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Seite 30. Nr. 160.

Wiesbadener Tagblatt

Sonntag, 14. Juni 1936.

Dreitausend Jahre Kämpfe im Schatten der Zionsburg.

Erbfeindfchast zwischen Arabern und Inden.

Von Werner Lenz.

Palästina" heißtPhilisterland"; es trägt also seinen Namen nicht nach dem jüdischen Volte, das dort seit früh- geschichtlicher Zeit heimisch zu werden sich bemühte. Und damit öffnet sich uns gleich das schwierige Problem, -dessen nie gelungene Lösung ständig und auch heute wieder die Welt mit Alarmnachrichten über die dortigen Zustände erfüllt. Gewiß besteht für niemanden ein Zweifel, daß es gut wäre, wenn das vor fast zwei Jahrtausenden in Trümmer gesprengte Iuoenvolk endlich einen Heimatboden fände, darauf es still für sich wirtschaften könnte. Wäre doch damit ein Haupthetd aller Schwierigkeiten eingedämmt, die vor allem den jeweiligen Wirtsvölkern erwachsen sind und noch weiter erwachsen werden. Hat aber dieser Wunsch eine Aussicht aus Erfüllung? Es scheint kaum so. Denn von den ältesten Zeiten bis heute hat das Volk Israel eine unbe­zweifelbare Heimatberechtigung für den Lsbensmum an der Ostküste des Mittelmeeres nicht erwiesen. Und wie die letz­ten Nachrichten zeigen, sind die Gegensätze zwischen der Hauptbeoölkerung 70% mohammedanische Araber und den ca. 25 v. H. Juden weniger ausgeglichen -denn je Moor.

Obwohl rassengemäße Bindungen vorhanden sind, haben sich mit der Eroberung Jerusalems durch die Moslems, das seit dem Siege des Kalifen Omar im Jahre 637 auf ara­bischEl Kuds Die Heilige" heißt, die Spannungen zwi­schen Islam und Judentum verstärkt. Wohl hatte Moham­med noch in jenen Jahren gehofft, die Juden für seine Lehre zu gewinnen. Er wies auf uralte Verheißungen hin: die Kinder Israels würden zwar zweimal ein gro^s Verderben auf Erden stiften, dann aber das heilige Land bewohnen, vorausgesetzt, daß sie sagt Mohammed natürlich Allah und den Propheten anerkannten. Bald aber erkennt der Glaubensstifter, wie tief die Kluft zwischen jenem alltesta­mentarischen Volke und dem werbeeifrigen Islam gehe. Er spricht nicht mehr vonden Kindern Israel", -denGottes­streitern", sondern nennt sie nach einem mindergeachteten StammHada", meist deral-Pahud". Bald kam es zu den Kämpfen, die Palästina von der Hedschra bis zum Welt­kriege mit Ausnahme des Kreuzritter-Regimentes der Botmäßigkeit des Islam unterwarf.

Und doch kann man keineswegs behaupten, daß die palästinensischen Juden erst durch die Religionswirren von Christi bis Mohammed bedrängt worden seien. Die letzten 15 Jahrhunderte waren trotz allem Gezänk und Streit im Schatten der Mauern Jerusalems noch still gegen das andere anderthalb Jahrtausend, das die Juden für ihren-berech­tigten Vorbesitz" Palästinas in Anspruch zu nehmen pflegen. Auch wenn man von den Kriegen mit den eroberungsfreu­digen Bay Ioniern und Assyrern gänzlich absieht, ist die ganze Siedlungsgoschichte nach Moses ein Bsweis, daß es den Juden als Fremdkörpern in jenen Gauen nicht gelang, Hausherrenrechte zu gewinnen. Denn feit dem Einbrüche ins Jordanland lagen di« jüdischen, aus Afrika nordwärts flutenden Hirtenvölker in Dauerstreit mit ihren z. T. bluts- verwa-ndten Nachbarn. Moses und Aron hatten die Jahwe­jünger nur zu einer Glaubensgemeinschaft, nicht aber zu einer nationalen Gemeinschaft zusammenschmieden können; und zumgelobten", d. h. kulturell reich erschlossenen Lande der Philister, nach Palästina, hatten sie nur diese Ritual- juden geführt. Andauernde Fehden wurden bei der herz­lichen Abneigung, die ihnen die Beduinen, die nomadisieren­den Wüstenamber, sowie die stilleren Fellachen, die Pflüger", entgegenbrachten, zu einer Quelle der Unrast.

Notwendigerweise mußten die alteingesessenen Palä­stinenser die jüdische Invasion störend empfinden. Zwar das Buch der Richter" spricht anläßlich derDeborahschlacht" um 1150 v. Chr. von einem Befreiungskämpfe gegen die Kanaanäer. Wer aber war urtümlich im Jordanlande ver­wurzelt und wer erst eingewandert? Lange vorIsrael" hieß das LandKanaan", wie auch das Alte Testament un­umwunden zugibt. Dann kam derFreiheitskampf" gegen die Philister, Hüter hoher Kultur kretisch-mykenischen Ein­schlages. Immer erneute Einfälle der Juden zermürbten das soldatische Volk derart, daß Juda herrschend endlich bis ans Meer rücken konnte. In diesen Kämpfen erhob sich das Königreich Sauls, Davids, Salomos zur kurzen Blüte. Aber es lag kein völkischer Einheitszug in dieser kleinnationalen Bewegung. Wohl wandte sich das Judenreich dem Schiff­bau und dem Welthandel zu und trat damit überhaupt in die Weltpolitik ein, aber nicht gelindert wurden die Wunden der Kümpfe mit den Randvölkern.

David eroberte Zion, die Festung auf dem Südosthügel Zebus. Di« Jebusiter hatten die durch Steilwände und durch eine lebende Quelle ausgezeichnete Felsenstadt errichtet, lange bevor ein Israelit im Lande war. Run wurde durch Davids Willen der Ort Jerusalem genannt und zur Haupt­stadt seiner Doppelmonarchie gemacht. Noch im gleichen Jahrhundert fielen aber die Reiche wieder auseinander. Und nie auch haben, sich die Israeliten für fruchtbringende Dauer mit den Umwohnern vertragen. Nie wurden die Moabiter südöstlich des Toten Meeres, die Nabatäer in der syrischen Wüste, die arabischen Edomiter, die den überliste­ten Esau zum Stammvater haben, als die älterberechtigten Landeseinwohner geachtet. Nie geachtet wurden selbst die nahe verwandten Ämmoniter, mit denen Israel ritual-un­duldsam und grenzneidisch dauernd im Zwiste lag. Der viel­gerühmteRichter" Jephtha war ein ostjordanischer Frei­beuterführer; Gideon, der auch Richter, Heerführer und viel­leicht erster König war. wehrte den stammesverwandten Midianitern im nordwestlichen Arabien den Zutritt in das Land der israelitischen Eroberung am Westufer des Jordan mit Feuer und Schwert. Die Amalekiter gar, Beduinen in der Sinaigegend, mußten es sich gefallen laffen, daß ihnen das Volk Israel Krieg ,chis auf Kind und Kindeskind" an- sagte. Es war somit nur folgerichtig, daß das unruhige und eitle Volk häufig durch Nationen, die einheitlicher im Volkstum verwurzelt waren, gedemütigt wurde. Am gründ­lichsten geschah dies im Jahre 70 n. Chr. durch Titus, der die Stadt zum guten Teile zerstörte, nachdem sich das Judentum in offenen Gegensatz zum weltbeherrschenden Imperium Romanum gestellt hatte. An jenem 2. September, da der Tempel in Flammen aufging, war das Schicksal der Juden als Nation besiegelt. In alle Lande, bis Spanien. Klein­asien und selbst in die römischen Kolonien an Rhein und Donau wurden sie verbannt; die neugegründete Militär- garnison aber im Schatten der Zionsburg Aelia Capito- lina verbot jedem Juden bei Todesstrafe den Eingang. Das große Exil, di« Diaspora, hatte begonnen.

Wenn der Jude beute wieder diesmal mit fried­lichen Mitteln Palästina erobern will, übersieht er dann nicht, daß die Lage genau die gleiche ist wie damals, als er vor dreitausend Jahren mit bewaffneter Hand ins Land eindrang? Sind nicht die Araber Palästinas die Spröß- linge der bis zum Weißbluten bekämpften Moabiter, Edo- mrter und Amalekiter, die jene vieltausendjährige Erbfeind- schast mit dem Judentum noch im Blute tragen?

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SchulkreuzerEmden" zurückgekehrt.

Der SchulkreuzerEmden" ist von seiner siebenmonatigen Auslandsreise in seine Heimatstation nach Wil­helmshaven zurückgekehrt. Viele Tausende hatten sich am Hafen eingefunden und bereiteten dem Schiff einen be­geisterten Empfang. (Scherls Bilderdienst, M.)

iZ.Juni 1936.19 Uhr

Neue Ueberfälle in Palästina.

Jerusalem, 12. Juni. In der Nacht auf Freitag er­folgte wiederum ein planmäßiger Werfall auf eine jüdische Siedlung. Eine Arabergruppe griff abermals in der Esdraleon-Ebene in der Nähe von Äincharod ein jüdisches Dorf an. Die Verluste auf beiden Seiten sind noch unbe­kannt. In der Nähe von Tulkarem bei Anetba gab es ein anderthalbstündiges Werfallsgefecht. Die Araber hatten dort eine von Militär begleitete Äutokarawane durch Ge- wehrschüsie aufgehalten.

Infolge des arabischen Fleischerstreiks und der Weigerung jüdischer Fleischer, sich in den in der arabischen Gegend gelegenen Schlachthof zu begeben, weil dort für alle Juden Lebensgefahr besteht, droht in Jerusalem Fleischmangel einzutreten.

Aus dem Lande werden mehrere Brandstiftungen und ein Feuergefecht am Bahnkörper nördlich von Tulkarem be­richtet. ____________________

Fortführung des Bauarbeiterstreiks in Gdingen.

Jude« als rote Agitatoren.

Warschau, 13. Juni. (Funkmeldung.) Nach der V e r » Haftung des Streikkomitees der Bauarbeiter in Gdingen 'infolge der kürzlichen Zusammenstöße der Streikenden mit der Polizei dauert der Streik der Bau­arbeiter fort. Da sich im Gebiet« des Edinger Hafens hetze­rische Elemente unter den Hafenarbeitern fanden, sind die Eingänge zum Hafen gebiet' durch Polizei besetzt worden, die die Ausweise aller im Hasen Beschäftigten beim Betreten des Hafengebietes prüft.

Dzimnnik Narodowy" weist darauf hin, daß bei der in den letzten Monaten zu beobachtenden verstärkten kom­munistischen Aktion, die zu Unruhen in Krakau, Lem­berg und Chrzanow und in Gdingen führte, ein erheblicher Teil der kommunistischen Agitatoren Juden seien, die sozu­sagenFliegende Brigaden" für ihre Wühlarbeit bilden. Man könne die Wahrheit nicht bestreiten, daß die betrieb­samsten kommunistischen Wühler vorwiegend Junden seien.

In Warschau versuchten etwa 200 Jugendliche am Freitag einen Demonstrationszug, der jedoch von der Polizei mühelos verhindert wurde.

Die Lage der Katholiken in Nordirland.

London, 13. Juni. (Funkmeldung.) Für den 24. Juni ist in Westminster die Tagung eines Ausschusses von Mit­gliedern aller Unterhausparteien anberaumt worden, der sich mit dem Antrag der Katholischen Union von Glasgow auf eine Untersuchung der vorjährigen Belfaster Unruhen beschäftigen soll. Es heißt, daß die Ulsterkatho­liken Befürchtungen in bezug auf ernsthafte Störungen der Feierlichkeiten am 12. Juli hegen.

Barrikaden werden beseitigt.

Eine Verfügung des nordirischen Innenministers.

London, 13. Juni. (Funkmeldung.) Nach einer Mel­dung aus Belfast sind auf Veranlassung des nordirischen Innenministers die in einigen Straßen der Stadt während der Unruhen im Sommer vorigen Jahres errichteten eisernen Barrikaden beseitigt worden.

Der Prozeß um das Berliner Einfturz- unglück.

Berlin, 12. Juni. 3n der weiteren Verhandlung im Prozeß um das Baugrubenunglück wurde wieder eine Reihe von Handwerkerzeugen vernommen, die in der Unglücksgrube arbeiteten. Der Maurer- und Betonpolier Max Klatt be­kundete, daß die Straßenbahnen in schärfstem Tempo über die Baustelle hinweggefahren seien und mehrfach Arbeiter dadurch gefährdet hätten. Die Schwankungen seien so stark gewesen, daß er mehrfach befürchtet habe, die sich entgegen­kommenden Straßenbahnen würden sich berühren. Er, der Zeuge, habe dem Bauleiter Roth kategorisch erklärt, daß die Straßenbahnen verlegt werden müßten. Noth habe darauf resigniert erwidert:Das habe ich schon oft ver­sucht. Es ist mir aber nicht gelungen, das durchzusetzen.

Es kommt hierauf zu einer Auseinandersetzung zwischen der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung. Zeuge Klatt hatte im Laufe seiner Aussage auch erwähnt, daß er vor einigen Monaten von der Berlinischen Baugesellschaft über seine Beobachtungen gehört worden fei. Uber diese Unterredung sei eine Niederschrift angefertigt worden. Der Staatsanwalt fragte nun die Verteidiger, ob sie bereit seien, diese Niederschrift zur Verfügung zu stellen, damit dem Zeugen Vorhaltungen gemacht werden könnten. Dabei be­merkte der Staatsanwalt, daß er einstweilen noch keinen Beschlagnahme-Antrag stellen wolle. Die Verteidigung er­

widerte, daß sie erst mit ihren Auftraggebern Rücksprache nehmen müsse. Der Staatsanwalt drohte darauf die Be­schlagnahme dieser Niederschrift an. Die Verteidigung be­merkte, daß es ein Novum wäre, wenn Handakten der Verteidigung beschlagnahmt würden, gab aber die betreffende Niederschrift heraus.

Die Bluttat von Chemnitz.

Lebenslänglich ins Zuchthaus.

Chemnitz, 12. Juni. Vor dem Sondergericht Freiberg, das im Schwurgerichtssaal des Landgerichts Chemnitz tagte, hatte sich am Freitag der 21jährige Künzel zu verant­worten, der am Psingstsamstag in Chemnitz auf zwei Kriminalbeamte, die ihn verhaften wollten, mehrere Schüsse abgegeben hatte. Beide Beamten wurden schwer verletzt, sind aber außer Lebensgefahr. Der Staatsanwalt bean­tragte die Todesstrafe, da der Angeklagte geschoßen hat, um Beamte an der Ausübung ihrer Dienstpflicht zu hindern. Das Gericht verurteilte den Angeklagten wegen des gesamten Verbrechens zu lebenslänglichem Zuchthaus und dauernder Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte.

Künzel war zwei Tage vor seiner Tat während einer Gerichtsverhandlung in Borna bei Leipzig unter Drohung mit der Waffe ausgebrochen, als der Haftbefehl gegen ihn ausgesprochen war. Als er auf seiner Flucht in Chem­nitz verhaftet werden sollte, schoß er die beiden Kriminal­beamten nieder, konnte aber gleich darauf von dem beherzten Bauarbeiter Keller festgenommen werden.

des neuen Deutschland

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Wetterbericht des Reichswettexdienstes.

Ausgabeort: Frankfurt a. M.

Über dem Festlande hat sich jetzt eine überaus gleich­förmige Druckverteilung eingestellt, in deren Bereich ganz flache Tiefdruckstörungen sich entwickeln. Da jetzt bei viel­facher Aufheiterung und von einer schwachen südlichen Luft­zufuhr begünstigt, stärkere Erwärmung eintritt, wird Neigung zu örtlichen Eewitterbildungen bei sonst freund­licherem Wetter fortbestehen.

Wettervorhersage bis Sonntagabend: Heiter bi» wolkig, tagsüber warm, schwach« Winde,