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Kr. 101.
Sonntag, 12. April 1936,
84. Jahrgang
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Das Echo der Genfer Besprechungs-Ergebnisse
Die Aufnahme in London.
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l-E Wegen des Osterfestes erscheint die nächste „Tagblatt"-Ausgabe am Dienstag.
Der Genfer Berichterstatter des „Petit Journal" schreibt, Frankreich habe in Genf gehofft, die Feststellung zu erreichen, dass die in London begonnene Äusgleichsbemühung infolge der deutschen Haltung nicht zum Ziel führen könne. Dem-
9iieberlage ihm die Kräfte zuwuchsen, dieses Leid und diese Niederlage zu überwinden.
Heute ist das Tor des Versailler Friedens wieder weit aufgestoßen: Deutschland schreitet wieder frei in den freien Raum der Welt.
Aber es ist ein a n d e r e s D e u t s ch l a n d, das jetzt der Fesseln ledig ist. Es ist nicht mehr das Deutschland, das gewesen war, ehe das Schicksal des Krieges und die Bitternis der Niederlage kam. Seine Züge sind härter geworden, seine Haltung ernster, sein Willen bestimmter, seine Einsicht klarer. Es ist nach außen und nach innen umgeprägt worden in diesem Feuerofen der Geschichte.
In diesem Feuerofen ist von ihm abgefallen, was anderen Völkern in der ruhigen Sicherheit ihres Schicksals geblieben ist: der glückliche aber auch gefährliche Sinn, das Leben mehr als Spiel denn als Aufgabe zu nehmen, die glückliche aber auch gefährliche Neigung, über die Grenzen zu strömen und damit Aufgabe und Sinn des eigenen Schicksals zu verwischen; das glückliche aber auch gefährliche Wollen, in der Bequemlichkeit der Einzelschicksale das Beste für das Schicksal der Nation zu sehen.
Wir verstehen das alles sehr gut bei den anderen; sie waren ja nicht gezwungen, auf all das zu verzichten, um das Leben, das nackte Leben, ganz einfach die Existenz des nationalen Schicksals zu retten. Das Leben hat es ihnen ja viel bequemer gemacht als uns. Sie froren nicht und sie hungerten nicht und ihre Freiheit war nicht genommen und ihre Sicherheit war nicht bedroht und ihre Wirtschaft verdorrte nicht und ihre nationale Gemeinschaft wurde nicht zerstört von Kräf-
werde.
Der Genfer Sonderberichterstatter der „Journal Industrielle" berichtet, der französische Sieg sei nicht gerade hervorragend, aber man müsse sich mit dem mageren Ergebnis zufrieden geben, denn die Angelegenheit 'hätte für Frankreich noch schlechter ausgehen können. Die französischen Vertreter hätten viel guten Willen beweisen müssen, um noch größere Meinungsverschiedenhciten mit der britische« Regierung zu vermeiden.
Freiheit, Gleichberechtigung und Frieden
Die Grundlagen zu einen neuen Europa.
Ribbenlrop über den Friedensplan des Führers.
ten, die nur da wirksam werden können, wo die Not ihnen den Zugang zum Mark des nationalen Lebens öffnet. Ihre alten Formen waren nicht einer Bewährung ausgesetzt, die sie zerbrochen hätte.
Aber die Formen unseres Lebens waren es und sie sind daran zerbrochen. Und wir haben uns neue suchen müssen und wir haben nun dafür aber auch das Gefühl, das kein anderes Volk in der Welt haben kann: das aufatmende Gefühl der Befreiung und das erhebende Gefühl des Stolzes: jetzt wirklich Auferstehung feiern zu können und wirklich sagen zu können, daß nach der Last der Leiden der Triumph des Sieges stand. Osterfreude ist nur dort vorhanden, wo wirklich das Karfreitagsleiden gespürt wurde. Wir Deutsche haben unseren ^Karfreitag gespürt wie kein anderes Volk den seinen! Sollten wir uns da jetzt des neuen Ostern nicht freuen dürfen? Wie sollte diese Freude, so selbstverständlich und so natürlich, eine Bedrohung der anderen Völker sein? Wie sollte eine solche Freude gleichzusetzen sein mit der Lust, sie mit dem Karfreitag eines neuen Kriege» zu vertauschen?
Deutschland ist immer bestimmt gewesen, müh- beladener Wegbereiter europäischen Schicksals zu sein. Es ist auch jetzt am längsten über den europäischen Golgathaweg geschickt worden. Wenn es jetzt als erstes Europa das Oft ein eines wahren Friedens zeigen dürfte, wäre das ihm selbst der schönste Lohn für seine Leiden!
gegenüber habe sich aber die britische Auffassung durchgesetzt. Die Verhandlungen würden unter englifcher Leitung fortgesetzt. In britischen Kreisen lasse man sogar durchblicken, datz das „Foreign Office“ für die Zusammenkunft der Rest-Locarnomächte im Mai die Anwesenheit eines deutschen Beobachters zu erreichen sich bemühen
füllung seines VölkerbunÄsrechtes von Großbritannien, datz es jeder Aktion gegen Deutschland zuzustimmen habe.
Die franMsche Vertragstreue gegenüber dem Völkerbund, so schreibt „Daily Telegraph", könne nicht auf diesem Wege zu einem Tauschhandel gemacht werden.
Der Berichterstatter Ser „Times" weist darauf hin, datz jeder Gedanke an eine gemeinsame Demarche i'n Berlin aufgegeben sei. Die franMsche Abordnung habe Sanktionen verlangt, ohne Hilfe oder Unterstützung zu finden. Während der ganzen Besprechungen hätten sich die Vertreter Belgiens an der Seite Groß- britanniens befunden. Der Beschlutz, die Verhandlungen sortzusetzen, werde als Sieg der englischen A uf fassung bestätigt.
Die „Times" bezeichnet in ihrem Leitaufsatz das Übereinkommen der Rest-Locarnomächte als befriedigend und be- grützt es, datz jede Anstrengung gemacht werden solle, um auf dem Wege der Versöhnung fortzuschreiten.
Paris sieht eine annehmbare Bergleichslösung.
Paris, 11. April. Da Die Sitzung der Vertreter der Rest-Locarnomächte in Genf am Freitag ziemlich spät abends zu Ende ging, sind nur die grossen Pariser Akorgenblätter in der Lage, einige Mitteilungen über den Ausgang dieser Beratungen zu geben, die in gewissen Punkten die amtliche Verlautbarung und die halbamtliche Stellungnahme dazu ergänzen. Man scheint in französischen Kreisen der Ansicht zu sein, datz in Genf eine für Paris annehmbare Vergleichslösung gefunden worden sei.
Der Genfer Sonderberichterstatter des „Petit Parisien" erklärt,'die französischen Unterhändler hätten gewünscht, datz bereits jetzt das „völlige Versagen" (!) Deuftchlands festgestellt worden wäre, und man infolgedessen zu einet ständigen militärischen Verständigung der restlichen Locarno- mächte schreiten müsse. Die drei anderen Locarnomachte hätten sich dagegen begnügt, die von Flandin an Eden gerichteten Forderungen zur Kenntnis zu nehmen. Wenn es den französischen Vertretern auch nicht gelungen fei, dem französischem Standpunkt ganz Geltung zu verschaffen, was schwierig gewesen wäre, so hätten sie ihn doch nu-Äg und entschieden verteidigt. Bei den Verhandlungen Hube niemand völlig gewinnen oder völlig verlieren können.
London, 10. April. Vorsch/fter _ö on Ribbentrop 1 dielt vor einigen Tagen bei einer Tonfilmaufnahme des r British Paraniount New» in London folgende Ansprache' „99 Prozent des deutschen Voltes haben am 29. März für die nationalsozialistische Regierung gestimmt.
Noch nie hat ein Volk in der Geschichte so einmütig i hinter einer Regierung gestanden und ihre Innen- und s. Aussenpolitik gebilligt.
Der Führer und Reichskanzler hat der Welt seinen i grotzen Friedensplan unterbreitet und kann mit - Recht sagen:
Hinter diesem Plmr zur Konsolidierung Europas üeht - heute das gesamte deutsche Volk!
Ein Voll, das ein für allemal seine Souveränität wieder- l hergestellt hat und das hierüber niemals eine Diskussion
Dieser ehrliche und aufrichtige Wille der drei Völker sollte unseren Regierungen die Möglichkeit und die Kraft geben, diesen Wunsch in die Tat umzusetzen in Gestalt eines Vert ragswe rke s. das sich auf den deutschen Vorschlägen a u f b a u t.
Ich bin überzeugt, datz bei allseitigem gutem Willen die Verhandlungen im nächsten Monat beginnen können und noch im Laufe des Sommers die Grundlage zu einem neuen Europa geschaffen werden kann."
London, 11. April. (Funkmeldung.) Die Ergebnisse Der Genfer Besprechungen werden in der gesamten englischen Presse in grosser Aufmachung und ohne Ausnahme mit Befriedigung verzeichnet. Besonders gilt dies für das Ergebnis der Beratungen der vier Locarnomächtc, bei denen allgemein heroorgehoben wird, datz es England gelungen sei. ein weiteres Aussöhnungsverfahren durch- zu setzen, im Gegensatz zu anders gearteten französischen Vorschlägen. Allgemein begrützt wird ferner, datz die Verhandlungen voraussichtlich Mitte Mai aufgenommen werden sollen.
Im einzelnen schreibt der „Daily Telegraph", Frankreich habe erklärt, wenn Grossbritannien weitere Sanktionen gegen Italien verlange, müsse es auch bereit sein, Sanktionen mit der gleichen Schärfe gegen Deutschland anzuwenden. Hierbei werde Frankreich von einer Reihe von kleineren Staaten unterstützt. Auf dieses Argument habe Eross- britannien geantwortet, dass die Versöhnungsversuche mit Deutschland noch nicht fehlgeschlagen seien. Die Auffassung im Lande habe sich in diesem Meinungsaustausch in fast allen Punkten durchgesetzt.
Der „Daily Telegraph" wendet sich in seinem Leitaufsatz dann noch einmal scharf gegen die französische Note. Die britische Regierung, so schreibt das Blatt, habe durch ihre Zustimmung zu den Generalstabsbesprechungen Belgien und Frankreich Zusicherungen gegeben, dass jede von England eingegangene Verpflichtung «ingehalten werde. England habe aber damit weder das Recht aufgegeben, zu beurteilen, was für eine Politik verfolgt werden solle, noch seine Überzeugung, dass der Frieden in Europa besser gesichert sein würde, wenn man Deutschland in den Kreis der Nationen zurückbringe. Man müsse auf dieser Absicht umso mehr bestehen, als in -der französischen Presse eine merkwürdige Sprache geführt werde. Frankreich verlange für die Er-
Deulsche Auferstehung.
. Der Ostersonntag steht unmittelbar nach dem Kar- -- freitag. Nach dem tiefsten Fall der höchste Triumph. | Nach dem schmerzvollsten Sterben die glücklichste Wieder- ? gebürt. Das Kreuz, zu dem der Spott'emporschlug, steigt aus zum glorreichen Siegeszeichen über die ganze Welt.
Ostern ist so die höchste Erfüllung der christlichen Religion, es ist aber auch zugleich h ö ch st e s Symbol : menschlicher Bestimmung. Es ist die grosse = Mystik des Lebens überhaupt, das immer bestimmt ist, [ aus Tod und Verfall neu zu erstehen und aus Niederlagen und Schmerzen in neue Verklärung zu gehen. Es gibt kein wirkliches Leben, in dem nicht beides nebeneinandersteht: Auferstehung und Tod, Triumph und Niederlage, und dieses Leben ist nichts wert, innerlich i nichts wert und auch äusserlich nur morsch und leer, das nicht seine Bewährung im Kamps mit dem Bösen gefunden und nicht dieses Böse aus den grossen Ur- tugenden der Kraft und des Glaubens heraus über- | wunden hat.
| Was Menschen und Nationen Schweres trifft in | ihrem Dasein und in ihrer Geschichte, ist ja nicht bloss > schlecht und schwer und schmerzlich: ist ja vor allem auch r notwendig. Notwendig zur Bewährung, zur Sondierung , von Spreu und Weizen, zur Festigung des Lebenswerten t. und zur Vernichtung des Lebensuntüchtigen. Diese Be- ; jahung des Leidens ist nicht passive christliche Dulder- ' Philosophie, nicht mehr passend in eine Zeit neuerwach- I ter heroischer Haltung, ist vielmehr das lebendige Ver- i langen jeder Kreatur, tief in ihr steckend und unbewusst «■ in ihr wirkend, sich zu bewähren und in der Überwindung des Leidens sich das Anrecht auf den Triumph ! des Lebens zu holen. Der männlichste der deutschen Philosophen, Nietzsche, hat so das Lob des Leides nicht s*- anders gesungen als der demütigste der christlichen Prediger, Franziskus von Assisi.
Es kommt ja nicht daraus an, was für ein Schicksal einen trifft, es kommt nur darauf an, wie man es er- X lebt: welche Stärke man daraus gewinnt, welchen - Glauben man dagegen einzusetzen hat, welche grösseren f Werte man als Ersatz zu stellen vermag für die, die : einem das Schicksal genommen und zerschlagen hat.
Das ist das Entscheidende im Leben der Menschen wie im Leben der Nationen.
Wir feiern heute auch ein Ostern der deutschen A u f e r st e h u n g. Könnten wir es feiern, wenn wir nicht aus der Tiefe unseres Zusammenbruches ? heraus neue Kräfte geholt hätten, die stärker und ent- I scheidender waren, als die, die in diesem Zusammenbruch versunken waren? Könnten wir es feiern, wenn wir - z. B. nicht gelernt hätten, was die Kameradschaftlichkeit der Nation für das Schicksal der Nation bedeutet? Könnten wir es feiern, wenn uns nicht die Niederlage aus den alten Lagern der nationalen Uneinigkeit heraus in die Hürde eines einigen Reiches getrieben hätte? Könnten wir es feiern, wenn uns nicht der Ver- : lüft all des äußeren Reichtums und Glanzes den Blick - nach innen gekehrt und uns nicht gezwungen hätte, nach inneren Schätzen zu graben: nach den wesentlichen Dingen unseres Seins und nach den wesentlichen Aufgaben unserer Bestimmung.
Als im Jahre 1919 sich die Kerkertür des Versailler Friedens hinter Deutschland schloß, stand auf dieser 1 Tür das Dantesche Wort: „Ihr, die ihr eintretet, laßt alle Hoffnung fahren". Und eine Zeitlang schien es, als ob Deutschland in der Hoffnungslosigkeit feiner Situation sich in der Tat der gefährlichen Verführung müder Resignation ergeben hätte. Vis es allmählich dahinter kam, daß gerade aus feinem Leid und seiner
zulassen wird, aber auch ein Volk, Das keinen anderen Wunfch hat als -den nach Freiheit, Gleichberechtigung und Frieden.
Deutschland ist überzeugt, datz das englische Volk genau so wie das französische diesen neuen Frieden in Europa wünscht, und zwar einen wahren Frieden, getragen von dem Geist der Versühnung, der nur unter gleichberechtigten. souveränen Mächten möglich ist.
