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täglichen

84. Jahrgang

Donnerstag, 11. Juni 1936,

Nr. 157.

Volksfront-Experimente und kommunistische Gefahr

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. Sie Sommer full unter Stadt gesetzt raeröen.

Französische Arbeiter wollen im Streik verharren, bis die Volksfront-Gesetze angenommen sind. Um die 40-Stunden-Woche. Holland fürchtet das französische Beispiel.

Industrie nicht mehr wettbewerbsfähig sein würde. Es kommt hinzu, daß man auch mit einem Ansteigen der Lebensmittelpreift rechnet, wodurch also der Vorteil der jetzt erkämpften Lohn­erhöhungen zum großen Teil wieder wettgemacht wer­den würde. Alle diese Dinge erleichtern den Streik- hetzern ihre Arbeit und erschweren die Rückkehr zu normalen Verhältnissen.

Nun leidet unter dem Streikfieber aber nicht nur Frankreich, sondern in weitaus stärkerem Matze noch das Land, in dem zuerst die Volksfront einen Sieg er­rang, nämlich Spanien. Aber auch aus Belgien, wo gewisse Kreise gar zu gerne das Volksfrontexperi­ment nachahmen möchten, wird berichtet, dah der Streik der Antwerpener Hafenarbeiter andauert und daß die Streikbewegung auch auf andere Berufsverbände übergreife. Diese von kommunistischer Seite inszenierten und unterstützten Streiks haben nun aber doch wenigstens das eine Gute, datz man anfängt, sich eingehender mit der kommuni st ischen Ge­fahr zu befasien. So fordern einige belgische Blätter ein scharfes Vorgehen gegen die Jünger Moskaus, und ähnliche Stimmen sind auch aus Holland zu hören, wo man ein Übergreifen des belgischen Hafenarbeiter- ftreiks befürchtet. Vor allem aber hat der schwei­zerische Bundesrat Motta gestern im schweizerischen Nationalrat sich mit aller Schärfe gegen die kommunistischen Umtriebe gewarnt und darauf ver­wiesen, wie Moskau überall am Werke ist. Moskau schwingt die Brandfackel im Westen Europas", so rief der schweizerische Staatsmann aus und charak­terisierte damit die gegenwärtige Lage treffend. Es scheint, datz sich langsam doch die Erkenntnis durchsetzt, datz es mit Moskau ein Paktieren nicht geben kann. Vielleicht wird damit in der Welt die Vorgänge in Spanien und Frankreich geben ja einen ausgezeichneten Anschauungsunterricht das Verständnis für den Kampf des Nationalsozialismus und seines Führers gegen den Feind der Menschheit, den Kommunismus, wachsen.

1 Motta gegen Moskau.

s. Berlin, 11. Juni. (Drahtbericht unserer Berliner ilung.) In Frankreich hält die Streik- Regung noch immer an. Wenn es auch in vielen ieben zu einer Einigung gekommen ist, so werden der anderen Seite doch noch neue Arbeits- ft e l l u n g e n gemeldet. Aber auch die Einigung oft auf sehr schwachen Fützen, so sind in vielen n Belegschaften, die bereits die Arbeit wieder auf- mmen hatten, erneut in den Streik getreten, um Sympathie für die noch streikenden Belegschaften rer Betriebe zum Ausdruck zu bringen. Sehr kenn- rend ist es, datz die Arbeiter der grotzen Automobil- k Renault erklärt haben, sie würden solange Streikfortführen, bis dasParla-

11 die bekannten Volksfrontgefetze e n o m m e n habe. Da es durchaus möglich ist, andere Belegschaften diesem Beispiel folgen, so >en also die Kammer und Senat unter i fühlbaren Einfluß der Masse be- en und ab stimmen müssen. Diese Haltung Streikenden dürfte zu einem Teil darauf zurückzu- >n sein, datz der Widerstand gegen die von der Re- tng geplanten Maßnahmen sich verschärft. So lt das Blatt Herriots, also sogar das Blatt eines [liebes der Volksfront, sehr nachdrücklich vor der ührung der 40-Stundenwoche. Es macht ganz interessante Berechnung darüber auf, was die tundenwoche dem französischen Staat kosten würde, n für die R ü st u n g s b e t r i e b e des Staates >e sie eine Mehrbelastung von 850 Millionen lken int Jahr bedeuten. Für alle übrigen staat- t Unternehmungen einschließlich Post und Eisen- : würde der Mehraufwand rund vier tliarden Franken ausmachen. Das Blatt tote bezweifelt auch, ob man auf diese Weise die ütslosigkeit wirksam bekämpfen könne, denn die ihung der Erzeugungskosten würde nur dazu führen, mindestens ein Teil der französischen

| Ein Leitartikel derMorning Post".

London, 11. Juni. (Funkmeldung.) In einemUnsere . AufgabeninÄqypten" überschriebenen Leitartikel der 1Morning Post" heißt es u. a.: Die Rückkehr des britischen Oberkoinrnissars in Ägypten, Lord Miles Lampson, aus Kairo habe Vermutungen über den weiteren Verlauf der britisch-ägyptischen Beziehungen hervorgerufen. Eine davon sei, daß die britischen Militärbehörden größere Zugeständ- |nisfe machen müßten, wenn ein zufriedenstellender britisch­ägyptischer Vertrag abgeschlossen werden sollte. Ägypten ßt sei ein lebendiges Glied aus dem britischen Verbindungswege mit Indien und dem Fer- I nen Osten. Die britischen Unterhändler wären gut be­sten. darauf zu bestehen, daß die britischen mili­tärischen Jnteresf en nicht gestört würden. Eine lärmende Minderheit von Studenten und Rechtsanwälten L aus Kairo fordereÄgypten den Ägyptern". Diese Forde­rungen nach Unabhängigkeit beständen aber nicht unter den Fellachen und im Hinterlande, auch nicht unter den beständi­gen Elementen der städtischen Bevölkerung. Sie wüßten, datz 7 Ägypten niemals seit Pharaos Zeiten wirklich unabhängig gewesen sei. Das heiße, wennGroßbritannienseine Truppen eines Tages zurückziehen würde, bann würden am anderen Tage wahrscheinlich unbequemere Truppen irgend eines anderen Staates dort sein. Ferner sei ihnen bekannt, datz Ägypten unter britischer Leitung aus einem verschuldeten zu W einem verhältnismäßig wohlhabenden Land geworden sei und S Ägyptens größte Aussicht auf Wohlstand in der Bei- altung dieser Leitung liege'. Forderungen extremer Ele- mente auf größere Selbständigkeit würden in der Hoffnung gemacht, von Großbritannien Zugeständnisse für den britisch- ägyptischen Sudan herauszupressen. Solche Zugeständnisie E würden aber eine genau so geringe Wohltat für Ägypten bedeuten wie die Zurückziehung des britischen Militärs. Mit dem italienischen Abessinien habe heute der Sudan einen machtvollen Nachbarn im Süden, und das Problem müsse vom Gesichtspunkt der Wasserversorgung aus betrachtet werden, von

Englands Kurs in Ägypten.

Keine Zurückziehung der britischen Truppen. Das italienische Abessinien und der Sudan

Mord und Brandstiftung in Malaga.

Madrid, 10. Juni. In Malaga wurde am Mittwoch­vormittag der kommunistische Abgeordnete Rodriguez, Mit- alied des Gemeinderats auf offener Straße über­füllen und durch mehrere Schüsse nieder gestreckt. Kurz darauf wurde ein Anschlag auf den Führer der Anarchosyndikalisten verübt. Dieser wurde von 6 Äugeln getroffen und erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Man vermutet, daß es sich um einen Racheaktder Kommu­nisten wegen des Überfalls auf Rodriguez «handelt.

Die Marxisten und die anorchosyndi-kalistischen Gewerk­schaften haben die blutigen Zwischenfälle zum Anlaß ge­nommen, um erneut den General st reik in Malaga auszurufen. Die Anschläge beweisen, daß sich die in den letzten Wochen zutage getretene Spannung zwischen Marxisten und Anarchosyndikalisten noch weiter verschärft.

In Ronda hat «der Bürgermeister, der der Volksftont angehört, die Beseitigung aller Heiligenbilder von den Häusern innerhalb von 24 Stunden angeordnet.

In Malaga wurde eine Textilfabrik wegen sozialer Schwierigkeiten stillgelegt. Die Behörden haben angeord­net, daß «der Belegschaft, die 1400 Mann stark ist, die vollen Löhne noch für 13 Wochen gezahlt werden.

Der Gegensatz «hat sich im Laufe «des Tages zwischen den beiden revolutionären Arbeiterbewegungen noch weiter zu­gespitzt. AnalchosyndikaIiften verübten einen geschlossenen Überfall auf das Verwaltungsgebäude des sozialdemokrat'.- schen Arbeiterverbandes UET., auf das sie mehr als 60 Schüsse abgaben. Die Marxisten beantworteten diesen Werfall mit einem Sturm auf das Haus der Anarcho­syndikalisten, das sie anzündeten. Die herbeigerufene Feuerwehr wurde an der Löscharbeit gehindert. Die Marxisten überfielen ferner ein anarchosyndikalistisches Ver­einslokal und zerstörten die Inneneinrichtung. Der Verkehr in der Stadt ruht. Die Züge konnten den ganzen Tag über nicht in den Bahnhöfen einlaufen. Die Fahrgäste der außer­halb Malagas liegen gebliebenen Züge sind auf Veran- laffung des Gouverneurs mit llberfallkraftwazen der Poli­zei in die Stadt gefahren worden.

400 Seiten Diplomatie.

Die Natur hat nur eine Schranke über den Weg des einbrechenden Feindes gezogen: den Rhein. Er muß be­nutzt und umstritten und darum schon im Frieden besetzt und befestigt werden. Ohne diese grundlegenden Vorsichts- matznähmen bleibt Westeuropa Ohne natürliche Grenze und steht wie früher den Gefahren eines feindlichen Einfalls offen. Ohne diese Vorsicht werden die friedlichen Lndustrie- gegenden Nordwesteuropas unmittelbar von der zerstörenden Flut des Barbarenkrieges überschwemmt, dem kein Damm Halt gebietet." Das sind die Worte, mit denen Marschall Fach im Januar 1919 die Forderung begründete, Deutsch­land dauernd die Verfügungsgewalt über sein westliches Grenzgebiet zu entziehen. Sind in der politischen AtmoMre Europas 17 Jahre später noch solche Begründungen ver­ständlich? Solche Worte machen es verständlich, daß andert­halb Jahrzehnte hindurch Europa nicht zu einem wahren Frieden gelangen konnte.

Es ist ein erschütterndes Bild diploma­tischer Fehlgriffe, das die Durchsicht einer solchen Dokumentensammlung entrollt diplomatische Fehlgriffe, die sich von 1919 bis zu dem Zeitpunkt hinziehen, in dem die volle Gleichberechtigung Deutschlands hergestellt wurde. Da sind die Artikel 4?'nftfr 48 des Versailler Vertrages, die Deutschland die Militärhoheit über seine Westprovinzen nehmen. Da sind vom Juni 1919 militärische Bündnisver­träge zwischen Frankreich, Großbritannien und USA., die lediglich an der Weigerung foes USA-Kongresses scheiterten, sich auf dauernde Bündnisverpflichtungen einzulassen. Da sind als Ersatz dieser gescheiterten Bündnisoersuche die Bündnisverträge Frankreichs mit Polen von 1921 und mit der Tschechoslowakei von 1924, in denen jeweils die Ver- tragschlietzenden sich verpflichten, gemeinsam ihr Gebiet zu verteidigen und ihre berechtigten Interessen zu schützen". Da ist im Dezember 1922 der erste Versuch Deutschlands, zu an­deren Methoden der Friedenssicherung überzugehen, als den Vereinigten Staaten der Vorschlag gemacht wird, sie möch­ten Frankreich, England, Italien veranlassen, mit Deutsch­land die feierliche Verpflichtung abzuschließen,für ein Menschenalter ohne besondere Ermächtigung durch Volks­abstimmung keinen Krieg miteinander zu führen".

Mit dem Locarnopakt von 1925 beginnt ein neuer Abschnitt, als sich, in gewisser Anlehnung an jenen früheren deutschen Plan die Westmächte und Deutschland gegenseitig ihre Grenzen garantieren. Es ist ein Zeichen dieses neuen Abschnitts der Sicherungsversuche, wenn Deutschland und Sowjetrußland im April 1926 einen Neutralitätsvertrag schließen. Aber den Beginn eines wirklichen Abschnitts freier Vereinbarungen unter den Völkern zeigt erst der deutsch-polnische Freundschaftsvertrag, der beide Regierungen verpflichtet, unter keinen Umständen be: der Austragung von Streitfragen Gewalt anzuwenden. Da­mit steht man bereits in dem Hauptteil des Buches, und wenn es im ganzen eine Geschichte der Nachkriegsdiplomatie darstellt, so ist dieser Hauptteil eine diplomatische Ge­schichte des Dritten Reiches und feiner außen­politischen Erfolge, wie seiner außenpoli­tischen Friedens bereit schäft.

Es ist heute, wo die mit außerordentlicher Geschwindig­keit abrollenden Ereignisse her internationalen Politik schon

Man hat in dem Entwicklungsabschnitt Europas, der Deutschland seine volle Hoheit auf dem Gebiet der Landes­verteidigung und innerhalb feiner Landesgrenzen brachte, " icht schon vergessen, welcher Geist die ersten Nachkriegs- beherrschte. Wenn jetzt von der deutschen Hochschule für Politik die Dokumente gesammelt sind, die den Kampf um das mitteleuropäische Problem, um den Rhein und um den Frieden in Europa erläutern, so liegt darin zugleich eine Mahnung an die Diplomaten, den Weg eines Friedens durch Zwang zu verlassen, und den Weg eines Friedens der Gleichberechtigung zu beschreiten. (Locarno, eine Do kumentensammlun g", herausgegeben von Dr. Fritz Berber, mit einer Einleitung des Botschafters von Ribbentrop, Junker- u. Dünnhaupt-Verlag, Berlin).

der Ägypten und der Sudan abhängen. Eine feste und er­fahrene Regierung für den Sudan könne diesem Problem ungleich leichter begegnen als eine Regierung, die von den politischen Wechselfällen der unreifen ägyptischen Demokratie abhänge. Der britische Kurs sei klar; er müsse die Glieder des Weltreichs, zu dem Ägypten gehöre, im Auge behalten. Ägyptens Kurs fei ebenfalls klar. Es benötige Schutz und habe in Großbritannien einen Beschützer gefunden, dessen milde Hand und Vorsorge stets zum wirtschaftlichen Wohle des Landes beigetragen haben.

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