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84. Jahrgang.

Samstag, 30. Mai 1936.

Nr. 146.

Blick in die Welt.

Sanktions-Liquidation und Völkerbundsreform.

Italien

Politik der starken Hand.

oerständignngs-^ ft bereit. T

In das gleiche Kapitel, d. h. in die Bemühungen um die Wiederher­stellung des eigenen Ansehens bei den Bolkern des Orients, ist auch die

In den englischen Blättern ist das Thema des Tages nicht mehr Abessinien, sondern Palästina. Wenn England hier alle seine Machtmittel einsetzt und immer neue Truppen aus Ägypten heranzieht, um der Unruhen Herr zu werden, so geschieht das nicht nur um

der strategischen Bedeutung dieses britischen Mandats­gebiets (Flankenstellung zum Suezkanal und Endpunkt der von Mossul kommenden Öllinie), sondern nicht zu­letzt auch um des durch den Ausgang des Abeßinien- konslikts ein wenig mitgenommenen Ansehens Eng­lands. In den Völkern des Orients droht sich nämlich

Die Aufstandsbewegung in Palästina

Auf der Suche nach einem Ausweg ohne Prestigeverlust.

Des Führers Werl ein tiefes Erlebnis

das bekanntlich schon auf der letzten Ratstagung gegen eine Verschleppung der Entscheidung und für die Auf­hebung der Sanktionen eintrat, eine Einberufung dieser außerordentlichen Vollversamm­lung des Völkerbundes mit einem früheren Termin verlangt. Dieser Termin würde nach argentinischer Auffassung um Mitte oder Ende Juni zu liegen haben. Diese außerordentliche Voll­versammlung soll dann endgültig den italienisch- abessinischen Konflikt liquidieren, die Sanktionen auf­heben und außerdem sich auch noch mit der R e f o r m des Völkerbundes befaßen. Sehr günstig scheinen die Aussichten für diesen argentinischen Antrag nicht zu sein. Eine Vollsitzung des Völkerbundes hat, das ist die Ansicht in den wichtigsten Völkerbundsstaaten, nur den Zweck, wenn vorher eine weitgehende Einigung über die zu behandelnden Fragen erzielt ist. Gerade damit hapert es aber bekanntlich. Es dürfte mithin weder in London noch in Paris Neigung bestehen, jetzt in einer öffentlichen Sitzung des Völkerbundes den abessinischen Konflikt auszurollen. Ja, es gibt bekannt­lich Pessimisten, die davon sprechen, daß noch nicht einmal fe st steht, ob der Rat wirklich am 16. Juni zusammentritt oder ob man nicht noch vorher seine Zuflucht zu einer Vertagung nehmen tohfo. Ist aber schon eine Ratstagung ohne vorher festgelegte gemeinsame Linie der führenden Mächte aussichtslos, so gilt das noch in weit stärkerem Maße für eine Vollversammlung, die eine wirkliche Entscheidung öffentlich treffen müßte. Man rechnet denn auch allgemein damit, daß der argentinische Vor­schlag in Paris und London einfach zu den Akten gelegt oder in irgend einer Form ab gebogen wer­den wird, was freilich andererseits, da Mussolini auf die Aufhebung der Sanktionen drängt, die italienisch­englische Fühlungnahme nicht gerade fördern würde.

r Vorstotz Argentiniens in Genf.

Für baldige Entscheidungen. Eine außerordentliche Bollversammlung soll einberufen werden mit dem Thema: Abessinien und Sanktionen.

die Anschauung festzusetzen, daß E n g l a n d, da es nichts gegen Italien unternahm, nicht mehr die g e w a l t i g e M a ch t ist, als die man es einst be­trachtete. Zum mindesten betrachtet man Eng- landnichtmehralsden Alleinmächtigen, desien Wort maßgebend ist. So ist es sehr bezeichnend, wenn die ägyptische Preße davon spricht, daß Englands Politik sich gewandelt habe. Es wünsche heute die orientalischen Staaten, über die es mehr oder weniger verschleiert ein Protektorat ausübte, für Freundschaft und Bündnis zu gewinnen, zur Verteidigung der eigenen Interessen in der Stunde der Auseinandersetzung. Ganz offensichtlich ist London, das die Gefahren, die sich aus solchen Einstellungen orientalischer Völker ergeben können, wiahl kennt, entschloßen Palästina benutzen, um den Völkern des Rahen Ostensvorzuexer- gieren, daß es keineswegs abgedankt hat und auch nicht daran denkt, abzudanken. Um diese Dinge geht es zunächst einmal in Palästina und erst in zweiter Linie um den alten Streit zwischen Juden und Arabern.

Verhängung von Kollektivstrafen nun auch über ganze Städte gesetzlich ermächtigt worden.

Die Araberführung ist fest einigen Tagen auffallend schweigsam. Es verlautet, daß London auf energische Maßnahmen zur schnellen Unter­drückung des Aufruhrs dringe. Offenbar wird von allen beteiligten Parteien hinter den Kulissen nach einem vermittelnden Ausweg ohne Prestigeverlust mit dem Ziel einer Round-Table-Konferenz in London gesucht.

Sympathiekundgebungen in Transjordanien.

Jerusalem, 29. Mai. In den Städten Es-Salt (35 Kilometer nordnordöstlich vom Toten Meer) und Amman (25 Kilometer südöstlich von Es-Salt) in Transjordanien kam es zu Sympathiekundgebungen für die Araber in Palästina. Emir Abdullah ver» warnte die Streikhetzer.

Mit derselben aufrichtigen Freude habe ich das gesunde, dir geschichtlichen Entwicklung entsprechende Leben aller Institutionen der deutschen Wissenschaft und Bildung wahr­nehmen und mich von Ver großzügigen Sorgfalt überzeugen können, mit der die Reichsregierung die Tätigkeit und die Entwicklung dieser wichtigen nationalen Institutionen fördert.

Mit besonderem Nachdruck möchte ich die großartige Leistung heroorhebcn, die sich in der Schaffung des Olympia-Stadions und der übrigen grandiosen sportlichen Anlagen offenbart. Mit Bewunderung habe ich die Dietrich-Eckärt-Bühne betrachtet, dieses persönliche Werk des Herrn Reichsministers Rust, das eines der schönsten Werke dieser Art ist.

Am Ende der Unterredung sprach Minister Homan seinen Dank für die freundliche Unterstützung feiner Tätigkeit in Deutschland durch die deutsche Presse aus, deren sympathische Einstellung zur ungarischen Nation er dankbar empfunden habe.

Minister Homan an die deutsche Presse.

Berlin, 29. Mai. Kurz vor seiner Abreise aus Berlin empfing der königlich ungarische Kultusminister Dr. Dr. h. c. Homan einen Vertreter der Nationalsozialistischen Partei- korrespondenz und gab ihm eine Erklärung für die deutsche Presse ab, in der der Minister u. a. ausführte:

Der deutsch-ungarische Kulturvertrag, der vor anderthalb Jahren in Budapest abgeschloßen und jetzt in der Form eines internationalen Vertrages in feierlicher Form neu bestärkt wurde, will im Grunde keinen neuen Zustand schaffen, er unterbaut schon vorhandene Insti­tutionen und Beziehungen, erweitert und festigt das Geschaffene. Er trifft aber dennoch in einzelnen Punk­ten bedeutsame Verfügungen, die die geistigen Beziehungen beider Nationen zweifelsohne bis in eine ferne Zukunft hinein vertiefen werden.

Für uns Ungarn hat diese institutionelle Sicherung des wechselseitigen Kulturverkehrs eine besondere Bedeutung, denn sie macht uns möglich, teilhast zu werden an den geisti­gen und ethischen Kräften, die in der deutschen Kultur ent­halten sind und keine Beschränkung unseres eigenen Geistes­lebens bedeuten.

Für die unbedingte, freundschaftliche, einsichtige Unter­stützung dieses Gedankens bei dem Zustandekommen des Kulturvertrager will ich der deutschen Reichs­regierung meinen tief empfundenen Dank zum Ausdruck bringen. Mit ganz besonderem herz­lichen Dank bin ich Herrn Reichsminister Bernhard Rust verbunden, denn er hat bei seinem Budapester Besuch und dann hier in Berlin als aufrichtiger Freund der ungarischen Nation das Zustandekommen des. Kulturvertrages gefördert.

Ich habe während meines Besuches in Berlin den Führer des deutschen Volkes und sein Werk, das von der großen Idee der nationalen Volksgemeinschaft erfüllte beutle Leben, nicht nur als Kulturpolitiker, sondern auch als Historiker erfaßt und als tiefes Erlebnis empfunden.

Tief hat mich die Beobachtung beeindruckt, daß das Regime den altbewährten Institutionen der deutschen Wissenschaft und der deutschen Kultur die volle Unter­stützung des Staates angedeihen läßt. Mit besonderer Ge­nugtuung habe ich feststellen können, daß das ungarische Institut der Universität Berlin und das von der ungarischen Regierung unterhaltene collegium hungaricum die unein- geschräukte freundschaftlich» Unterstützung der Rerchs- regierung genießen.

Englandreife des Negus einzu­reihen. Das England, das den Negus auf einem feiner Kriegsschiffe bis nach Gibraltar beförderte, zeigt damit noch einmal sich in der Rolle eines Beschützers der far­bigen Völker. Freilich hat man dem ehemaligen Herr­scher zu verstehen gegeben, daß man ihn nicht als Kaiser zu empfangen wünsche, doch wurde das wohlweislich erst nach feiner Abfahrt aus Haifa bekannt. Man wird also nicht allzu viel Aufhebens von feinem Aufent­halt in London machen. Es ist sicher, daß man eben auch in London eine weitere Zuspitzung des englisch­italienischen Verhältnißes, die ein offizieller Empfang des Negus bedeutet hätte, nicht wünscht. Auf der anderen Seite lassen auch die Italiener .immer wieder erkennen, daß sie zu einer Verständigung mit London bereit sind. Nicht nur, daß Rom strikte jede englandfeindliche Propaganda im Orient in Abrede stellt. Mussolini stellt einem englischen Pressevertreter gegenüber ausdrücklich fest, daß eine Wiederannäherung zwischen Rom und London not­wendig sei. Bleibt nur die schwierige Frage, auf welcher Grundlage diese Verständigung erfolgen soll und kann.

Aber die Engländer sind vorsichtige Die Leute. Sie verlaßen sich nicht auf eine

Verteidigung grundsätzliche Verständigungsbereitschaft, des sondern halten es bei einer inter-

Weltreiches. nationalen Lage, die der Erzbischof von Canterbury alsruheloser, verworrener und für die Errichtung des Friedens unheilvoller als irgendeine Zeit unserer Erinnerung" bezeichnete, mit

Wiederum Tote und Verwundete.

Jerusalem, 29. Mai. Im ganzen Lande haben die blutigen Ausschreitungen neuerlich mehrere Tote und Verwundete gefordert. Darunter be­finden sich auch Beteiligte an einem nächtlichen Eisen­bahnanschlag. Die P o l i z e i ist wie es bereits amt­lich angekündigt war inzwischen mit T r ä n e n g a s - bomben ausgerüstet worden. In Alexandrien steht außer einem weiteren Infanterie-Bataillon auch eine motorisierte Abteilung der 8. Husaren in Bereit­schaft.

Die jüdische ZeitungHaboker" ist verboten worden. Am Freitag sind in Palästina zum ersten Male keine arabischen Zeitungen erschienen.

Der britische Oberkommißar ist zur selbständigen

Eine schwierige Zuständigkeitsfrage

B as. Berlin, 30. Mai. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Die gestrige Aussprache im englischen Unterhaus hat gezeigt, daß die Bemühung Italiens um eine Verständigung mit London wenig Eindruck in England ge­rn a ch t h a t. Zum mindesten gilt das für die Oppo- M sition, forderte doch der arbeiterparteiliche Abgeordnete Henderson sogar die Abberufung des englischen Botschafters aus Rom. Solche Reden beweisen, wie f recht dieTimes" hat, wenn sie feststellt, daß die eng­lische Regierung mit allergrößter Vorsicht vorgehen müße, da die Erbitterung des englischen Volkes gegen tr ; Italien so groß sei, daß die Besserung der Beziehungen zwischen beiden Ländern nur schrittweise erfolgen könne. Obwohl es also mehr als zweifelhaft ist, ob die Verhandlungen zwischen Rom und London so weit ge­fördert werden können, daß jetzt die Aufhebung der |L Sanktionen spruchreif werden könnte, ist doch schon unter den verschiedenen Völkerrechtlern ein Streit darüber entstanden, wer eigentlich für die Aufhebung der Sanktionen zuständig ist, H der Rat, die Vollversammlung oder dtzr Sanktions­ausschuß. Dieser Streit hat insofern praktische Bedeu­tung, als für den Fäll, daß man die Zuständigkert der VoÜversammlung anerkennt, die Aufhebung der Sank­tionen erst im Herbst erfolgen könnte. Es ist deshalb auch nicht weiter verwunderlich, daß die italienische Preße sehr energisch gegen die Auffaßung protestiert.

In dem gleichen Augenblick, in dem dieser Streit ausqebrochen ist, wird von einem Vorstoß Arg en - tiniens gesprochen, der diese Auseinandersetzung bis zu einem gewissen Grade hinfällig werden lassen M könnte. Man spricht nämlich davon, daß Argentinien,

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