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Nr. 127.

Sonntag, 10. Mai 1936,

84. Jahrgang

Madrid, im Mai.

eines

Kandidaten

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Bewaffnung der britischen Postdampfer.

Die Kosten trägt die Admiralität.

London, 9. Mai. (Funkmeldung.) 3n einem am Frei­tag veröffentlichten Weißbuch, das die Vereinbarung zwischen dem Postministerium und der Cunard-White-Star-Line ent­hält, finden sich interessante Einzelheiten über die zukünftige Bewaffnung der britischen Postdampfer. Es ist vorgesehen, daß diese Dampfer, die hauptsächlich den Pvstverkehr zwischen Southampton und New Port durchführen, je nach Größe mehrere 15,24-Zentimeter-Schnellfeuerge- schütze haben werden, die auf Kosten der Admiralität auf den Dampfern eingebaut werden sollen.

Lakehurst, 9. Mai. (Letzte Funkmeldung.) Das LuftschiffHindenburg" ist um 11.08 Uhr in Lake­hurst glatt gelandet.

Das Luftschiff erschien, von Flugzeugen begleitet, in etwa 300 Meter Höhe über dem Flughafen von Lake­hurst und befand sich in unglaublich kurzer Zeit über der Luftschiffhalle. Die Kabinen waren hell erleuchtet, so­daß die Schattenbilder der Fahrgäste deutlich sichtbar waren.

SOS.-Rufe Herriots für den Völkerbund.

Man muß wieder von vorne ansangen."

Paris, 9. Mai. (Funkmeldung.) 2n derEre Nouvelle" veröffentlicht Herriot einen SOS.-Nus für den Völkerbund. Er schreibt:Der Völkerbund wird am Montag in irgend einer Form vor eine vollendete Tatsache ge­lt e l l t werden, nämlich die Einverleibung Abessi­nien in Italien, das heißt die Aussaugung eines Völkerbundsstaates durch einen anderen Völkerbundsstaat. Wir muffen ohne Umschweife anerkennen, daß Mussolini einen vollständigen Sieg über alle Kanzleien und über den Völkerbund daoöngetragcn hat. Ich wünsche, daß man in Genf diesen sehr ernsten Mißerfolg loyal anerkennt. Man muß wieder von vorne anfangen. Haben wir doch den Mut, ohne weiteres unsere Niederlage onzuerkennen und über­lassen wir es den Rechtsparteien, sich zu freuen, weil an einem Punkte der Welt wieder einmal die Gewalt triumphiert hat."

Der Artikel 82 der spanischen Verfassung hat den merk­würdigen Inhalt, daß der amtierende Staatspräsident das Recht nur zu einer einmaligen Auflösung der Kammer hat: - bei einer zweiten Auslösung kann das Parlament, das in Spanien durch keine übergeordnete Institution, sei es, wie in Frankreich, durch den Senat, oder, wie in England, durch M das Oberhaus, kontrolliert und beeinflußt wird, den Rück­tritt des Präsidenten fordern, über diesen Artikel war j? Skala Zamora mit ausgiebiger Hilfe der Sozialisten, die L-den Katholiken und gemäßigten Republikaner auf ihrem Wege zur Macht als störend empfanden, zu Fall gekommen. Man hatte aber in der Hitze des Gefechtes nicht daran ge­dacht, wie sehr dieser durch Intrige und persönlichen Haß vgrbereitete Sturz die Autorität einer jeden folgenden Präsidentschaft von vornherein untergraben mußte." Heute kommt die Einsicht, daß diese Außerachtlassung aller politi­schen Vorsicht nur dadurch wieder gut zu machen ist, daß man außergewöhnliche Kandidaten ausstellt.

Der Name des heutigen Ministerpräsidenten und Chef der Linksrepublikanischen Partei Azana wurde gleich in den ersten Tagen genannt, doch später wieder von der Liste der möglichen Kandidaten gestrichen, weil weder der Ministerpräsident selbst noch die von ihm geführte Partei ein Interesse an dem hohen Amte bekundete: Azana selbst, weil er seine heutige Aufgäbe in dieser Zeit des gefährlich wer­denden Vorstoßes der extremen Linken in Spanien für wich­tiger hält, und die Linksrepublikanische Partei, weil sie außerdem ihren Chef nicht verlieren will. Mit diesem Rück­zug fand sich gleich jeder leicht ab, da inzwischen die Sozia­listen in ihrem siegreichen Optimismus an eine Kandidatur Largo Caballeros, des Extremisten innerhalb der Par­tei, denken zu können glaubten. Doch dann kam die Erkennt­nis, daß man nach dem Beispiel, das man dem spanischen Volk mit dem Sturz Skala Zamoras gegeben'hatte, eine vorsichtigere Abmachung treffen müsse. Und so kam man er­neut auf Azana zurück.

Spanien oor her PriWenteiMW.

Wahl des Staatspräsidenten: Manuel Azana. Vom Ministerpräsidenten zum Staatspräsidenten.

(Bon unserem spanischen Vertreter.)

Arachtenprämie für Mittelmeer-Transporte.

Vorübergehende Herabsetzung bei Lloyd.

London, 9. Mai. (Funkmeldung.) Die Versicherungs- gefellschaft Lloyd teilt mit, daß die Frachtenrate für das Mittelmeer und den Seetransport, der durch das Rote Meer führt, von drei Schilling 4 Pence auf 2 Schilling von Hundert herabgesetzt wurde. Andere Her­absetzungen bis zu 2 Schilling von Hundert sind für ver­schiedene weitere Seewege vorgesehen. Diese Ermäßigungen beziehen sich aber nur auf Frachten, die sofort zur Ausfüh­rung gelangen, während zu späteren Terminen wieder die höhere Rate angekündigt werde.

Der Sturz Skala Zamoras, der wenige Tage vor dem Jahrestag der Gründung der Republik und dem Fünfjahres­tag der Präsidentschaft geschah, stellt gerade mitten in den Wirren der heftigen Parteikämpfe das spanische Volk vor die Aufgabe, zur Wahl eines neuen Staatspräsidenten zu schreiten. Schon vor der Februarwahl waren sich die beiden großen gegnerischen Blocks, die Fronte Populär und der Rechtsblock, darüber klar, daß ihr Sieg auch den Sturz des Präsidenten Skala Zamora bedeuten müsse. 2m Falle Sieges der Rechten hätte man unbedingt einen baten aus dem Rechtslager durchgedrückt. Heute, nach dem Sieg der Linken, muß der Kandidat aus dem Lager der Volksfront hervorgehen. Die moralische Stellung des neuen Präsidenten aber, die Verankerung seiner Sutorität im ge­samten Volk, die im Srtitel 67 der Verfassung für unum­gänglich notwendig erklärt wird, glaubt man übersehen zu können.

Blick über den Nordatlantik.

Dieser Tage hörten wir in später Abendstunde jene merkwürdigen raunenden Sprechtöne aus dem Rund­funk, die den Ubersee-llbertragungen eigen sind: Inten­dant v. Boeckmann sprach vom LuftschiffHindenburg", das sich auf der Fahrt nach Nordamerika befand. Zum erstenmal nimmt das neue Grotzluftschiff diese Route, beginnt damit den Nordatlantik-Dienst der deutschen Luftschiffahrt. Wir empfinden in solchen Stunden den berechtigten Stolz einer großen schöpferischen Nation, die der Welt immer wieder neue Geschenke des Er­findungsgeistes, der Genies, schlechthin zu geben hat.

Und nun führt dieser Eeniezug eines deutschen Luft­schiffes, wie es keine andere Nation bis heute nachzu­schaffen vermochte, nach Nordamerika, nach USA., wo seit dem Weltkriege so viel Weltschicksal sich vollzogen hat; wo soviel deutsches und im weiteren Sinne ger­manisches Blut -fließt. Und von wo aus doch im Jahre 1918 das deutsche Schicksal seine unheilvollste Wendung erfuhr. USA. jetzt in der eigenen Krise ein Schicksalsbild. ohnegleichen, reich und selbstbewußt wie kein anderes Volk, jung und verheißungsvoll wie kein anderer Kontinent. Irgendwie in seinem innersten Wesen aber anarchisch und gefährdet, manchmal auch andere gefährdend. Sinnbildlich ist es ja, wenn das größte Luftschiff der Deutschen heute mit seinem strah­lenden Riesenleib über den gigantischen Bauten New Yorks kreuzt, wenn es den Yankees zeigt: Das können wir auch . . .! Aber hinter diesem strahlen­den Bild steckt doch viel Schatten, viel Kummer und viel Not. Schwer kämpft sich das neue Deutschland seine Bahn durch die Wirrniffe seiner Zeit, da so viele Scheinideen zerfallen und wo das Schwert wieder sich hebt, um nochmals auf seine ArtOrdnung" zu schaffen, weil die Ordnung der Köpfe versagte. USA. selber steckt in einer seiner Krisen. Ein kluger Kenner des Volkes und Landes der Vereinigten Staaten sagte ein­mal:Der Amerikaner orientiert sich instinktmäßig nach einer brutalen Reaktion hin und gefällt sich in Explo­sion. Alle amerikanischen Kriege, Revolutionen, großen Wahlen und großen Wirtschaftsereignisse waren Krisen. Der Amerikaner fühlt sich erst recht in seinem Element, er gewinnt erst Kraft, Mut und Kühnheit, wenn er sich in einem gewißen Rauschzustand befindet, für den z. B. der Brite, so wenig übrig hat. . ." Hier spielt die ganz eigentümliche Wirkung des amerikanischen Klimas eine Rolle, das im wahrsten Sinne des Worteselektri­sierend" auf den Menschen wirkt. Daher die Psychosen, die vom Körperlichen mitbestimmt werden, das Lynch- Unwesen, der fanatische Glaube an die merkwürdigsten Dinge, derAndenken"-Rummel usw.

USA. ist also in seiner jetzigen Krise auch wieder in einem Zustande der gewohnten Erregungen. Nur lenkt diesmal ein kluger und schmerzerprobter Präsident das Land, der wohl in einem genauen Gegensatz zum professoral-prophetischen Eigendünkel Wilsons stehen dürfte. Wilson hat jeneshipertrophe" Amerika in sich verkörpert, von dem ein deutsch-amerikanischer Kollege einmal sagte in Berlin: Seht euch vor, ihr Euro­päer! Amerika weiß alles bester . . .!

Nun, wir haben in zwei leidvollen Jahrzehnten viel gelernt, haben viel nachholen müsten, was in einer barock-romantischen Vorkriegszeit unbeachtet gelassen wurde. Als der Vorfahre oder Namensvetter auf dem Präsidentenstuhle in Washington, Theodor Roosevelt, einst mit viel Sympathien und Glorie am Berliner Kaiserhofe empfangen wurde, da ahnte man noch nicht, wie es einst 1918 aussehen würde. Nun aber sehen wir, daß wir in diesem llberseelande mit seiner aus vielen unübersehbaren Blutsquellen zusammengeströmten und zusammengewachsenen Bevölkerung eben mit einem Kolonialkontinent zu tun haben, der sich heute ebenso bewußt wie zur Zeit seines llnabhängigkeitskampfes von Europa innerlich fernhält. Mit Recht! Die Ver­einigten Staaten sechzehnfach so umfangreich als das

Der Flug über New York.

New York, 9. Mai. (Letzte Funkmeldung.) Riesige Mengen Volkes in den Straßen und auf den Wolken­kratzern begrüßten jubelnd den Sendboten des neuen Deutschlands, als er über New York hinwegflog. (Weitere Meldungen an anderer Stelle des lag» blattes.)

Diese Initiative ging seltsamerweise diesmal von den Sozialisten und unter diesen von der gemäßigten Richtung um Prieto aus. 2a, der Wunsch, Azana als Staatspräsiden­ten zu sehen, wurde im Linkslager plötzlich so laut, daß man emit Recht vermutete, daß die Zurückziehung Largo Heros und der o ste n ta t i v e Vorschub des Minister­präsidenten gut in die Politik der Sozialistischen Partei passen müsse. 2m Jahre 1931 war auf dieselbe Weise Slcata Zamora von seinen extremen Freunden durch die Wahl zum Staatspräsidenten kalt gestellt worden. Dieses Mittel gilt auch heute ndch als probat. Der Widerstand in der Links­republikanischen Partei und bei Azana selbst ist groß man wehrt sich mit Händen und Füßen gegen dieses Danaer­geschenk. Am 29. April trat die Partei zusammen, und an den Worten der führenden Funktionäre erkennt man deutlich, daß die Zusage unterschweremDruckder radikalen Elemente derVolksfront" gemacht worden ist. Noch sträubte sich Azana selbst, bis auch er sich,überzeugt durch die vorgebrachten Argumente", wie er sagt, zu seiner Kandidatur bereit erklärte.

Am 9. Mai tritt abends der die Präsidentenwahl vor­bereitende Ausschuß zusammen. Die Wahl selbst muß ver- fasfungsgemäß 24 Stunden später erledigt sein. Sie wird in Spanien von den Abgeordneten des Parlaments und einer gleich großen Anzahl vonCompromisarios" vorgenommen, die wiederum bereits am 25. April vom gesamten spanischen Volk gewählt worden sind. Es war das erstemal, daß der spanische Wähler diesen Wahlakt vollziehen durfte, und trotz dieser Neuigkeit blieb der größte Teil der Wahlberechtigten an diesem Tage zu Hause. Das Wahlergebnis, so weit man ihm noch trauen darf, zeigte einen nicht unbedeutenden Stimmenzuwachs für die Sozialisten und Kommunisten und einen Stimmenschwund bei den Splitterparteien derVolksfront". Die wenigen Rechtsgrup­pen, die sich am Wahlgang beteiligten, haben kaum "einen Kandidaten durchgebracht, ein Zeichen der Resignation in ihrer Wählerschaft, die es nicht für nötig hielt, zur Wahlurne zu gehen. Um so mehr wird der Radikalismus seine An­hänger weiter und weiter hetzen, um die Stellungen, die ihm dadurch in die Hände fallen, sestzuhalten und auf neue vorzu­rücken.

Mit der Präsidentenwahl tritt der Kampf um die Machtin Spanien in ein neues Stadium.

*

Azana einziger Präsidentschaftskandidat.

Madrid, 9. Mai. . (Funkmeldung.) Der Verbindungs­ausschuß der spanischen Volksfront hat, nachdem die überein­stimmende Entscheidung aller der in der Volksfront zusam­mengeschlossenen Parteien vorlag, in der Nacht zum Samstag den Ministerpräsidenten Azana zum einzigen Kandi­dat e n d e r V o l k s f r o n t für die am kommenden Sonntag stattfindenden Präsidentenwahlen erklärt.

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