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Wiesbadener Tagblatt

Donnerstag, 6. August 1936.

Ww beim Mm und beim RMschemNiU

ff

Vormarsch von Sevilla auf Madrids

Keine einseitige Bindung Belgiens

Generals invollem

König Boris von Bulgarien inkognito in Berlin.

Sofia, 6. Ang. (Funkmeldung.) Boris111., Zar der Bulgaren, befindet sich feit Dienstag inkognito in Berlin, wohin der König Ihrer Majestät folgte, die sich in einer Berliner Klinik einer leichten Operation unterziehen mutzte.

Lauprichristleiter: Fritz GÜniher.

Stellvertreter der Hauptschriftleiters: Kari Heinz Kunz, verantwortlich für Politik, Kulturpolitik und Kunst: Fritz Günther für den politischen Nachrichtnrdientz: Karl Heinz Kunz; für unpolitische Beitrage und vermachtes: Dr. Heinrich Reichert; für Stadtnachrichten, Wirtschaft, handel und Gewerbe: Drlli Pempel; für Umgebung, Vrovinznachrichten und den Sportteil: Hern, Len Hardt: für den Bilderdienst: die betr. Ressortleiter;

für den Anzeigenteil: Otto Kaiser, sämtlich in Wiesbaden.

Preisliste Nr. S. Vurchschnitts-Kuflage )uli lYSL: 19091, Sonntags allein: 22417. Drutf und Verlag de» Wiesbadener Tagblattr:

t. Schettenberg'sche Sofbuchdruckerei, Wiesbaden, LanggafseLf, .Lagblalt.hau»'.

Gesamtle»»ung:

vr. phiU Gsstao S*tlltnbttg und verlagrdirektor Heinrich pebg,

Die 3.3nternotionoli! spielt bis grobe Arte oir

Ein olympischer Festvortrag Sven Hedins.

Berlin. 5. Aug. Aus der Fülle der vielen olympischen Veranstaltungen ragt eine kleine Feierstunde hervor, zu der sich am Mittwochvormittag im gingen Festsaal bei Pieutzi- 1 scheu Akademie der Wissenschaften ein auserlesener Zuhörer- treis versammelt hatte. Der schwedische Forscher Sven Hedin hielt hier auf Einladung des Organiscvtionskomitees ftir die XI. Olympischen Spiele einen Vortrag über die Rolle des Pferdes in der Geschichte Asiens. Reichsminister Rust urtb Mitglieder des 3OK. und OK. unter Führung von Exzellenz ßewalb und Generalsekretär Diem wohn­ten der festlichen Veranstaltung bei. Exzellenz Lewald be« grützte den schwedischen Gast und dankte ihm, datz er hier als Vertreter der Wissenschaft der ganzen Welt im Zeichen der XI. Olympischen Spiele das Wort ergreift.

Sven Hedin erzählte von dem Ursprung des asiatischen Pferdes und wie es in dem größten Teil unseres Kontinents durch die Jahrhunderte hindurch treuer Begleiter des Men­schen gewesen sei. Asien sei von den verschiedenen Völkern stetsim Satte l" erobert worden. Am Schluß seines Vor­trages schilderte der greise Forscher, wie viel er bei seinen Entdeckungsreisen in Asien den Pferden zu verdanken habe, die ihm immer treue Begleiter gewesen seien und kündigte an, daß er über die Rolle des Pferdes in der Geschichte Asiens und in seinem eigenen Leben ein besonderes Buch schreiben werde, das dem Andenken der großartigen XI. Olympischen Spiele in Berlin 1936 gewidmet werden soll.

Eine italienische Mahnung an Europa.

Rom, 5. Aug. Zuständige politische Kreise erklären am Mittwochabend mit Nachdruck, daß man in Italien die Lage an allen Stellen Europas ohne jede Besorgnis und mit voll­kommener Ruhe betrachte. Dafür spreche auch die Tatsache, datz Mussolini erst Mitte nächster Woche von seinem Sommeraufenthalt an der Adria nach Rom zurückkehren werde.

In einem gewissen Gegensatz dazu nimmt jedoch ein Teil der römischen Abendpresse unter Hinweis auf die Aus- rufungder Militärdiktatur inGriechenland zu der umstürzlerischen Propaganda, die in letzter Zeit in verschiedenen Ländern alarmierenden Umfang angenommen habe, sehr scharf Stellung. Griechenland, so bemerkt die Tribuna", versuche jetzt die Gefahr abzuwenden. Kennzeich­nend für die Lage in diesem Lande sei es, daß 41 griechische Dampfer wegen fortgesetzter Agitation unter den Seeleuten unter englische Flagge traten. Argentinien suche, wenn auch mit anderen Mitteln, die Wühlarbeit zu unterbinden. In Polen und Rumänien wurden Spione verhaftet und Moskauer Pro­pagandamaterial beschlagnahmt. Die 3. Internationale spiele also, so fügt dieTribuna" hinzu, ihre ganz große Karte aus. Unterdessen vertrödele Europa seine Zeit mit diplomatischen Roten, die nur Gegensätze aufzeigten, die sich dann zugunsten der Kräfte des Zerfalls und der Unordnung auswirkten.

Ottobre" spricht ebenfalls von dem Anschwellen der kommunistischen Aktivität in der ganzen Welt. Die roten Franzosen erklärten ihre Solidarität mit der Volksfront in Madrid, in Belgien lehnten sich die Truppen gegen ihre Offiziere auf, in Griechenland proklamiere die Regierung unter dem Druck der kommunistischen Gefahr den Belage­rungszustand. in Österreich wurde eine olympische Festlichkeit durch rote Zwischenfälle reinsten Wassers gestört. In der Ratlosigkeit Europas hole Moskau in der Hoffnung auf einen sicheren Sieg, zum entscheidenden Schlag aus.

Gazetta del Popolo" über die kommunistische Gefahr in Frankreich.

Turin, 6. Aug. (Funkmeldung.) Die TurinerGazetta del Popolo" beschäftigt sich im Leitartikel mit den Aus­wirkungen des Kommunismus in Frankreich. Das Blatt stellt fest, daß der Moskowiter Einfluß in Frank­reich unmittelbar nach Unterzeichnung des französisch- sowjetrusstschen Abkommens sich ausgedehnt und vertieft habe. Von der Wahlschlacht sei man sofort zur Streikbewegung übergegangen, die die innere Ordnung und die Wirtschaftslage Frankreichs schwer unter­graben habe. In Fabriken, Kasernen, auf Schiften und in den Straßen hätten sich kommunistische Zwischenfälle ereig­net. Schwer bewaffnete kommunistische Banden hätten Kämpfe mit politischen Gegnern angezfttelt, wobei es Tote und Verwundete gegeben habe. Der französische Außen-

Eine bemerkenswerte Entschließung des Militär-Ausschusses.

Brüssel, 5. Aug. Der aus militärischen Sachver­ständigen und Parlamentariern bestehende Militär­ausschuß, der einen Plan für die künftige Ge­staltung der belgischen Landesvertei­digung ausarbeiten soll, hat nunmehr, nachdem die Hauptberichte über den augenblicklichen Stand der Landesverteidigung im wesentlichen abgeschlossen sind, einen Arbeitsplan aufgestellt.

Der Ausschuß hat Dienstag und Mittwoch getagt und hinsichtlich des Einflusses der Außenpolitik auf die Landesverteidigung eine bemerkenswerte Entschließung angenommen. In ihrem wesentlichen Inhalt besagt

diese Entschließung, daß die militärische Organisation Belgiens nur das einzige Ziel haben dürfe, Belgien gegen jeden Angriff, von wo er auch kommen möge, zu schützen. Unter Hinweis auf die Notwendigkeit, die geistige Einheit des Landes zu wahren, wird es als unumgänglich erachtet, auch den Anschein zu vermeiden, als ob die militärische Or­ganisation Belgiens ständig gegen be­stimmte Staaten gerichtet sei oder ob Bel­gien mit bestimmten Staaten in einseitigen Bindungen ste.

Gegen diese Entschließung hat im Ausschuß nur ein wallonischer Abgeordneter Einspruch erhoben. Die übrigen Mitgieder des Ausschusses mit Einschluß der flämischen Abgeordneten haben der Entschließung zuge­stimmt.

daß der Vormarsch der Nationali st en von Sevilla nach Madrid am Mittwochfrüh begonnen habe. (Eine Streitkraft von etwa 5 0 0 0 Mann habe die Stadt in den frühen Morgenstunden auf Lastkraftwagen und Vrivatauto- mobilen in Richtung B a d a j o s als erstes Ziel verlassen, eine zweite Kolonne schlage zunächst den Weg nach Norden ein, um einige in kommunistischen Händen befindliche Ort- schaftenzu nehmen. Später sei die Absicht, gemeinsam die Stadt M e r i a zu besetzen, die ebenfalls noch unter Gewalt der Kommunisten sei. Die Säuberung im Tal des Gua­dalquivir hätte bereits beträchtliche Fortschritte gemacht und es sei gelungen, eine ganze Anzahl von Dörfern von Kommunisten vollständig zu befreien.

de Llano meldet große Erfolge.

Lissabon, 6. Aug. (Funkmeldung.) General E u a l d o de Llano hat im Rundfunk bekanntgegeben, daß er sich persönlich von der vollständigen Ruhe in Cordova überzeugen konnte. General Mola sei mit seinen Vorberetlun- gen für den Endkampf beschäftigt, der in wenigen Tagen beginnen würde. Über die Kampflage teilt der Gene­ral mit, daß nationalistische Abteilungen aus Granada auf dem Wege von Malaga nach Monte Frio marxistische Formationen vernichtet hätten. Rach erbitterten Kämpfen sei es den Streitkräften der Nationalisten gelungen, die Ortschaft Brancana zu besetzen, woselbst zahl­reiches Kriegsmaterial und Munitionsoor­räte in ihre Hände gefallen sei. Die Roten hätten 200 Tote auf dem Kampfplatz zurückgelassen. Nunmehr hätten sich 6000 Mann Stoßtruppen auf dem spanischen Fest­lande zusammengefunden, die aus Fremdenlegionären zu­sammengesetzt seien. Weiter wird berichtet, daß die Roten versucht haben, den linken Flügel der vor der Hauptstadt stehenden Streitkräfte einzukreisen. Der Versuch sei miß­lungen. Die rote Miliz sei nach heftigem Kampfe zurückge­worfen worden. Sie hätte 600 Tote verloren und in die Hände der Nationalisten seien 70 Gefangene, zwei Tanks und 14 Lastkraftwagen gefallen.

Minister spreche von Neutralität gegenüber Spa­nien und nehme gegen jede Einmischung in die inneren Verhältnisse anderer Länder Stellung, aber der rücksichtslose Bolschewismus denke nicht daran uns die ganze Hand­lungsweise Frankreichs sei darauf gerichtet, die marxistische Regierung in Madrid in jeder Weise zu unterstützen. Welche Gefahren hier heraufbeschworen würden, hätten die Vorgänge an der französisch-deutschen Grenze deutlich gezeigt. Feindliche Kundgebungen und Drohungen seien herausfor­dernde Handlungen, die teuer zu stehen kommen könnten. Sie ständen im Gegensatz zu der Einladung, welche die fran­zösische Regierung an Deutschland wegen der Teilnahme an der künftigen Fünfmächtekonferenz gerichtet habe.

Im übrigen verfolge die norditalienische Presse die Er­eignisse in Griechenland mit größter Aufmerksamkeit. Sie stellt auch hier den unterstützenden und schürenden EinflußdeiKommunistenanden Pranger.

Bansittart und Monsell in der Reichskanzlei.

Berlin, 5. Aug. Der Führer und Reichskanzler empfing heute vormittag den zur Zeit zum Besuch der Olyrn- vischen Spiele in Berlin weilenden britischen ständigen Unterstaatssekretär für Auswärtige Angelegenheiten, Sir Robert Vansittart fomie ferner den früheren britischen Marineminister Lord Monsell.

Außerdem nahm der Führer und Reichskanzler heute die Meldung des Kommandanten des zur Zeit in Hamburg liegenden brasilianischen SchulschiffesAlmirante Sal- danha", Fregattenkapitän Dutra, entgegen, der durch den brasilianischen Botschafter in Berlin, Moniz de A r a g a o, dem Führer vorgestellt wurden.

Der Reichsminister des Auswärtigen und Freifrau von Neurath veranstalteten am Mittwochabend anläßlich der XI. Olympischen Spiele Berlin 1936 im Schloß Charlotten- burg eine Abendtafel mit anschließendem (Empfang zu Ehren des Präsidenten und des Vollzugsausschusses des Internationalen Olympischen Komitees und zur Zeit in Ber­lin weilender ausländischer Fürstlichkeiten und Staats­männer.

Unter den Gästen befanden sich Seine Königliche Hoheit der Kronprinz von Italien, Seine Königliche Hoheit der Kronprinz von Griechenland, ihre Königlichen Hoheiten Erbprinz und Erbpiinzessin Gustav Mols von Schwe­den, die beteiligten Missionschefs und deutsche Persönlich­keiten mit ihren Damen.

Die MtimWeil ziehen VeWknngen ans Mto heran

Truppentransporte von Ceuta nach Algeciras in vollem Gange.

London, 6. Ang. (Funkmeldung.) Nach Berichten aus Gibraltar ist die Verschiffung von Truppen des ranco von Ceuta nach Algeciras a n g c. Dabei kam es am Mittwoch während eines Feuergefechtes zwischen einem Kriegsschiff der Madri­der Linksregierung und Flugzeugen der Rationalisten zu einem Zwischenfall, der in England insofern einige Er­regung ausgelöst hat, als wegen eines ähnlichen Zwischen­falles vor 8 Tagen ausdrücklich Protest erhoben und an­gedroht worden war, daß in Wiederholungsfällen zu be­sonderen Schutzmaßnahmen geschritten werden müßte.

Diesmal platzte eine von einem spanischen Regierungs- zeistörer abgefeuerte große Granate unmittelbar auf dem Rennplatz von Gibraltar, wo etwa 800 britische Untertanen untergebracht sind. Weitere 400 Meter von dieser Stelle entfernt befindet sich der Standort des Gordon-Hochländer- Regi­mentes. Dis Granate riß einen 6 Meter tiefen Krater auf, doch wurde glücklicherweise niemand verletzt. Im Ver­lauf des Feuergefechtes schlug das Flugzeug der Nationalisten den Regierungszerftörer in die Flucht, so daß der Truppen­transport, der mit zwei Pastagierdampfern durchgeführt wurde und 2000 Mann beförderte, ungehindert von- statten gehen konnte.

Der Sonderberichterstatter desDaily Telegraph" Perci- val Phillips erfährt aus zuverlässiger Quelle tn Gibraltar,

Seite 2. Nr. 213.

sprechender Weise hätten sich England und Frankreich 1861 beim amerikanischen Bürgerkrieg verhalten. So weit das italienische Blatt, das mit seinem Artikel ge- wissermaßen die offizielle Anerkennung der Regierung der Militärgruppe fordert und damit eine sehr schwierige völkerrechtliche Frage anschneidet. Kein Wunder, daß man unter solchen Um­ständen in Frankreich die kommenden Berhand- lungen skeptisch zu betrachten beginnt. Man befürchtet, daß sich die Auseinandersetzungen monate­lang hinziehen werden, vermutlich so lange, wie der spanische Bürgerkrieg dauert, und man verweist darauf, daß sich die Lage noch komplizieren wird, so- bald die Sowjetunion in diese Verhand­lungen einbezoaen werden müsse. Die Italiener würden zweifellos auf die sowjetrussischen Geldsendungen für die Madrider Regierung verweisen und unter Umständen aus dieser aktiven Politik Mos­kaus in dem spanischen Bürgerkrieg für sich gewisse Rechte ableiten. Auch die englische Presse zeigt sich neuerdings etwas nervös. Sie verkennt nicht, daß derspanische Funke" für Europa einerecht ernste Gefahr werden kann. So betont auch derDaily Telegraph", daß es sich jetzt nicht mehr um Rot oder Schwarz in Spanien handele, sondern darum, Spanien als Gefahr für den europäi­schen Frieden zu werten. Immer wieder unterstreicht das Blatt, daß alle Bemühungen darauf ge­richtet sein müßten, den spanisch en Bürgerkrieg zu lokalisieren. Dabei machen die englischen Blätter freilich wenig Aufhebens von der sowjetrussifchen Unterstützung für die spanische Volks­frontregierung, da ihnen offenbar ein von der Volks­front oder den Kommunisten regiertes Spanien für die englische Position im Mittelmeer bequemer erscheint als ein faschistisches Spanien, das sich an Italien anlehnt. Diese, um es milde auszudrücken, mehr als seltsame Auffassung tritt freilich zunächst zurück hinter dem Bestreben, ein Überspringen desspanischen Funken" unter allen Umständen zu verhindern.

Empfang des britischen Kriegsschiffbesuches im Kieler Rathaus.

Kiel, 5. Aug. 3m großen Saal des festlich geschmückten Rathauses von besten hohem Turm herab neben bet deut­schen Reichsflagge die britischen Nationalfarben wehen, fand am Mittwochvormittag der (Empfang einer Abordnung des britischen KreuzersNeptune" statt. Zu diesem Empfang waren auch die deutsche Kriegsmarine, an ihrer Spitze der Festungskommandant von Kiel, Kapitän z. S. M e w i s, und führende Männer der Partei und des öffentlichen Lebens erschienen.

Der Oberbürgermeister der Kriegsmarinestadt Kiel, B e h r.e n s, entbot im Namen der Kieler Bevölkerung herz­liche Willkommensgrüße und gab der Genugtuung Ausdruck, Vertreter der Königlich britischen Marine in einer Zeit empfangen zu können, in bet in der Hauptstadt des Deutschen Reiches die Olympischen Spiele statffinden und Kiel stolz ist, Kampfplatz der Olympischen Segelwettkämpfe zu sein. 3um Schluß der Rede erhob der Oberbürgermeister sein Glas auf bas Wohl des britischen Königs, des englischen Volkes und seiner Kriegsmarine.

Der Kommandant des britischen KreuzersNeptune, Captain Bedford, dankte in englischer Sprache für den herzlichen Empfang in Kiel. Er schilderte die starken Ein­drücke, die man beim Aufenthalt in der Segel-Olympiastadt Kiel gewonnen habe und sprach den Wunsch aus, daß sich die Bande gegenseitiger Freundschaft festigen mögen. Der Kom­mandant erhob sein Glas auf das Wohl des Führers und Reichskanzlers und des deutschen Volkes.