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. ScheNenberg'Ich« H-fb-chdrtuIeret, „Zagblatt, Srai*. Wöchentlich 7 Ausgaben en*Häen& itaSmittM«.n.e.
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Wöchentlich
B. Schellenberg'Iche Hafhuchdnukerei, „Tagblatt, Satti*.
Werftäglich nachmittags, Samstags vor- ».nachmittags
Unterhaltungsbeilage.
mit einer täglichen
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Nr. 150.
84. Jahrgang
Generalstreikgefahr in Frankreich ?
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Das unruhige Palästina
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Berliner Büro: Berlin-Wilmersdorf.
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Sarraut wird es kaum bedauern, daß er nun die Würde des Amtes eines Ministerpräsidenten los wird. Heute nachmittag, unmittelbar nachdem die Kammer Herrn Herriot zu ihrem Präsidenten gewählt haben wird, wird Sarraut dem Staatspräsidenten die Demission des alten Kabinettes überreichen. Es wird die übliche traditionelle Besprechung des Staatspräsidenten mit den Präsidenten des Senats und der Kammer folgen und endlich die Betrauung L^on Blums mit der Kabinettsbildung. Da dieser seine Regierung bereits fertig hat, erwartet man noch am heutigen Abend, spätestens aber morgen früh, die amtliche Ministerlifte, die Überraschungen nicht mehr bringen wird. Wenn sie, was schon aus früheren Veröffentlichungen hervorging, weniger Minister, dasür aber mehr Staatssekretäre enthält als früher, so kennzeichnet das die Reform- pläne Leon Blums, die auf eine schärfere Trennung von Politik und Verwaltung Yinzielen. Die Minister sollen die politische Leitung erhalten, die Staatssekretäre die Verbindung zwischen Politik und Verwaltung herstellen und die Unterstaats- selretäre mit der Bearbeitung der laufenden Geschäfte betraut werden. Zweck dieser, nach französischen Begriffen weitgehenden Reform ist, den Ministern die technische Arbeit zu erleichtern und diese zu politischen Mitarbeitern des Regierungschefs zu machen. Es scheint jedoch, daß diese Absicht Blums auf starken Widerstand innerhalb der Reihen seiner für die Regierung Auserwählten gestoßen ist, da sich mehrere zukünftige Kabinettsmitglieder dagegen wehren, den Ministertitel gegen den eines Staatssekretärs einzutauschen. Solche Schwierigkeiten dürsten aber im Laufe des heutigen Tages überwunden werden, zumal angesichts der Streikbewegung keine Zeit mehr zu verlieren ist. Eine starke Unruhe geht durch das ganze Land und noch ehe die Volksfrontregierung im Amte ist, ist durch die Streikbewegung bereits erheblicher Schaden angerichtet worden.
„Man muh Adolf Hitler glauben -
Drei Hauptforderungen für die englische Außenpolitik.
Leon Blums erste Aufgabe.
Heute Rücktritt Sarrauts und Betrauung L6on Blums. — 350000 französische Arbeiter im Streik.
Zweimal Jubel...
Rom feiert Marschall Vadoglio. — London bejubelt den Negus Hatte Selassie.
Ein eigenartiger Zufall will es, daß der Sieger und der Besiegte des abessinischen Feldzuges gleichzeitig in Europa oder sagen wir richtiger: an ihrem Bestimmungsort ankamen. Zur gleichen Stunde, in der Mussolini seinen siegreichen Marschall in der Ewigen Stadt umarmte und küßte, wurde die schwarze Majestät von einer ungeheuren Menschenmenge am Londoner Waterloo-Bahnhof mit geradezu frenetischem Beifall empfangen. Zweimal Jubel, zweimal weltpolitisch bedeutsame Tatsachen.
Wie man in den Berichten aus der britischen Hauptstadt vernimmt, soll der Empfang des Negus durch die Zehntausende keineswegs organisiert worden sein. Man sagt, er sei völlig spontan und aus dem Volksgefühl heraus entstanden^ eine Möglichkeit, die sich keineswegs von der Hand weisen läßt, wenn man bedenkt, daß Kirche und Arbeiterpartei sich besonders stark für Abessinien und die Verfechtung des abessinischen Standpunktes eingesetzt haben. Und in der Tat ist die britische Volksseele für Regungen ähnlicher Art von jeher sehr empfänglich gewesen. Man erinnere sich — ohne damit in die Gefahr eines Mißverständnisses zu kommen — an die ungewöhnliche Volkstümlichkeit des englischen Königshauses und die geradezu rührenden Beweise der Anhänglichkeit, die selbst solche Bevölkerungskreise an den Tag legen, die anderwärts nicht eben als Monarchisten angesehen werden.
Was immer schon am Rande vermerkt worden ist, das dürfte vielleicht doch angesichts dieser eigenartigen und vielleicht auch unerwarteten Demonstration Wirklichkeit werden: die fast bizarr anmutende Europareise eines Kaisers ohne Land wird zu einem realen politischen Faktor, mit dem man wird rechnen muffen. Er wird dieses Charakters auch nicht dadurch entkleidet, daß jeder offizielle Empfang durch Königshaus und Regierung unterblieben ist und unterbleiben wird. Die Europaturnee wird inkognito weitergehen, und man wird es nicht vorauszusagen vermögen, ob sie in Genf ihr Ende finden wird. Der Negus, so sehr er als Herrscher seines Landes und als Führer seiner Armee enttäuscht hat, scheint ein geschickter Propagandist zu sein, der — so sagen die Berichte aus London — mit trauriger Würde und mit einem gewiffen „tragischen Lächeln" Kenntnis von der allgemeinen Stimmung nimmt, der mit grauem Schlapphut und in schlichten Zivilkleidern den Weg „zur Gerechtigkeit" beschritten hat. . .
Man kann von der Triumphreise des Marschalls Badoglio keineswegs sagen, daß sie improvisiert gewesen sei, im Gegenteil: mit gewohnter Gründlichkeit hat der Faschismus von dieser einzigartigen Gelegenheit Gebrauch gemacht, den vollendeten Sieg unter Beweis zu stellen und zu zeigen, wie man heute die um das Vaterland verdienten Männer zu ehren und zu würdigen weiß. Wie ein Triumphator des alten Imperium Romanum ist der Marschall in Rom eingezogen, ein wenig blaß und müde auch er — genau wie sein Widerpart in London — aber mit der Gewißheit ausgestattet, seine Pflicht gründlich getan zu haben. Was jetzt kommt, das wird vor allem eine Angelegenheit der Staatsmänner sein: sofern nicht — und hier kommen wir zu der mutmaßlichen Mission des Marschalls — doch eines Tages das Kriegsinstrument in Gang gesetzt werden muß, um den afrikanischen Sieg zu erhalten und zu festigen. Badoglio, Vizekönig von Abessinien, ist, wie man hört, mit dem Auftrage betraut worden, die notwendige Reorganisation des italienischen Heeres mit aller Beschleunigung und Gründlichkeit vorzunehmen. Sein Generalstab ist bei ihm wie seine Familie: Rom
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Reformplane.
38. Berlin, 4. Juni. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Am Vorabend des Amtsantritts der Volksfrontregierung hat sich in Frankreich die Streiklage erheblich verschärft. Die Zahl der streikenden Arbeiter wurde gestern abend bereits auf 350 000 beziffert, wobei die Metallindustrie und — örtlich gesehen — Paris vor allen Dingen in Mitleidenschaft gezogen sind. Aber auch auf die französische Provinz greift der Streik mehr und mehr über und erfaßt auch die Betriebe, die direkt für das Publikum arbeiten. So wird auch in dem Gaswerk eines Pariser Vororts gestreikt, fernerhin in den Eiswerken, die für die Pariser Lebensmitteldepots arbeiten uno schließlich sind auch in einem großen Lebensmittelwerk die Kühlanlagen stillgelegt worden. Es kriselt darüber hinaus bereits im Pariser Gaftstättengewerbe. Kurzum, wenn nicht alles täuscht, dürfte bei Streit sehr bald für das Publikum stark fühlbar werden. Ja, man spricht sogar davon, daß ein allgemeiner Streik der Eisenbahner, der Post- und Telegraphenarbeiter, sowie der Belegschaften aller Pariser Efts-, Waffer- und Elektrizitätswerke in aller Kürze zu erwarten sei. Wenn solche düsteren Voraussagen auch nicht zutreffen sollten, so ist doch die Lage, die die neue Regierung bei ihrem Amtsantritt vorfindet, alles andere als erfreulich. Dabei besteht über die politische Bedeutung des Streiks im Augenblick insofern keine Klarheit, als in der entscheidenden Frage, wer die Streikbewegung in Händen hat, die Meinungen auseinander gehen. Die einen glauben, daß die Kommunisten und die Gewerkschaften die Drahtzieher sind, während andere hingegen die Ansicht vertreten, daß die Fäden den ursprünglichen Streikhetzern ; bereits entglitten sind, sodaß selbst die Kommunisten sich schon bemühten, beruhigend auf die Streikenden einzuwirken.
Jedenfalls aber wird die Regierung Blum sehr . schnell bemüht sein, normale Verhältnisse herzustellen.
Rückgang der jüdischen Einwanderung.
Jerusalem, 4. Juni. Die am Dienstag mit den Truppentransporten eingetroffenen 200 Mann Kavallerie sind im Grenzschutz eingesetzt worden.
Einer der Beteiligten an den schweren blutigen Zusammenstößen in Jaffa am 19. April, wo seinerzeit 19 Personen getötet worden find, ist zu 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden. — In Jerusalem wurden im Mittwoch fünf jüdische, Kommunisten verhaftet. Bemerkenswert ist, daß den in jüdische Kolonien verbannten kommunistischen Hetzern von der Bevölkerung die Hergabe von Lebensmitteln verweigert wird, sodaß sie aus ter Gefängnisküche verpflegt werden müssen. Einer der Streikführer in Jerusalem, Rechtsanwalt Hassan Sidki Najani, der vor kurzem nach Betjibrin verbannt worden war, ist jetzt in ein Konzen-
Em Leitaufsatz der „Times".
London, 4. Juni. (Funkmeldung.) Die „Times" stellt in einem Leitaufsatz drei Hauptforderungen für die englische Außenpolitik auf:
£ 1. Eine deutliche Erklärung an die Welt über die Ver-
pflichtungen, zu denen Großbritannien steht.
2. Eine energische Inangriffnahme der Verhandlungen mit Deutschland und
3. die schnellstmögliche Durchführung der Verteidigungspläne für das Britische Welt- r e i ch.
Zur Frage der Sanktionen erklärt das Blatt, daß ihre AufrechterhaIttmg oder Aufhebung nur durch ein gemeinsames Vorgehen des Völkerbundes erfolgen könne.
Wenn die Zivilffation am Leben bleiben solle, dann muffe ein neues System geschaffen werden. Tatsächlich sei es gegenwärtig an drei Mächten, einen Anfang in Westeuropa zu machen, nämlich an England, Frankreich und Deutschland. Zum erstenmal seit Kriegsende sei Deutschland in der Lage, sein volles internationales Recht zu fordern und daher könne es von Anfang an seine eigene Rolle im Neubau der Friedensgrundlage spielen. Eine negative Politik sei für Deutschland ebenso wenig möglich wie für andere. Man müsse Hitler glauben, wenn er sage, daß keine Grenze das L^en von 2 Millionen Deutschen wert wäre, die tatsächlich sterben würden, damit der Bolschewismus die Erbschaft der Welt antreten könnte.
Zwar könne es keine leichte Arbeit sein, eine Einigung zwischen den deutschen und französischen Ansichten über die Organisation Europas zustande zu bringen. Eine t000jährige Geschichte liefere jedoch den Beweis, daß es für keinen der 6etoen Staaten Gesundheit oder Sicherheit ge-ben könne solange diese Kluft nicht überbrückt sei.
Angesichts dieser Merkmale der politischen Lage dürfe kein Zweifel über die Erfordernisse der britischen Politik bestehen, die der Welt in einer bestimmten, und nachhaltigen Form mitgeteilt werden müßte. Der Anfangspunkt einer solchen Erklärung müsse natürlich dahin gehen, daß die Verhinderung des Angriffs und des Krieges der leitende Grundsatz des britischen Vorgehens fei und daß England keiner Verletzung dieses Grundsatzes duldsam oder Llerchgültig gegenüber stehen dürfe. Andererseits könne
Anzeigenpreise: Ein Millimeter Höhe der 22 Millimeter breiten Spalte im Anzeigenteil Erund. preis 7 Rpf., der 85 Millimeter breiten Spalte im Tertteil 60 Rpf., sonst laut Preisliste Nr. 5, Nachlatzstaffel B. — Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Plätzen wird feine Gewähr übernommen. — Schluß der Anzeigen-Annahme 9'/, Uhr vormittags. Größere Anzeigen müssen spätestens einen Tag vor dem Erscheinungstage aufgegeben werden.
trationslager in der Wüste gebracht worden. Auch andere arabische Führer sind verbannt worden. _
Die Einwanderung der Juden ist im Laufe des Monats Mai zurück gegangen. Sie belief sich nur auf 2158 Personen gegenüber 3095 im April und 3646 im März.
Auch im Laufe des Mittwochs ist es verschiedentlich zu blutigen Zwischenfällen gekommen. In Bethlehem wurden 2 Polizisten verletzt. In der jüdischen Kolonie Rischon wurden zwei Juden von Araberscheiks schwer verwundet. Die Vorzensur ist jetzt z. T. auch auf die jüdische Presse ausgedehnt worden.
Ein Zeichen, daß auch in Syrien die judenfeindliche Stimmung immer stärker wird, ist die Tatsache, daß es am Montag in Damaskus zu Zusammenstößen mit Polizei kam, weil die Bevölkerung die Lebensmittellieferungen jüdischer Kaufleute nach Palästina verhindern wollte.
keine Macht einen unbegrenzten Anteil der Verantwortung an allen Stellen, wo eine Verletzung oorkomme, übernehmen, und England dürfe keine derartigen Verpflichtungen eingehen. Auf zwei Gebieten könne jedoch England besondere Verpflichtungen übernehmen. So würde jedem Vorstoß gegen die gebietsmäßige Unversehrtheit Frankreichs und Belgiens ein sofortiger und uneingeschränkter Widerstand entgegengesetzt werden. In ähnlicher Weise sollte den Mittelmeermächten die Versicherung abgegeben werden, daß jeder Versuch, sich in die, Verkehrsfreiheit des Seewegs nach dem Osten einzu- mffchen, sofort die volle und rückhaltlose Anwendung britischer Machtmittel zur Folge 'halben werde.
Was tras Friedensangebot Hitlers anbetreffe, so sei eher eine Aktion als eine Erklärung erforderlich, und zwar gegenwärtig in erster Linie eine Aktion Deutschlands, das seinerseits die Entwicklung in Frankreich abwarte. Es sei unter diesen Umständen die klare Pflicht Englands, so bald wie möglich eine Verständigung über den deutschen Frie- densplan herbeiguMren.
Meistgelesene Tageszeitung in Wiesbaden.
Donnerstag, 4. Juni 1936.
