Einzelbild herunterladen
 

fcliaihw (Ldülildtt

wöchentlich 7 Ausgaben

Ausgaben

mit einer täglichen

Unterhaltungsbeilage.

Berliner Büro: Berlin-Wilmersdorf.

Postscheckkonto: Frankfurt a. M. Nr. 7405.

84. Jahrgang

Positive Vorschläge.

in der Presse da-

o

SB

iS

Ungarn und das österreichische Beispiel.

Budapest, 3. April. Zur Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in Österreich bemerkt jetzt einheitlich die ungarische Presse, man erörtere in der internationalen Öffentlichkeit gegenwärtig die Frage, ob Ungarn dem Beispiel Österreichs folgen werde. Die un­garische Regierung stehe weiter auf dem in der Frage der militärischen Gleichberechtigung bisher einge­nommenen Standpunkt. Sie erblicke in der Anerkennung der völligen Gleichberechtigung Ungarns eine nationale Erundforderung. Jedoch könne hieraus nicht die Folge-

EeschSftszett: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends außer Sonn- und Feiertags.

rung gezogen werden, daß in dieser Frage demnächst irgendwelche konkreten Schritte unternommen würden.

Werktäglich nachmittags, Samstags oor- u. nachmitiags Fernsprecher-Sammel-Nr. 59631.

. , , , . . _ irhandlungs Periode

zwar nicht dem entsprechen, was die Rest-Locarnomächte erwartet -hätten, daß aber das von Hitler vovgelegte Pro­gramm in ernsthafte Erwägung gezogen werten müsse. Selbst die gewiß nicht deutschfreundlicheJndöpen- itonce Beige" stellt fest, man könne nicht behaupten, daß das deutsche Memorandum keine wesentlichen Gesichtspunkte ent­halte.

Blick in die Welt.

. Die große Politik steht völlig im

Friedensangebot Zeichen des großzügigen deutschen und Friedensangebots, des, wie die eng-

Rustungen. lische Preise sagt, größten Friedens­angebots, das Europa je gemacht wurde. Nur wer schlechten Willens ist, kann leugnen, daß hier die Grundlage ausgezeigt wurde, auf der ein wirklicher und dauerhafter Frieden aufgebaut werden kann. Wie sich die Dinge im einzelnen weiter ent­wickeln werden, bleibt zunächst abzuwarten. Es ist selbstverständlich, daß die Gegenseite die deutschen Vor­schläge einer gründlichen Prüsung unterzieht, und da in Frankreich ohnehin keine Neigung bestehen dürste, sich vor den Wahlen endgültig sestzulegen, so wird man nicht mit einer Entwicklung im D-Zug- Tempo rechnen können. Vorerst ist denn auch in der europäischen Presse von Rüstungen kaum weniger die Rede gewesen als von Friedensbemühungen. In der Schweiz sprich: man von einer Verstärkung der Wehrmacht, die 235 Millionen Franken er- sordern soll. In Schweden sind recht lebhafte Aus­einandersetzungen über die Rüstungsvorlage ent­standen, nachdem die Regierung an dem von einem Ausschuß in langer Arbeit ausgestellten Rllftungs- programm nicht unerhebliche Abstriche gemacht hat. Auch innerhalb der schwedischen Regierungsparteien hat man die Haltung des Kabinetts einer ziemlich scharfen Kritik unterzogen und die schwedische Presse mußte fest­stellen, daß selten ein Regierungsvorschlag eine so ge­schlossene und starke Opposition gesunden habe, wie die Verkürzung des ursprünglichen Rüstungsprogramms. In Öfterreich hat man sich entschlossen, nunmehr die allgemeine Dien ft pflicht einzuführen, und wenn es sich dabei auch formell nicht um die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht handelt, sondern um das Recht des Staates, seine Bürger vom erreichten 18. Lebensjahr bis zum vollendeten 42. Lebensjahr überhaupt zu irgendwelchen zeitlich begrenzten Dienst­leistungen heranzuziehen, und zwar sowohl mit als auch ohne Waffen, so kann doch kein Zweifel darüber be­stehen, daß die militärischen Bestimmungen des Ver­trages von St. Germain, die für Österreich ein Heer von höchstens 30 000 Mann vorschrieben, in der Praxis aufgehört haben zu bestehen. Hinsichtlich der Armie­rung waren sie übrigens schon seit geraumer Zeit durch­brochen, da Österreich bereits über ein schweres Artillerie-Regiment mit 4 Batterien, die mit 15-Zenti- meter-Haubitzen ausgerüstet sind, versügt, während nach dem Vertrag von St. Germain die erlaubte Höchst­kaliberstürke 10 Zentimeter betrug. Schließlich seien auch die tschechoslowakischen Bemühungen um die Schaffung eines neuen Staats­verteidigungsgesetzes in diesem Rahmen er­wähnt, ein Gesetz, das der Militärverwaltung unum­schränkte Vollmachten aus saft allen Gebieten des öffentlichen und privaten Lebens einrüumt, ein Gesetz, das aber auch ganz offensichtlich der Bekämpfung des Sudetendeutschtums dienen soll.

Bündnis zwischen Irak und Saudi-Arabien.

Beitritt für weitere mohammedanische Länder offen.

London, 4. April. In Bagdad ist am Donnerstag, wie in London verlautet, zwischen dem Irak und dem König­reich Saudi-Arabien ein Bündnisvertrag unterzeichnet worden. Der Vertrag steht den anderen mohammedanischen

Man gewinnen zu können. An der Ausarbeitung dieses Planes werden die Sowjetrussen offenbar eben­so beteiligt wie die Kleine Entente. Weiterhin geht das Bestreben der Franzosen dahin, ihre Pläne wie auch das Friedensangebot Hitlers im Völkerbund erörtern zu lassen. Das Argument, daß der deutsche Plan ja nicht nur die Locarnomächte betreffe, sondern den Rahmen weiter ziehe und daß deshalb die Aussprache darüber auch nicht im Rahmen der Locarnomächte erfolgen könne, sondern in einem größeren Rahmen, eben' in dem des Völkerbundes vorgenommen werden müsse, läßt die französische Absicht klar erkennen. Im Völkerbund hoffen die Franzosen auf die Unterstützung Sowjetrußlands, der Kleinen Entente und der sonstigen ihnen ergebenen Staaten. Zum anderen aber würde Paris dann auch den Engländern die Verhandlungs­führung aus der Hand nehmen können. Auch das er­scheint den Franzosen recht wünschenswert, denn wenn auch Eden ihre Forderungen nach Abhaltung der Eeneralstabsbesprechungen erfüllt hat, so ist man damit, wie überhaupt mit der gestrigen Unterhausrede Edens in Paris doch nicht voll zufrieden, da Eden sich andererseits bemüht hat, die Bedeutung dieser Be­sprechungen möglichst klein zu halten. Unsere Bedenken gegen die Eeneralstabsbesprechungen werden dadurch im übrigen nicht berührt. Wir sind nach wie vor der An­sicht, daß man sich mit diesen Besprechungen auf einen sehr gefährlichen Weg begibt. Herr Eden wird auch jetzt schon erkennen können, daß die französischen Forderungen umso größer werden, je weiter er den französischen Wünschen entgegenkommt. Inwieweit London auf die neue französische Idee, die ja schließlich daraus hinausläuft, die Engländer mart zu setzen und Verhandlungen auf der Grundlage des deutschen Friedensplanes zu verhindern, eingehen wird und wieweit es seiner Mittlertätigkeit treu bleibt, das bleibt abzuwarten.

'bk3?"%of)! 22 Millimeter breiten Spalte im Anzeigenteil ®runb.

GtaIÄt r ^»neter breiten Spalte tmi Sextteil 45 Rpf., fonft laut Preisliste Nr. 4, rnirb ieme b Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen unb Plätzen

toräüere ~ der Anzeigen.Annahme 10 Uhr vormittags,

(»rohere Anzeigen muffen spätestens einen Tag vor dem Erfcheinungstage aufgegeben werben.

Während die europäische Politik den Rom Kabinetten genug zu schaffen macht, setzen die feiert Italiener ihren Vormarsch in Abes- Siege. s i n i e n fort. Von den Friedensbemühungen des Völkerbundes spricht unter solchen Um­ständen kaum noch jemand, die Italiener verkünden triumphierend, daß der Völkerbund auf dem Trockenen sitze denn die Aussichten, einen Frieden nach dem Genfer Grundsatz, daß derAngriff" sich nicht bezahlt machen dürfe, zustandezubringen, wer­den mit jedem neuen italienischen Sieg immer geringer. Kein Wunder, wenn in Rom die patriotische Begeiste­rung einen neuen Höhepunkt erreicht, wenn die Massen Mussolini huldigen und die Blätter feststellen, daß der Grundsatz des FaschismusMussolini hat immer Recht" sich wiederum bewahrheitet habe. In England verfolgt man diese Entwicklung mit Un­behagen, das noch sehr wesentlich dadurch verstärkt wird, daß die Italiener die Stadt E o n d a r besetzt haben. Wenn auch Eondar heute nur noch einige Tausend Einwohner zählt, so ist es doch wegen seiner Lage als wichtiger Handelsplatz und vor allem als Schlüssel zum Tana-See-Gebiet von größter Wichtigkeit. Auf die starken englischen Interessen im Tana-See-Gebiet ist früher wiederholt verwiesen wor­den. Wer dieses Gebiet beherrscht, beherrscht auch die Wasserzufuhr nach dem Sudan und nach Ägypten und rührt damit an den Lebensnerv des britischen Welt­reiches. Mussolini hat zu Beginn des abessinischen Feldzuges erklärt, daß die englischen Interessen im Ge­biet des Tana-Sees von den Italienern nicht berührt werden würden. Die Eroberung von Eondar durch italienische Truppen schiebt dieses P.robJejn_rDje,bei fn den'V.oxd.ergrun.d.'Es

Brüssel» 3. April. Aus der Morgenpvesse gewinnt man am Freitag den Eindruck, daß die öffentliche Mei­nung in Belgien nach einer anfänglichen Zurückhal­tung nunmehr in zunehmendem Maße Verstand- n is für die Bedeutung der Friedensvorschläge des Führers zeigt. Von wenigen chauvinistischen Stimmen abgesehen, geht die allgemeine Äusfassugn ' ~ '

hin, daß die Vorschläge für die sogen. Ve

England läßt sich Zeit.

Berlin, 4. April. (Drahtbericht unserer Berliner Abterlung.) Paris hat gestern die schon angekündigte Besprechung Fl and ins und der leitenden Manner des Auswärtigen Amtes mit den Botschaftern aus Berlin, London, Brüssel und Rom statt- S5v.ulti?en- -®?nn auch erst der für Montag vorgesehene Mnttsterrat die endgültige Stellungnahme der franzö­sischen Regierung bringen wird, läßt sich doch heute schon sagen, daß die nächsten Ziele der französischen Re­gierung sind: 1. die beschleunigte Einberufung einer Konferenz der Rest-Locarnomächte, auf der Flandin und Paul-Boncour die französische Auffassung vertreten sollen und 2. die Ausarbeitung eines französischen Gegenvorschlages, der sich auf der kollektiven «l ch e r h e i t und auf dem V ö l k e r b u n d aufbauen soll. Ob der Wunsch nach der baldigen Abhaltung einer Konferenz in Frankreich nennt man als Termin hierfür nach wie vor den kommenden Mittwoch er- küllt werden wird, erscheint zweifelhaft. Die Engländer zeigen in dieser Hinsicht sehr viel weniger Eile als in der Zusage zu den Eeneralstabsbesprechungen. London wünscht vielmehr genügend Zeit zu haben, um den deutschen ^riedensplan gründlich prüfen zu können und zwarkühl und nicht mehr unter dem Druck der Er­eignisse". Gerade das wünschen offenbar die Franzosen zu verhindern, wie sie darüber hinaus bestrebt sind, den starken Eindruck, den der große Friedensplan Hitlers überall, auch in einem beträchtlichen Teil der französi­schen Öffentlichkeit, gemacht hat, zu verwischen. Deshalb soll demdeutschen Frieden" einfranzösischer Friedensplan" gegenüber gestellt werden, der, das Eann man wohl heute schon sagen, wieder den alten französischen Kehrreim bringen wird: Kein Unterschied zwischen Osten und Westen, alle Grenzen müssen in ge­meinsamer Weise gesichert werden. Durch den Hinweis auf den Völkerbund hofft man England für diesen

Das Blatt kritisiert dann den juristischen und histo­rischen Teil des deutschen Memorandums, mit dem es nicht in allen Punkten einverstanden ist. Zu dem Friedensplan selbst weist -das Blatt erneut darauf hin, daß er beachtens­werte Element« sowie,neue und kühne Ideen ent­halte. Es hobt als besonders wichtig den Vorschlag hervor, von vornherein genau begrenzte Verhandlungen über die Beschränkung oder Verminderung der Rüstungen vorzu­nehmen, und stellt diesen Vorschlag in Gegensatz zu den trau­rigen Erfahrungen der viel zu weitschweifig aufgezogenen Genfer Abrüstungskonferenz. Auch die Vorschläge 'des Füh­rers für eine moralische Abrüstung werden freund­lich gewürdigt.

Der flämisch-katholischeStandard" schreibt, Belgien könne Frankreich nicht folgen, wenn dieses Land eine unnachgiebige Haltung einnehme. Der bis­herige Zustand sei unhaltbar geworden. Versailles, Locarno und Kellogg-Patt hätten nicht verhindert, daß sich über Europa ein Netz von Militärbündnissen ausgebreitet habe, und zwar meistens auf Initiative Frankreichs. Deutschland biete jetzt einen Friedensplan an. Hitlers Vorschläge seien in manchen Punkten zwar undeutlich, namentlich diejenigen, die sich auf die Verhandlungsperiode bezögen. Es sei aber nicht z u l e u g n « n , daß das deutsche Memorandum posi­tive Vorschläge enthalte. Belgien müsse in den kom­menden Wochen -feine ihm als kleinerem Land vorgezeichnete Vermittlerrolle spielen. Belgien habe kein Interesse daran, Dsulschland den Rücken zu kehren. Vielleicht sei jetzt die letzte Gelegenheit gegeben, um den Frieden auf- zubauen. Niemand dürfe die Veranwortung auf sich nehmen, diese Gelegenheit ungenutzt vorübergehen zu lassen.

Bezugspreise: Für eine Bezugszeit von 2 Wochen 94 Rpf.. für einen Monat RM 2 em. »wmmlSi ®urS ble Post bezogen RM. 2.35, zuzüglich 42 Rpf. Bestellgeld', Einzel.

-Trsi?.1r\'X,k10nSiPm u" ,Bezugsbestellungen nehmen an: der Verlag, bie Ausgabestellen Oie SMieher tonrn6m6?- o~f ',n $äPcn höherer Gewalt ober Betriebsstörungen haben bie Segtebcr lernen Anspruch auf Lieferung des Blattes ober auf Rückzahlung des Bezugspreise-

Bemerkenswert umsichtig ist die ebensowenig deutsch­freundlicheEtoile Belge", die iter Meinung ist, daß das deutsche Memorandum nicht ohne weiteres und im ganzen abgelechnt werden könne.

,Mnatiöme Siecke" erklärt, man befinde sich an einem großen Wendepunkt der politischen Entwick­lung in Europa. Zum ersten Mal« werde jetzt der Plan einer europäischen Friedensorganisation vörgelegt, die nicht mehr auf den Versailler Vertrag abgestellt sei.

DieLibre Delgigue" schreibt, das deutsche Memoran­dum bilde zweifellos eine Verhandlungsgrundlage. Heute fei eine vernünftige und dauerhafte Organisie­rung des europäischen Fried«ns nur noch auf der Grundlage gleichen Rechtes möglich.

Paris arbeitet an ßcgtinwridiiägtii.

Sie Botschafter-Konferenz im französischen Auswärtigen Amt. - Die Ziele der Pariser Politik Der Völkerbund soll ausgeschaltet werden.

WWMes Wnünis W im WM WWMWg

in der belgischen Presse,

Meistgelesene Tageszeitung in Wiesbaden.

Samstag, 4. April 1936,

Drahtanschrift: Tagblatt Wiesbaden.

Nr. 94.

Ut 1

2 «