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Niemand konnte gewandter und einfühlender sein i da und dort einige Herbstblätter. Sie kamen an der Schloßhalle ein fremdes, keaelartiaes Sviel. Nadoliniki - in «toter ktn« ein ßtiirf Stiert unb einine

täglichen

Nr. 122.

Dienstag, 5. Mai 1936.

84. Jahrgang

Sarraut vor der Entscheidung

Wiederkehr Herriots?

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Geht der Negus nach Genf?

Die französischen Sozialisten zur Kabinettsbildung bereit. England und Italien.

Moskaus Hahparole gegen Deutschland.

(Eine Anweisung Dimitrosfs.

Paris, 5. Mai. (Funkmeldung.) DerFigaro" bringt folgende Meldung aus Moskau, die keine nähere Quellen­angabe enthält: Georg Dimitra ff, einer der Haupt-

Der Tragödie letzter Akt.

Negus ohne Land.

Der Wettlauf der italienischen Armeen mit der Regenzeit hat mit dem Sieg der Italiener geendet. Und zwar mit einem völligen Sieg. Was wir jetzt erleben, ist der letzte Akt der blutigen Tragödie Abessiniens. Abessinien ist so zusammengebrochen, wie ein Land nur zusammenbrechen konnte. Daß die Abessinier diesen Krieg verloren, liegt vor allem an der militärischen Überlegenheit der Italiener, die alle modernen Kampfwaffen in diesem Waffengang ein­setzen konnten, die es zur Zeit überhaupt auf der Welt gibt. Das Flugzeug hat bei diesen Kämpfen eine ganz besondere Rolle gespielt, und zwar sowohl in der Niederkämpfung der Abessinier selbst, als auch für den Nachbringedienst. Die schnellen Vormärsche der italieni­schen motorisierten Kolonnen wären nicht möglich ge­wesen, wenn die Flugzeuge nicht Brennstoff und Nah­rungsmittel nachgebracht hätten. So bedeutungsvoll in jedem Lande die Luftwaffe für kommende Kriege sein wird, so darf allerdings die besondere Rolle der Luftwaffe in diesem Kriege auf europäische Verhältnisse nicht ohne weiteres übertragen werden. Zweifellos haben auch die italienischen Generäle ein besonderes Verdienst an der siegreichen Durchführung der militäri­schen Operationen. Marschall Badoglio hat dem Negus keine Ruhe gelassen. Die Schnelligkeit seines Vor­marsches nach den gewonnenen Schlachten hat am meisten dazu beigetragen, daß der Negus seine zurück­weichenden Truppen nicht rechtzeitig neu umgruppieren konnte. Der Negus Haile Selassie ist den italienischen Wünschen insoweit entgegengekommen, als er auf Drängen seiner Unterführer, die ihm von den Italienern angebotenen Schlachten angenommen hat. Seine Lage wäre nach dem Urteil maßgebender mili­tärischer Fachleute besser gewesen, wenn er die Italiener weiter in das Land hätte hereinkommen lassen und dann, statt der Frontalschlachten, einen wirkungsvollen Kleinkrieg geführt hätte. Im Süden haben sich die abessinischen Truppen länger halten können, weil Wehib Pascha und Ras Nasibu diese Methoden im ge­wissen Sinne befolgten. Aber nachdem das abessinische Hinterland ihnen keinen Ersatz mehr bieten konnte, waren die Tage dieser Armee gezählt. Es mag nun sein, daß im Süden und im Westen noch allerlei Schar­mützel stattfinden werden, daß die unentwegten Abes­sinier noch Überfälle auf italienische Transporte und Kolonnen versuchen, im ganzen aber ist, da muß man den Italienern Recht geben, der Krieg beendet.

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Die dramatische Entwicklung des abessinischen Krieges hat Wellen der Erregung und Teilnahme in der ganzen Welt ausgelöst, wie sie meist nur bedeut­samen und zukunftswichtigen Ereignissen zu folgen pflegen. Vor allem ist der Negus in vielen Ländern populär geworden. Man stempelte ihn nicht ohne politische Nachhilfe zu dem unschuldigenOpferlamm", das von dem unerbittlichen Mussolini gleichsam wider alle Moral der Weltgeschichte zur Schlachtbank geführt wurde. Und noch bei seiner Flucht wußten englische und französische Korrespondenten sehr romantisch zu er­zählen, wie gealtert, erschöpft und resigniert der abes­sinische Exkaiser den Zug verließ, wie tiefe Sorgen­falten sein Gesicht zeichneten und das ehemals glänzend schwarze Haar heute völlig ergraut ist. So tele­graphierte man aus Dschibuti, so aus den nächsten Aufenthaltsorten. So wird man, soweit die englische

eintreffen. DieEnterprise" wird zu den schnellsten Schiffen der englischen Marine gezählt.

Nach einer Londoner Meldung beabsichtigt der Negus seine Familie in Jerusalem unterzudringen. So­dann wolle er sich nach Genf begeben, um dort die Sache Abessiniens persönlich zu vertreten.

angekla-gten im Reichstagsbrandprozeß, jetzt rechter Arm Stalins und Sekretär der 3. Internationale, habe an die Kommunisten, die Mitglieder ausländischer Parlamente find, die Weisung gesandt, nicht gegen die Maßnahmen zur Landesverteidigung zu stimmen. Er habe erklärt, daß sie in gewißen Fällen für diese Maßnahmen stim­men müßten, allerdings unter der Bedingung, daß die bürgerlichen Regierungen, die auf diese Weise durch kommu­nistische Stimmen unterstützt werden, eine antinazisti>sche Politik befolgten. Die Weisungen seien offenkundig für den Gebrauch der französischen kommunistischen Partei bestimmt.

An Bord des britischen KreuzersEnterctrise".

Reiseziel ist Haifa in Palästina.

London, 4. Mai. Der Kaiser von Abessinien hat sich am Montagabend in Begleitung der Kaiserin und sicherer Mit­glieder der königlichen Familie an Bord des britischen Kreu­zers ,,E n t e r p r i s e" in Dschibuti «ingeschifft, um sich nach Haifa (Palästina) zu begeben.

Es bestätigt sich, daß der Kaiser vor dem Verlassen seiner Hauptstadt die englisch« Gesandtschaft gebeten hat, ihm in Dschibuti ein britisches Kriegsschiff zur Verfügung zu stellen. Englischen Meldungen zufolge teilte der Negus bei dieser Gelegenheit mit, daß er der R e g i e r u n g d i e Weiterführung der Staatsgeschäst« über­tragen hat. Da die Mitglieder der abessinischen Regierung bereits am Samstag di« Hauptstadt verlaßen haben und in Addis Abeba zur Zeit infolgedessen keine Regierung am­tiert, bestehl in London Zweifel an der Bedeutung dieser Mitteilung. Immerhin glaubt man, sie nicht als eine for­male AdLantungserklärung ansehen zu müßen.

Der englische KreuzerEnterprise", aus dem sich der Kaiser von Abessinien mit seiner Frau und seinen sechs Kindern befindet, wird voraussichtlich am Frritag in Haifa

Italienische Feststellungen.

Rom, 4. Mai. Wie pon unterrichteter italienischer Seite am Montagabend erklärt wird, fehlt in Italien jede amt­liche Nachricht über die Flucht des Negus und ihre Hinter­gründe. Italien beschränke sich daher auf eine aufmerksame Beobachtung der Ereignisse, um die dann notwendig wer­denden Maßnahmen zu ergreifen. Bis jetzt sei die durch di« Flucht des Negus entstandene Laa« von Stallen in keiner Richtung präjudiziert worden. Vielmehr behalte sich die italienische Regierung ihre Entschlüße vor. Vorläufig sei in den Augen Italiens die Flucht des Negus nichts anderes, als ein Beweis dafür, daß die abessinischen Stämme von ihm, von seiner Dynastie und von seiner Regierung nichts mehr wissen wollen. Die mit seiner Flucht entstandene Rechtslage, auch soweit sie die Behandlung des 9*1 «aus im Ausland« betreffe, werde zur Zeit in Rom einer Prüfung unterzogen.

Der rote Mob rast durch Madrid.

Madrid, 4. Mai. Der Sturm des marxistischen Mobs auf die Madrider Kirchen dauert an. In den Vororten Tetuan und Chamartin stehen fünf Kirchen vollständig in Flammen. Zahlreiche Löschzüge der Feuerwehr versuchen die Brände zu löschen, können sich im allgemeinen jedoch nur darauf beschränken, ein Über­greifen des Feuers auf die Nachbargebäube zu verhindern. Di« Klosteischulen Pilar und Covadonga sowie das Franziskanerkloster de Los Salestanos brennen ebenfalls M lichterloh.

Der rasende Pöbel überfiel ferner die Wohnungen eines Pfarrers und eines der Rechten_ angehörenden Be- zirksbürgermeisters und steckten di« Häuser in Brand. An einigen Stellen der Stadt fanden Schießereien zwischen Marxisten und der Polizei statt, die bei einigen Kirchen die roten Angriffe abwehren und auf diese Weise noch umfanq- reichere Brandstiftungen verhindern konnte. Ein marxisti­scher Mordbrenner wurde dabei lebensgefährlich verletzt, W mehrer« andere trugen leichtere Schußverletzungen davon. Die marxistische Bevölkerung der in Mitleidenschaft gezoge­nen Stadtteile fiel über die Klosterinsaßen und andere rechtsstehende Personen her und verprügelten sie. 25 Per­sonen mußten mit teilweise schweren Verwundungen den nächsten Rettungsstellen zugeführt werden.

Unter den Verletzten befindet sich auch eine französische Staatsangehörige. Marxistische Gruppen durchziehen die K;< Straßen und fordern zum Generalstreik auf. Bei verschie­denen Neubauten wurde die Arbeit bereits niedergelegt.

Die Verlader des Madrider Südbahnhofes sind am Montag in den Streik getreten, um ihre bereits vor einiger M. Zeit gestellten Forderungen surchzudrücken. Aus diesem Grunde konnte heute kein Güterzug ausfahren.

Tat nicht unmöglich, daß Herriots Stunde wieder schlägt.

Die heutigen Beratungen des französischen Kabinetts werden sich naturgemäß nicht nur mit der Innenpolitik befaßen, sondern auch außenpolitischen Problemen ge­widmet sein. Ja, diese außenpolitischen Überlegungen werden bei den Entscheidungen Sarrauts möglicher­weise den Ausschlag geben. Daß die abessinische Frage nach der Flucht des Negus ein ganz neues Ge­sicht erhalten hat, ist nicht zu bestreiten. Die italienische Presse stellt fest, daß nach der Flucht des Negus Verhandlungen mit der Gegenseite nicht mehr in Fragelommen könnten, zu­mal niemand da sei, um diese Verhandlungen zu führen. Nachdem der Negus sein Land verlaßen habe, sei Abessinien rechtlich in den Besitz Italiens übergegangen. Wie sich die Eng­länder zu dieser Auffassung stellen, ist noch nicht ersicht­lich. Eden hat gestern lediglich im llnterhause er­klärt, daß der Negus von einem englischen Kreuzer auf seinen Wunsch hin nach Palästina gebracht worden sei. Darüber hinaus hat sich der englische Außenminister noch über die Lage in Abessinien geäußert, aber ver­mieden, aus die voraussichtliche weitere Gestaltung der Dinge einzugehen. In R o m hat nun zwar gestern eine Unterredung zwischen dem englischen Botschafter und dem Staatssekretär im italienischen Auswärtigen Amt, S u v i ch, stattgesunden, l-oc, sind Einzelheiten über den Inhalt dieser Unterredung bisher nicht bekannt ge­worden. Beachtenswert ist aber die Tatsache, daß die Engländer ihre Mittelmeerflotte er­neut verstärken und zwar durch Entsendung von acht Zerstörern der englischen Heimatslotte. Das eng­lische Kabinett hat offensichtlich die Beratungen über Abessinien noch nicht abgeschlossen und so bleibt für London, und das dürfte wohl auch für die Entschlüsse Sarrauts maßgebend sein, Abessinien und alles was damit zusammenhängt, wie Völkerbund, Sühnemaß­nahmen, Italien und Mittelmeer, im Vordergrund und führt zu mancherlei Fragen, auf die noch niemand eine Antwort weiß.

Abessinien in den Besitz Italiens übergegangen."

' as. Berlin, 5. Mai. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) In Paris tritt heute das französische Ka

binett zusammen, um sich mit der Frage zu befassen, L welche Folgerungen aus dem Wahlergebnis gezogen werden sollen. Bekanntlich hat Sarraut zunächst er- f klärt, daß er bis Anfang Juni, bis zum Zusammentritt der neuen Kammer im Amte bleiben werden Nachdem aber vier Minister und ein Unter st aats- s e k r e t ä r seines Kabinetts in den Wahlen unter- lagen und die Erfolge der Sozialisten und Kommunisten viel größer sind als man erwartet hatte, hält man es in Paris für fraglich, ob Sarraut seine alten Pläne weiter verfolgt. Da nunmehr in der Kammer die Sozia­listen die stärkste Partei bilden und nicht mehr, wie lange Jahre hindurch, die linksbürgerliche Gruppe der Radikalsozialisten, so muß gemäß der parlamentari- - scheu Spielregel die Regierungsbildung den Sozialisten übertragen werden. Der Sozialistenführer 2Aon Blum hat auch bereits in seinem BlattePopulaire" erklärt, daß die Sozialisten y bereit seien,nicht eine Stunde zu verlieren", die Rolle zu übernehmen, die ihnen zukomme, d. h., die Regierung L zu bilden. Wie verlautet, wollen die Sozialisten an die Kommunisten die Aufforderung richten, sich an der Re- l gierung zu beteiligen. Eine kommunistische Rückäuße- rung hierzu liegt bisher nicht vor. Der Eeneral- | sekreiär der kommunistischen Partei hat lediglich erklärt, daß man jetzt endlich die großen Vermögen ». entsprechend besteuern und die Rechts- organisationen auflösen würde. Vielfach wird angenommen, daß im neuen Kabinett den Radikalsozialisten das Außenministerium zu- sallen wird, wobei als Kandidat für diesen Posten M L, e r r i o t genannt wird. Da Herriot ja seinerzeit die Annäherung Frankreichs an Sowjetrußland einleitete, , also großen Anteil an dem starken Wahlsieg der Kom­munisten hat er selbst wurde in der Stichwahl auch mit Hilfe der Kommunisten gewählt so ist es in der

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