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. Druck u^ Berlag: Wöckentlick M 7 Ausaaben äBerftadlid) naämittags, Samstags vor» u.no
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8. ScheUenderg'Iche Hostuchdruckerei, „Tagblatt-Haus".
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84. Jahrgang.
Nr. 98.
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schwächen könne.
In VMerLun-dstreisen wird dieser Schritt der mexita- nrschen Regierung -als Antrag auf Feststellung des Scheiterns der bisherigen Schlichlungsver- handlungen und als Antrag auf Verschärfung der Sanktionen aufgefaht.
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[ Beginn der Genfer Beratungen.
Zunächst der abessinische Konflikt. - Englische Besorgnisse über die italienischen Erfolge. Frankreich mißt mit zweieriei Maß.
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handeln. Damit ergibt sich aber eine neue Zwickmühle für die Franzosen, die Italien so gern in die Stresasront zurückdrängen möchten, während die Kleine Entente, deren Sprecher Titulescu ist, in Paris dahin wirkt, datz es den von Rom vertretenen Revisionismus zügeln soll.
Wohin man auch sieht, widersprechen und überschneiden sich die Interessen. Es ist wenig wahrscheinlich, datz man unter solchen Umständen in Gens zu Beschlüssen von Bedeutung gelangt.
Eden gegen die Verwendung von Giftgasen in Abessinien.
Gens, 8. April. (Funkmeldung.) Der 13er-Ausschuß des Völkerbundsrates ist unter dem Vorsitz des spanischen Delegierten d e M a d a r i a g a heute vormittag gegen 12 Uhr zu seiner neuen Tagung zusammen getreten, um die Lage im italienisch-abessinischen Konslik zu prüfen. An der Sitzung nahmen u. a. der englische Außenminister Eben, der französische Autzenminister Fl and in und der rumänische Autzenminister Titulescu teil.
Der englische Autzenminister Eden gab eine entschiedene Erklärung gegen die Verwendung von Giftgasen auf dem abessinischen Kriegsschauplatz ab. Eden erinnerte daran, datz auch Italien das Abkommen unterzeichnet habe, das die Verpflichtung enthalte, unter keinen Umständen die Mittel des sogenannten chemischen Krieges anzu-wenden. Er warf die allgemeine Frage auf, welchen Sinn Vertrüge hätten, wenn sie in entscheidenden Augenblicken nicht gehalten würden.
' Die Sitzung wurde nach der Erklärung Edens auf einige Zeit unterbrochen, um dem Generalsekretär des Roten Kreuzes die Vorlage der verschiedenen Beschwerden aus Abessinien, auf die Eden in seiner Rede Bezug genommen hatte, zu ermöglichen.
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Mandat, nicht Eigentum!
Der englische Schatzkanzler Neville Chamberlain hat in der llnterhausdebatte über die Mandatsfrage in einer Form gesprochen, die den schärfsten Widerspruch herausfordert. Die an sich durchaus richtige Feststellung: „Mandate sind nicht Kolonien", wird in ihrem Sinn völlig ins Gegenteil verkehrt, wenn unmittelbar hinterher behauptet wird, datz an dem gegenwärtigen Zustand niemals etwas geändert werden soll. Das würde also bedeuten, datz die sogenannten Mandate eine rein formelle Umschreibung dafür sind, datz die fraglichen Gebiete faktisch in das Eigentum der Verwaltungsstaaten übergegangen sind. Neville Chamberlain bezieht sich für die obige Auslegung darauf, datz zur Zeit der Mandatsverteilung, also vor 17 bzw. 21 Jahren „nicht beabsichtigt" gewesen sei, an der einmaligen Verteilung etwas zu ändern. Nun gehört es zwar mit zu den perfidesten Hinterhältigkeiten des Versailler Diktates, datz jene Frage der Zurückerstattung der Mandate absichtlich unklar gelassen wurde; Chamberlain wird aber wohl kaum behaupten wollen, datz der Versaillir Wortlaut auch nur ein Wort über die Verdauerung der Mandate enthält oder datz ein von Deutschland erpreßter Verzicht eine rechtverbindliche Regelung darstellen könnte.
Der Schatzkanzler verweist u. a. auf die Notwendigkeit der Zustimmung des Völkerbundsrates für eine etwaige Rückgabe der Mandate an die früheren Besitzermächte. Er weitz selbst sehr genau, datz für einen solchen Beschluß satzungsgemätz Einstimmigkeit in Genf erforderlich, diese mithin angesichts der maßgeblichen Rolle Englands, Frankreichs und Sowjetrutzlands in Genf niemals eintreten wird.. Schließlich müssen wir es als eine ebenso ungehörige, wie sachlich unbegründete Mißtrauenskundgebung zurückweisen, wenn Neville Chamberlain erklärt, England denke nicht an eine Ausfolgerung der Mandate, „solange wir nicht überzeugt wären, daß die Interessen aller Bevölkerungsteile, die diese Gebiete bewohnen völlig gesichert wären". Die deutsche Kolonialgeschichte ist zu ehrenvoll imb die überzeugte Friedenspolitik Adolf Hitlers allzu bekannt, als daß man mit Herrn Chamberlain über diesen Punkt debattieren könnte.
2m übrigen geht schon aus der Formulierung der Mandatsbestimmung hervor, daß der Eigentumsbegriff für die Verwaltungsmächte nicht einmal vorübergehend Geltung haben kann. Die sogenannten ^-Mandate (Togo, Ostafrika, Kamerun) sind lediglich der Verwaltungder Mandatarmacht unterstellt, die 6-Mandate (Deutsch-Südwestafrika und sämtliche ehemals deutschen Inseln im australischen Ozean) werden ebenfalls bestimmungsgemäß nur nach den Gesetzen des Beauftragten Staates als Bestandteil feines Gebietes verwaltet. Die gesamte Mandatsverwaltung untersteht einer neunköpfigen Kommission des Völkerbundes, die beispielsweise niemals den bekannten Einverleibungsversuchen hinsichtlich der Mandate in Afrika den Bestrebungen Englands bzw. der südafrikanischen Union mit dem nötigen Nachdruck entgegengetreten ist. Wir erinnern in diesem Zusammenhang auch daran, daß Japan sich nach feinem Austritt aus dem Völkerbund in schärfster Form weigerte, das Mandat über die Südseeinseln niederzulegen; auch in diesem Fall hat der Völkerbund keinen Finger gerührr. Neville Chamberlain scheint jene Haltung Japans als erwünschten Präzedenzfall nehmen zu wollen. Reichs- autzenminister Freiherr von Neurath hat noch bei seiner Rede im Deutschen Klub am 6. Nov. 1933 auf die bedenkliche Entwicklung des Mandatssystems hingewiesen und sie eine „verschleierte Form der Annektion" genannt.
Bei den Fahnen zurückgehalten.
Eine Mitteilung des sranzöfischen Kriegsministeriums.
Paris, 7. April. Wie aus einer Mitteilung des Kriegs- ministeriums hervorgeht, behält Frankreich diejenigen Soldaten unter den Fahnen, die am 1». April zur Entlastung hätten kommen sollen. Man betont jedoch, daß cs sich um keine normalen Kontingente handele, sondern um Soldaten, die früher aus verschiedenen Gründen zurück- gestellt und am 15. April 1935 eingezogen worden sind. Der betreffende Beschluß der französischen Regierung begründet sich auf Artikel 40 des Rekrutierungsgesetzes. Eine Angabe über die zahlenmäßige Stärke der unter den Fahnen gehaltenen Soldaten wird in der Mitteilung nicht gemacht.
Er erklärt darin, bei den allgemeinen Friedens- Semühungen im März habe man angenommen, daß das weder eine Lahml-e-gung noch eine Verzögerung der Arbeiten und Beschlüsse über die Anwendung der Sanktionen gegen das Angreiferland bedeuten würde. Auch habe wartet, datz ein VerfShnungsverfuch in sehr kurzer Zeit zum Ziele führen würde. 2n vollem Bewußtsein ihrer Verpflichtungen müsse die mexikanische Regierung angesichts der gegenwärtigen Lage erklären, daß sie nicht die historische Verantwortung für Maßnahmen teilen wollen, di« in der Praxis die Anwendung der beschlosfenen Sanktionen unwirksam machen und so das Gebäude der kollektiven Sicherheit
„Rückgabe je früher, desto besser." England und die ehemaligen deutschen Kolonien. London, 8. April. (Funkmeldung.) Der politische Mitarbeiter der „Morning Post" berichtet, die konservativen Abgeordneten seien unbefriedigt von der am Montag von Chamberlain für die Regierung abgegebenen Unterhauserklärung über die englische Einstellung in der Frage der Mandatsgebiete. Das Blatt ist der Meinung, datz unter Umständen die Kolonial- frage zum Gegenstand einer Debatte gemacht werden würde.
Die „Daily Mail" schreibt, sie habe immer daraus hingewiesen, datz die Mandate nicht Großbritannien gehörten, sondern dem Völkerbund unterständen. Sie seien nichts als eine Quelle von Sorgen und Ausgaben gewesen und je früher sie von Großbritannien an Deutschland ausgehändigt würde», desto besser.
Meistgelesene Tageszeitung in Wiesbaden.
Mittwoch, 8. April 1936
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Addis Abeba meldet zahlreiche Giftgasopfer.
Addis Abeba, 8. April. (Letzte Funkmeldung.) Die abessinische Regierung gab am Mittwoch folgende Verlautbarung heraus: Rach Meldungen aus Koram überfliegen feit vier Tagen italienische Flugzeuge ohne Unterbrechung die ganze Nordfront und werfen flüssiges Giftgas«b. Die ZahlderOpfer — besonders unter der Zivilbevölkerung — ist seh r g roß.
Mexikanischer Vorstoß.
Gens, 8. April. (Letzte Funkmeldung.) Der mexikanische Vertreter beim Völkerbund hat an den Vorsitzenden bes 18er-Ausfchusses de Vasconcellos ein Schreiben gerichtet, worin er die Bedenken seiner Regierung gegen die gegenwärtige Behandlung des italienisch-abessinischen Konfliktes darlegt.
Die brüchige Sanktionsfront.
as. Berlin, 8. April. (Drahtbericht unserer Berliner i Abteilung.) In Genf haben heute vormittag die Be- k ratungen des Dreizehner-Ausschusses, d. h. des Völker- f bundsrates ohne Italien, begonnen. Morgen wird vermutlich die erste informelle Fühlungnahme zwischen den M. Rest-Loearno-Mächten folgen, vorausgesetzt, daß der belgische Ministerpräsident, der infolge der Kammer- f tagung noch nicht abkömmlich ist, rechtzeitig eintrifst. I Die offiziellen Besprechungen Englands, Frankreichs, k Belgiens und Italiens, an denen für England nicht | nur Eden, sondern auch der Lordsiegelbewahrer Lord i:' Hallifax teilnehmen wird, werden kaum vor Freitag b ihren Anfang nehmen. Die Gesamtlage ist außerordentlich verwirrt, ja, man kann wohl | ohne Übertreibung von einer allgemeinen Ratlosig - M keil sprechen. Wenn die Beratungen des Dreizehner- - Ausschusses die ersten sind, die im neuen Völkerbunds- 1 palast stattfinden, so dürfte das kaum eine fehr glückliche K: Einweihung des neuen Gebäudes bedeuten.
P In E n g l a n d hat sich, das zeigt ohne weiteres M ein Blick in die englische Presse und das zeigt auch die M letzte Unterhausdebatte, die Stimmung gegen r Italien verschärft. Ganz abgesehen davon, datz ein Machtzuwachs durch die siegreiche Beendigung des L abessinischen Feldzuges eine Niederlage der von Eng- M land vertretenen These, datz der „Angreifer" nicht be- |L’ lohnt werden darf, bedeutet^ fürchtet man diesen Macht- r zuwachs auch in der Praxis. Das gilt nicht nur hin- E sichtlich einer etwaigen Festsetzung Italiens am Tana- | See. Der „Daily Telegraph" glaubt Hinweisen zu U- müssen, datz Italien nach der Beendigung des ■t abessinischen Feldzuges seine Machtposiüonim | Mittelrneer sehr stark ausbauen wird, was einerBedrohungdes englischen See- j weges nach Indien gleichkäme. So ruft man k? in England nach neuen Sanktionen gegen Italien und £ das in einem Augenblick, in dem die Sanktionsfront W immer brüchiger wird. Der Wirtschaftsberichterstatter 8 des englischen Blattes „Star" weih beispielsweise zu - berichten, datz Italien dieser Tage, wenn auch sozusagen ' hintenherum, zwei Schiffsladungen australischen | Weizens getauft und weitere Bestellungen aufgegeben U habe, obwohl Australien als britischer Gliedstaat zur Durchführung der Sanktionen verpflichtet sei. Ecuador K ist bereits einen Schritt weiter gegangen und hat in Rom mitteilen lassen, datz es sich an den S a n 11 i o n e n nicht mehr beteilige. Diese Brüchigkeit der Sanktionssront wird genau so wenig wie die grossen Siege Badoglios Rom etwa nachgiebiger stimmen. Wie der Dreizehner-Ausschutz unter solchen Umständen weiter kommen soll, ist unerfindlich.
Frankreich hat nicht übel Lust, die Sanktionen gegen Italien aufzugeben, wenn es dafür die Unter- l • stützung Italiens in der „deutschen k* Sache" wie man in Frankreich zu sagen beliebt, erhalten könnte. Die französischen Blätter nehmen es mit der Logik wirklich nicht sehr genau, um den Pariser E Standpunkt zu verteidigen. Sie müssen zugeben, datz der italienische Feldzug in Abessinien allerdings gegen den Geist des von Frankreich jo geschätzten Völkerbundes verstösst, dass auch der Gaskrieg, mit dem sich der Drei- zehner-Ausschutz ebenfalls befassen soll, obwohl er nach italienischer Ausfassung hierfür nicht zuständig ist, bedauerlich sei. Aber, so sagt „Paris Soir" man dürfe das nicht allein vom fentimentalen Standpunkt aus betrachten. Der Krieg sei so gut wie abgeschlossen und nach dem Siege werde Italien mit verstärktem Ansehen in das t europäische Konzert zurückkehren. Im gleichen Atemzug I fordert die französische Presse, dass unbedingt etwas gegen die Rechtsverletzung geschehen müsse, die Deutschland Begangen haBe. „Man mutz endlich wissen, oB das internationale Recht respektiert wird oder oB man sich U Stith Mitschuldigen der Rechtsverletzung macht", so M schreibt der „Temps", wenn es sich um die „deutsche ‘ Sache" handelt.
Aber auch die Unterstützung Italiens hat für Frankreich seine Grenzen und das dürite Herr Titulescu, ; dir den Weg von Bukarest nach Genf wieder einmal Ml'::er Paris nahm —, er darf in Genf nicht fehlen, i ichrend sich Herr Litwinow diesmal durch feinen ■ 8arih>r Botschafter vertreten läßt — dem französischen | Aussenminister Flandin gestern klar gemacht haBen. B Titulescu hat nämlich die zweifellos von Italien gebilligte Einführung der Dienstpflicht U in Österreich zur Sprache gebracht und scheint ent- ; schlossen, dieses Thema auch in G e n f w e i t e r z u b e -
