an ihn. Da [türmt der Junge ins Zim­mer. Fragend steht er vor den beiden.

„Heinzchen", sagt die Frau lächelnd, „wir haben den Vati wiedergefunden."

„Wir haben uns hier wiedergefunden, Kind, wir sind uns in keiner Weise fremd geworden. Wo damals vor Jahren die Fäden abrissen, haben wir sie jetzt wieder anknüpfen dürfen. Dieses Gnadengeschenk wollen wir als so groß betrachten, dass wir nicht im mindesten, nein! nicht im mindesten an der nächsten Zukunft zwei­feln wollen, nicht wahr? Was es auch sei, was nun kommt, ist nur eine Etappe. Die mutz durchgefochten werden — und dann, meine Liebe —, dann gibt es ein neues Wiedersehen — in Deutschland! In der Heimat!"

Sie hört ihn gleich darauf die Marmorstufen leise hinabgehen und in den Gastzimmern verschwinden. Sie preßt die Hände ineinander: Stark sein! denkt sie, er gibt mir das beste Vorbild!

Aber dennoch kann sie die Tränen nicht völlig niederringen, als sie spät am Abend allein in ihrem Zimmer weilt, denn sie hört mit geschärfter Aufmerk­samkeit, wie das so unscheinbare kleine Gefährt von Giron aus der Garage geholt wird und nach wenigen Minuten aus der Besitzung hinausgleitet.

Diefesmal ist es kein verheimlichtes Fortfahren. Nein, im Gegenteil, der Graf hat Herrn Dubli bereits bei der Abendtafel beiläufig erzählt: seine beiden anderen Gäste würden noch heute abend weiterfahren. Nach Malaga zu, wo der eine der beiden Herren Ein­käufe in Weinhandlungen für sein Geschäft in Marokko zu tätigen habe. Cilly hat dabei unauffällig Dublis Gesicht beobachtet, das aber nichts von der Maske höf­licher Verbindlichkeit und wohltemperierter Kühle ver­loren hat. Deswegen weiß sie nicht, ob Dubli das alles glaubt. Aber Dubli denkt im Innern: Mögen sie hin­ziehen, wohin sie wollen! Die Hauptsache ist und bleibt, datz der Freund des echten Ricardo aus diesem Hause weg ist und Vincente nun so rasch wie möglich aus Bar­celona zurückkehren kann!

Auch der arme Graf mutz zum ersten Male in seinem Leben eine gewisse schauspielerische Rolle spielen. Giron hat ihm heute in einer Unterredung unter vier Augen den Grund seiner verfrühten Abreise mit Ludwig er­klärt, und ihn gebeten: den Harmlosen unter allen Um­ständen auch weiter zu spielen. Denn Giron will sofort Erkundigungen wegen dieses eleganten Herrn Dubli bei amtlichen Instanzen einziehen, und auf alle Fälle das Haus des Grasen unauffällig bewachen lassen. Erstens, um das Grafenpaar und alle Insassen des Hauses zu schützen. Zweitens, um unter Umständen diesen Herrn Dubli nicht entschlüpfen zu lassen, bevor man sich seine Persönlichkeit etwas genauer von amtlicher Seite be­trachtet hat.

Cilly weitz das alles. Ach, was geht in diesem Hause jetzt vor, in dem bisher Sorglosigkeit herrschte, in dem alles in einer selbstverständlichen Vornehmheit und ruhigen Sicherheit dahinlebte! Und kaum haben

Bereits am gleichen Abend hat Manuela eine Ant­wortdepesche von Ricardo erhalten. Sie enthält zwei Worte: „Ich komme!"

Immer wieder ist Manuela während der Nacht aus dem Schlafe aufgewacht in dem beseligenden Bewußt­sein: heute den Geliebten wiedersehen zu dürfen! Ach klingen diese zwei einzigen Worte „ich komme!" nicht über alle Matze, glückverheißend?

Aber umsonst wartet sie nun schon den ganzen Vor­mittag des nächsten Tages. Die Zeit, zu der die Reisen­den des Schnellzuges aus Barcelona in Valencia ein- tresfen, .ist längst verstrichen. Niemand hat sich bei Manuela im Hotel melden lasten. Trotzdem hofst sie weiter, sie sitzt am Fenster, das nach der schmalen alten Straße hinausführt, das Formular der Depesche fest in den Händen.

Da sährt ein herrschaftliches Auto langsam in die enge Straße ein. Der Küster der alten kleinen Kirche Sankt Martin von nebenan tritt zur Seite und be­trachtet erstaunt und bewundernd dieses hochvornehme Gefährt, das auf seinen Wagentüren ein gräfliches Wappen trägt.

Manuela beugt sich etwas zum Fenster hinaus. Zwei Herren entsteigen dem Wagen, sie steht aber nur den einen, der dem andern zu folgen scheint, der bereits im Eingang des Hotels verschwunden ist.

„Wenn er es wäre!" denkt Manuela, aber sie wagt es nicht zu hoffen, denn Ricardo ist nie mit irdischen Gütern gesegnet gewesen und benutzt bestimmt kein so kostspieliges Auto zur Reise---

Da klopft es. Ihr Herzschlag stockt. Der kleine Hotelbursche kommt mit hochrotem Kopfe eilig auf ihren Zuruf herein und meldet: „Zwei sehr vornehme Herren fragen nach Dona Manuela! Darf ich sie herein­führen?"

„Zwei Herren?" fragte Manuela, während sie bis in die Lippen erblaßt. „Zwei Herren? Warum nicht Ricardo allein. Wer ist es?"

Aber der kleine Bursche ist schon hinausgestürzt und reißt nun dienstbeflisten die Tür im Salon nebenan auf. Ehe Manuela noch die Mitte des Zimmers er­reicht hat, eilt ein junger Mann herein.

„Ricardo!"

Er aber zieht sie in seine Arme mit einem Laut, der sich zu ihrem Namen formen sollte, der aber nur zum Stammeln wird, weil alle Worte versinken in einer

IGGD Neue Bücher

* „Deutscher Wehr-Kalender 193 7“. Das Handbuch für Wehrmacht und Wehroerbände. Herausgegeden von Rolf Rückens, Oberleutnant der Fliegergruppe Faßberg (S.) und Tammo Rückens, Oberleutnant und Adjutant des I/JR. 53. (Gerhard Stalling, Verlag, Oldenburg i. O.) Zum vierten Male erscheint jetzt der „Deutsche Wehr-Kalender". Em Zeichen für die große Beliebtheit, deren er sich von 2ahr zu Iahr in steigendem Maße erfreuen durste. Die Gliede­rung der neuen deutschen Wehrmacht, die Ausrüstung und Kampftechnik der einzelnen Waffengattungen, die Ausbildung der Truppe im Exerzier- und Geländedienst werden neben vielem anderen.in anschaulicher Form behandelt. Durch viele neue Aussätze ist die jetzt vorliegende Ausgabe von 1937 so grundlegend umgestaltet worden, daß hier in Wort und Bild Über die gesamte Wehrmacht — Heer, Kriegsmarine und Luft­waffe — ein lebendiges praktisches Wißen vermittelt wird, wie es in dieser gedrängten Form reichhaltiger und vielseitiger sonst kaum vermittelt werden könnte.

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* Lu stkampf über Spanien". Kriegserlcbniffe eines freiwilligen englischen Kampffliegers bei der 'nationalen Armee. Von E. E v e r a r d. (Verlag Scherl, Berlin SW. 68.) (Ein englischer Kriegsslieger hat sich dem nationalen Führer .zur Verfügung gestellt. In vielen Flügen erlebt er die Schrecken des grauenvollen modernen Krieges, der hier mit unendlicher Erbitterung und glühendem Haß geführt wird. Jeder Tag bringt neue Angriffe, einmal auf die Öltanks oder einen russischen Fesselballon, dann auf vorgehende Tanks, zur Unterstützung der Infanterie: es gibt erbitterte Zweikämpfe mit den russischen fliegenden Festungen, Flüge durch Sperr­feuer der Flaks — immer geht es hart am Tode vorbei. Von alle dem berichtet knapp und phrasenlos C. Everard in der Sprache eines Mannes, der gewohnt ist, fein Leben einzusetzen, der keine Furcht kennt.

* „Kleines Iagdlexiko n". Kurzgefaßtes Nach­schlagewerk für den Jäger. Von Alfred Fritschi, Major a. D. und Mitglied des Prüfungsausschusses des Jagdkreises Freiburg i. Br. (Verlag von I. Neumann-Neudamm.) Von A bis Z findet der Jäger in diesem praktischen Nachschlage­buch alles Uber Jagdrecht, Jagdpraxis und Jagdwiffenschäft. Das „Kleine Jagdlexikon" ist dazu berufen, die Lucke zu füllen, die seit Vergriffenheit des klassischen „Riesenthal" besteht, um­somehr, als für absehbare Zeit nicht mit einer Neuauflage des „Riesenthal" zu rechnen ist. Das Fortschreiten der Jagdwissen­schaft, das Erscheinen des Reichsjagdgesetzes hat viele Belange der Jagd und des Jägers derart umgestaltet, daß die Heraus­gabe eines Handbuches in knapper Form sich als notwendig erwies. Das Lexikon ist in vorzüglicher Weise geeignet, das Wissen des deutschen Jägers im Sinne des Reichsjagdgesetzes zu vertiefen zum Segen des Wildes und der Jagd.

handeln." Dann hebt er den Jungen auf und schreitet dem Hause zu. Noch einmal wendet er sich an die vorangehende Frau: „Bringen Sie mir bitte den Verbandskasten. Er steht hinten im Wagen." —

Dr. Bartz arbeitet schnell und sicher. Bald ist die Wunde gesäubert und verbunden und der Kleine liegt in seinem Bett. Jetzt erst beachtet et di« Frau näher. Er drückt ihr die Hand.

„Der Junge lief mir direkt in den Wagen hinein. Ich konnte es nicht verhindern. Vorerst werde ich hier im Ort bleiben und den Kleinen selbst behandeln."

Auf einmal stutzt et. Prüfenden Blickes schaut et die vor ihm stehende Frau an. Dann schlägt er die 'äugen nieder und um seinen Mund läuft ein Zucken. Leise, fast tonlos kommt es von seinen Lippen: „3rene, du?"

Die Frau steht ausrecht vor ihm. Sie schweigt eine lange Zeit, bann antwortete sie fest und klar: „Ja, Erich."

„So bist du also vetljeiratet?"

Sie schüttelte den Kopf.

„Nimm doch bitte Platz"", fordert sie ihn mit leiser Stimme auf. Dann sitzen sie sich gegenüber.

„Nein, ich bin nicht verheiratet."

„Und der Junge?"

„Ist mein Kind", antwortet sie.

Nach acht Tagen kann der Kleine wieder herumlausen. Zwar trägt er noch einen dicken Verband, aber alles ist sonst in Ordnung. Erich Bartz will tote her weiterfahren. Zum letzten Male will er heute in das kleine Haus am Wald gehen, will Abschied nehmen und sich mit der jungen Frau aus­sprechen.

Stumm steht er ihr gegenüber. Er kann nicht reden und hat ihr doch soviel zn sagen.

„Du kommst Ijeute zum Abschiednehmen", unterbricht die Frau das lastende Schweigen.

Er nickt nur. Mit einer müden Bewegung streicht er sich über die Augen. Dann spricht er, säst tonlos und gequält: „Ich dachte, daß wir uns niemehr Wiedersehen werden, weil ich in den fünf Jahren nichts mehr von dir gehört habe. Daß ich dich damals verließ, um diese andere reiche Frau zu ?erraten, habe ich schwer gebüßt, denn die Ehe wat unglück- ich, seht unglücklich sogar."

Wieder Schweigen.

„Und dein Junge?"

Die Frau hebt den Kopf und blickt ihn mit ihren großen und dunklen Augen an. Um ihren Mund spielt ein zartes

Durch den Körper des Mannes geht ein müden und zerquälten Gesichtszüge beleben sich, her matten und ausdruckslosen Augen kommt ein Leuchten. Tropfenweise fallen seine Worte, aber es ist wie ein Jubeln.