Einzelbild herunterladen
 

Wsbilömr TsMt

SApnenhern'iche ftofbu&brurferet. ..Zoablöf f s ft nut* Wöchentlich tffe 7 Ausgaben WsItäaliK nachmittags, s-mslaosvok- n. n

Ausgaben

Wöchentlich

Warf täglich nachmittags,Samstags vor- «.nachmittag»

B. Schell-nberg'sch« Hofbmhbnulrrei, ^ragblatt-Hau,».

M Unterhaltungsbeilage.

mit einer täglichen

Fcrnivrechcr^arnmel-Nr. 59631. Berliner Büro: Beriin-Wilmersdorf.

Teschüftszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, nutzer Sonn- und Feiertags.

Bezugspreise: Für eine Bezugszeit von 2 Wochen 94 Rpf., für einen Monat RM. 2., ein- schlietziich Traglohn. Durch die Post bezogen RM. 2.35, zuzüglich 42 Rpf. Bestellgeld, Einzel- nummern 10 Rpf. Bezugsbestellungen nehmen an: der Verlag, die Ausgabestellen, die Träger und alle Postanstalten. In Fällen höherer Gewalt oder Betriebsstörungen haben die Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung des Blattes ober auf Rüttzahlung des Bezugspreises.

ameigengreijc: Ein Millimeter Höhe der 22 Millimeter breiten Spalte im Anzeigenteil Grund­preis 7 Rpf., der 85 Millimeter breiten Spalte im Tertteil 60 Rpf., sonst laut Pretsliste Nr. 5, Nachlahstaffel B. Für die Aufnahme von Anzeigen an besttmmten Tagen und Plätzen wird keine Gewähr übernommen. Schluh bet Anzeigen-Annahme 9Va Uhr vormittags. Größere Anzeigen müssen spätestens einen Tag vor dem Erscheinungstage aufgegeben werden.

Drahtanschrift: Tagblatt Wiesbaden.

Meistgelesene Tageszeitung in Wiesbaden.

Postscheckkonto: Frankfurt a. M. Nr. 7105.

Nr. 155.

Dienstag, 9. Juni 1936.

84. Jahrgang.

Die Diplomatie wieder an der Arbeit.

Abnahme der Arbeitslosen im Mai um 272000

scheinenden Gesamtbericht der Reichsanstalt verwiesen, der auch die Entwicklung in den wichtigsten Berufs­gruppen enthält.

Der Weg zu einem neuen Locarno

Borwort des Botschafters von Ribbentrop zu einer deutschen Dokumenten-Sammlung. Bor neuen diplomatischen Verhandlungen. Deutschlands Blick in die Zukunft gerichtet.

Streik-Unruhen in Thorn.

Zusammenstöße zwische« streikende« Arbeitern und der f ' Polizei.

Bei der Einweihung der Adolf-Hitler- Rheinbrücke zwischen Krefeld und Uerdingen hat der »Stellvertreter des Führers, Reichsminister H e ss, den Wunsch zum Ausdruck gebracht, daß diese neue Brücke einmal eine Klammer für die unzerreißbare Verbundenheit der beiden Rheinufer sein möge, daß sie aber des weitereneine Brücke des Friedens" über Deutschlands geschichtsreichsten Strome sei. Bei dieser Gelegenheit hat er zugleich zum Ausdruck gebracht,daß wir auf deutscher Seite zu unserem Leidwesen den Ein­druck erhalten müßten, daß alle Versuche des Führers, mit Frankreich zu einer klaren Verständigung zu ge­langen, datz vor allem das grotzzügige Friedensangebot vom 7. bzw. 31. März auf so wenig Verständnis und Entgegenkommen von der anderen Seite stotzen." Aller­dings nicht nur im Jstteresse Deutschlands und Frank­reichs, sondern auch im Interesse Europas wäre es nur zu begrüßen gewesen, wenn die Gegenseite sich mehr mit der positiven Seite dieses Friedensangebotes befaßt hätte, statt nur immer das Negative heraussehen zu wollen.

Mannigfache Stimmen sind hüben wie drüben er­klungen, sind auch von führenden Staatsmännern anderer Nationen, z. B. von England, bestätigt worden, datz eine endgültige Beruhigung Europas und die Stabilisierung des europäischen Friedens in erster Linie mit abhängig sind von der Besserung des Verhältnisses zwischen Deutschland und Frankreich, also von der d e u t s ch - f r a n z ö s i - s ch e n Verständigung. Es wäre nur zu hoffen, wenn die neue französische Regierung hier einmal einen entschiedenen Schritt n. ch vorwärts tun würde. Eng­land hat, wie Eden in einer Rede in seinem Wahl­kreis ausgeführi hab, die Verhandlungen mit der deut­schen Regierung über die Vorschläge vom 7. und 31. März d. I. nunmehr ausgenommen, warum sollte nicht auch die französische Regierung unabhängig von der englischen ebenfalls den Versuch unternehmen, sich mit dem Friedensplane des Führers näher zu be­fassen und in Zweifelsfällen Rückfragen in Berlin zu stellen. Datz diese Verständigung mit Deutschland nicht nur Europa, sondern auch Frankreich die notwendige Sicherheit geben würde, darüber ist man sich auch auf der Gegenseite völlig klar. Wir nehmen als Zeugen für diese Erkenntnis die Einstellung des Versailler Bürgermeisters Gaston Henry-Haye, der über dieses Thema in dem sechsten Iuniheft derEuropäischen Revue" u. a. schreibt:Es ist schon zur allgemeinen Auffassung geworden, datz nichts Festes und. Dauer­haftes in Europa geschaffen werden kann, es fei denn von Frankreich und Deutschland gemeinsam. Beider­seits der Grenze verkennt kein denkender Mensch die Notwendigkeit, den französischen und den deutschen Standpunkt aufeinander abzustimmen: niemand ver­kennt, welches Heil aus einer Verständigung dieser beiden Länder erwachsen würde. Und dennoch zeigt sich jedesmal, wenn es darum geht, dieses Ideal zu ver­wirklichen, eine Art von grundsätzlicher Unvereinbar­keit." Der französische Artikelschreiber kommt nach kurzer Untersuchung der gegensätzlichen Auffassungen zu dem Bekenntnis, datz eskein Problem gebe, das Frank­reich und Deutschland, sofern sie von dem gleichen guten Willen beseelt sind, nicht zur Zufriedenheit beider lösen könnten. Es käme nur darauf an, der Wirklichkeit ins Auge zu sehen und mit Vorurteilen und Mißtrauen aufzurämnen. Aber Frankreich und Deutschland müssen

Nur noch 1491000 Arbeitslose.

Berlin, 8. Juni. Wie die Reichsanstalt für Arbeits­vermittlung und Arbeitslosenversicherung mitteilt, hat der Monat Mai ähnlich wie im Vorjahre einen weit kräftigeren Rückgang der Arbeits- l o s i g k e i t als der April gebracht,'und zwar in einem Umfang, wie er seit Jahren nicht beobachtet werden konnte.

Die Zahl der Arbeitslosen nahm im Mai 1936 um rund 272 000 ab und betrug Ende dieses Monats nur noch 1491201. Die im Winter 1935/36 eingetretene Belastung des Arbeitseinsatzes ist damit weit mehr als ausgeglichen und zugleich der Tiefstand der Arbeits­losigkeit im Vorjahre, der mit rund 1706 000 Arbeit- losen auf den 31. August fiel, schon erheblich unter­schritten.

Dieses günstige Ergebnis gewinnt noch dadurch an Bedeutung, datz die Zahl der Notstandsarbeiter im gleichen Zeitraum um rund 39 000 planmäßig gesenkt werden konnte.

2m übrigen wird auf den in den nächsten Tagen er-

, Warschau, 9. Juni. (Funkbericht.) Zu schweren Zu­sammenstößen zwischen streikenden Arbeitern und Poli­zisten kam es am Montag in Thorn. Ein amtlicher Bericht, der herausgegeben wurde, besagt, daß bei der Auflösung

Nach der neuesten Statistik ist im Mai die Zahl der Ar­beitslosen in Deutschland um weitere 252 000 gegenüber dem Vormonat zurückgegangen. Die Arbeitslosigkeit umfaßt noch 1491000 Köpfe, sie ist nun erstmals unter die Grenze von 1,5 Millionen gekommen. Wenn man sich die Zahl von rund 7 Millionen vergegenwärtigt, die der Nationalsozialismus bei seiner Machtergreifung vorfand, so wird der gewaltige Fortschritt klar und der neue Erfolg wiederum als ein Abschnitt der Arbeitsschlacht sroh und dankbar empfunden.

Man mutz sich mit dem -zunehmenden weiteren Absinken der Erwerbslosenzahl immer wieder vor Augen galten, daß seit der Siebenmillionengrenze bereits fünfein­halb Millionen Menschen wieder in den Arbeitsprozeß einge­schaltet wurden das ist eine Zahl, die der Gesamtem - wohnerschast von 55 Großstädten zu je 100 000 Seelen ent­spricht! Oder der aktuelle Fall als Zahlenbeispiel genom­men: der Monat Mai'hat allein einen Rückgang gebracht, der die Einwohnerschaft etwa der pommerschen Hauptstadt Stettin (269 000) noch um die Größe einer Kleinstadt über­trifft!

eines Demonstrationszuges einige Teilnehmer verwun­det wurden. Ein Mann, der schwere Verletzungen davonge- tragen hatte, ist gestorben. Bier Personen sind verhaftet. Die Untersuchung wird streng durchgeführt, um die Auf­wiegler festzustellen.

Aus Privatmeldungen geht hervor, daß die Polizisten, die diesen Demonstrationszug auflösen wollten, mit Stein­würfen empfangen wurden und von der Schußwaffe Ge­brauch machen mutzten. Nach Mitteilung von dieser Seite seien auch Polizeibeamte verletzt worden. Die Straßen sind jetzt durch verstärkte Patrouillen gesichert. Die Ruhe scheint wieder hergestellt zu sein.

Delbos unterrichtet sich.

as. Berlin, 9. Juni. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Die diplomatischen Besprechungen über das Friedensangebot, das der F ü h r e r am 31. März d. I. in Ergänzung seines früheren Vor­schlages der englischen Regierung zugehen ließ,'dürften demnächst wieder einsetzen. Bis zu einem gewissen Grade kann man die letzte Rede des englischen Außenministers Eden vielleicht schon als Auftakt für die Fortführung dieser diplomatischen Besprechungen bezeichnen. Freilich spielt für London und für Paris die Liquidierung des Abessinien-Konfliktes und damit die Frage der Sanktionen zunächst noch eine sehr wichtige Rolle. Betont doch beispielsweise derTemps", daß die Lösung der westlichen Probleme solange nicht mög­lich sein werde, als die britisch-italienische Spannung nicht beseitigt sei. Es erheben sich da­her in Frankreich Stimmen, die fordern, daß zur Klä­rung dieser Frage der neue französische Außenminister Delbos möglichst schnell mit seinem englischen Kollegen Eden zusammentreffen möge. Ob es vor der Genfer Tagung zu einer solchen persönlichen Aussprache 'der beiden Außenminister kommen wird, läßt sich im Augenblick noch nicht ganz übersehen. Zunächst ist Herr Delbos bemüht, sich möglichst gründlich über die inter- rtionale Lage zu unterrichten. Er hat zu diesem weck gestern die französischen Botschafter in ondon, Rom, Berlin und Prag empfangen. Uber diese nterredungen des Außenministers mit den Bot- zaftern sind amtliche Mitteilungen nicht erfolgt. Ver- utlich wird aber die bereits angekündigte außen- olitische Aussprache in der Kammer schon klarer erkennen lassen, welches Bild Außenminister Delbos gewonnen hat.

Es ist sehr zweckmäßig, daß gerade.in diesem Augen­blick der Weltöffentlichkeit durch eine Dokumenten­sammlung noch einmal vor Augen geführt wird, wie der Schritt Deutschlands vom 7. März d. I., 'das heißt die Besetzung der Rheinlande, durch die inter­nationale Entwicklung erzwungen wurde. Es handelt sich um die D o k u m e n t e n s a m m l u n gL o c a r n o" . (Verlag Junker und Dllnnhaupt, Berlin), die im Gegensatz zu dem englischen Blaubuch die Entwicklung nicht einseitig darstellt und keine Dokumente übergeht.

Sie bringt von der Note des Marschalls Foch an die alliierten Mächte vom 10. Januar 1919 mit der Forde­rung, die deutsche Westgrenze an den Rhein zu ver­legen, bis zu der englischen Rückfrage lückenlose Reden, Noten usw. zum Thema Locarno. Dieser Dokumenten­sammlung hat Botschafter v. Ribbentrop eine wichtige politische Einleitung vorausge­stellt, die in wenigen Sätzen die Gründe für die Aufhebung des Locarno-Vertrages durch Deutschland und die deutschen Absichten für die weitere Zukunft wiedergibt. Botschafter v. Ribbentrop stellt fest, datzdem Locarno-Vertrag gemäh der ent­militarisierten Rheinlandzone ein abgerüstetes Frank­reich, ein abgerüstetes Europa folgen" sollte. Das Gegenteil ist eingetreten. Er stellt weiter fest, datz dem Abschluß des Locarno-Vertrages die moralische Abrüstung und eine allgemeine Entspannung in Europa folgen" sollte. Auch diese Hoffnung erfüllte sich nicht. Stattdessen wurde das Militärbündnis zwischen Frankreich und Sowjetrußland abge­schlossen. Das bedeutete, wie Botschafter v. Ribbentrop sagt,die erneute völlige Beseitigung des europäischen Gleichgewichtes, das den Schöpfern des Locarno- Vertrages vorschwebte." Deutschland hat aber heute nur ein bedingtes, mehr historisches Interesse an Fest­stellungen solch negative: Art. Si'in Blick ist, so betont Botschafter o. Ribbentrop, ganz in die Zukunft gerichtet. Die Tatsache, der wiedergewonnenen Souveränität, über die Deutschland eine Diskussion niemals mehr zu­lassen werde, habe nunmehr die Voraussetzung für einen Gei st und eine Atmosphäre der V e r s ü h n un g geschaffen. Botschafter v. Ribbentrop fährt fort,Deutschland hat den ernsten Wunsch, mit seinen Nachbarn einen wahren und endgültigen Frieden zu schließen und im Westen ein neues Locarno aufzu­bauen. In seinem großen Friedensplan hat der Führer und Reichskanzler Europa ein neues Locarno ange­boten. Das deutsche Volk wünscht nichts sehnlicher, als dieses Vertragswert realisiert zu sehen." Damit ist noch einmal an Hand eines einwandfreien Akten­materials der Beweis erbracht, daß Deutschland mit Recht den bisherigen Locarno-Vertrag aufhob. Es ist aber auch noch einmal von maßgebender Stelle der Wunsch Deutschlands nach einem Frieden im Zeichen eines neuen Vertrages klar zum Ausdruck gebracht.

Litauische Parlamentswahlen.

Kowno, 9. Juni. (Funkmeldung.) Am Dienstag be­gannen in Litauen und im Memelgebiet die auf zwei Tage anberaumten WahIender49Abgeordneten für das nach lOjähriger Pause neu einberufene litauische Parlament. Unter den zur Wahl zugelassenen 144 Kandidaten befinden sich 6 Memelländer und 2 Juden; drei weitere memel­ländische Kandidaten sind bekanntlich vor der Wahl von den Litauern aus der Liste gestrichen worden, einer der 6 ver­bliebenen Kandidaten befindet sich in Haft. Die Kandidaten find ausschließlich von den Selbstverwaltungen aufgestellt und setzen sich zu über 90 o. H. aus Anhängern der Regie­rungspartei zusammen. Die 85 Abgeordneten des letzten litauischen Sejms, der bald nach dem Umsturz vom Dezember 1926 aufgelöst wurde, verteilten sich auf die damals noch be­stehenden Parteien wie folgt: Christliche Demokraten 30, Volkssozialisten (Demokraten) 22, Sozialdemokraten 15, Remelländer 5, Polen 4, Tautininkai (jetzige Regierungs­partei) 3, darunter der jetzige Staatspräsident Smetana und der in Haft befindliche friere Ministerpräsident Woldema- ras, Juden 3, Bauernpartei 2, Deutsche 1.

Nach dem neuen Wahlgesetz sind politische Partei­gruppierungen nicht mehr zulässig, so daß das Ergebnis der fetzigen Wahlen keinen Vergleich mit den letzten litauischen Wahlen zulaßt. Es interessiert deshalb im Lande an dem Ergebnis auch nur die W a h l b e t e i l i g u n g und nicht die personelle Zusammensetzung der 49 Abgeordneten, deren poli­tische Richtung Bereits mit der Aufstellung der Kandidaten von vornherein festgelegt ist.