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2. ScheNenberg'Iche Hofbuchöruckerei, ^tagblatt-Ha»»-.
Unterhaltungsbeilage.
mit einer täglichen
Bojtschecklonto: Frankfurt a. M. Nr. 7tW.
Drahtanschrift: Taghiatt Wiesbaden.
84. Jahrgang
Nr. 171.
Donnerstag, 25. Juni 1936
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Das Aufmarschgelände der Roten Armee.
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Beruhigende Zusicherungen.
Paris, 25. Juni. Der Vorstandsausschuß der fran-
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Fernfprecher-Sammel-Nr. 59631. Berliner Büro: Berlin-Wilmersdorf.
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direkt mit Deutschland!"
Welchen Weg geht die französische Außenpolitik?
In der französischen Kammerdebatte über die Erklärung, die der Außenminister Delbos dort in gleichem Wortlaut verlas, wie Ministerpräsident Ldon Blum im Senat, erklärte der erste Diskussionsredner, der Abgeordnete Montigny, Frankreich habe seit Monaten keine Außenpolitik mehr. Die Kritik ist herb, aber angesichts der Unklarheiten, die durch das Ringen der verschiedenen Parteien um die Macht entstanden waren und die nicht nur die innenpolitische, sondern auch die außenpolitische Aktivität gelähmt hatten, nicht ganz unberechtigt. L6on Blum und Delbos haben aber offenbar die Absicht gehabt, vor dem französischen Volke darzulegen, daß man in Paris nunmehr wieder Außenpolitik machen werde.
Diese Außenpolitik wird selbstverständlich französisch sein, und sie wird keinen Bruch der Linie bringen, auf der sie sich in den letzten Jahren bewegte. Immerhin wird man. vorläufig annehmen müssen, daß sie eine etwas andere Färbung bekommt, als bisher. Uber das Verhältnis Frankreichs zu Deutschland finden sich in der Regierungserklärung Töne, die man bei früheren ähnlichen Anlässen vergeblich gesucht hatte. ££on Blum und Delbos reklamieren für das Kabinett der Volksfront, daß die Parteien, auf dis sie sich stützen, immer für eine deutsch-französische Verständigung gekämpft hätten, und sie zitieren den Schatten von Jaur6s, der seine leidenschaftliche Handlung für den Frieden mit seinem Leben bezahlen mußte. An Briand wird erinnert, und an die Voraussetzungen, die Herriot einst für den Abschluß des Locarnopaktes, den ersten faßbaren Schritt -für eine Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich, schuf. Es war neu, daß der offizielle Sprecher der Regierung ausdrücklich sein Vertrauen in das Wort Adolf Hitlers, des ehemaligen Frontkämpfers, erklärte. Jener Abgeordnete, der im Anschluß an die Verlesung der Regierungserklärung ausrief: „Sprecht direkt mit Deutschland!" zog schließlich nur die letzte Konseqenz aus dem, was Delbos über das deutsch-französische Verhältnis ausgeführt hatte.
Aber es wäre wahrscheinlich verfrüht, nun zu glauben, daß all die Hemmungen, die auf französischer Seite der Befolgung eines solchen Rates bisher entgegenstanden, nunmehr beseitigt wären. Auf die verheißungsvollen Sätze in der Rede des Regierungsvertreters folgte ein „Aber". Man könne die Lehren der Erfahrungen und die Tatsachen nicht vergessen. Welches sind diese angeblichen Erfahrungen und Tatsachen? L^on Blum und Delbos sehen sie vor allem in der deutschen Aufrüstung, beginnend mit der Lossage von den Militärklauseln des Versailler Vertrages am 16. März 1935 und endend mit der Wiederherstellung der vollen deutschen Souveränität im Rheinlande am 7. März 1936. Die französische Regierung ist der Meinung, Deutschland habe gewisse „Irrtümer" zum Anlaß genommen, um sich das Recht zu diesen Schritten zuzuschreiben. War es wirklich ein Irrtum Deutschlands, anzunehmen, daß die in der Einleitung zum fünften Teil des Versailler Diktatvertrages verheißene „allgemeine Beschränkung der Rüstung aller Nationen", die obendrein im Artikel 8 der Völkerbundssatzung noch einmal in Aussicht gestellt wird, ernst gemeint war? Deutschland hat jedenfalls erst, nachdem es selbst bis zur Selbstverleugnung abgerüstet hatte, und jahrelang vergeblich auf das Folgen der anderen Staaten wartete, die Schlußfolgerung aus der Nichterfüllung des von den anderen gegebenen Versprechens gezogen.
Und da, wo 2eon Blum und Delbos von der Wiederbesetzung des Rheinlandes sprechen, berufen sie sich auf die von Deutschland in dem freiwillig unterzeichneten Locarnopakt noch einmal bestätigte Entmilitarisierungsbestimmung. Von diesem Pakt habe der Führer und Reichskanzler bei mehreren Gelegenheiten erklärt, daß er die hauptsächlichste Garantie für den europäischen Frieden darstelle. Richtig. Aber diese Garantie für den europäischen Frieden wurde ja durch den Bündnisvertrag zwischen Paris und Moskau zunichte gemacht. Es ist von deutscher Seite zur Genüge bereits dargelegt worden, daß die Verpflichtungen aus diesem Vertrage die Sicherheitsgarantie von Locarno praktisch aufhoben. Das rechtfertigt vor dem Tribunal der Geschichte jenen deutschen Schritt der Wiederbesetzung des Rheinlandes, der keinen anderen Zweck hat als den, die verlorene Sicherheit der Garantie durch die faktische Sicherheit des Selbstschutzes zu ersetzen.
Auch in dem, was in der französischen Regierungserklärung über die zunächst anzuftrebenden politischen Ziele gesagt wird, läßt noch einen recht erheblichen Abstand von den deutscherseits vertretenen Auf»
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teilungen des polnischen Blattes nicht neu, wenn auch hier datenmäßige Unterlagen für die bisher schon bekannten Vorgänge gegeben werden. Daß man sich in Polen für diese Dinge jetzt stärker interessiert, mag darauf zurückzuführen sein, daß sich das polnisch- tschechoslowakische Verhältnis in der letzten Zeit wieder verschlechtert hat und daß man in Warschau sich durchaus darüber im klaren ist, daß der s o w j et- rus s i sch e Imperialismus, der sich der Tschechoslowakei als Stützpunkt bedient, nicht nur gegen Deutschland, sondern auch gegen Polen gerichtet ist. Die tschechoslowakische Gesandtschaft in Warschau hat sich beeilt, die Angaben des polnischen Blattes zu dementieren. Wir können natürlich nicht nachprüfen, ob jedes einzelne Datum, das das polnische Blatt nennt, den Tatsachen entspricht. Was aber garnicht abzuleugnen ist, das ist die enge militärischeZusammen- arbeit zwischen Prag und Moskau. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die Tschechoslowakei das Aufmarschgelände der Roten Armee, insbesondere der sowjetrussischen Luftstreitkräfte, abgeben soll. Die Überzeugung, daß die Tschechoslowakei künftig zum „Flugzeugmutterschiss" der Sowjetunion bestimmt ist, hat sich auch außerhalb der deutschen Grenze längst durchgesetzt. Die Verlegung des tschechoslowakischen Aufmarsches an die deutsche Grenze läßt überdies klar die Absicht erkennen, die böhmischen Flugplätze als Stützpunkte für die Sowjetflieger möglichst lange zu behaupten. Das alles sind Dinge, die das Dementi der tschechoslowakischen Gesandtschaft nicht aus der Welt schaffen kann. Außerdem aber charakterisiert die Anfrage der Kommunisten im Prager Parlament die Lage in jeder Hinsicht.
Wenn das polnische Blatt außerdem darauf hinweist, daß von Prag aus die Kommuni st ische Internationale ganz Mitteleuropa zu bearbeiten versucht, so werden sich auch diese Angaben kaum ableugnen lassen, wurde doch auf der Haupttagung der Sudetendeutschen Partei erst vor wenigen Tagen festgestellt, daß die Tschechoslowakei infolge ihres Bündnisses mit Moskau den offiziellen Kampf gegen den Bolschewismus aufgegeben habe.
Di« Hafenarbeiter von Oran in Französisch-Nord- afrika haben sich der Streikbewegung angeschlossen haben di« dort im Hafen liegenden Dampfer besitzt.
Prag und Moskau.
Eine Frucht des Prager Bündnisses mit Moskau. — Die Tschechoslowakei als militärische und politische Basis der Sowjets. — Mitteilungen eines polnischen Blattes.
Befürchtungen der französischen Wirtschaft
Der Vorstandsausschuß der französischen Handelskammern bei ßeon Blum.
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Dementis und Tatsachen.
| as. Berlin, 25. Juni. (Drahtbericht unserer Berliner I'1 Abteilung.) Im Prager Parlament haben die Kommunisten eine Anfrage eingebracht, die als Frucht jf des Prager Bündnisses mit Moskau recht bemerkens- t wert ist. Sie fragen nämlich den Verteidigungsminister, I ob er bereit sei, alle Schritte zu unternehmen, um die D tschechoslowakische Armee von allen x- Offizieren faschistischer und sowjet- 7 feindlicher Denkart freizuhalten und im M Interesse der Vertiefung des Freundschaftspaktes M zwischen der tschechoslowakischen und der sowjetrussi- p schen Armee alles zu tun, damit in der tschechoslowaki- fe, schen Armee der „Geist der Freundschaft mit Sowjet- Z rußland" propagiert werden kann. Den Anlaß zu dieser | Anfrage gab das Einschreiten eines früheren zaristischen t Offiziers gegen die Verteilung kommunistischer Werbe- 6 schriften. Man darf gespannt sein, welche Antwort der p tschechoslowakische Verteidigungsminister den An- > fragern erteilen wird. Es erscheint in der Tat unlogisch, ; die Zusammenarbeit mit der sowjetrussischen Armee durch alle möglichen Zusammenkünfte und Besuche von .. Offizieren auf der einen Seite zu fördern und auf der fv anderen Seite den Versuch zu machen, dem Geist, der t diese Armee beherrscht, Widerstand zu leisten. Insofern M haben die Prager Kommunisten zweifellos die Logik 7 auf ihrer Seite.
M Daß diese enge militärische Zusammenarbeit t,* zwischen Prag und Moskau besteht, darüber ist heute | trotz aller Prager Dementis gar kein Zweifel mehr g möglich. Schon vor einiger Zeit hat die slowakische Be- v völkerungsgruppe der Tschechoslowakei auf diese Zu- k sammenarbeit in einer dem Völkerbund zugeleiteten W Denkschrift hingewiesen. Jetzt kommt die große Sv polnische Zeitung „Jllustrowanny Curjer Codgienny" ‘ auf dieses Thema zurück und stellt das Auftreten von x vier sowjetrussischen Militärdelegationen in der ' Tschechoslowakei datenmäßig fest. Das Blatt berichtet kT weiter, daß sowjetrussische Spezialisten in verschiedenen F staatlichen und vom Staate kontrollierten tschechoslo- - wakischen Betrieben tätig seien. An sich sind die Mit-
Paris, 25. Juni. (Funkmeldung.) Nunmehr ist auch die französische Kriegsmarine durch die Streikbewegung in Mitleidenschaft gezogen worden. Etwa 300 Arbeiter der Werft von St. Denis bei St. Nazaire, die an Bord Meier Kreuzer und an Boid von vier Unterseebooten Aus- besserungsarbeiten durchführeu, haben die Arbeit niederge-
Noch immer 192000 Streikende.
Paris, 25. Juni. (Funkmeldung.) 3n ganz Frankreich wurden am Mittwoch 192110 Streikende gezählt. Es ist also eine Zunahme von 1013 gegen den Bortag zu verzeichnen. In Paris allein zahlte man noch 19177 Streikende, im Departement Nord sind noch 36 129 Arbeiter im Ausstand.
und sie nach bekanntem Vorbild „'besitzen". Später entschlossen sie sich aber, zwei in der Nähe der Werst liegende Hallen zu besetzen, dort di« rote Fahne zu hißen und hier die Erfüllung ihrer Forderungen abzuwarten.
400 weitere Arbeiter der Loire-Werft in St. Denis bei St. Nazaire von der Abteilung Turbinenbau haben ebenfalls den Streik ettlürt und die betreffenden Werksanlagen besitzt.
Die Streiklage in Marseille.
Paris, 25. Juni. (Funkmeldung.) Die Streiklage in Marseille ist vorläufig noch unverändert. Nach wie vor sino di« Schiffe von ihren Mannschaften besitzt, und die rote Fahne weht auf den Masten. Während Vertreter der streikenden Matrosen und der Schiffseigentümer am Mittwochnachmittag in Paris beim Ministerpräsidenten Leon Blum und bei dem Ünterstaatsfekretär im Handelsministerium. Taffo, weilten, traf ein Telegramm aus Marseille ein, das die grundsätzliche Zustimmung der Schiffsgesillschaften zu den Forderungen der Streikenden brachte. Es bleibt nun abzuwarten, ob die Aufforderung des Ministerpräsidenten, nach Annahme der Forderungen der Matrosen durch die Schiffsgsseltschasten. die Arbeit auf den besetzten Schiffen sofort aufzunehmen, von den streikenden Matrosen am Donnerstagoormittag auch befolgt wirb.
3m Anschluß an die Bösprechung wurde vom Vorstand der Handelskammern eine Mitteilung ausgeg^en. in der 8 über den Verlauf der Besprechungen berichtet wird. U. a. wird heroorgehoben, daß MinisterpräMent Leon Blum ver- sichett habe, daß er di« klare Überzeugung einer fortschreitenden Beruhigung der Lage habe und daß in Zukunft keine Besetzung von Fabttken mehr geduldet I" werden würde.
In den Nachtstunden wird vom Minffterpräftdium mit- «eteilt, daß Leon Blum zu dieser Pressemitteilung des Vorstandes der französischen Handelskammern allergrößte Vorbehalte mache, da er an der Abfassung des Wortlautes nicht beteiligt gewesen fei.
Auch die Kriegsmarine betroffen.
zo fischen Handelskammern ist am Mittwochabend vom Mini- - sterpräsidenten Leon Blum zu einer längeren Besprechung über di« Lage empfangen worden. 2m Verlaufe dieser Besprechungen wurden dem Ministerpräsidenten Befürch- D tungen des Handels und der Industrie Frankreichs wegen der durch die Fortführung des Streiks und der S Besetzung zahlreicher Fabriken drohenden Gefahren unterbreitet. Der Dorstandsausschuß der Handelskammern Frankreichs ersuchte weiterhin den Ministerpräsidenten um M. sofortige Maßnahmen zum Schutze des Binnenmark
tes. Auch auf den Schiffahrtsstreik in Marseille wurde bingewiesin.
