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84. Jahrgang

Nr. 152.

MöW Muchin für die gefallenen Flieger

iwrngen.

iunder,

Wird die Menengen-Kunsneuz in Üionlrüin veriegi?

Der Weg nach Genf.

Trauerbeflaggung am 6. Juni.

Berlin, 5. Juni. Der Führer und Reichskanzler hat angeordnet, daß aus Anlaß der Beisetzung Generalleutnants Wever sämtliche Dienstgebäude der Partei und der ange­schloffenen Verbände am Samstag, den 6. Juni, Trauer­beflaggung zu fetzen haben.

tag, den 8. Juni, um 14 Uhr, in seinem Heimatort Ruhftorf bei Passau mit militärischen Ehren beigesetzt.

daß wieder einmal ein großes Rätselraten darüber ein­gesetzt hat, was der argentinische Antrag auf baldige

Eden gegen Separat­frieden.

Blick in die Wett.

Es ist nicht ohne Ironie, daß der Sieger Zwei und Besiegte des abessinischen Feldzuges Reisende, fast gleichzeitig in europäischen Hauptstädten eintrasen: Marschall Bado gl io hoch ge­feiert und geehrt in Rom und der Negus von einer größeren Menschenmenge sehr freundlich begrüßt in London. Badoglio, der Vizekönig von Abessinien, findet ein Rom vor, das entschlossen ist, sich seinen Sieg nicht streitig machen zu lassen. Man hat inzwischen weitere gesetzliche Grundlagen für den Aufbau der neuen Gebiete geschaffen, die künftig mit den bisherigen italienischen Kolonien Eritrea und Somaliland zu­sammenItalienisch - Ostasrika" bilden. Es wird also völlig reiner Tisch gemacht mit dem früheren Gefüge des abessinischen Reiches, denn die Aufgliederung in die fünf Regierungsbezirke erfolgt ohne jede An­lehnung an die amharische Verwaltungs­weise. Die neuen Bezirke überschneiden die Grenzen der früheren italienischen Kolonien. Die Italiener haben die Eenugtung, daß die Engländer an diesem Aufbauprogramm keinen Anstoß genommen haben, son- dern, daß vielmehr derDaily Telegraph", der als Sprachrohr Edens gilt, ausdrücklich erklärt, niemand könne Einwände erheben gegen das Programm, das Italien für den Fortschritt Abessiniens entworfen habe.

Sensationelle Aufnahme in der Türkei.

Istanbul, 5. Juni. Die ZeitungIan läßt sich aus Ankara melden, daß die für den 22. Juni angefetzt gewesene internationale Meerengenkonserenz in Montreux a u f britisches Ansuchen auf unbestimmte Zeit vertagt worden ist. Rückfragen bei zuständigen Stellen in Ankara ergaben weder eine Bestätigung noch ein Dementi.

Die Nachricht erregt hier das größte Aufsehen, und man fragt sich, ob die Vertagung der Konsercnz, an deren Vorbe­reitung von türkischer Seite bereits eifrig gearbeitet wurde, lediglich durch den Zusammentritt des Völkerbundsrates be­dingt ist, oder durch politische Erwägungen. Es ist jedenfalls als sicher anzunehmen, daß der gegenwärtige diplomatische

Wir wissen nicht, ob der Negus diese Aussührungen desDaily Telegraph" ge­lesen hat. Er ist uns immer als kluger Mann geschildert worden und so wird er sich denn wohl auch vermutlich durch den Emp­fang in London nicht darüber Hinweg­

täuschen lassen, daß die amtlichen englischen Kreise nicht gewillt sind, sich sonderlich für ihn und seine Krone ein­zusetzen. Man hat in London genug Sorgen, man empfindet auch den gegenwärtigen Zustand in Europa als äußerst unbefriedigend und so scheint mehr und mehr die Neigung zu wachsen, den Äbessinien- konflikt zu liquidieren. Das wird zweifellos sehr erleichtert durch die Zusicherungen Muffolinis, daß er die englischen Interessen respektieren werde, daß er fernerhin bereit sei, einen Mittelmeerpakt abzu-

aussöhnt, die ihm den Vorwurf machten, daß er im Winter Hoare opferte, um sich selbst zu retten, so ist es doch verständlich, daß man in Italien mehr in dieser Ernennung sieht und von ihr sehr befriedigt ist. Man bezeichnet sie sogar als einen symbolischen Akt und glaubt, Hoare auch den Wunsch zuschreiben zu können, die englische Flotte möglich st bald aus dem Mittelmeer zurückzuziehen. Darüber hinaus hofft man schließlich auf dem Wege über einen Mittelmeerpakt, der noch durch Bestimmun­gen über das Rote Meer ergänzt werden könnte, den englischen Weg nach Indien völlig zu sichern, zu einer Verständigung mit London gelangen zu können. Unter solchen Umständen nimmt man es in Rom sogar in Kauf, daß Eden gestern den R e g u s besuchte, zumal die amtlichen englischen Stellen diesen Besuch ganz aus­drücklich als Höflichkeitsakt bezeichnen. Auch die Tatsache, daß Eden heute abend nicht an dem Empfang, den der abessinische Gesandte in London zu Ehren des Negus gibt, teilnimmt, beruhigt die Ge­müter in Italien.

In diesem Zusammenhang ist es aber auch nicht un­interessant, daß Reuter wie auch aus privater englischer Quelle von militärischen Maßnahmen Italiens am Brenner gesprochen wird. Sind auch diese Nachrichten nicht sonderlich klar, so scheint es sich doch im wesentlichen darum zu handeln, daß die Italiener planen, große Manöver am Brenner abzu­halten. Das ist wenigstens aus verschiedenen Vorbe­reitungen zu schließen. Ganz offensichtlich will Rom damit zeigen, daß es durch den abessinischen Feldzug nicht im mindesten geschwächt ist und daß, wie man in Italien zu sagen pflegt, es sich in seiner Bereit­schaft in Europa nicht gemindert fühlt. Das zu unterstreichen erscheint den Italienern offenbar wichtig angesichts der Fühlungnahme mit London und ange­sichts der kommenden Genfer Tagung.

treten. Das Konzert der Großmächte wird kaum sonderlich wohlklingend sein. Auf der anderen Seite gibt gerade dieser Wunsch Englands, den Völkerbund unter allen Umständen zu retten, den Italienern eine scharfe Waffe in die Hand. Sie drohen mit ihrem Austritt für den Fall, daß der Versuch gemacht werden sollte, Italien auf die Anklagebank zu gro:-* Die Lage ist gewiß nicht einfach und es ist kein W

Italien spricht von einem symbolischen Alt.

»8. Berlin, 6. Juni. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Die nunmehr vollzogene Ernennung des ? früheren englischen Außenministers Sir Samuel f Hoare zum Er st en Lord der Admiralität, t das heißt zum Marineminister, kommt nicht mehr über- ! raschend. Seit langem sprach man davon, daß der seit- # herige Leiter dieses Postens, Lord Monsell, zurück- | treten werde, wobei als Termin für diesen Wechsel " Pfingsten genannt wurde. Seit langem aber sprach man | auch davon, daß Sir Samuel Hoare diesen Posten [ übernehmen und damit in das Kabinett zurückkehren | würde. Viele Anhänger des englischen Ministerpräsi­denten haben es ihm zum Vorwurf gemacht, daß er i seinerzeit nach dem Bekanntwerden des Hoare-Laval,- i fchen Planes unter dem Druck der öffentlichen Meinung l den damaligen Außenminister Hoare opferte. Jetzt hat : sich gezeigt, wie recht Hoare mit seiner Beurteilung der I Lage in Abessinien hatte. Umsomehr war Baldwin ge­neigt, Hoare, der als ein fähiger Kopf gilt, wieder in das Kabinett aufzunehmen und hätte das auch wohl * schon gern getan, als Mitte März der Posten für die i Zusammenfassung der Wehrdienste neu s geschaffen wurde und besetzt werden mußte. Damals | war aber der Widerstand der Sanktionsfreunde und der Jtaliengegner noch zu groß, richtet doch auch jetzt noch die Linke lebhafte Angriffe gegen Hoare, von deffen Eintritt in das Kabinett sich naturgemäß eine f Stärkung der auf eine. Vermittlung mit Italien hin­zielenden Richtung erwartet.

V Wenn Baldwin durch die Ernennung Hoares zum Marineminister also gewiffermaßen eine Ehrenpflicht f erfüllt und damit diejenigen seiner Anhänger wieder

schließen und an der Stabilisierung Europas mitzuar­beiten, wenn die Sanktionen aufgehoben werden. Das sind Erklärungen, die man in London mit einer gewissen Befriedigung zur Kenntnis genom­men hat. Aber wenn man nun auch wohl schon mehr oder weniger entschlossen ist, Abessinien a b z u s ch r e i b e n, so will man doch ganz offensichtlich wenigstens den Völkerbund retten. Aus diefem Grunde will auch Eden keinen Sonderfrieden mit Italien, sondern verweist darauf, daß die Maßnahmen gegen Italien gemeinsam beschloßen worden sind, daß sie dementsprechend auch gemeinsam wieder aufgehoben werden müßen. Man hält also in London an der Politik der Kollektivität nach wie vor fest.

Im Dresdener Garnisonslazarett.

Dresden, 5. Juni. Am Freitagmittag wurde im Dresdener Earnisonslazarett eine Trauerfeier für den Chef des Generalstabes der Luftwaffe, Generalleutnant W e o e r, und den Obergefreiten K r a u s, die am 3. Juni den Flieger­tod fanden, abgehalten.

An der Feier, die im engsten Rahmen stattfand, nahmen der Befehlshaber im Luftkreis 3, General der Flieger Wachen feld, mit dem Chef des Generalstabs, Oberstleut­nant Speidel, ferner der höhere Fliegerkommandeur 3, Oberst Volkmann, und als Vertreter des Kommandieren­den Generals des 4. Armeekorps, Generals der Infanterie L i st, der Chef des Generalstabs Oberst O l b r i ch t teil. Eine Ehrenkompanie der Fliegergruppe Großenhain erwies den auf dem Felde der Ehre Gebliebenen die letzte Ehrung. Die mit der Reichskriegsflagge bedeckten Särge waren im Hof des Garnisonlazaretts inmitten von dunklem Grün auf­gebahrt. Hinter den mit Kränzen geschmückten Bahren, die von Ehrenwachen flankiert waren, erhob sich ein schlichter Feldaltar mit dem Kruzifix.

Zu Beginn der Trauerfeier legte General Wachenfeld einen Kranz nieder. Nach einem Choral sprachen der evange­lische und der katholische Geistliche den Segen. Unter den leisen Klangen des Liedes vom guten Kameraden wurde der Sarg mit der sterblichen Hülle des Generalleutnants Wever von zehn Offizieren der Luftwaffe gehoben und durch das Spalier der Ehrenkompanie, die das Gewehr präsentierte, nach dem Wagen geleitet, in dem der Verstorbene nach Berlin übergeführt wird. Die sterblichen Überreste des Oberge­freiten Kraus wurden nach Oberbayern übergeführt, wo er in seinem Heimatort zur letzten Ruhe gebettet wird.

Aufbahrung des Generalstabschefs Wever im Reichsluftfahrtministerium.

Die sterblichen Überreste des tödlich verunglückten Gene­ralleutnant Wever sind am Freitagnachmittag von Dresden in das Reichsluftfahrtministerium übergeführt worden. Wäh­rend die Wache des Ministeriums angetreten war, trugen acht Unteroffiziere den Sarg in das Gebäude. Die Amts- und Abteilungschefs des Reichsluftfahrtministeriums waren vor dem Haufe angetreten und erwiesen ihrem toten Kameraden bei seinem letzten Einzug in die Stätte seines bisherigen Wirkens die Ehrenbezeugung.

Die Leiche des Generalstabschefs bleibk bis zur Trauer­feier im Reichsluftfahrtministerium aufgebahrt.

Die Leiche des Obergefreiten Kraus, der zusammen mit Generalleutnant Wever den Fliegertod sand, wird am Mon-

Bölkerbundsversammlung am 30. Juni.

Fortsetzung der im Oktober 1935 vertagten ordentlichen

16. Tagung.

Eens, 5. Juni. Der Generalsekretär des Völker­bundes hat den Mitgliederstaaten im Auftrage des Präsiden­ten der Versammlung telegraphisch mitgeteilt, daß die Völkerbundsversammlung am Dienstag, 3 0. Juni, vormittags 11 Uh r, in Genf wieder zusammentreten wird. In dem Telegramm wird noch­mals darauf hingewiesen. daß es sich um die Fortsetzung der im Oktober 1935 vertagten ordentlichen 16. Tagung der Ver­sammlung handelt.

Meinungsaustausch zwischen Großbritannien und der Türkei wegen eines Mittelmeerpaktes und über gegenseitige mili­tärische Unterstützung nicht ohne Einfluß auf die Meerengen­konferenz bleiben wird. Hierbei wird es für die Türkei in erster Linie darauf ankommen, das bri­tische Einverständnis zur Befestigung der Meerengen zu erhallten. Die bisherige Linie der britischen Politik in der Türkei, die eine unmittelbare Folge des ostafrikanischen Krieges war, geht unverkennbar dahin, der Türkei zwar in der Meerengenfrage entgegenzukommen, dafür aber die Türkei als Bundesgenossen in Mittelmeerfragen zu gewinnen. Die Vertagung der Konferenz auf angeblich britisches Ansinnen wirkt hier sensationell.

Hoare wieher im englWii Mett

Der langerwartete Wechsel im Marine-Ministerium. Hoares Freunde und Gegner.

Niemand freilich kann sich im unklaren darüber fein, daß der Weg nach Genf äußerst schwierig und gefahrvoll ist. Wenn man sich in der Völkerbundsstadt zusammen- findet, so werden die Gegensätze zwischen Friedens­freunden und Sanktionisten sofort in die Erscheinung

Meistgelesene Tageszellang in Wiesbaden.

Samstag, 6. Juni 1936,