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Unterhaltungsbeilage.
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Drahtanschrift: lagblatt Wiesbaden.
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Nr. 164.
Donnerstag, 18. Juni 1936.
84. Jahrgang.
Die Saat Moskaus.
Nach den Sanktionen
England im Umdenken.
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Vor der grohen Aussprache in London
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Das Kabinett billigt Edens Erklärungen.
London. 17. Juni. Wie verlautet, hat - das britische Kabinett in seiner Mittwochssitzung die Erklärung gebilligt, di« Eden am Donnerstagnachmittag im Unterhaus abgsben Wird. Es wird bekanntlich allgemein angenommen, daß di« britische Regierung bereit sei, die Sanktionen auf» zugeben, falls dies in Genf beschlossen wird.
London, 18. Juni. (Funkmeldung.) Eine Abordnung führender Araber aus Palästina traf am Mittwoch unter der Führung von Dschemal Effendi Hussein, in London ein. Die Abordnung wird nicht in amtliche Verhandlungen mit der britischen Regierung eintreten. Sie betrachtet es jedoch als ihre Aufgabe, im Auftrage des Obersten Arabischen Ausschusses in Jerusalem vom britischen Volk Gerechtigkeit für die Araber Palästinas zu verlangen.
Eine arabische Abordnung aus Palästina in London.
8. Schellenberg'sch- Hostschdruckerei, „Tagblatt-Haus'. Geschäftszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonn- und Feiertags.
Sanktionsfchlutz tun?
Selbst für die Kenner englischer politischer Entwicklungen ist es nicht uninteressant, das gegenwärtige große Umdenken zu verfolgen, das in England in bezug auf die Abschließung der Sanktionsepisode vor sich geht. Man kann feststellen, daß das Stadium der Prestigebeurteilung bereits überwunden ist. Noch operieren zwar die unentwegten Pazifisten und ein Teil der Völkerbundsfreunde mit dem Argument, daß Englands Ansehen es nicht ertragen könne, jetzt einfach sang- und klanglos mit den Sanktionen Schluß zu machen und die italienische Eroberung von Abessinien anzuerkennen. Aber die englische Öffentlichkeit ist bereits unempfänglich für solche Argumente geworden. In der Heimat des Sportes kennt man den Grundsatz, daß schließlich mal auch ein Spiel verloren gehen kann, und die englische Öffentlichkeit hat sich so gut wie mit der Tatsache abgefunden, daß England eben auch einmal „ein guter Verlierer" sein muß. Und in einem solchen Falle gilt es, daß man „hart im Nehmen" sein kann. Eine solche mehr sportliche Auffassung der politischen Moral erleichtert jedenfalls den führenden Männern die Kursänderung wesentlich.
Bisher dachte man sich in England die Entwicklung so, daß irgend ein neutraler Staat die Aufhebung der Sanktionen beantragen und England sich dem in Genf nicht mehr widersetzen würde. Aber bis jetzt hat sich kein neutrales Karnickel gefunden. Auch der französische Freund ist, besonders aus innerpolitischen Bedenken heraus, der Meinung, daß England, das ja schließlich den ganzen Sanktionsstreit entfacht hat, nun auch selber den Antrag stellen müsse, die Sanktionen wieder aufzuheben. 3n anderen Ländern würde man sagen, daß leider die Entwicklung dazu zwinge, den bitteren Kelch bis zur Neige zu leeren, aber der rationelle Engländer findet, daß schließlich ein Antrag, der von England ausgeht, doch ganz vernünftig wäre, und so wird Mr. Anthony Eden es wahrscheinlich selber sein., der der englischen Politik den guten Rat gibt, in Genf die Aufhebung der Sanktionen zu beantragen. Die britische Propaganda versucht, bei der Begründung eines solchen Schrittes auf die öffentliche Meinung mit Gründen zu wirken, die in England immer auf Verständnis stoßen. Man weist darauf hin, daß England schwere wirtschaftliche Opfer bei den Sanktionen gebracht habe, und die australische Regierung unterstützt dieses propagandistische Argument, indem sie ihren Sanktionsschaden auf 20 Millionen Pfund berechnet. In der ausschlaggebenden Konservativen Partei ist jetzt die Einigkeit vollkommen wieder hergestellt. In dem Auswärtigen Ausschuß dieser maßgebenden Partei hat sich in einer Sitzung keine einzige Stimme mehr für die Aufrechterhaltung der Sanktionen ausgesprochen. Sogar die „Times" ändert jetzt ihre Politik und verlangt, daß man sich über die Methode und den Zeitpunkt der Sanktionsbeendigung schlüsiig werden müsie. Das ist für das Blatt, das bisher im Kampfe gegen Italien führend war, allerhand!
Natürlich muß man der britischen Öffentlichkeit für ein solches Umdenken, das schon mehr ein llmschwenken ist, einen plausiblen Grund liefern. Er wird gegeben durch den Hinweis, daß die Frage der Reform des Völkerbundes unaufschiebbar geworden ist, so verlangt auch die „Times" für spätestens Juli die Niedersetzung eines Ausschusies, der die einzelnen Reformvorschläge überprüfen soll. So weit also England in Frage kommt, wäre der Fall ausgeftanden. Man spricht heute nicht
„Feuerkreuz", die heute über eine Million Mitglieder zählt an, daß sie nunmehr aktiv werden würde, nachdem die Zeit der Sammlung vorbei sei. Allerdings ist ihr Programm nicht sonderlich klar, soweit die Positiven Ziele in Frage kommen, betont aber scharf den Kampf gegen den Kommunismus. Ihr Führer de la Roque gibt die „rote Tyrannei" als Grund für sein jetziges Hervortreten an und nimmt eine scharfe Haltung gegen die Sowjetunion ein. Der Streik habe gezeigt, daß. die rote Fahne die Trikolore überall ersetzt oder zum mindesten neben ihr geweht habe. De la Roque verlangt zur Erneuerung Frankreichs eine Einigung nach außen und innen. Auch wenn man diese Vorgänge nicht überschätzt, so kann man doch wohl aus ihnen schließen, daß sich das französische Bürgertum nicht mit Haut und Haaren dem Kommunismus, den man mit dem Abschluß des französisch-sowjetrussischen Paktes hochgepäppelt hat, ausliefern will. 2n diesem Zusammenhang verdient auch erwähnt zu werden, daß bei der Beratung der neuen Sozialgesetze im französischen Senat eine sehr sachverständige Kritik an den Plänen L4on Blums geübt wurde, wobei darauf verwiesen wurde, daß diese Vorlage den Staat die Kleinigkeit von 1,3 Milliarden Franken kosten werde.
Zur Abrundung des Bildes sei noch erwähnt, daß der schweizerische Bundesrat dem französischen Arbeitervertreter auf der internationalen Arbeitskonferenz, Jouhaux, verbot, in einer Versammlung der Sozialdemokratischen Partei aufzutreten, da seine Rede auf eine Verherrlichung derillegalenBesetzung der Betriebe hinausgelaufen wäre. Daraus wird erkenntlich, daß die Schweiz die Gefahren, die hier drohen, erkannt hat, wie auch der schweizerische Nationalrat gestern die 40-Stundenwoche abgelehnt und dieses „Experiment" neidlos Frankreich überlassen hat.
Der Führer im Olympischen Dorf.
Berlin, 18. Juni. Der Führer und Reichskanzler stattete im Laufe des Mittwochnachmittags unerwartet dem Olympischen Dorf einen Besuch ab. Der Führer, " der am Eingang des Dorfes durch den Reichskriegsminister Generalfeldmarschall von Blomberg begrüßt wurde, besichtigte sämtliche Einrichtungen des ' Dorfes und ließ sich von dem Erbauer des Olympischen Dorfes, Architekt Werner March, die baulichen und technischen Einzelheiten erläutern. Der Kommandant des Olympischen Dorfes, Oberstleutnant von und zu Gilsa, unterrichtete den Führer über die organisatorischen Maßnahmen.
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Unruheherd Belgien.
Streiks nach französischem Muster. — Gegenwehr in Frankreich.— Trikolore gegenrote Fahne.
kollektiv« Sicherheit erwogen und ob die britische Regierung hierüber mit den anderen Völkerbundsmitglie- dern Besprechungen ausgenommen habe. Eden wies Fletcher auf die Donnerstags-Aussprache hin und erklärte, daß zweifellos die Frage mit den anderen Völkerbundsmitgliedern in Genf besprochen werden würde, wo eine positive Entscheidung getroffen werden mäste. Dies führte zu einer lebhaften Zwiesprache zwischen Eden und den Abgeordneten Thurtle (Labour) uNd Fletcher. Sie versuchten, Eden zu einer Erklärung zu zwingen. Eden beschränkte sich jedoch auf die Feststellung, daß Großbritannien bereit sei, die Frage in Eens und auf diplomatischem Wege zu erörtern.
Neuordnung der britischen Luftwaffe.
London, 18. Juni. (Funkmeldung.) Sßi« aus einer amtlichen Verlautbarung des Lustministeriums heroorgeht, werden ab Nächsten Monat bedeutsame Änderungen in der Leitung und Befehlsorganisation der englischen Luftstreitkräfte vorgenommen. Der Zweck der neuen Maßnahme besteht darin, die britische Luftwaffe auch zu Friedenszeiten in einem dauernden Zustand der Kriegsbereitschaft zu halten. In der Hauptsache werden drei neue Befehlsstellen geschaffen, nämlich erstens das Bomberkommando, dem sämtliche Bombengeschwader unterstehen: zweitens das Kampffliegerkommando, das die Kampfgeschwader einschließlich der Hilfsgeschwader kontrollieren wird: drittens das Küstenkommando, dem die Flugbootgeschwader und die Ausbildung der Seeflottengeschwader unterstehen werden.
Die Schweiz schließt sich ab.
as. Berlin, 18. Juni. (Drahtbericht unserer Berliner i Abteilung.) In Belgien entwickelt sich der Streik ; immer mehr nach französischem Muster. Die i Zahl der Streikenden wird heute schon auf 250 000 ge- ’ schätzt. Es ist bemerkenswert, daß der Streik auch auf den Ausbau der Festungen übergegriffen hat. Tie Arbeiter, die mit dem Bau der b e l g i s ch e n V e r - teidigungslinie, jenes Festungsgürtels, der die Fortsetzung der französischen Maginotlinie darstellt, beschäftigt sind, haben ebenfalls die Arbeit niedergelegt, und starke Gendarmerieabteilungen und in aller Eile zusammengezogene Truppen sichern jetzt das Vau- gekände. Dabei arbeiten die Kommunisten auf eine weitere Verschärfung des Streikes hin. spricht man doch auch davon, daß Brüssel von einem General- st r e i k bedroht sei. Es heißt, daß die Kommunisten in ihren Verhandlungen mit den Sozialdemokraten den : Generalstreik in der Hauptstadt als Voraussetzung für l das Zustandekommen der Volksfront bezeichnet haben.
Während in Belgien die Streikbewegung wohl noch - nicht einmal ihren Höhepunkt erreicht hat, macht sich in i Frankreich jetzt nach den zahlreichen Streiks eine gewisse Reaktion bemerkbar. So ist bezeichnend ein : Protest der Handelskammer von Marseille da- - gegen, daß in dieser großen Hafenstadt überall rote Fahnen wehen. Die Kammer hat die Bürgerschaft aufgefordert, die Trikolore zu zeigen, und diese Aufforderung ist in großem Umfange befolgt worden. In N a n c y, wo es den Jüngern Moskaus gelungen war, - eine rote Fahne auf einem Turm der Kathedrale anzubringen, erklommen zwei Mitglieder der patriotischen Jugend unter dem Beifall der Menge den Turm - und beseitigten das Zeichen der Revolution. Zugleich ; kündet die bekannte rechtsgerichtete Organisation
Eden im Kreuzfeuer der Fragen.
Loudon, 17. Juni. An Außenminister Eden wurde am Mittwoch im Unterhaus wieder eine Reihe außenpolitischer Anfragen gerichtet, die sich zum Teil auf Die Sankttonsfrage bezogen. Eden erklärte jedoch, daß er vor Der Donnerstags-Aussprache sich nicht äußern könne. Es kam Dabei verschiedentlich zu Meinirngsverfchiedenheiten, die vermuten lasten. Daß es am Donnerstag ziemlich scharfe Auseinandersetzungen zwischen der Opposition und Der Regierung geben wird" Auf eine Anfrage des Abgeordneten Powdor sagte Eden zu, Daß er einen genauen Bericht über die Zeit unmittelbar vor dem Einmarsch der Italiener in Addis Abeba dem Unterhaus unter- breften werde.
Fletcher (Labour) fragte, ob Die Regierung eine Entscheidung über Die Anerkennung des italienischen Königs als Kaiser von Abessinien getroffen habe, was Eden verneinte.
Fletcher fragte darauf weiter, ob die Regierung die Frage Der Fortsetzung oder Aufhebung der Sanktionen im Hinblick auf ihre Bedeutung für die
Der Negus während der Völkerbund stagung in Genf.
London, 18. Juni. (Funkmeldung.) Nach einer Mitteilung der abessinischen Gesandtschaft wird sich der Negus während der Völkerbundstagung Ende Juni in Genf aufhalten: er wird jedoch der Versammlung nicht persönlich beiwohnen.
Der Negus reist heute mit seinen beiden Söhnen und seiner Tochter sowie mit dem abessinischen Gesandten nach S ch o t t l a n d, wo er sich einige Tage zur Erholung in einem Schloß in der Nähe von Glasgow aufhalten wird.
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Ein polnisches Grenzschutz-Gesetz.
Warschau, 18. Juni. (Funkmeldung.) Der polnische Sejm nahm gestern ein Gesetz „über die Staatsgrenzen" an, bas Die bisherigen Befugnisse Der Verwal- tungskbehörden zur Aussiedlung unerwünschter Personen aus dem Grenzgebiet erweitert. Gegen E das Gesetz waren die ukrainischen Abgeordneten, die in ihm - eine Gefahr für Das ukrainische Volkstum in Dem südöstlichen M Teil des Landes «Micken.
Im übrigen war die gestrige Sitzung, der die gesamte Regierung beiwohnte, bis um Die späten Abendstunden Durch Die Aussprache über Das neue Bollmachisgesetz in Anspruch r genommen, die heute fortgesetzt wird. Bei der Aussprache stehen Die wirtschaftlichen Aufgaben der neuen Regierung und Di« Methode zur Erfüllung des von der Regierung an- geküNdigten Planes zur Bekämpfung der Arbeits- r löst gleit im Vordergrund.
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