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Schellenberg sche Hofbnchdruckerei, „Tagblatt-Haus". Wöchentlich 7 Ausgaben » ...... . Erscheinung-,eit:
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Nr. 90
Dienstag, 31. Marz 1936
84. Jahrgang
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Volksvertrauen zum Friedenswerk.
Die nächsten außenpolitischen Aufgaben.
Noch steht die Welt staunend vor dem neuen deutschen Wunder, der nahezu einmütigen Zustimmung eines großen 68-Millionen-Volkes zu der Politik seines Führers, — und schon ist die deutsche Regierung, und besonders der Führer, am Werke, das. wuchtige Wahlergebnis zum Werkinstrument für de»Frieden auszugestalten. So richtig es ist, daß in erster Linie sich 99 Prozent aller Deutschen zu einer Politik der Freiheit, Ehre und Gleichberechtigung bekannt haben, so unbestreitbar ist es weiterhin, daß der Führer und seine Mitarbeiter keine Wahlrede gehallen haben, wo nicht in dem gleichen heißen Atem neben der Freiheit, der Ehre und der Gleichberechtigung auch der Frieden und der Wille zu ihm betont wurde. Und wenn Adolf Hitler in seinen großlinigen, einfachen Formulierungen von unserer Friedenspolitik sprach, so knüpfte er noch immer die Einladung an die andere Seite, doch diese einzige Gelegenheit nicht zu verabsäumen, der Welt den Frieden zu geben. Darum ist es unbestreitbar, daß das überwältigende Wahlergebnis nicht nur eine Billigung der Politik des Führers, sondern auch ein einzigartiges Volksvertrauen zum Friedenswerk ausdrückt.
Es wäre gut, wenn sich die Staatsmänner des Auslandes diesen Charakter des deutschen Wahlergebnisses recht verdeutlichten. Der Führer hat so deutlich gesprochen, daß ihn in Deutschland auch der schlichteste Wähler und das letzte Großmütterchen verstanden hat. Nur Herr F l a n d i n hat ihn nicht verstanden. Wir sind nicht unhöflich genug, annehmen zu wollen, daß der französische Außenminister den deutschen Führer und Reichskanzler absichtlich nicht verstehen möchte. Und trotzdem wird diese Annahme uns durch die neueste Rede, die Herr Flandin in seinem Wahlkreise gehalten hat und die durch den französischen Rundfunk verbreitet wurde, nicht leicht gemacht. Herr Flandin hat vermißt, daß der Führer und Reichskanzler durch seine Kommentare das Unbestimmte in seinen anfänglichen Vor- schlügen nicht verbessert hat. Da muß man nun doch jagen, daß diese Vorschläge so kristallklar und zweifelsfrei waren, daß man ihnen kaum noch etwas hinzuzufügen brauchte. Wenn aber Herr Flandin in einzelnen Punkten eine nähere Erläuterung gewünscht haben würde, so hätte er es höchstwahrscheinlich nur zu sagen gebraucht. Aber er hütet sich auch in jeiner neuesten Rede irgendwie ins einzelne zu gehen und begnügt sich mit dieser summarischen Kritik. Auch die so natürliche und jedem Deutschen ins Blut übergegangene Frage der Gleichberechtigung vermag Herr Flandin nicht zu begreifen. Er begreift nur den Geist von Versailles, dem er gleicbt. Jener Geist, der den Klassenkampfgedanken auf die Völker übertrug, und Ausbeuter und Ausgebeutete, Bevorrechtigte und Unterdrückte schuf. Gleichberechtigung ist die einfachste Sache der Welt. Man braucht bei allen Dingen nur immer davon auszugehen, daß kein Land in keiner Frage anderen Rechtes, und vor allem nicht minderen Rechtes sein darf, als das eigene Land. Wenn sich der französische Außenminister zu diesem natürlichen und einfachen Grundsatz aufschwingen wollte, so brauchte er sich nicht so lange bei der Vorrede aufzuhallen. Dann würde sich ihm auch von selber die Frage beantworten, was der Führer und Reichskanzler unter den Lebensrechten und der Gleichberechtigung des deutschen Volkes meint. Aber man kann dem französischen Außenminister zugute halten, daß er in einer Wählerverjammlung sprach und offenbar glaubte, gewisse Konzessionen an jene Wähler machen zu müssen, die das Rad der geschichtlichen Entwicklung erst einnral zurückdrehen möchten, ehe sie über die praktischen Wege zum Frieden nachdenken. Das ist ein Musterbeispiel juristischer Hartnäckigkeit, mit dem
Die Generalstabs-Besprechungen.
Noch kein Termin festgelegt. - England hofft später auch Deutschland zu beteiligen. Vor der deutschen Antwort.
Erklärungen Baldwins.
f. »s. Berlin, 31. März. (Drahtbericht unserer Ber- lrner Abteilung.) Mit Spannung sieht man in London und m Paris der für heute vom Führer angekündigten deutschen Antwort aus das Memorandum der Locarnomachte entgegen. Französische Blätter glauben, dazu ankundigen zu können, daß dieje deutsche Antwort rn der Form einer Denkschrift dem englischen Botschafter in Berlin über- r e l ch t werden wird. Es ist nicht anzunehmen, daß die Gegenseite sich mit ihrer Antwort auf die deutsche Stellungnahme sehr beeilen wird, wenigstens besteht die Tendenz, zunächst die französischen Kammerwahl e n a b z u w a r t e n, die für den 26. April bzw. 3. Mai (Stichwahlen) anberaumt sind. Die englische Regierung ist offensichtlich bemüht, Herrn S a r r a u t und Herrn Flandin den Wahlkamps zu erleichtern, indem sie daran festhält, daß die Generalstabsbesprechungen, die das Hauptstück des französischen Wahlfeldzuges darstellen, bald stattfinden sollen. Die Mitglieder des englischen Kabinetts, es war keine offizielle Kabinettssitzung, haben sich gestern mit diesem Thema beschäftigt. Sie haben aber noch keinen Termin für den Beginn der General st absver- handlungen fe st gelegt, sondern das der üblichen Mittwochsitzung des Kabinetts überlassen. Damit sind aber die Franzosen nicht ganz zufrieden, vielmehr betrachtet man in Paris dieses «Zögern der Londoner Regierung als eine Folge des überwältigenden Wahlsiegs des Führers. Offenbar ist den Engländern bei dem Gedanken an die Eeneralstabsbesprechungen nicht ganz wohl. So betonen sie jetzt, daß Deutsch- land in diese Eeneralstabsbesprechungen ein bezog en werden würde, wenn es gelänge, auf Grund der für heute erwarteten deutschen Antwort, die sogenannte Zwischenzeit zu überbrücken und Frankreich an den Verhandlungstisch zu bringen. Aus dieser Formulierung geht hervor, daß zunächst einmal
Verteidigung der französischen Währung.
Fittattzminister Regnier gegen Abwertung.
Paris, 30. März. Bei einem Empfang französischer Pressevertreter erklärte Finanzminister Regnier am Montag vor Börsenbeginn, zum dritten Male seit Mat 1935 habe die Bank von Frankreich Maßnahmen zur Verteidigung der Währung ergreifen müssen. Diese Krise habe den gleichen Ursprung wie die vorausgegangenen. Es sei ein beharrlich vorbereiteter Feldzug mit falschen Nachrichten und heimtückischen Angriffen im Gange, der die krankhafte Erregtheit der öffentlichen Meinung steigern wolle. Er könne sich nur wundern über die Leichtgläubigkeit gewisser Kreise, die auf Machenschaften eingingen, die ihren eigenen Belangen und den Belangen des Landes so schädlich feien. Deshalb trete er aus feiner Zurückhaltung heraus. Was man hinsichtlich einer deinnächstigen Abwertung, des Erlasses eines Eoldausfuhr- verbotes am Karfreitag, erstaunlicher Pläne für den finanziellen Wiederaufbau und einer Zwangskonvertierung der Renten behauptet habe, fei erfunden und erlogen. Der Finanzminister wiederholte dann, daß er ein Gegner der Abwertung sei und bleibe.
Finanzminifter Regnier führte dann eine Reihe Gründe an, die dem Finanzmarkt Vertrauen einflötzen müßten (Haushaltungsausgleich, hoher Goldbestand, einwandfreie Schatzamtslage, Wirtschaftsbelebung) und schloß, er habe das Recht, seine Landsleute, die glücklicherweise in ihrer großen Mehrheit Kaltblütigkeit bewahrt hätten, aufzufordern, sich nicht durch i>en Miesmacher feldzug gewißer Kreise beunruhigen zu lassen, gegen die die Regierung einschreiten werde. ____
englisch-französische Generalstabsbesprechungen unabhängig von dem Inhalt der deutschen Mitteilung stattfinden sollen. Andererseits will sich London aber auch nicht in diesen Besprechungen binden. Mindestens ist die englische Regierung bemüht, nicht die Auffassung aufkommen zu lassen, daß durch diese Eeneralstabsbesprechungen größere politische Verpflichtungen für England entstehen könnten. So hat Baldwin gestern im Unterhaus auf die Anfrage eines oppositionellen Abgeordneten hin — die Opposition ist in dieser Frage sehr hellhörig und sehr skeptisch — ausdrücklich die Beteiligung eines Kabinettsmitgliedes an diesen Besprechungen abgelehnt, und zwar mit der Begründung, daß die Besprechungen damit eine Bedeutung erhalten würden, die ihnen nicht zukommt. Weiter hat der englische Ministerpräsident die schon einmal im Unterhaus abgegebene Erklärung bestätigt, daß dieje technischen Eeneralstabsbesprechungen keine endgültige Verpflichtung mit sich bringen würden, so lange jie nicht vom Kabinett geprüft seien. Auch diese Mitteilungen Baldwins verstärken den Eindruck, daß es der englischen Regierung zunächst einmal darauf ankommt, Zeit zu gewinnen, und die Periode bis zu den französischen Wahlen zu überbrücken, wobei man durchaus bereit ist, der französischen Regierung indirekte Wahlhilfe zu leisten. Die Italiener, die offenbar beabsichtigen, sich an der geplanten Konferenz der restlichen Locarnomächte in Brüssel zu beteiligen, scheinen keinerlei Neigung zu haben, an den General- stabsbesprechungen teilzunehmen, so daß diese auf England und Frankreich beschränkt bleiben würden.
Im übrigen hat das V o m b a r d e m e n t von Harra r durch italienische Flugzeuge die englische öffentliche Meinung von neuem daran erinnert, daß auch der abessinische Konflikt noch immer besteht und daß hier noch große Schwierigkeiten zu überwinden sind.
ersten Abschnitt dar. Das Fünfjahresprogramm sieht den Bau von 25 neuen Kreuzern und einer großen Zahl von Eroßkampfschiffen, Zerstörern, Schaluppen und U-Booten vor.
Russenpakt und kommunistische Gefahr im Fernen Osten.
Zunehmende Propaganda in Ostasien.
Schanghai, 31. März. (Ostasiendienst des DNB.) Mit wachsender Sorge werden in japanischen Kreisen die beunruhigenden Rückwirkungen des französisch-sowjetrussischen Paktes auf die Lage im Fernen Osten verfolgt. Japanischen Nachrichten zufolge, hat die kommunistische Propaganda in Ostasien und vor allem in Schanghai seit dem Abschluß dieses Paktes einen geradezu aufsehenerregenden Umfang angenommen. Den Nachrichten zufolge, soll in der französischen Niederlasiung in Schanghai die Zentrale der kommunistischen Aktivisten ihren Sitz haben.
Man weist darauf hin, daß rote chinesische Elemente im Einvernehmen mit Sowjetagenten mehrere blutige Streiks und andere Kundgehungen angezettelt hätten. So sollen die Unruhen, die sich kürzlich im Universitätsviertel ereigneten, wobei von feiten der Studenten ein Polizeihauptmann erschossen und zwei Polizisten verwundet wurden, auf kommunistische Machenschaften zurültzuführen fein.
175000 Tonnen in Auftrag gegeben.
Gewaltiges Bauprogramm der englischen Flotte für 1936.
London, 31. März. Die englische Regierung ^wird nach einer Meldung Des „Daily Telegraph" bis zum Jahresende folgende Kriegsschiffe in Auftrag geben: 2 Großkampf- jchiffe, 5 Kreuzer, einen Flugzeugträger, mindestens 12 Zerstörer und eine noch unbekannte Anzahl vonll-Vooten und Schaluppen. Diese gewaltigen Aufträge ergeben das größte, Flottenbauprogramm, das England feit dem Weltkriege aufgestellt hat. Drei weitere Kreuzer werden voraussichtlich im Sommer 1937 in Auftrag gegeben werden. Die genaunten^Schiffe umfassen eine Gesämttonnage von 1 75 000 Tonnen. Die Kosten belaufen sich auf rund 35 Millionen Psu»d.
3m Rahmen des neuen Geiamtprogramms der englischen Flotte stellen die genannten Aufträge jedoch nur den
„Die Friedensverträge sind wurmstichig."
Eine Mahnung des Senators Caillaur.
Paris, 31. März. (Eig. Drahtmeldung.) In der radikal- sozialistischen „Republtgue" beschäftigt sich der ehemalige französische Ministerpräsident und Vorsitzende des Finanzausschusses des Senats, Josef C a i I l a u x, mit Zukunftsfragen. Er macht sich dabei die Auffassungen des englischen Außenministers Eden zu eigen, wonach Frankreich die noch ungelöste deutsch-französische Frage mit Unvoreingenommenheit und ohne Engherzigkeit in Angriff nehmen müsse. Eaillaux macht das wirtschaftliche Elend in erster Linie für alle Streitigkeiten verantwortlich und fordert deshalb zu einer wirtschaftlichen und finanziellen Zusammenarbeit der europäischen Völker auf. Frankreich müße unbedingt zur Her
stellung einer solchen Solidarität gelegentlich der Verhandlungen beitragen, die zweifellos nach der Beseitigung der augenblicklichen politischen Schwierigkeiten aufgenommen werden müßten. Es sei selbstverständlich, daß die aus solchen Verhandlungen hervorgehenden Abkommen nur zwischen vollkommenen gleichberechtigten Völkern abgeschlossen werden könnten. Ein offener Geist und ein weiter Blick seien dazu notwendig. Vor allen Dingen aber müßten diejenigen, die Frankreich regierten, sich darüber klar werden, daß die Friedensverträge wurm ft ich i g seien : sie seien zum größten Teil zusammengebrochen und die Mauern dieses Gebäudes von Versailles seien aus Frankreich gestürzt, weil es hartnäckig darauf beftaiv den habe, sich ängstlich hinter einem Bau zu schützen, besser notgedrungenen Zusammenbruch es nicht wahr haben wollte
