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L. Schellenberg'sch« HofbuchdruSerei,Zagblatt - Haus'.

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Die Präsidentschaftsivahlen in USA.

Der Kampf um das Weitze Haus.

Die Kandidaten der Republikaner. Um denNeuen Plan". Roosevelt kämpft für denvergessenen Menschen".

Verfassung und Wirtschastsnot.

as. Berlin, 13. Juni. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Im amerikanischen Präsident­schaftskampf klären sich die Fronten. Die repu­blikanische Partei hat als ihren Kandidaten für diesen Kampf den Gouverneur von Kansas, Landon, der auf seiner aktiven Seite den Austausch des Haushalts von Kansas buchen kann, aufgestellt. Der Gegner Roosevelts im Kampf um das Weiße Haus steht im 48. Lebensjahr. Er ist Kriegsteilnehmer. Man rühmt ihm einen festen Charakter nach, und was für einen Präsidentschaftskandidaten wichtig ist, ein glückliches Familienleben. Für den Posten des Vize­präsidenten stellen die Gegner Roosevelts den Besitzer und Herausgeber derChicago Daily News", Oberst Knox, auf, der eine echt amerikanische Laufbahn hinter sich hat. Als kleiner Berichterstatter begann er, kletterte von Stufe zu Stufe, bis er schließlich Besitzer einer der namhaftesten Zeitungen Amerikas wurde. Auch Knox, der 62 Jahre alt ist, ist Kriegsteilnehmer, er hat außer­dem schon im spanisch-amerikanischen Krieg mitge­kämpft. Hervorgetreten ist er in der letzten Zeit durch eine scharfe Kritik amNeuen Plan" Roosevelts und hat sich damit seiner Partei als Kandidat für den Präsidentschaftskampf empfohlen. Es ist sicher, daß dieser Kampf gegen den Neuen Plan Roosevelts die Hauptkampfparole der Republikaner sein wird, hat auch in diesen Tagen in die gleiche Kerbe hauend der frühere Präsident Hoover die Anhänger der Roöseveltschen Wirtschaftspolitik als mondsüchtige Kinder bezeichnet.

Wenn nicht alles täuscht, so wird gegenüber solchen Angriffen Roosevelt sehr stark seinen Kampf für denvergessenen Menschen", wie er selbst den kleinen Mann genannt hat, in den Vordergrund stellen. So empfiehlt er sich in seinen Reden jetzt schon als glühen­der Vorkämpfer für die Rechte des kleinen Mannes, der Anteil haben müsse an den Vorteilen, die die industrielle Mechanisierung und die Massenproduktion mit sich gebracht Hütten. Ein ähnlicher Gedanke klingt auch in den Rooseveltschen Reden an, die sich mit der Verfassung beschäftigen. Roosevelt lobt, um seinen Gegner die Möglichkeit zu Angriffen auf diesem Gebiet zu nehmen, die amerikanische Verfassung, fügt aber dann hinzu, daß natürlich auch entgegen den Buch­staben der Verfassung die Bundesregierung eingreifen müsie, wenn die lokalen und Staatsbehörden nicht in der Lage seien, den hungernden Massen zu helfen. Diese Parole, der Kampf für den kleinen Mann, sichert Roosevelt zweifellos eine große Gefolgschaft bei den amerikanischen Massen, zumal Roosevelt alles daran setzt, daß man ihm nicht die Unterstützung irgend­welcher wirtschaftlicher Sonderinteressen vorwerfen kann.

Die Außenpolitik wird aller Voraussicht nach in diesem Wahlkampf keine Rolle spielen. Zweifel­los wird aber auch arrf außenpolitischem Gebiet Roose­velt alles vermeiden, was zu einer Komplikation im Wahlkampf führen könnte, wie denn überhaupt der Kampf um das Weiße Haus bis zum Tage der Entscheidung im November in den Vereinigten Staaten alles andere überschatten wird.

Die 40-Stunden-Woche in Frankreich.

Von der Kammer angenommen.

Paris, 12. Iuni. Die Kammer behandelte am Freitag­vormittag den Gesetzesvorschlag über die 40-Stunden-Woche. Ein Antrag eines Abgeordneten der Rechten, den Regie­rungsentwurf von der Tagesordnung abzusetzen, wurde von der Mehrheit abgelehnt. Der rechtsgerichtete Abgeordnete und ehemalige Finanzminister Paul Reynaüd be­kämpfte ebenfalls die 40-Stunden-Woche. Er warf dem Ministerpräsidenten vor, in einer bereits kranken Wirtschaft die Herstellungspreise zu erhöhen. Während man überall eine Herabsetzung der Löhne in Geldwährung erlebe, schlage der Ministerpräsident eine Erhöhung von mindestens 35 v. H. vor. Denn das sei die logische Folge der 40-Stunden-Woche. In 4% Jahren habe Frankreich 41 Milliarden Gold verloren. Jetzt werde es hinter seinen eigenen Zollmauern leben müssen. Für den Haushalt der Wehrministerien, des Postministe­riums und für die Eisenbahnen bedeute die 40-Stunden- Woche einen Milliardenverlust.

Nach einer ziemlich scharfen Aussprache wurde ein Zusatz­antrag, der die 40-Stunden-Woche in der Industrie von der vorherigen Aufwertung der Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse und der Wiederherstellung des normalen Lebens­standards der Bauern abhängig macht, mit 383 gegen 182 Stimmen abgelehnt.

Mit 414 gegen 178 Stimmen wurde ein Abänderungs­antrag Paul Reynauds abgelehnt, der gewisse Ausnahmen in der Einführung der 40-Stunden-Woche gemacht wissen wollte.

Dann wurden die ersten Abschnitte des Art. 1 des Ge­setzes über die Einführung der 40-Stunden- Wocheangenommen. Ein weiterer Antrag zum Schutze der Bauern, den neuen Gesetzentwurf den Landwirtschafts­kammern zur vorherigen Begutachtung zu unterbreiten, wurde mit 390 gegen 170 Stimmen abgelehnt.

Völkerbundsrat zum 26. Juni einberusen.

Genf, 12. Juni. Der Präsident des Völkerbundsrates hat, wie Freitagmittag amtlich mitgeleilt wurde, den Völ- kerbundsrat auf den 2 6. Juni. 17 Uhr, zur Fortsetzung seiner 92. Tagung einberufen. In der amtlichen Verlaut­barung hierüber wird daran erinnert, daß auf der Tages­ordnung folgende Fragen stehen:

1. Der Streit zwischen Abessinien und Italien.

2. Der in Locarno am 16. Oktober 1925 abgeschlossene Garantievertrag zwischen Deutschland, Belgien. Frankreich, Großbritannien und Italien.

3. Die Niederlassung der aus dem Irak aus gewanderten Assyrer. -

4. Der Bericht über die letzte Tagung des Ausschusses für Sklaverei.

Nanking-Truppen stotzen südwärts vor.

Kanton für Versöhnung.

Schanghai, 12. Juni. (Ostasiendienst des DNB.) Die Nankingtruppen haben die bisher nördlich von Tfchangfcha vorlausenden Verteidigungsstellungen ver- lasien und sind südwärts über Höngtfchou bis Leyang vorgestoßen. Die Flugzeuge der Nankingregierung haben über Kiyang, dem augenblick­lichen Hauptquartier der Kwangsitruppen Flugblätter abgeworfen. Die Südtruppen haben den Rückzug ange­treten, um-Zusammenstöße mit den Nankingtruppen zu vermeiden. Der Oberbefehlshaber der Kanton-Streit­kräfte, General Tschentschitang, sandte an den chine­sischen Staatspräsidenten Linsen ein Telegramm, in dem er mitteilt, daß er unter dem Eindruck der Vermitt­lungsversuche der Zentralregierung seine vorläufig nach Norden gerichtete Expedition im Interesse einer Ein­heitsfront mit der Zentralregierung eingestellt habe. Die Nankingregierung sollte aber endlich alle Anstren­gungen unternehmen, um so bald wie möglich zu einer siarken Außenpolitik gegenüber Japan zu kommen.

Aus dem Telegramm des Generals Tschentschitang an Präsident Linsen sowie aus einer Reihe von Mel­dungen aus Kanton geht hervor, daß infolge des Währungsverfails die Begeisterung in Kanton für die Expedition gegen die Nankingarmee a b e b b t.

Rückzugsbefehl an die chinesischen Südwestiruppen.

Schanghai, 12. Juni. (Ostasiendienst des DNB.), Der Oberbefehlshaber der Kwangsitruppen, Litschungjen, hat -bestätigt, daß er an die Südwesttruppen, die sich in Human und an der Kwangsigrenze befinden, den^ngs- besehl erteilt habe, um Zusammenstöße mit ben vorrückenden Regierungstruppen zu vermeiden. Gerüchte, die von schwe­ren Gefechten in Siidhunan wissen wollen, werden in einer Meldung aus Höngtfchou für unzutreffend erklärt.

Aus Tschantscha wird gemeldet, daß 36 Bombenflug­zeuge und 17 Aufklärungsmaschinen der Nankinger Regie­rung eingetroffen seien und eine rege Tätigkeit entfalten.

Die Tätigkeit der über ganz Hunan verbreiteten Lieben­zeller Mission ist nach den hier vorliegenden Meldungen durch die militärischen Vorgänge nicht gestört.

Nr. 159.

Drahtanschrift: Zagblatt Wiesbaden.

Samstag, 13. Juni 1936.

Postscheckkonto: Front flirt a. M. Nr. 7405.

84. Jahrgang.

Blick in die Wett.

Die internationale Lage bleibt In der auch, nachdem das Kabinett Blum die Schwebe. Regierung übernommen hat, zunächst noch äußerst undurchsichtig. Ja, die Be­rufung des Grafen Ciano zum italienischen Außenminister hat der französischen Presse erneut An­laß zum Rätselraten darüber gegeben, was Italien nunmehr beabsichtige. Man hat dabei wieder einmal von der Möglichkeit einer deutsch-italienischen Verstän­digung gesprochen, ganz offensichtlich, um auf diese Weise die Engländer gewissen französischen Wünschen ge­neigter zu machen. In Italien selbst hat man sofort be­tont, daß die veränderte Besetzung im Außenministe­rium keinen Wechsel in der auswärtigen Politik be­deute, wie es denn ja auch für den unvoreingenom­menen Betrachter von vornherein ziemlich klar war, daß die Veränderungen im italienischen Kabinett lediglich eine erneute Anwendung der alten Methode bedeuten, die es Mussolini erlaubt, von Zeit zu Zeit junge Kräfte heranzuziehen. Mit alledem ist über das weitere Schicksal der Sanktionen freilich nichts gesagt. In England wächst zweifellos die Stimmung gegen die Sanktionen, wofür die letzte Rede des eng­lischen Finanzministers Neville Chamberlain ein Be­weis ist. Andererseits ist zu berücksichtigen, daß Cham­berlain Finanzminister und nicht Außenminister ist und es bleibt deshalb die Frage offen, ob er die Meinung des gesamten Kabinetts wiedergegeben hat, oder ob es London nicht vielmehr für richtig erachtet, die Sanktio­nen noch als Druck- und Handelsobjekt, sei es nun in der Frage des Mittelmeerpaktes, sei es um Zugeständ­nisse in Abessinien selbst zu erhalten, zu benutzen. Kenn­zeichnend für die Undurchsichtigkeit der gesamten inter­nationalen Lage sind auch die Bestrebungen, die darauf hinzielen, die Meerengen-Konferenz, die ur­sprünglich am 22. d. M. zusammentreten sollte, zu ver­schieben und sie erst nach der Tagung des Völkerbundes abzuhalten. Es ist sehr begreiflich, daß unter solchen Umständen der neue französische Außenminister Delbos den Wunsch verspürt, sich möglichst bald mit seinem eng­lischen Kollegen Eden zu unterhalten, woraufhin sofort die verschiedenen Termine und die verschiedensten Orte für -eine solche Zusammenkunft in der französischen Presse genannt wurden.

. Die Zusammenkunft der Staats-

Was wurde Oberhäupter der Kleinen E n - in Bukarest tente in Bukarest hat die intet« vereinbart? nationale Presse in starkem Maße be­schäftigt. Ganz offensichtlich hat die Kleine Entente auch mit dieser Aktion sich in Erinne­rung bringen und den Großmächten vor Augen führen wollen, daß sie ein Faktor ist, der nicht ohne weiteres übersehen werden kann. Unter diesen Umständen ist es auch nicht weiter verwunderlich, wenn man in denKreisen der Kleinen Entente ziemlich viel Aufhebens von einem tatsächlichen oder angeblichen Aktionsplan dieses Staatenblocks macht. Wenn nicht alles täuscht, so be­zieht sich dieser Plan in erster Linie auf die W i e d e r - kehr der Habsburger. In dieser Frage scheint nunmehr völlige Einmütigkeit erzielt worden zu sein, wie überhaupt hinsichtlich des Revisionismus keine Meinungsverschiedenheiten zwischen Bukarest, Belgrad und Prag bestehen. Man hat aus diesem Grunde auch die Kleine Entente alseine antirevisionistische Hand­lungsgemeinschaft" bezeichnet. Es ist aber keineswegs sicher, ob man auch in Fragen, die über diese Dinge hinausgehen, sich ebenso einig ist. Vielmehr ist stark beachtet worden, daß nach der Bukarester Tagung König Carol von Rumänien noch einen Dampserausflug mit dem tschechoslowakischen Staatspräsidenten Venesch unternommen hat, während Prinzregent Paul von Jugoslawien sich bereits auf der Heimreise befand. Es liegt die Vermutung nahe, daß hier wieder einmal die Frage des Bündnisses mit Sowjetrußland eine Rolle gespielt hat und daß Benesch bemüht war, König Carol für diese Bündnispolitik zu gewinnen. Jugoslawien hingegen lehnt nach wie vor jedes Zu­sammengehen mit Moskau ab, unterhält es doch nicht einmal diplomatische Beziehungen zur Sowjetrepublik. An dieser grundsätzlichen Einstellung und an diesen Meinungsverschiedenheiten hat offenbar auch die Bu­karester Tagung nichts geändert, so sehr man auch be­müht war zu betonen, daß in allen Fragen volle Über­einstimmung bestehe.

Die fortdauernden Unruhen in Moskau Spanien, ebenso die Streikhetze und die in Frankreich dürften auch wohl kaum Volksfront, geeignet sein, die Abneigung der Belgra­der Regierung gegen Moskau zu mildern. Tatsächlich ist ja eine sehr starke Aktivität der Kommu­nisten wieder einmal fast überall festzustellen, denn auch der belgische Hafenarbeiterstreik ist