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84. Jahrgang.
Dienstag, 2. Juni 1936.
Nr. 148.
Leon Blum dämpft marxistische Hoffnungen.
as.
Es ist nun sehr bezeichnend, daß Blum selbst am Pfingstmontag aus dem sozialdemokratischen Parteitag seine Parteigenossen vor allzu großen Hoffnungen bewahrt hat. Er hat vor Augen geführt, daß die Sozra- listen keineswegs allein die absolute Mehrheit hätten, sondern die marxistische linksbürgerliche Volksfront sei der Sieger im Wahlkampf gewesen, daher werde das künftige Kabinett nicht ein reinsozialistisches / Kabinett sein, sondern ein Kabinett der fe Vsolkssront, das mithin auch nicht rein f o z i a - r listifche Pläne verwirklichen könne, sondern das Programm der Volksfront erstreben müsse.
Künftige Minister.
Berlin, 2. Juni. (Drahtbericht unserer Berliner
Abteilung.) Um LMternacht vom 31. Mai aus den 1. Juni war die Amtszeit der alten französischen Kammer abgelausen. Streng nach dem Buchstaben des Gesetzes, das den Zusammentritt des neuen Parla-
Das ist, wenn man so will, ein Dämpfer L6on Blums für die Sozialisten. Es bedeutet zugleich auch, daß er den linksbürgerlichen Kreisen der Volksfront einen Teil der Verantwortung für die Regierung zuschiebt. Damit befreien sich andererseits die Sozialisten vor ihrer Wählerschaft und vor der kommunistischen Konkurrenz von einem Teil der Verantwortung für das, was kommt. Diese Worte Blums sind wohl nicht zuletzt mit Rücksicht auf die Streikbewegung gesprochen worden, die zwar im Abflauen, aber immer noch nicht völlig überwunden ist. Zurzeit sind noch 15 Fabriken von ihrenVeleg- schäften besetzt.
Selbstverständlich sind, wenn auch das Kabinett Blum vor Donnerstag nicht ernannt werden wird, Ministerlisten im Umlauf. Sie sind mit einer gewrssen Vorsicht aufzunehmen. Als Außenminister wird dabei der Radikalsozialist Delbos genannt, der bisher das Justizministerium innehatte. Der 51jährige ist zwar schon mehrfach Minister gewesen, aber bisher tue besonders hervorgetreten. Er wurde allerdings einmal in dem Kampf um die Außenpolitik Lavals genannt. Damals hielt Delbos als Fraktionsoorsitzender eine Rede, die allgemein als der Grabgesang der Lavalschen Außenpolitik bezeichnet wurde. Als künftiger Luftfahrtminister wird Pierre C o t genannt, bekannt durch feine Reise nach der Sowjetunion und seine Propaganda für eine Zusammenarbeit mit der sowjetrussischen Luftfahrt. Kriegsminister, dem in Zukunft angeblich die drei Wehrministerien unterstehen sollen, wird der Radikalsozialist D a l a d i e r, der eigentliche Begründer der Volksfront, der freilich für seine Partei die führende Stellung in der Volksfront erhoffte, die tatsächlich den Sozialisten zufiel. Die sozialistischen Ministerkandidaten sind meist weniger bekannt. Eine bedeutende Rolle wird dem 52jährigen Rechtsanwalt und Journalisten Auriol zufallen, der als Finanzminister das wichtigste Ministerium übernimmt.
„Arbeit und Ehre."
Das Rechtsgebäude des Handwerks.
In den Tagen vom 5. bis 10. Juni findet in F r a n k f u r t a. M. der diesjährige Reichshandwerkertag statt. Tausende von Meistern, Gesellen und Lehrlingen werden wieder durch die Straßen der altehrwürdigen deutschen Kaiserstadt ziehen, „nicht um ein Fest zu begehen", wie Reichshandwerksmeister W. G. Schmidt in seinem jüngsten Aufruf verkündete, „sondern zum Zwecke ernstester Arbeit."
Der Leitspruch der Handwerker für 1936 lautet: „Arbeit und Ehre". Das soll bedeuten, daß das deutsche Handwerk nur durch den Einsatz aller Kräfte und Fähigkeiten zur früheren Höhe emporsteigen kann und daß das ganze Mühen und Ringen nur dann von Segen sein wird, wenn es aufs engste mit dem Ehrbegriff verknüpft bleibt. ,, _ v
Es ist die vierte Großtagung, die das deutsche Handwerk feit der nationalsozialistischen Revolution veranstaltet 1933 rief der neugebildete Reichsstand des deutschen Handwerks zu der ersten Handwerkerwoche auf, die unter dem Leitwort „Deine Hand dem Handwerk" zu einer machtvollen Kundgebung des wirtschaftlich darniederliegenden, aber in seinem Lebenswillen ungebrochenen Berufes wurde. Unmittelbar nach jenem ersten öffentlichen Auftreten des Handwerks begann das große Eesetzgebungswerk, mit dem der Führer und Reichskanzler den politischen Neuaufbau des Handwerks durchführen ließ. Der zweite Handwerkertag 1934 fiel mitten in diesen Umbruch, ohne ihn zu stören oder aufzuhalten, und erst auf dem dritten Reichshandwerkertag 1935 — 16. bis 23. Juni in Frankfurt a. M. — konnte man sozusagen das Richtfest des Neubaues feiern. Wenn jetzt dieses Jahr die deutschen Handwerker nach Frankfurt a. M. kommen, ist in ihrem Haus der berufskameradschaftlichen Verfassung alles geordnet unter Dach und Fach gebracht. Alte, bewährte Überlieferungen des Handwerks sind mit den neuen Erkenntnisien der nationalsozialistischen Welt- und Wirtschaftsanschauung vermauert.
Wir unterscheiden drei Grundpfeiler, auf der das Rechrsgebäude des Handwerks ruht: Erstens der große Befähigungsnachweis, der nur demjenigen erlaubt, das Handwerk 'selbständig auszuüben, der wirklich Meister seines Faches ist und dies durch die Meisterprüfung nachgewiesen hat. Damit wird das Hand-
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Nach dem Buchstaben des Gesetzes. — Sarrauts letzte Tage.
mente einen Tag nach dem Ende der vorausgegangenen Gesetzesperiode vorschreibt, und ohne Rücksicht auf das Pfingstfest ist die neue vor Monatsfrist gewählte französische Kammer gestern nachmittag zum erstenmal zusammengetreten. Diese erste Sitzung der neuen Volksfrontkammer hat rein forma l e n C h a r a k t e r. Sie gab dem Alterspräsident Gelegenheit, in einer kurzen Ansprache den Wunsch nach Frieden zum Ausdruck zu bringen, und sie gab einigen Frauenrechtlerinnen Gelegenheit, auf der Tribüne Plakate zu entfalten, die für das Frauenstimmrecht werben sollten. Im übrigen aber zeigt die neue Kammer zunächst keine Eile. Sie wird morgen nochmals eine reine formale Sitzung abhalten und sich erst am Donnerstag einen Präsidenten wählen, einen Posten, den Herriot für sich erstrebt. Am gleichen Tage erfolgt auch der Rücktritt des Kabinetts Sarraut, und damit ist dann der Weg frei für die E r n e n n u n g des K a b i n e t t s V l u m.
Der Ehrentag der deutschen Kriegsmarine.
Ein Bildbericht von der feierlichen Weihe des Marine-Ehrenmals Laboe durch den Führer. Links: Eine Übersicht während des Staatsaktes.
Auf dem Turm des Marine-Ehrenmals flattert die alte Kriegsflagge der Kaiserlichen Marine.
(Weltbild, M.)
Rechts: Die Weihestunde im Marine-Ehrenmal.
Links vom Führer Generalfeldmarschall v. V l o m b e r g, rechts Generaladmiral Dr. h. c. R a e d e r.
Vor dem Gedenkstein mit dem Ehrenbuch der deutschen Kriegsmarine der Kranz des Führers.
(Scherls Bilderdienst, M.)
NiksIiilöMr Sagblatt
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Werktäglich nachmittags, Samstag- vor- u. nachmittag»
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